Nachrichten

9. Nationales Forum zur biologischen Vielfalt – Aktionsprogramm Insektenschutz


11.10.2018
Das 'Nationale Forum zur biologischen Vielfalt' ist ein Dialogforum, zu dem jährlich bundesweit viele verschiedene Akteure/innen eingeladen werden, um sich über wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen bei der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt auszutauschen. Das 9. Nationale Forum fand am 10. Oktober 2018 in Berlin statt und stand unter dem Motto "Aktionsprogramm Insektenschutz – Gemeinsam wirksam gegen das Insektensterben".
Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellte in Ihrer Eröffnungsrede die wichtigsten Eckpunkte des „Aktionsprogramms Insektenschutz“ vor. Bereits im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD für die 19. Legislaturperiode der Bundesregierung vom März 2018 wurde ein "Aktionsprogramm Insektenschutz" angekündigt und im Juni 2018 Eckpunkte dafür vom Bundeskabinett beschlossen. Dieses Aktionsprogramm wird nun öffentlich diskutiert, sowohl auf dem Forum in einer Podiumsdiskussion und in 10 Arbeitskreisen, welche den neun Handlungsfeldern des Aktionsprogramms entsprechen sowie zusätzlich ein Jugendforum. Die Ergebnisse dieser Arbeitskreise wurden in einer Abschlussdiskussion vorgestellt.
Vom 10. Oktober bis 7. November 2018 können sich zudem alle Bürgerinnen und Bürger am Online-Dialog zum Aktionsprogramm beteiligen.
Auf dem Forum wurden auch die Jahressieger der UN-Dekade Biologische Vielfalt verliehen. Jahressieger 2018 des Projektwettbewerbs wurde „Pferde fördern Vielfalt“ mit dem „Biodiversity Quick Check“ und dem Katalog beispielhafter Maßnahmen der Deutsche Reiterlichen Vereinigung e.V. - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht. Der Sonderpreis „Soziale Natur“ ging an das Projekt A.L.M. Alpen Leben Menschen, einer Initiative des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Alpenvereins. Ziele der von der DBU geförderten Initiative sind das Kennenlernen der Heimat, Interkulturelle Kompetenz zu erlangen, Natur- und Umweltbewusstsein zu schaffen und die Integrationsarbeit zu verstetigen. (mn)

Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums vom 10.10.2018



Die Wildbienen Deutschlands


28.09.2018
Paul Westrich 2018: Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart. 824 S.

Einige Jahre schon sind die Bienen Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Mit dem Colony Collapse Disorder war zunächst nur die Westeuropäische Honigbiene (Apis mellifera) und deren erhöhte Mortalitätsraten in Nordamerika gemeint, aber bald schon wurde das Phänomen auch aus Europa bekannt und vor allem, dass es den vielen Wildbienenarten ebenfalls nicht so gut geht. Von den in Deutschland einheimischen Arten sind 39 bereits ausgestorben, weitere 31 sind vom Aussterben bedroht und insgesamt stehen 293 (54%) Arten auf der Roten Liste (Westrich et al. 2012).
Alle reden über Wildbienen, aber nur wenige kennen sie wirklich! Die Anzahl der Spezialisten, die in der Lage sind, die 565 einheimischen Arten zuverlässig zu bestimmen, ist sehr überschaubar. Viele dieser Arten sind tatsächlich nicht einfach zu bestimmen, da die dafür benötigten Merkmale winzig klein sind und die Anschaffung eines Stereomikroskopes erfordern. Zu dieser Hürde kommt eine weitere hinzu: Auf dem Büchermarkt fehlt ein Bestimmungsbuch, mit dessen Hilfe alle einheimischen Arten bestimmt werden können.
Eine weitere große Lücke wurde nun aber dennoch geschlossen: die Darstellung der Lebensweise und Ökologie aller einheimischen Arten! In seinem neuen Buch hat Paul Westrich dafür das Wissen aus etwa 3.000 Fachpublikationen zusammengetragen und gibt uns einen Überblick über Verbreitung, Brutverhalten, Nahrungsgewohnheiten, Flugzeiten und Lebensräume einer jeden Art. Illustriert ist das Buch mit etwa 1.700 hervorragenden Farbfotos, die überwiegend vom Autor selbst stammen. Sie verschaffen uns einen Eindruck vom Aussehen der Arten und geben uns Einblick in ihren natürlichen Lebensraum.
Mit seinem Buch gibt uns Paul Westrich auch einen Einblick in unterschiedliche Auffassungen der Wissenschaftler und zeigt Kenntnislücken auf. Eine solche Situation erfordert es manchmal, sich auf ein Konzept von mehreren zu berufen, um einen übersichtlichen und verständlichen Stil zu wahren. Dabei ist in einzelnen Fällen der Mut zur Lücke wichtig, dort, wo sich offene Fragen in den Tiefen wissenschaftlicher Publikationen verlieren. Die Spezialisten mögen es dem Autor nachsehen, der interessierte Naturfreund wird dieses Buch ohnehin als eine Quelle schier umfassender Information immer wieder gern zur Hand nehmen und stauen, welche Vielfalt an Lebensgewohnheiten unsere einheimischen Wildbienen hervorgebracht haben.
Wer in Zukunft in Deutschland über Wildbienen mitreden will, wird an diesem Buch nur schwerlich vorbeikommen! (mn)


Zitierte Literatur
  • Westrich, P., U. Frommer, K. Manderey, H. Riemann, H. Ruhnke, C. Saure & J. Voith 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. S. 373–416. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.




Büchermarkt in diesem Sommer


04.09.2018
Die Kleinschmetterlinge der Oberlausitz
Nachdem in den ersten vier Teilen der „Schmetterlingsfauna der Oberlausitz“ die Großschmetterlinge bearbeitet wurden, liegt nun der erste von zwei Teilbänden für die Kleinschmetterlinge vor. Im vorliegenden Band werden 761 Arten behandelt, von denen 746 in der Oberlausitz vorkommen oder vorkamen. Im 2019 erscheinenden zweiten Band werden die restlichen der mehr als 1500 Arten behandelt. Für die Oberlausitz erscheint damit die vierte zusammenfassende Fauna der Kleinschmetterlinge nach Möschler (1861), Sommer (1895–1898) und Schütze (1899–1902). Für jede Art werden die historischen Angaben zitiert und die Belege in den Museen dokumentiert. Aktuelle Nachweise ab 1950 werden nach Landschaftsräumen gegliedert aufgeführt. Damit ergeben sich interessante Vergleiche zur Bestandsentwicklung der einzelnen Arten. Angaben zur Lebensweise, Larvennahrungspflanzen u.w.m. werden in der Rubrik Bemerkungen ergänzt. Die Falter aller Arten sind farbig abgebildet, meist mit Fotos lebender Tiere. Bei den Nepticulidae werden überwiegend die typischen Blattminen abgebildet. Preis: 60 €, zuzüglich Versandkosten. Das Buch kann im multibase-shop bestellt werden. 
  • Sobczyk, T., D. Stöckel, F. Graf, H. Jornitz, T. Karisch & S. Wauer 2018: Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz.Teil 5: Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) 1. Teil: Micropterigidae (Urmotten), Eriocraniidae (Trugmotten), Nepticulidae (Zwergminiermotten), Opostegidae, Heliozelidae (Erzglanzmotten), Adelidae (Langhornmotten), Prodoxidae (Rosen-Blattsackmotten), Incurvariidae (Miniersackmotten),Tischeriidae (Schopfstirnmotten), Meessiidae und Tineidae (Echte Motten), Roeslerstammiidae, Douglasiidae (Wippflügelfalter), Bucculatricidae (Zwergwickler), Gracillariidae (Blatttütenmotten, Miniermotten und Faltenminierer), Batrachedridae, Momphidae (Fransenmotten), Blastobasidae, Autostichidae, Amphisbatidae, Cosmopterigidae (Prachtfalter), Gelechiidae (Palpenmotten), Alucitidae (Federgeistchen), Pterophoridae (Federmotten), Pyralidae und Crambidae (Zünsler). – Beiträge zur Insektenfauna Sachsens 20. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 22: 439 Seiten, 2 Karten. ISSN 0232-5535.

Rote Liste und Artenliste Sachsens – Eulenfalter
Eulenfalter sind in Deutschland die artenreichste Gruppe der Großschmetterlinge. Die meisten Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv, einige aber auch tagaktiv. Eine Rote Liste für diese Arten erschien in Sachsen zuletzt 1995. Mit der neuen Roten Liste gelten 392 Arten in Sachsen als etabliert. Davon sind 151 Arten (38,5%) ausgestorben oder gefährdet. Viele Bewohner trockener Offenlandbiotope, der Moore und des Feuchtgrünlandes sind bereits ausgestorben. Viele weitere Arten dieser Lebensräume sind vom Aussterben bedroht oder hochgradig gefährdet. Hinzu kommen hochgradig gefährdete Eulenfalterarten verschiedener Feuchtlebensräume an Gewässern. Wesentliche Gefährdungsfaktoren sind die allgemeine Eutrophierung der Standorte, die Nutzungsaufgabe oder der Verlust extensiv genutzter Standorte sowie Veränderungen im Wasserhaushalt von Feuchtlebensräumen. Auch der Einsatz von Insektiziden kann sich direkt auf Raupen und Falter auswirken. Die Rote Liste Eulenfalter steht als PDF-Datei frei zur Verfügung.
  • Fischer, U. 2018: Rote Liste und Artenliste Sachsens - Eulenfalter. – Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. 70 S.





Das war das Sommertreffen 2018


10.08.2018
Nachdem im letzten Jahr das Vogtland entomologisch untersucht wurde, führte uns das diesjährige Sommertreffen ins Erzgebirge. Über 30 Insektenfreunde, die zum Teil ihre Familien mitgebracht hatten, verbrachten eine schöne Zeit in Schellerhau bei Altenberg. Auch Benni, unser vierbeiniges Maskottchen war wieder mit dabei.
Am Freitag, den 29.06. 2018 leuchteten wir an den Weißeritzwiesen und am Landheim Mayenhof, wo wir untergebracht waren. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Eva-Maria Bäßler für die Organisation dieser schönen Unterkunft. Schon vor dem Lichtfang die erste Sensation, am Rand der Wiese hatte sich ein Großer Schillerfalter (Apatura iris) zum Schlafen niedergesetzt. Da es schon etwas kühl war, ließ sich das Tier bereitwillig von allen Seiten fotografieren, mit geschlossenen und offenen Flügeln, von unten und von oben. Rund um die Weißeritzwiesen wurden 3 Lichtsäulen aufgestellt, die von Nachtfaltern, Käfern und sogar Heuschrecken gut besucht wurden. Die blauen Säulen in der Landschaft ließen bei den Anwohnern viel Raum für Spekulationen, was wir wohl da machen, aber wir konnten sie aufklären.
Am Samstag, den 30.06.2018 fuhren wir zum NSG Am Großen Galgenteich Altenberg. Auf einem Gelände, wo in den 60 er Jahren ein Biathlon-Stadion gebaut wurde, konnten wir Orchideen, Bläulinge, Libellen und Dukatenfalter (Lycaena virgaureae) feststellen. Unser jüngster Teilnehmer, der dreijährige Anton, bekam immer etwas Neues im Gläschen zu sehen, und sein Vater hatte Mühe, begehrte Fotomotive abzulichten, bevor Anton sie im Visier hatte und mit dem Käscher verfolgte. Fast am Ende der Exkursion ging uns noch ein Feuriger Perlmuttfalter (Argynnis adippe) ins Netz, besser gesagt ein Jugendlicher musste sehr schnell rennen, um ihn im Flug zu kriegen. Weiter ging es zum NSG Grenzwiesen Fürstenau und Fürstenwalde. Gefangen vom schönen Ausblick auf die strukturreiche Landschaft und dem Gesang der Feldlerchen erklommen wir den Hutberg. Beim Aufstieg wurde fleißig gekäschert. Es flogen sehr viele Falter, Schachbrett (Melanargia galathea) und Schornsteinfeger (Aphantopus hyperantus) waren ein gewohnter Anblick. Ganz oben auf dem Hügel flog ein Schwalbenschwanz (Papilio machaon) von Rotklee zu Rotklee.
Zurück im Mayenhof gingen wir an die Selbstversorgung. In der Küche wurde Gemüse geschnippelt. Michael Münch hatte sich als Koch verpflichtet und bereitete ein vorzügliches Kesselgulasch über dem offenen Feuer zu. Gestärkt fuhren wir zu unserem zweiten Lichtfangort, dem Georgenfelder Hochmoor. Da wir schon vor dem Anbruch der Dunkelheit da waren, konnten wir auch noch Wollgras und Sonnentau sehen. Schnell wurden drei Lichtsäulen aufgebaut. Leider war es ziemlich kalt, so dass die Insekten auf sich warten ließen. Dafür hörte Tommy Kästner den Ruf eines Wachtelkönigs und fand ihn in der Nähe des Lugsteins.
Am Sonntag, den 01.07.2018 verließ unsere Gruppe den Mayenhof, um die Insekten auf den Wiesen im NSG Gimmlitztal zu erfassen. Die Kinder warfen inzwischen auch mit den lateinischen Namen um sich, am meisten wurde Brenthis ino genannt, der Mädesüß-Perlmutterfalter. Von seiner Art flogen sehr viele herum, denn auf den Kalkwiesen wuchs die Futterpflanze. Aber auch Landkärtchen (Araschnia levana), Braunauge (AS_Lasiommata maera), Schwarzspanner (AS_Odezia atrata) und verschiedene Widderchen wurden notiert. Auf dem Rückweg spürten wir noch eine Waldeidechse in ihrem Versteck auf. Die Kinder freuten sich. Bei einem gemeinsamen Picknick auf der Wiese klang das Wochenende aus. Jetzt fängt die Arbeit an. Sämtliche Funde werden bestimmt und bei www.insekten-sachsen.de eingepflegt und den Untersuchungsgebieten zugeordnet, ein wertvoller Beitrag zur Naturschutzarbeit für die Behörden vor Ort. Beatrice Jeschke


Foto: Eva-Maria Bäßler


Foto: Tilmann Adler



Bundeskabinett beschließt Eckpunkte für Aktionsprogramm zum Insektenschutz


20.06.2018
Die Bundesregierung hat heute auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Svenja Schulze Eckpunkte für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ beschlossen. Auf Basis der Eckpunkte wird das Bundesumweltministerium das Aktionsprogramm nach einer breiten öffentlichen Diskussion bis 2019 fertigstellen und anschließend unverzüglich mit den Maßnahmen beginnen. Als Sofortmaßnahme stellt Bundesumweltministerin Schulze 5 Mio. Euro pro Jahr aus dem „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ für den Insektenschutz bereit.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir wissen längst nicht alles über das Insektensterben. Aber wir wissen genug, um schnell zu handeln. Darum war es mir wichtig, dass das Kabinett diese Eckpunkte schon in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit beschließt. Das Insektensterben aufzuhalten ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Wir sind uns in der Bundesregierung nun einig, in welchen Bereichen wir handeln werden, um das Insektensterben zu stoppen. Dazu gehört ein grundsätzlich restriktiverer Umgang mit Pestiziden, nicht nur mit Glyphosat. Wir brauchen zudem mehr Vielfalt in der Landschaft: Hecken und blütenreiche Wiesen statt Monokulturen sind überlebenswichtig für Insekten, Vögel und viele andere Tierarten.“

Mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz sollen Maßnahmen in folgenden Bereichen ergriffen werden:
- Förderung von Insektenlebensräumen und der Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft,
- Wiederherstellung und Vernetzung von Insektenlebensräumen in anderen Landschaftsbereichen,
- Stärkung von Schutzgebieten als Lebensräume für Insekten,
- Minderung der Anwendung von Pestiziden,
- Reduktion von Nähr- und Schadstoffeinträgen in Böden und Gewässer,
- Reduktion der Lichtverschmutzung.

Außerdem soll das Aktionsprogramm dazu beitragen, bestehende Wissenslücken über das Insektensterben zu schließen und ein bundesweit einheitliches Insektenmonitoring einzuführen. Auch Wirtschaftsverbände und Unternehmen, Forschung und Bildung sowie zivilgesellschaftliche Akteure bis hin zur einzelnen Bürgerin und zum einzelnen Bürger sollen angesprochen, informiert und dazu angeregt werden, aktiv zu werden.

Das Bundesumweltministerium hat heute im Rahmen des „Bundesprogramms Biologische Vielfalt“ zudem dazu aufgerufen, Praxisprojekte zur Förderung von Insekten und ihrer Artenvielfalt einzureichen. Für diese Projekte werden 5 Mio. Euro im Jahr bereitgestellt. Über die nächsten sechs bis acht Jahre können so insgesamt 30 bis 40 Mio. Euro aus dem BMU-Förderprogramm in den Insektenschutz fließen.

Bundesumweltministerin Schulze: „Sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Das Insektensterben droht die Natur aus dem Gleichgewicht zu bringen. Mit den Insekten verschwinden nicht nur Vögel, Fledermäuse und andere Tiere. Was den Insekten schadet, schadet letztlich auch uns Menschen: Verloren gehen auch wertvolle Leistungen, die Insekten für die Menschen erbringen – von der Bestäubung, über die natürliche Schädlingsbekämpfung, die Gewässerreinigung bis hin zur Erhaltung fruchtbarer Böden.“


Weitere Informationen zum Thema Insekten samt Video-Statement der Bundesumweltministerin und die Eckpunkte zum Aktionsprogramm Insektenschutz gibt es hier: www.bmu.de/insektenschutz  

Informationen zum „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ können abgerufen werden unter:
https://biologischevielfalt.bfn.de/insektenaufruf.html  

(Pressemitteilung des BMU, 20.06.2018



Schönheitskur auf dem Markt für Pflanzenschutzmittel


28.04.2018
Für die seit längerem besonders im Fokus öffentlicher Diskussionen und wissenschaftlicher Untersuchungen stehenden Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam hatte die EU bereits seit 2013 ein Teilverbot erlassen. Es untersagte die Saatgutbeizung einiger landwirtschaftlicher Kulturen mit diesen Mitteln, deren Ausbringung nun am 27.04.2018 im Freiland gänzlich verboten wurde. Dazu hat es in den zurückliegenden Jahren entsprechende Forderungen von Umweltverbänden und Initiativen gegeben. Zweifelsohne zeichnen sich diese drei Wirkstoffe durch eine besonders hohe Giftigkeit aus, dafür müssen weniger giftige Wirkstoffe in größeren Mengen ausgebracht werden, um denselben Effekt bei der Regulierung von Schaderregern zu erzielen. Ein Beispiel dafür ist das Neonikotinoid Thiacloprid, das in Deutschland als „nicht bienengefährlich (B4)“ zugelassen ist, obwohl es das Heimfindevermögen von Honigbienen ebenso negativ beeinflusst, wie die drei anderen Wirkstoffe. Der BUND hatte 2015 deshalb eine Kampagne gegen Thiacloprid und Bayer gestartet. Den daraus entstandenen Rechtsstreit hatte der BUND zwar gewonnen, aber Thiacloprid ist nach vorübergehenden Zulassungsänderungen wieder „zurück in die Blüte“, wie es von Bayer beworben wird. Auch Acetamiprid, ebenfalls ein Neonikotinoid, und weitere insektizide Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen. Deshalb wird das Verbot der drei genannten Neonikotinoide in der Praxis lediglich dazu führen, dass andere verfügbare insektizide Wirkstoffe vermehrt eingesetzt werden. Eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln wird sich daraus nicht ergeben und deshalb ist auch nicht zu erwarten, dass dieses Verbot einen messbaren positiven Effekt für die Biodiversität haben wird. Dafür werden sich Umweltverbände, Landwirtschaft und Politik tiefergreifendere Gedanken machen müssen. (mn)


Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung: EU-Staaten verbieten bienenschädliche Neonicotinoide

Handelsblatt: Kampf gegen Bienensterben – EU verbannt drei Insektengifte vom Acker

BBC News: EU member states support near-total neonicotinoids ban

The Guardian: EU agrees total ban on bee-harming pesticides

The Washington Post: EU moves to full ban on pesticides that harm bees




Neue Insektenart in Deutschland entdeckt


21.04.2018
Die moderne Entomologie hat in Mitteleuropa eine über 250-jährige Tradition. Seit Carl von Linné 1758 die binominale Nomenklatur in die Zoologie einführte und damit auch die ersten Insektenarten auf eine Weise wissenschaftlich beschrieb, wie es bis heute nach dem International Code of Zoological Nomenclature üblich ist, wurde kaum eine Region in der Welt entomologisch so intensiv erforscht wie Mitteleuropa. Die Insektenarten gelten hier weitestgehend als vollständig inventarisiert, wenngleich jedes Jahr noch weitere, bereits bekannte Insektenarten beispielsweise erstmalig für Deutschland nachgewiesen werden.
Nun aber wurde in Deutschland eine Insektenart entdeckt, die der Wissenschaft bislang gänzlich unbekannt war. Drei US-Amerikanische Wissenschaftler machten sich daran, mithilfe hochauflösender Hellfeldmikroskopie, Fotostacking sowie konfokaler Laser-Scanning-Mikroskopie in Kombination mit Fluoreszenzanregungen parasitoide Wespen der Familie Ceraphronidae zu untersuchen. Diese Tiere sind winzig klein und parasitieren als Larven andere Hautflügler, oft solche, die selbst als Parasitoide in anderen Insekten, z. B. Blattläusen, leben (Hyperparasitismus).
Kopf, Thorax, Abdomen sowie Fühler, Flügel und Beine der 1 mm langen Ceraphronidae wurden mit Hellfeldmikroskopie und Fotostacking visualisiert. Die nur 100–200 µm langen Genitalien wurden mithilfe konfokaler Laser-Scanning-Mikroskopie in Kombination mit mehreren Fluoreszenzanregungen erfasst. Solche Abbildungen erlauben nicht nur die Visualisierung der winzigen Organe, sondern zeigen zusätzlich zu den sklerotisierten Strukturen auch deren Muskeln. Die mit diesen Verfahren erreichte Genauigkeit in winzigen Details erlaubte es, die winzigen Ceraphron-Wespen genauer zu analysieren und machte die Entdeckung einer bislang unbekannten Art möglich. Diese wurde zu Ehren einer der beiden Sammler, Lars Krogmann, als Ceraphron krogmanni wissenschaftlich beschrieben. (mn)


Partielle Mahd von Wiesen im Freistaat ab sofort auch auf geförderten Flächen möglich!


17.04.2018
Eine Wiese muss gemäht werden, um sie als solche zu erhalten. Gleichzeitig beeinträchtigt die maschinelle Mahd aber alle Insektenarten, die im Offenland leben. Insbesondere für jene Arten, deren frühe Entwicklungsstadien wie Eier, Larven und Puppen in der Vegetation leben (Heuschrecken, Schmetterlinge), kann schon eine einmalige Komplettmahd einer Fläche einen Auslöschungseffekt haben. Grundsätzlich trifft dies auch die adulten Insekten, die sich in der Vegetation aufhalten (Heuschrecken) oder Blüten besuchen (Bienen, Schwebfliegen, Tagfalter). Wachsen die krautigen Pflanzen nach der Mahd wieder und gelangen zur Blüte, sehen wir auf solchen Wiesen nur sehr wenige Insekten fliegen. Dem kann entgegengewirkt werden, wenn bei jedem Mahdtermin ein Teil der Fläche ungemäht verbleibt. Dort können sich die verbliebenen Insekten weiter entwickeln und später die übrige Fläche wieder besiedeln. Im sächsischen Schmetterlingswiesenprojekt ist dies von 2015–2017 erfolgreich auf Flächen in Siedlungsgebieten praktiziert worden. Mit der Novellierung der Richtlinie „Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUK/2015)“ ist in Sachsen mit Gültigkeit ab dem Antragsjahr 2018 das Belassen von ungenutzten Bereichen von weniger als 10% der Förderfläche optional möglich, welche nicht im unmittelbaren Randbereich der Schläge liegen. Damit ist förderpolitisch in Sachsen ein wichtiger Schritt getan, Insekten im Offenland zu fördern. Nun kommt es darauf an, dass die Flächennutzer von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen. Bei Förderbewilligungen in Naturschutzgebieten sollte diese Regelung zukünftig nicht nur optional, sondern obligatorisch angewendet werden. (mn)

Weitere Links im Förderportal Sachsen:




Die Raubfliegen Deutschlands


27.03.2018
Raubfliegen zählen neben den Schwebfliegen durch ihre Größe und Formenvielfalt, ihr Verhalten und ihre gute Abgrenzbarkeit von anderen Fliegenfamilien zu den markanteren und attraktiveren Fliegen. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der hohen Zahl an Raubfliegenfotos, welche in Naturfotoforen gepostet werden. Dennoch gab es bisher kein einziges Werk, welches das Wissen über die Raubfliegen Deutschlands zusammenfasst. Nun legt das Autorenteam um Danny Wolff mit den „Raubfliegen Deutschlands“ ein Buch vor, welches die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Systematik, Biologie und Verbreitung der einzelnen Raubfliegenarten umfangreich und dabei allgemeinverständlich darstellt. Das Buch darf aufgrund der fachlichen Tiefe als Raubfliegen-Standardwerk gelten und kann zudem mit einem Format von nur 19 x 13 cm als Feldführer bei Exkursionen im Rucksack mitgeführt werden.
Am Beginn besticht das Buch durch eine umfassende Einführung zur Stammesgeschichte, Individualentwicklung, Lebensweise und zum Verhalten der Raubfliegen. Die Larvalentwicklung der Raubfliegen Deutschlands wird erstmals zusammenfassend dargestellt sowie Lebensräume und Gefährdungsursachen ausführlich besprochen. Dieser allgemeine Teil, welcher etwa ein Drittel des Buches einnimmt, wird durch Exkurse in die Geschichte der Raubfliegenforschung in Deutschland, zur Bedeutung der wissenschaftlichen Artnamen, zu bisher unbeantworteten Fragen zu Ökologie und Verbreitung der Raubfliegen sowie mit Hinweisen zum Fangen, Sammeln und Fotografieren von Raubfliegen bereichert.
Der spezielle Teil des Buches beginnt mit einem sehr gut illustrierten und auch deshalb sehr gut verständlichen Bestimmungsschlüssel von Fritz Geller-Grimm, der die Bestimmung aller aktuell in Deutschland nachgewiesenen Arten ermöglicht. Hervorzuheben ist, dass mit diesem Schlüssel erstmals auch diejenigen Weibchen bestimmt werden können, deren Determination mithilfe bisher vorliegender Schlüssel nicht möglich war.
Anschließend wird jeder der 75 in Deutschland etablierten Raubfliegenarten eine Doppelseite gewidmet. Jede Art wird mit ein bis zwei Makrofotografien, entstanden meist im natürlichen Lebensraum, sowie mit Angaben zur Flugzeit, zum Vorkommen in Deutschland, zur Gesamtverbreitung, zum Lebensraum und zur Lebensweise vorgestellt. Die bestimmungsrelevanten Merkmale sind bei dem überwiegenden Teil der abgebildeten Arten auf den hervorragenden Fotos von Markus Gebel zu erkennen. Weitere 10 Arten, deren Etablierung in Deutschland fraglich ist, werden in Kurzportraits mit Hinweisen zu Merkmalen und zur Gesamtverbreitung behandelt.
Das Buch kann jedem empfohlen werden, der sich für diese überaus faszinierenden Tiere interessiert oder sich begeistern lassen möchte. Es ist sowohl ein neues Nachschlagewerk zu Ökologie und Biologie der Raubfliegen Deutschland als auch ein hervorragender Feldführer für Wanderungen und Exkursionen. Den Autoren gratuliere ich an dieser Stelle zu diesem Werk, das für die nächsten Jahre ganz sicher das Standardwerk für die Raubfliegen Deutschlands darstellen wird. (Tommy Kästner)
  • Danny Wolff, Markus Gebel & Fritz Geller-Grimm 2018: Die Raubfliegen Deutschlands. – Quelle & Meyer, 339 S. Preis: 24,95 €



Widerstandsfähigkeit des Lebens gegenüber astrophysikalischen Ereignissen


24.03.2018
Es mag nicht jedem behagen, sich mit der Möglichkeit eines astrophysikalischen Ereignisses zu beschäftigen, welches das Potenzial hat, alles Leben auf der Erde auszulöschen. Eine solche Betrachtung kann aber hilfreich sein, mögliche Voraussetzungen für die Existenz von exoplanetarem Leben einzugrenzen und die Suche danach zu optimieren.
Dazu gilt es zunächst, Arten ausfindig zu machen, die dafür bekannt sind, extreme Bedingungen zu überstehen. Im Tierreich sind dies die Bärtierchen, die einige Minuten bei -272°C oder +150°C sowie -20°C über Jahrzehnte überdauern können. Darüber hinaus überstehen sie Drücke von 0 atm im Weltraum genauso wie 1200 atm am Grund des Marianengrabens sowie Strahlungen von ∼5000–6200 Gy.

Bärtierchen (Tardigrada) gehören mit den Stummelfüßern (Onychophora) und Gliederfüßern (Arthropoda; einschließlich der Insekten) zu den Panarthropoda. Die verschiedenen Arten leben im Meer- oder Süßwasser oder an Land, dort u.a. in Moosen oder in der Laubstreu. Sie ernähren sich von Algen, abgestorbener organischer Substanz, Pilzen, Rädertierchen u.a.m. Ihre Körpergröße reicht von 50 µm bis maximal 1,5 mm.

Nachdem diese extrem widerstandsfähigen Tiere ausgemacht sind, gilt es, astrophysikalische Ereignisse ausfindig zu machen, die diesen Tieren den Garaus machen könnten. Dafür analysierten die Wissenschaftler David Sloan, Rafael Alves Batista und Abraham Loeb (2017) die Wirkungen von Ereignissen wie Supernovae, Gammablitzen, Einschlägen von Himmelskörpern (Impakt) sowie vorbeiziehenden Sternen.
Aber nicht allein die Art des Ereignisses, sondern auch dessen Ausmaß muss untersucht werden. Das wahrscheinlichste Szenario wäre der Einschlag eines Asteroids. Der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug und den Chicxulub-Krater schuf, löschte 75% der damals existierenden Arten aus. Nur wenige exotherme Tierarten mit einem Körpergewicht von mehr als 25 kg überlebten diese Katastrophe, aber 90% der Knochenfische überlebten und auf die Arten der Tiefsee hatte dieses Ereignis so gut wie keinen Einfluss. Hier wird deutlich, dass das menschliche Leben etwas fragil ist, wie die Autoren es formulieren.
Einen sterilisierenden Effekt auf alles Leben unseres Planeten sehen die Autoren am ehesten in Ereignissen, welche die Ozeane zum Kochen bringen, die Atmosphäre zerstören sowie weiterer Hitze- und Strahlungseinwirkungen. Die beruhigende Nachricht für Bärtierchen ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses auf der Erde und Exoplaneten geringer als 10-7 pro Milliarden Jahre ist.
Organismen mit ähnlichen Strahlen- und Temperaturtoleranzen wie Bärtierchen wären die einzige Art von Leben, die unter Bedingungen, wie sie beispielsweise auf dem Mars herrschen, langfristig überleben könnten, und selbst dann müssten sie sich deutlich unter der Oberfläche befinden. Die unterirdischen Ozeane, die auf Europa und Enceladus existieren sollen, hätten ähnliche Bedingungen wie die tiefen Ozeane der Erde. Die Suche nach Extremophilen an diesen Orten wäre ein bedeutender Schritt, um die Suche nach dem Leben auf Exoplaneten einzuengen.
Derweil hat die Artenvielfalt auf unserem Planeten ganz andere Probleme. Das Ausmaß der menschengemachten Produktion von Treibhausgasen, die landschaftlichen Veränderungen, welche in ihrem Umfang die natürliche jährliche Sedimentproduktion erheblich übertreffen, die Übersäuerung der Ozeane und die fortdauernde Vernichtung von Lebewesen finden in den letzten Millionen Jahren keine Entsprechung, so dass man von einem neuen Erdzeitalter, dem Anthropozän, spricht (Crutzen 2002). Das durch den Menschen verursachte Artensterben hat bereits ein Ausmaß erreicht, dass es als sechstes Massenaussterben in der Geschichte unseres Planten bezeichnet wird (Ceballos et al. 2017). Auch hier scheinen sich die Bärtierchen wacker zu halten. In toxikologischen Untersuchungen aquatischer Systeme reagierten verschiedene Organismengruppen negativ auf Ivermectin, ein Arzneimittel in der Veterinärmedizin, sowie Endosulfan, ein neurotoxisches Insektizid. Die Bärtierchen hingegen profitierten von der Präsenz dieser Stoffe und waren anschließend häufiger als zuvor (Barry & Logan 1998; Brinke et al. 2010). Was sie jedoch nicht zu mögen scheinen, ist die Belastung der Umwelt mit Schwermetallen. Diese reduzieren sowohl die Anzahl der Arten als auch die Anzahl der Individuen von Bärtierchen in Moospolstern (Vargha et al. 2002). So müssen wir nicht so sehr astrophysikalische Ereignisse fürchten, die katastrophale Auswirkungen auf das Leben auf der Erde haben könnten, als vielmehr die Auswirkungen unseres eigenen Handelns. (mn)

Literatur
Barry, M. J. & D. C. Logan 1998: The use of temporary pond microcosms for aquatic toxicity testing: direct and indirect effects of endosulfan on community structure. – Aquatic Toxicology 41 (2): 101–124.
Brinke, M., S. Hoess, G. Fink, T. A.Ternes, P. Heininger & W. Traunspurger 2010: Assessing effects of the pharmaceutical ivermectin on meiobenthic communities using freshwater microcosms. – Aquatic Toxicology 99 (2): 126–137.
Ceballos, G., P. R. Ehrlich & R. Dirzo 2017: Biological annihilation via the ongoing sixth mass extinction signaled by vertebrate population losses and declines. – Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 114 (30): E6089–E6096.
Crutzen 2002: Geology of mankind. – Nature 415: 23.
Sloan, D., R. A. Batista & A. Loeb 2017: The Resilience of Life to Astrophysical Events. – Nature Scientific Reports 7: 5419.
Vargha, B., E. Otvos & Z. Tuba 2002: Investigations on ecological effects of heavy metal pollution in Hungary by moss-dwelling water bears (Tardigrada), as bioindicators. – Annals of Agricultural and Environmental Medicine 9 (2): 141–146. 

Siehe auch:
Das Leben auf der Erde ist kein Einzelfall. Welt, 25.04.2007
Leben auf dem Mars - Wikipedia


Tagfalter Sachsen 2.0 erschienen


18.03.2018
Die App Tagfalter Sachsen 1.0 ging im Jahr 2016 für Android, iPhone und Windows Phone an den Start. Sie bietet eine interaktive Artbestimmung von Tagfaltern, Artsteckbriefe und die Möglichkeit, Beobachtungen an Insekten Sachsen zu melden.
Die interaktive Artbestimmung basiert auf den Merkmalskomplexen Vorderflügellänge, Flügelform sowie Muster und Farben von Flügelober- und -unterseite und ist auch für Einsteiger verständlich. Die Auswahl von Merkmalen erfolgt über eine UND-Funktion, so dass mit jedem ausgewählten Merkmal die Ergebnisliste eingeschränkt wird. Diese enthält Vorschaubilder der Falter, über die man in die Artsteckbriefe gelangt.
In den Artsteckbriefen kann das Bestimmungsergebnis noch einmal überprüft werden. Sämtliche Informationen dazu werden auf Insekten-Sachsen.de gepflegt und aktualisiert. Dazu gehören der deutsche und wissenschaftliche Name, das Ampelsystems, welches den technischen Schwierigkeitsgrad bei der Artbestimmung signalisiert, die Fotos, die Diagnose mit Unterscheidung von ähnlichen Arten sowie Angaben zum gesetzlichen Schutz und der Roten-Liste-Kategorie. Über einen Link kann man weitere Informationen auf Insekten-Sachsen.de erhalten. Ein Button führt zu einer weiteren wichtigen Funktion der App, die Fundmeldung.
Die Fundmeldung nutzt das GPS-Modul für die automatische Georeferenzierung. Das Datum ist automatisch voreingestellt, so dass man nur die Felder Fundort und Anzahl manuell bedienen muss. Zusätzliche Informationen können in einem Bemerkungsfeld erfasst werden. Fotos können zuvor aufgenommen und aus dem Fotoarchiv oder aber direkt aufgenommen und angehängt werden. Mit dem Absenden gelangen die Fundmeldungen auf Insekten-Sachsen.de und werden dort von Spezialisten geprüft, insbesondere auf die korrekte Artbestimmung anhand der angehängten Fotos.
Die Version für Windows lief leider nicht einwandfrei und aufgrund des geringen Marktanteils von WindowsPhone haben wir die Weiterentwicklung dieser Version schließlich eingestellt. Mit den Versionen für Android und iPhone konnten wir aber viele Erfahrungen sammeln, die in die neue, am 9. März 2018 erschienene Version mündete.
Die Version 2.0 wurde völlig neu programmiert. Installation und Nutzung laufen richtig flott. Die Merkmalsliste für die interaktive Artbestimmung wurden verschlankt: alle Merkmale, die nur für eine Art kodiert waren, wurde eliminiert. Bei der Vorderflügellänge ist es jetzt möglich, auch zwei Größenklassen auszuwählen, was über eine ODER-Funktion arbeitet, da die Einschätzung bei den geringen Unterschieden oft nicht richtig ausfiel. Die Ergebnisse kann man sich wahlweise als genaue Treffer oder absteigend nach den am meisten zutreffenden Merkmalen anzeigen lassen. Bei der Fundmeldung kann bei abgeschalteter Ortungsfunktion die Lokalisierung auch manuell erfolgen. Die Fundmeldungen können als Entwurf gespeichert und nachbearbeitet werden. Auf allen Seiten der App wurde zudem eine kontextsensitive Hilfefunktion eingeführt.
Tagfalter Sachsen 2.0 ist auf Google Play frei verfügbar. Die App wurde im Rahmen des Projektes „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ entwickelt. (mn)


Anhörung im Sächsischen Landtag zum Insektensterben


13.03.2018
Am 2. März 2018 gab es im Umweltausschuss des Sächsischen Landtages eine Anhörung zu den Ursachen des Insektensterbens. Die Anhörung der Sachverständigen kam auf einen Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie auf einen Antrag der Fraktion DIE LINKE zustande.

Heute [sic] ist dazu im Sächsischen Landtag das Stenographische Protokoll erschienen. (mn)

Pressemitteilungen
05.03.2018: Gemeinsame Medienmitteilung von iDiv, Senckenberg und UFZ „Wissenschaftler sind sich einig: Die Zeit zum Handeln ist jetzt“ 

02.03.2018: CDU Fraktion des Sächsischen Landtages „Ideologische Scheuklappen verstellen Blick auf mögliche Ursachen“

02.03.2018: Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag „Das Artensterben unter den Insekten ist dramatisch: Der Umweltminister muss endlich handeln!“

28.02.2018: Fraktion DIE LINKE. im Sächsischen Landtag „Immer weniger Insekten – mit schlimmen Folgen“ 








Buchtipp: Wildbienenhelfer – Wildbienen und Blühpflanzen


11.02.2018
Es war eine Frage der Zeit, dass ein Buch auf den Markt kommt, welches die Verbindung schafft zwischen den Lebensanforderungen der Wildbienen und wie man ihnen in Gärten durch gezielte Pflanzenauswahl helfen kann. Nun ist es endlich da! Geschrieben hat es nicht eine Biologin, sondern eine Designerin, die sich eigene Gedanken darüber macht, was sie im Garten beobachtet. Im Verlauf von drei Jahren trug sie Wissen und Fotos zusammen und machte daraus ein reichlich und farblich illustriertes Buch (kaum eine Seite ohne Farbabbildung).
Nach einer kurzen Einleitung in die sozialen Lebensformen der Bienen, ihren Körperbau, ihre Bedeutung als Bestäuber sowie ihren Rückgang und die Bedeutung von Gärten für Bienen nimmt uns die Autorin mit auf eine Reise durch das Jahr, von Februar bis in den August. Für jeden Monat werden Bienenarten portraitiert, die in diesem Monat beginnen zu fliegen. Jeweils auf einer Doppelseite werden für eine Art mehrere aussagefähige Farbfotos wiedergegeben, zusammen mit einem kurzen Steckbrief und ein paar ausführlicheren Hinweisen zu Besonderheiten in der Lebensweise, bei der Artbestimmung oder Tipps, wie man sie fördern kann. Eine Grafik zeigt ihre natürliche Größe. Für jeden Monat werden zudem mehrere Pflanzenarten besprochen, eine jede farbig abgebildet, mit kurzem Steckbrief über die Eignung für Wildbienen, Blühzeiten und Standortansprüchen sowie einem kurzen Text. Der Abspann des Buches widmet sich der Nahrungsspezialisierung der weiblichen Bienen, die ihre Brut mit Pollen versorgen und gibt einen Überblick über etwa 100 spezialisierte Wildbienenarten und die Pflanzen, auf die sie zum Pollensammeln angewiesen sind. Wer keinen Garten hat, bekommt nun auch ein paar Tipps für seinen Balkon. Das Buch schließt mit ein paar sehr schönen, großformatigen Fotos von Wildbienen.
Anja Eders Buch ist für Einsteiger wie für Fortgeschrittene geeignet, Anregungen für die Förderung von Wildbienen durch geeignete Pflanzenwahl im Garten zu erhalten. Die Autorin hat es dabei vermieden, unbedingte Vollständigkeit zu erreichen. Auch hat sie darauf verzichtet, die sehr in Mode geratenen Bienennisthilfen in den Vordergrund zu rücken. Zu diesen gibt es bereits genügend Literatur und sie hat die künstlichen Nisthilfen gebührend neben den natürlichen Nistgelegenheiten eingereiht, welche die meisten unserer heimischen Wildbienenarten benötigen.
„Wildbienenhelfer“ ist ein leicht verständliches und schönes Buch, das man immer wieder gern zur Hand nimmt. Es ist informativ und kurzweilig zugleich. Möge es eine weite Verbreitung und Anwendung finden! (mn)

Anja Eder 2018 (1. Aufl.): Wildbienenhelfer – Wildbienen und Blühpflanzen. Jeder kann zum Wildbienenhelfer werden und damit zum Erhalt unserer Artenvielfalt beitragen. – TiPP4, Rheinbach. 248 S.

Einen Einblick in das Buch kann man auch unter https://www.wildbienen-garten.de/ bekommen.


Zum Insektenbestand in Deutschland


15.01.2018
Bereits am 5. Dezember 2017 veröffentlichte der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages einen Sachstandbericht zum Insektenbestand in Deutschland. Darin wird insbesondere auf die wissenschaftliche Publikation von Hallmann et al. 2017 zum Rückgang der Biomasse flugaktiver Insekten in Deutschland Bezug genommen. Diese wissenschaftliche Publikation hatte in den deutschen und internationalen Medien ein sehr großes Echo erzeugt. So gab es dazu in Deutschland Berichterstattungen u.a. in der Tagesschau, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Süddeutschen Zeitung, im Spiegel und Spektrum der Wissenschaft sowie international im Guardian, Daily Mail, der Washington Post, New York Times und in den US-amerikanischen Fachzeitschriften Nature und Science.
Der Sachstandbericht gibt einen Überblick über die Rezeption durch deutsche Wissenschaftler, Naturschutzverbände und dem Deutschen Bauernverband, als auch der Thematisierung im Deutschen Bundestag selbst. Die beiden letzten Kapitel beleuchten mögliche ökologische Auswirkungen und Gegenmaßnahmen.
Die Darstellungen im Sachstandbericht sind eine Zusammenfassung des Anfang Dezember 2017 bestehenden Diskussionstandes in der Öffentlichkeit und nehmen keine Bewertungen einzelner natürlicher oder juristischer Personen vor. (mn)

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestages bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines seiner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasserinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeitpunkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abgeordneten des Bundestages dar.



Aktuelle Zahlen zum Insektensterben sind keine Unstatistik


07.01.2018
Zusammenfassung
Aus momentaner wissenschaftlicher Kenntnis gibt es keinen Grund, an einer 76%igen Abnahme der Biomasse fliegender Insekten in den Naturschutzgebieten Norddeutschland zu zweifeln. Im Oktober 2017 durch die Statistiker-Gruppe Unstatistik verbreitete Darstellungen zum Insektensterben sind verzerrt, falsch und entsprechen nicht der gängigen Wissenschaftspraxis.

Einleitung
Am 18. Oktober 2017 publizierten Wissenschaftler der Radboud University (NL), des Krefelder Entomologischen Vereins (D) und der University of Sussex (GB) die Ergebnisse von Freilanderfassungen in 63 Naturschutzgebieten Norddeutschlands. Danach nahm über die Jahre 1989 bis 2016 die Biomasse fliegender Insekten gemittelt um 6,1 % pro Jahr bzw. über den gesamten Zeitraum um 76,7 % ab (im folgenden kurz Krefelder Studie genannt). Diese besorgniserregenden Zahlen fanden weite Beachtung in den Medien, darunter auch in Sachsen und bei dem Projekt „Insekten-Sachsen“ mit einem Offenen Brief. Es gab auch verschiedene Kritiker der Krefelder Studie. Zum einen gab es Personen, die eine Zunahme von Mücken oder Wespen in den letzten Jahren bemerkt haben wollen. Zum anderen wurde auch der Obstbauverband Sachsen als Kritiker zitiert mit dem Hinweis, dass es zu viele bestäubende Insekten gäbe und Äpfel ausgegeizt werden müssen. Auf meine Anfrage hin wurde mir jedoch erklärt, dass es keine Daten zu dieser Aussage gäbe. Außerdem wurde mir bestätigt, dass Wanderimker die Plantagen des Obstbauverbandes besuchen - damit entbehrt der Hinweis auf angeblich zu vieler Insekten jeder Grundlage. Schließlich bezog sich ein Teil der Kritiker auf die populäre Webseite Unstatistik, nach der die Daten der Krefelder Studie harmlos und statistisch fehlerhaft dafür aber geeignet seien "mit möglichst erschreckenden Zahlen Panik zu machen“.
Die Unstatistik Webseite wird von drei Professoren der Wirtschaftswissenschaften der Ruhr-Universität Essen, der TU Dortmund und dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung betrieben, mit dem Ziel, monatlich jeweils eine weit verbreitete, aber falsche bzw. irreführend Statistik aufs Korn zu nehmen. Diese Initiative ist sehr löblich. Im Falle der Daten zum Insektensterben möchte ich dieser Webseite hiermit entgegentreten, denn sie enthält eine Falschaussage und stellt statistische Ergebnisse so verzerrt dar, dass es in die Argumentation der Autoren passt.

Ich beginne mit der These, dass es - in guter Näherung - in Deutschland keine staatlich geförderten Langzeituntersuchungen im ökologischen Bereich gibt. Das ist im Übrigen weltweit der Fall - es gibt nichts den täglichen Wetterbeobachtungen (oder Aktienkursaufzeichnungen) Äquivalentes im Bereich der Ökologie. Niemand hätte vor 30 Jahren ahnen können, dass nicht nur Insektenarten, sondern auch die Biomasse fliegender Insekten so stark abnehmen würde, dass es einmal nützlich sein könnte, überhaupt über die Biomasse Bescheid zu wissen! Es existieren also keine vorher geplanten Versuche und ohne vorab geplanten Messreihen bleibt nur der Rückgriff auf zufällig getätigte Untersuchungen. Glücklicherweise gibt es einige wenige solcher Untersuchungen, zum Beispiel die Krefelder Studie, wo mit gleicher Methodik in verschiedenen Habitaten und logischerweise unter verschiedenen Witterungsbedingungen die Biomasse fliegender Insekten durch Malaise-Fallen ermittelt wurde. Um eine unterschiedliche Biomasse in verschiedenen Habitaten und bei unterschiedlicher Witterung zu berücksichtigen, wurden statistische Verfahren angewendet, um aus der tatsächlich gemessenen Biomasse jene abzuschätzen, die die unterschiedlichen Witterungs- bzw. Habitatunterschiede berücksichtigt (ein Beispiel: Angenommen, Gebiete, die 21 statt 20 Grad warm sind, weisen eine 10% höhere Insektenbiomasse auf. Sollten nun in frühen Jahren gerade viele Gebiete mit 21 Grad Temperatur untersucht worden sein und in späten Jahren viele mit nur 20 Grad, würde allein dadurch eine (falsche!) Biomasse-Abnahme registriert werden. Deshalb werden jene Temperatureinflüsse 'herausgerechnet'). Das sind Verfahren, die von Statistikern entwickelt wurden und die jeder Ökologe kennt.

Die Autoren von Unstatistik haben nicht im wissenschaftlich üblichen Sinne auf die angeblichen Fehler der Studie reagiert, sondern sind direkt an ein statistisch nicht geschultes Publikum gegangen - die Öffentlichkeit. Diese Beifallsheischerei ist meines Erachtens ungeeignet, ein wichtiges gesellschaftliches Problem zu diskutieren. Auf meine oben formulierten Vorwürfe teilen mir die Verfasser der Unstatistik mit, dass sie nicht die Ergebnisse, sondern die Machart der Studie kritisieren. Wie das eine ohne das andere geht, ist mir nicht klar, vielleicht haben die Wirtschaftsprofessoren ungenügenden Einblick wie selten solche Daten der Krefelder Studie sind und wie sie zustande kommen. Im Folgenden weise ich die Diskreditierung der 27-jährigen Freilandstudie durch die Kollegen von Unstatistik komplett zurück.

1) Die Abnahme der Biomasse in der Studie der Krefelder Entomologen beruht auf einem Trend über viele Jahre und stellt ein robustes Ergebnis dar
Unstatistik stellt dar, dass die Krefelder Entomologen "nach 27 Jahren 76 Prozent weniger Biomasse in den Fallen" hatten. Dies ist eine verzerrte Aussage, da sie impliziert, dass die Studie nur im Jahr 1 und dann erst nach 27 Jahren gemessen wurde (Verwirrenderweise war genau dieses kritisierenswerte Vorgehen durch einige Autoren der Krefelder Studie in einer vorherigen Studie so getan worden). Korrekt ist hingegen, dass die Krefelder Studie durchschnittlich eine jahrweise Abnahme der Biomasse von 6,1% fand, die sich somit über 27 Jahre auf 76,7% beläuft.

2) Fehlende jahrweise Wiederholungsproben am gleichen Standort ändern nichts am Gesamttrend einer 76%igen Abnahme der Biomasse fliegender Insekten
Die Webseite Unstatistik führt weiter aus: "An den meisten Standorten wurde keine einzige Wiederholungsmessung durchgeführt". Es ist in der Tat bedauerlich, dass die Forscher an 37 von 63 Standorten keine Zeit und Kapazitäten hatten, die monatliche Fallenleerung in mehreren Jahren durchzuführen und damit korrekterweise "die meisten" nämlich 59% der Standorte der Krefelder Studie ohne jahrweise Wiederholungsmessung bleiben. So etwas muss bei Wirtschaftsstatistikern, die möglicherweise mit - wie bei Wetterbeobachtungen - permanent überwachten Börsenkurse arbeiten, auf Unverständnis stoßen.
Hat es denn irgendeinen Einfluss auf das Ergebnis, dass in 59% der Standorte nicht wiederholt untersucht wurde? Nein. Und zwar aus zwei Gründen nicht. Erstens wurde in der Krefelder Studie zufällig ausgewählt, in welchem Jahr welche Gebiete mit Fallen bestückt wurden - wenn die Insektenbiomasse von Jahr zu Jahr zufällig zu- oder abnehmen würde, ist dadurch gewährleistet, dass die Chance, Standorte mit Zunahme oder mit Abnahme erwischt zu haben, 50% ist. Es gibt keinen Grund, die Auswahl der Standorte und damit die Ergebnisse anzuzweifeln. Selbstverständlich wird die Schätzung der Biomasse-Veränderung genauer, wenn weitere Untersuchungen einfließen.

3) Standorte, die in mehreren Jahren gemessen wurden, stimmen in der 76%igen Abnahme der Biomasse fliegender Insekten überein
Der zweite Grund ist jener, dass die Krefelder Studie eben mehrere Standorte in mehreren Jahren untersucht hat, und zwar in 26 Gebieten. Mittelt man die Abnahme der Biomasse in den wiederholt gemessenen Gebieten, erhält man einen Abnahmewert von 76.2% - eine perfekte Übereinstimmung mit dem Gesamtergebnis von 76.7% auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Übereinstimmungen Zufall sein kann, ist fast null. Es gibt keinen Grund, die Ergebnisse einer 76%igen Biomasseabnahme fliegender Insekten anzuzweifeln. Die Diskussion, ob diese Biomasse-Abnahme außerhalb von NSG oder in Süddeutschland anders ist, kann hier nicht geführt werden.

4) Ein Jahr als Anfangsjahr auszuwählen, dass angeblich nur einen 30%igen Biomasseverlust zeigen würde, ist ein äußerst unseriöses Vorgehen
Die Webseite Unstatistik führt aus: "Hätte man das Jahr 1991 statt 1989 als Anfangspunkt gewählt, dann wären es statt 76 Prozent weniger Insekten nur etwa 30 Prozent weniger gewesen." Diese Hätte-hätte-Fahrradkette Argumentation eines Statistikprofessors verwundert, ist doch bei einer Zufallsauswahl der Gebiete und Jahre die Wahrscheinlichkeit einer Überschätzung nahezu genauso hoch ist wie die einer Unterschätzung. Wäre nämlich zum Beispiel 1988 die Biomasse um so viel höher gewesen, wie sie um 1991 niedriger war, hätte-hätte die Gesamtabnahme genauso gut 80% oder gar 85% sein können. Aus Deutschland liegen derzeit keine anderen Messungen zur jährlichen Biomasseveränderung fliegender Insekten vor, deshalb muss der 76% Wert momentan als der wahrscheinlichste angenommen werden.
Warum unter den 15 Jahren der langfristigen Datenreihe (länger als 10 Jahre) gerade 1991 von Unstatistik ausgewählt wurde, bleibt offen. Es hätte jedenfalls nur noch ein einzige weiteres Jahr (2001) herausgepickt werden können, um die Abnahme der Biomasse als weniger gravierend darzustellen.

5) Das selektiv ausgewählte Beispiel einer nur 30%igen Abnahme der Biomasse ist falsch
Die von den Unstatistik-Professoren aus der Luft gegriffenen 30% sind falsch. Aber woher kommt dieser Wert? Er entstünde zum Beispiel, wenn einfach der Wert des Jahres 1991 aus der Grafik der Krefelder Studie als Ausgangspunkt der Abnahme genommen worden wäre. Diese Vorgehensweise würde jedoch zwei peinliche Kardinalfehler enthalten. Zum einen hätte hier der Mittelwert aller auf 1991 folgenden Jahre, und nicht einfach der Wert des Jahres 1991, berücksichtigt werden müssen. Zum zweiten kann nicht vorausgesetzt werden, dass die Temperatur- und Standortverteilung der beiden weggelassenen Jahre gleich denen der Gesamtuntersuchung ist (siehe obiges Beispiel zu 20 und 21 Grad warmer Schutzgebiete). Solche Fehler können jedoch keinem Statistikstudenten, geschweigend denn -professor unterlaufen sein und die 30% müssen einen anderen, bisher unerklärten Ursprung haben.
Die Autoren der Krefelder Studie haben ausgerechnet, was passieren würde, wenn die beiden Jahre 1989 und 1990 nicht berücksichtigt würden: überhaupt nichts. Würde die Abnahme ab 1991 berechnet, würde der Biomasseverlust bis 2016 statt 76.8% dann 76,7% betragen.

6) Vorhandene Daten nicht berücksichtigen zu wollen, ist Wissenschaftsbetrug
Als Hochschullehrer finde ich bereits den Vorschlag von Unstatistik äußerst bedenklich, zwei Jahre wegzulassen, die einem nicht in den Kram passen. Welchen Schein wirft das denn auf Naturwissenschaften, wenn wir mal eben Daten weglassen, die wir nicht haben wollen? Und dieser Vorschlag wurde ja nicht im Rahmen einer wissenschaftlichen Robustheitsanalyse gemacht, sondern im Appell an die Öffentlichkeit. Hier haben die Unstatistik-Professoren in der Öffentlichkeit den unsauberen Eindruck hinterlassen, so etwas könnte gängige Praxis bei Wissenschaftlern sein. Außerdem widerspricht dieser Vorschlag den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, ist also Wissenschaftsbetrug im weiteren Sinne.
Die Daten von 1989 und 1990 der Krefelder Studie existieren, sie sind real und es gibt nach den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis keine Option, diese Daten auszuwählen oder nicht.

Unstatistik stellt die Frage, warum Panik geschürt werden soll? Diese ist allerdings berechtigt: Warum denn sollten der Krefelder Entomologen Verein und beteiligte Ökologen aus den Niederlanden und Großbritannien Panik schüren wollen und eine größere Abnahme der Biomasse fliegender Insekten behaupten als tatsächlich vorzufinden ist? Ich möchte in diesem Zusammenhang auch meine obige Frage wiederholen: Welche Beweggründe gibt es denn für die Kollegen von Unstatistik, aus einem wirklich besorgniserregenden Trend gerade jenen Datenpunkt herausnehmen zu wollen, der verspricht, die Abnahme am kleinsten erscheinen zu lassen?

Es ist hochgradig dramatisch, dass unter den 300 möglichen jahrweisen Kombinationen der Krefelder Studie insgesamt 236 (79%) eine Abnahme der Biomasse zeigen, obwohl a priori eine solche Abnahme nicht zu erwarten ist. Im Gegenteil, neuerdings höhere Durchschnitts- und Sommertemperaturen könnten eine höhere Generationenzahl pro Jahr und damit sogar eher eine höhere Biomasse erwarten lassen.
Die in der Krefelder Studie ermittelte 76%ige Abnahme der Biomasse fliegender Insekten in den NSG Norddeutschlands ist der momentan wahrscheinlichste Wert. Zur Unterstützung einer Abwägung mit anderen staatlichen Aufgaben ist es die Aufgabe von Ökologen und Entomologen darauf hinzuweisen, dass eine jährliche Abnahme von 6% der Biomasse fliegender Insekten dramatische Folgen haben kann. Die Krefelder Studie liefert nur einen kleinen Hoffnungsschimmer, in dem zumindest einige Faktoren als nicht verantwortlich für die Abnahme erkannt werden. In diesem Sinne können wir nur hoffen, dass diese dramatische Abnahme nicht irreversible Ausmaße erreicht, mit Konsequenzen für Landschaft, Tier und Mensch.

Darlegung möglicher Interessenkonflikte
Aus Anlass der Krefelder Studie habe ich als Privatperson einen Offenen Brief an die Bürgerinnen und Bürger Sachsens mit verfasst. Als Hochschullehrer habe ich die von Unstatistik verbreiteten Aussagen in einer Vorlesung mit Studierenden als Beispiel wissenschaftlicher und publizistischer Unredlichkeit diskutiert.

Professor Dr. rer. nat. habil. Klaus Reinhardt
Angewandte Zoologie, Technische Universität Dresden


Das war das Jahr 2017 bei INSEKTEN SACHSEN


30.12.2017

Zu Beginn des Jahres hatten wir sogar in Dresden mehrere Wochen Schnee. Ausgerechnet in dieser Zeit sollte ein Film über INSEKTEN SACHSEN entstehen. Bei klirrender Kälte konnten wir überwinternde Tagpfauenaugen, eine Krebssuppe, Überwinterungsgesellschaften des Asiatischen Marienkäfers und Platanenwanzen zeigen.

Während der Obstblüte gab es in Sachsen langanhaltend Frost. Lediglich die wärmebegünstigte Elbtalweitung von Dresden blieb davon verschont. Dennoch warteten wir alle ungeduldig auf besseres Wetter für uns und für die Insekten, damit wir endlich wieder auf Insektenfotopirsch gehen können. Und dann ging es nach und nach los. Zum Jahresende verzeichnen wir mit mehr als 15.000 Onlinemeldungen einen neuen Jahresrekord, hingegen ging die Anzahl der Arten, für die erstmals ein Fotonachweis erfolgte, auf 350 zurück (im Vergleich zu 500–600 in den Vorjahren).

Als Angebote zum Kennenlernen, Erfahrungs- und Ideenaustausch oder Dazulernen gab es zwei Workshops und unser Sommertreffen im Vogtland. Auch hier vereitelte kalte Luft die erhoffte reiche Ausbeute, etwas mehr als 140 Fundmeldungen kamen aber doch zusammen und eine fantastische Glühwürmchennacht.

Das Jahr 2017 bescherte uns zahlreiche Medienberichte zum Rückgang der Insekten in unserer Natur. Ein Artikel in der Zeitschrift GEO im März war wohl einer der ersten, der mehr Aufmerksamkeit bekam. Als Insektenforscher beobachten wir den Rückgang der Insekten schon seit Jahren und selbst für Laien ist er offensichtlich, wie wir immer wieder erfahren. Doch die konkreten Zahlen, die dann im Herbst publiziert wurden, räumten alle Zweifel über unsere Vorahnungen aus: über 75 Prozent weniger Fluginsekten in Deutschland in nur 30 Jahren!
Auf unserem Workshop im Herbst haben wir das Thema ausführlich diskutiert und uns daraufhin mit einem Offenen Brief an die sächsische Öffentlichkeit gewandt. Unübersehbar ist, dass unser bisheriges, regelkonformes Verhalten den Rückgang der Artenvielfalt nicht gestoppt hat. Deshalb haben wir Maßnahmen aufgezeigt, mit denen Insekten gefördert werden können. Solche Maßnahmen umzusetzen, wird die Herausforderung für die unmittelbare Zukunft sein. Eine große Sorge bleibt, herauszufinden, was den Rückgang der Insekten selbst in Naturschutzgebieten verursacht. Erste Reaktionen auf unseren Offenen Brief gibt es aus der Politik. In unserer Nachrichtenrubrik haben wir darüber ausführlich berichtet.

Es gibt auch erfreuliche Nachrichten. Das sächsische Schmetterlingswiesenprojekt wurde von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Zum Ende des Jahres 2017 gibt es schon über 210 Schmetterlingswiesen im Freistaat. Dorthin, wo partiell gemäht wird, kommen Tagfalter, Bienen und Heuschrecken zurück. Wir haben damit eine wirksame Methode, Insekten in unserer Umwelt zu fördern. INSEKTEN SACHSEN unterstützt dieses Projekt durch die Bearbeitung der Fundmeldungen der Schmetterlingswiesen-Betreuer und die Bereitstellung von Informationen über Tagfalter, insbesondere für die App „Tagfalter Sachsens“.

Euch allen, die sich 2017 an unserem INSEKTEN-SACHSEN-Projekt beteiligt haben, danke ich ganz herzlich fürs Mitmachen. Ich wünsche Euch für das Jahr 2018 alles Gute, viele Insekten und schöne Erlebnisse in unserer heimischen Natur.

Euer Matthias


Workshop im November 2017. Foto: Ronny Gutzeit






Impressionen vom Sommertreffen im Vogtland. Fotos: Angela Kühne



Umweltminister antwortet auf Offenen Brief zum Insektensterben


21.12.2017
Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, antwortet in einem Schreiben auf unseren Offenen Brief. Darin zeigt er Maßnahmen auf, die in Sachsen sowohl zur Förderung als auch zum Monitoring von Insekten bereits laufen. Darüber hinaus werden ad hoc Maßnahmen schon für 2018 in Aussicht gestellt, wobei der NABU unterstützend mitwirken könnte.

Antwort von Staatsminister Thomas Schmidt auf Offenen Brief.pdf


Erste Reaktionen auf Offenen Brief zum Rückgang der Insekten


07.12.2017
Nachdem einige Medien über unseren Offenen Brief zum Rückgang der Insekten vom 27.11.2017 berichteten (Freie Presse 28.11.2017, Bauernzeitung 48. Woche 2017), erhielten wir am 6. Dezember 2017 eine erste Antwort aus der Politik. Uns schrieb Wolfram Günther, Landtagsabgeordneter im Sächsischen Landtag für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Wortlaut:

„Lieber Herr Heinitz, lieber Matthias, liebe Naturfreunde im NABU,

mit Freude habe ich Ihren Offenen Brief gelesen. Vielen Dank für Ihr Engagement!
Wir sind als GRÜNE Landtagsfraktion bei dem Thema Insektensterben und all den angrenzenden Problemfeldern, die Sie benennen, ebenfalls aktiv. Jetzt ganz aktuell im Zusammenhang mit den neuen Studien, aber auch schon davor kontinuierlich. Wir versuchen, die Problematik immer wieder zum Thema im Landtag zu machen.

Direkt zum Thema Insektensterben haben wir einen Antrag eingereicht. Dieser soll sich mit dem Ausmaß, der Entwicklung und den Ursachen des Insektensterbens bei den unterschiedlichen Formen der Bewirtschaftung von Landwirtschaftsflächen befassen und insbesondere die Auswirkungen auf Nahrungsketten untersuchen. Wir fordern, die bereits heute vorhandene Erkenntnisse sowie Zwischenergebnisse und Erkenntnisse aus den Forschungsarbeiten unmittelbar nach ihrem Vorliegen in das Handeln in Sachsen bezüglich des Schutzes von Insekten einfließen zu lassen und umzusetzen

Die Staatsregierung hält es laut Stellungnahme zum Antrag Drs 6/11192 allerdings "nicht für zielführend", diesen Forschungsbedarf durch Studien innerhalb der Länder "zu beheben". Die Umweltministerinnen, -minister, -senatorin und -senatoren der Länder haben die Bundesregierung auf der 89. Umweltministerkonferenz am 17. November 2017 in Potsdam gebeten, das Bundesamt für Naturschutz mit der Erarbeitung eines einheitlichen Methodenleitfadens ,,Insektenmonitoring" zu beauftragen. Dieser sollte den Bundesländern sobald als möglich, spätestens jedoch bis 1. März 2019 vorliegen.

Unserer Meinung nach, besteht dringender Handlungsbedarf und das Warten auf einen einheitlichen Leitfaden zum Monitoring lässt zu viel Zeit verstreichen.

Am 2. März wird der Antrag Drs 6/11192 Ursachen des Insektensterbens erforschen und bekämpfen im Sächsischen Landtag öffentlich angehört werden. Wir laden Sie schon jetzt ein, daran teilzunehmen.

Aktuelle Anträge und Anfragen:
Antrag Drs 6/11192 Ursachen des Insektensterbens erforschen und bekämpfen

kleine Anfrage Drs 6/11116 Insektensterben bzw. Biodiversitätsverlust Insekten in Sachsen

kleine Anfrage Drs 6/11279 Pflanzenschutzmittel und Biozide in Schutzgebieten sowie Maßnahmen zum Insektenschutz in Sachsen - wurde aktuell noch nicht beantwortet

Weitere Anträge zum Themenkomplex:
Drs 6/5244 Umgang und Maßnahmen des Freistaates Sachsen in Zusammenhang mit den Auswirkungen des Vollherbizids Glyphosat

Drs 6/6482 Wildbienen wirksam schützen, Tracht und Lebensräume schaffen und erhalten sowie den Einsatz bienengefährlicher Mittel reduzieren

Drs 6/9523 Pestizideinsatz in Naturschutzgebieten ausschließen und Pufferstreifen gegen schädlichen Stoffeintrag einrichten

Plenardebattenbeiträge/Reden im Landtag
GRÜNEN-Antrag zu Wildbienen - Günther: Ein Drittel der landwirtschaftlichen Erzeugung ist von der Leistung der Bienen abhängig Rede | 09.11.16

Wolfram Günther: Artensterben in Sachsen stoppen! Rede | 11.06.15

Ich hoffe, dass es durch das weitere kontinuierliche Engagement von Verbänden wie dem NABU, der interessierten Öffentlichkeit insgesamt und uns GRÜNEN im Parlament endlich gelingen wird, dass auch in Sachsen Konsequenzen gezogen werden und eine Trendwende beim Artensterben gelingt.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfram Günther, MdL"




Gemeine Skorpionsfliege zum Insekt des Jahres 2018 gewählt


06.12.2017
Die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) ist häufig in Mitteleuropa anzutreffen – besonders zahlreich findet man sie in Gebüschen, an Wald- und Wegrändern, aber auch auf Wiesen und in Brennnesseln. „Dennoch ist dieses kleine, vierflügelige Insekt den meisten Menschen nicht bekannt. Wir wollen mit der Wahl zum ‚Insekt des Jahres’ die Aufmerksamkeit auf die Besonderheiten der Skorpionsfliege lenken und deren Wahrnehmung stärken“, begründet Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und Vorsitzender des Auswahl-Kuratoriums die Entscheidung.
Gefährlich ist die kleine Schnabelfliegenart mit den dunklen Flügelzeichnungen trotz ihres Namens nicht – auch einen Stachel sucht man bei der Skorpionsfliege vergebens. Ihr Name leitet sich vielmehr von einem großen, auffällig über dem Hinterleib getragenen Kopulationsorgan der männlichen Tiere ab.
Beim Werben um ein Weibchen wird dieser große Hinterleib in Vibration gesetzt, zusätzlich machen die potentiellen Partner durch Winken mit den Flügeln auf sich aufmerksam. Aber damit nicht genug: Das Männchen verströmt einen Lockstoff und bietet dem Weibchen eine proteinreiche Gabe aus seinen Speicheldrüsen, an dem es zu fressen beginnt. „Je umfangreicher dieses ‚Hochzeitsgeschenk` ist und je häufiger ein solches übergeben wird, desto größer ist die Chance des Männchens bei seiner Auserwählten ‚zu landen’ und umso länger kann die Kopulation andauern“, ergänzt der Müncheberger Entomologe.
Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Skorpionsfliege umfasst ganz Mitteleuropa inklusive des südlichen Skandinaviens, im Osten erreicht sie Süd-Finnland und die westlichen Teile Russlands, in Südosteuropa die nördliche Balkanhalbinsel und im Westen die Britischen Inseln. Abhängig von den klimatischen Begebenheiten schlüpfen ab Ende April oder Anfang Mai die ausgewachsenen Tiere aus der im Boden überwinternden Puppe. Unter günstigen Bedingungen kann sich innerhalb weniger Wochen eine zweite Generation der Tiere entwickeln, die im Sommer den Boden verlassen.
„Derzeit gilt die Skorpionsfliege als ungefährdet und genießt keinen besonderen Schutzstatus – dies ist ihrer ausgeprägten Anpassungsfähigkeit geschuldet“, erläutert Schmitt. Auch in ihrer Nahrung sind die länglichen Insekten mit eher mäßigen Flugkünsten wenig wählerisch: Sie fressen sowohl reifes Obst, als auch tote oder verendende Insekten und Wirbeltiere; ernähren sich aber auch von Kot oder Blütennektar und Pollen. Als geschickter Kletterer kann sich die Skorpionsfliege zudem in Spinnennetzen bewegen und bedient sich hier in den Speisekammern der Spinnen.
Das Insekt des Jahres wird seit 1999 proklamiert. Die Idee hierzu stammte vom Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus verschiedenen Vorschlägen ein Insekt aus.




Insektensterben


27.11.2017
Auf dem INSEKTEN SACHSEN-Workshop am 4. November 2017 in Dresden haben die Teilnehmer intensiv über den Rückgang der Insekten in Sachsen diskutiert und beschlossen, sich mit einem Offenen Brief an die sächsische Öffentlichkeit zu wenden.
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass unser traditionelles Bemühen um die biologische Vielfalt nicht ausreicht, diese nachhaltig zu bewahren. Deshalb zeigen wir für einige der bekannten Ursachen Handlungsoptionen auf, die unterschiedliche Akteure in unserer Gesellschaft umsetzen können. (mn)

Offener Brief Insektensterben.pdf

Der Offene Brief ist auch als Sonderausgabe des NABU-Infobriefes erschienen:
NABU-Infobrief 163.pdf


Dramatischer Rückgang von Fluginsekten in Deutschland


19.10.2017
Die Biodiversitätskrise kommt nicht aus den Schlagzeilen. Biologen und Naturschützer beklagen den Rückgang von Populationen (Grünlandschmetterlingsindikator) und Arten (Rote Listen). Die intensiv bewirtschaftete Agrarlandschaft wird zuweilen schon als weißer Fleck auf der Landkarte der Biodiversität bezeichnet (Beleites 2012) und 2013 stellten Sorg et al. einen Rückgang der Insektenbiomasse selbst in einem Naturschutzgebiet bei Krefeld fest.
Nun haben die Krefelder Entomologen in Zusammenarbeit mit niederländischen und englischen Kollegen nachgelegt und Ergebnisse aus 63 Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten, Landschaftsschutzgebieten, Wasserschutzzonen und naturschutzfachlich gepflegten Gebieten in Deutschland aus einem Zeitraum von 27 Jahren ausgewertet. Das wurde möglich, weil sich die Krefelder schon Ende der 1980 Jahre entschieden, quantitative Erfassungen von Fluginsekten mit Malaisefallen durchzuführen (Schwan et al. 1993). Dabei realisierten sie einen hohen Grad an Standardisierung zwischen den untersuchten Standorten und über die Jahre. So verwendeten sie beispielsweise stets denselben Fallentyp aus gleichen Stofffarben, stellten die Fallen exakt senkrecht auf, ließen die Stoffbahnen dicht am Boden abschließen, damit Insekten dort nicht entkommen können und richteten den Fallenkopf stets nach Süden aus. Und sie haben alle Proben archiviert, so dass sie für spätere Untersuchungen zur Verfügung stehen.
Von 1989 bis 2016 wurden an den 63 Standorten an 16.908 Fangtagen insgesamt 53,54 kg Wirbellose gesammelt und archiviert. Die durchschnittliche Standzeit pro Falle und Standort beträgt 176 Tage. Die Daten wurden nicht nur getrennt nach Standorten und Jahren, sondern auch getrennt nach Jahreszeiten und ergänzt um Daten über Wetter, Lebensraumeigenschaften und Landnutzung analysiert.
Über alle Jahre und alle Standorte sind die Trends negativ. Die jahreszeitliche Analyse, welche den Zeitraum vom 1. April bis 30. Oktober berücksichtigt, ergibt einen Rückgang der Insektenbiomasse von bis zu 81,6 % [79,7 ‒ 83,4 %] im Hochsommer, über den gesamten Zeitraum der 27-Jahre-Periode von 76,7 % [74,8 ‒ 78,5 %]. Wetter, Lebensraumeigenschaften und Landnutzung erklären diesen Rückgang nur marginal.
Diese Ergebnisse sind alarmierend:
1. Berücksichtigt man die große Anzahl untersuchter Standorte und ihre weiträumige Verteilung in
    Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg, muss man davon ausgehen, dass es sich
    bei diesem Biomasserückgang von Fluginsekten um ein allgemeines und weitverbreitetes Problem
    in Mitteleuropa handelt.
2. Alle untersuchten Standorte befinden sich in Gebieten, die einem gesetzlichen Schutzstatus unterliegen
    oder von Verbänden naturschutzfachlich gepflegt werden. Es handelt sich also um einen Rückgang
    außerhalb, aber umgeben von Agrarlandschaften.
3. Bei dem dokumentierten Rückgang handelt es sich nicht (nur) um seltene Arten, deren Rückgang
    bereits dokumentiert ist, sondern um einen andauernden schnellen Rückgang in der Gesamtbiomasse
    von Fluginsekten in Raum und Zeit.
4. Dieser massive Rückgang der Insektenbiomasse in Deutschland muss einen kaskadenartigen Effekt
    in den Nahrungsketten unserer Natur haben, da Insekten eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele 
    andere Tiere wie Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Fledermäuse darstellen.
Beunruhigend ist ferner, dass die eigentlichen Ursachen für diesen Rückgang nicht bekannt sind. Es gibt einen dringenden Bedarf, diese schnell aufzuklären! (mn)

Hier geht es zur wissenschaftlichen Publikation

Zitierte Literatur
  • Beleites, M. 2012: Leitbild Schweiz oder Kasachstan? Zur Entwicklung der ländlichen Räume in Sachsen. AbL Bauernblatt Verlags GmbH.
  • Schwan, H., M. Sorg & W. Stenmans 1993: Naturkundliche Untersuchungen zum Naturschutzgebiet Die Spey (Stadt Krefeld, Kreis Neuss) I. Untersuchungsstandorte und Methoden. – Natur am Niederrhein (NF). 8 (1): 1–13.
  • Sorg, M., H. Schwan, W. Stenmans & A. Müller 2013: Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013. Mitteilungen aus dem Entomologischen Verein Krefeld 2013 (1): 1–5.




Sächsisches Schmetterlingswiesenprojekt von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet


28.08.2017
Vor dem Hintergrund des massiven Insektensterbens in unserer Umwelt startete im Jahr 2015 das Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“. Es widmet sich der zu intensiven Mahd von Grünflächen in Städten und Dörfern und ruft dazu auf, eine Fläche im Jahr nur zwei- bis dreimal zu mähen und bei jeder Mahd 10 bis 30 Prozent der Fläche ungemäht zu belassen. Heute erhielt die Initiative für ihr Engagement den Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“. Diese Auszeichnung erhalten Projekte, die sich in nachahmenswerter Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.
Bei der Festveranstaltung in den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden-Klotzsche sprach Prof. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, über die Biodiversität im Anthropozän, welche Verluste sie bereits erlitten hat und wie existenziell wichtig sie für uns Menschen ist, einschließlich der Insekten, die für die Bestäubung insbesondere der vitaminliefernden Kulturpflanzen unerlässlich sind.
Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt überreichte die Auszeichnung und sprach über die Erfolge des Projektes: „Den ‚Schmetterlingswiesen’ haben sich Privatpersonen, Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Kommunen, Kleingartenvereine und weitere Akteure verpflichtet, um die Tagfalter in Sachsen zu schützen. Derartige Projekte sind wichtig, um die Bürger für den Naturschutz und für den Erhalt der Artenvielfalt zu sensibilisieren.“
Und es sind bereits konkrete Ergebnisse zu verzeichnen: Seit Beginn des Projektes entstanden 170 Schmetterlingswiesen in Sachsen – bei jeder Mahd bleibt hier ein Teil der Fläche ungemäht. „Die Schmetterlinge kommen zurück“, freut sich Dr. Matthias Nuß, Initiator des Projektes und Leiter der Sektion Lepidoptera am Senckenberg Museum für Tierkunde und fügte hinzu: „Auf den Wiesen entwickeln sich Eier, Raupen und Puppen weiter; von dort aus können die Falter die zuvor gemähten Bereiche wieder besiedeln.“
Im Anschluss wurde an der Schmetterlingswiese Nr. 12 vor dem Institut unter anderem über die Praxis der Wiesenpflege diskutiert und in der wissenschaftlichen Sammlung konnten die Gäste Belege von in Sachsen längst ausgestorbenen Arten bewundern.
Mehr Informationen über das Projekt gibt es unter www.schmetterlingswiesen.de. Dort gibt es viele Tipps zur Wiesenpflege, Wissenswertes über Tagfalter und ihre Nahrungspflanzen, und die Wiesenpfleger schreiben in ihren Blogs, welche Erfahrungen sie bei der Wiesenpflege gemacht haben. Wer eine Schmetterlingswiese pflegt kann sich auf der Homepage ein Schmetterlingswiesenschild bestellen und wer wissen möchte, welche Tagfalterarten auf seiner Wiese fliegen, kann sich kostenlos eine App auf sein Smartphone laden, um die Arten interaktiv zu bestimmen und die Beobachtungen mitzuteilen.
„Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ ist ein Kooperationsprojekt der Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, dem Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Sachsen e. V., dem Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), Landesverband Sachsen e. V. und dem Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz e. V. Das Projekt wird unterstützt aus Zweckerträgen der Lotterie Glücksspirale. (mn)



Nach der Urkundenüberreichung an der Schmetterlingswiese Nr. 12 in Dresden-Klotzsche (v.l.n.r.): Andrea Gößl (Leiterein Press- und Öffentlichkeitsarbeit, Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt), Dr. Matthias Nuß (Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden), Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger (Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung), Thomas Schmidt (Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen), Christina Kretzschmar (Geschäftsführerin des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege, Landesverband Sachsen), Susanne Ziemer (Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz), Bernd Heinitz (Vorsitzender des NABU Landesverbandes Sachsen). Foto: Ina Ebert (NABU Sachsen)


Cyborg-Libelle


02.06.2017
Schon lange steht der Flug der Libelle Ingenieuren Modell, um kleine, flugfähige Roboter zu bauen. Gleichwohl erlangt deren Flug nicht die Eleganz des natürlichen Originals. Forscher des Howard Hughes Medical Institute und Ingenieure des Forschungs- und Entwicklungsunternehmens Draper in den USA sind nun einen anderen Weg gegangen. Sie nehmen die hervorragenden Flugeigenschaften der Libellen als Grundlage, um mit den lebenden Individuen wissenschaftliche Fragestellungen und technische Anwendungen zu untersuchen bzw. zu entwickeln. Dazu wurden die Libellen zunächst gentechnisch manipuliert, so dass deren Neuronen lichtempfindliche Proteine (Opsine) produzieren und damit auf Lichtsignale reagieren. Diese Neuronen werden mit Lichtleitern (Optroden) verbunden, die ihre Energie aus Solarzellen beziehen. Die Technik wird den Libellen als Rucksack am Thorax befestigt und steht im Datenaustausch mit einer Basisstation. DragonflEye lenkt die Libelle über Lichtimpulse. In Kombination mit einem internen Navigationssystem erlaubt das System einen autonomen Flug – aber dorthin, wo der Mensch es will. (mn)

DragonflEye Project Wants to Turn Insects Into Cyborg Drones
DragonflEye: Cyber-Libelle hebt ab
Die Libelle wird zur Drohne


Dem Stummen Frühling ein Stück näher


10.05.2017
Seit 1962 der „Stumme Frühling“ von Rachel Carson erschienen ist sollte man vermuten dürfen, dass Gifte, die Leben töten und offiziell verharmlosend Pflanzenschutzmittel genannt werden, in der Umwelt nichts mehr zu suchen haben. Sicher ist, dass sich in der Zwischenzeit einiges geändert hat: es werden andere Wirkstoffe eingesetzt und es gibt Gesetze, die den Einsatz solcher Wirkstoffe regeln. Die ausgebrachten Mengen aber sind gerade in den zurückliegenden Jahren noch einmal kontinuierlich gestiegen, mit fatalen Folgen für die Umwelt. Innovativ ist das nicht, und nachhaltig ebenfalls nicht. Es lohnt sich, Rachel Carson’s Klassiker noch einmal zur Hand zu nehmen und mit dem jüngst in der GEO erschienenen Artikel „Pestizide und das Ende unserer Insekten“ von Anke Sparmann zu vergleichen, um der Frage nachzugehen, wie viel Fortschritt es in den letzten 50 Jahren bei diesem Thema gegeben hat. (mn)

Anke Sparmann „Pestizide und das Ende unserer Insekten“. – GEO 3/2017, S. 54 ff.


Ein Film über Insekten Sachsen


01.03.2017
Im Auftrag des Museums für Naturkunde Berlin entstanden im Rahmen des Projektes BürGEr schaffen WISSen Filme über zwei Citizen Science-Projekte in Deutschland, Insekten Sachsen und die Plastikpiraten. Man könnte meinen, die Herausforderung für einen Film über unser Projekt wäre, aus der Vielfalt von Insekten und Lebensräumen eine Auswahl zu treffen, auf welche die Kamera fokussieren soll. Doch der Dreh war am 10. Januar im Zentrum von Dresden …

Hier geht es zum Film


Das war das Jahr 2016 bei INSEKTEN SACHSEN


22.12.2016
2016 war ein ungewöhnliches Insektenjahr. Nach einem äußerst milden Jahreswechsel mit einem Nachweis des Aurorafalters gab es im neuen Jahr etwas Frost, während weiter nördlich die Temperaturen in Berlin soweit sanken, dass dort die Flüsse zufroren. Im Frühjahr zeigten sich wenig Falter, im Sommer gab es kaum Mücken und das gewohnte häufige Auftreten von Wespen im Spätsommer blieb weitgehend aus.
Bei INSEKTEN SACHSEN waren die Entomologen trotzdem aktiv, trugen auch in diesem Jahr wieder Fotos von weiteren 500 Arten zusammen und die Anzahl der Onlinemeldungen stieg von 28.000 auf über 41.000. Zu den Höhenpunkten im Jahresverlauf zählten u.a. der Frühjahrs- und der Herbstworkshop sowie eine Spende der Krombacher Brauerei. Über diese Ereignisse wurde in dieser Nachrichtenrubrik bereits berichtet.
Ein weiterer Höhepunkt war unser Sommertreffen vom 24. bis 26. Juni in Hohenprießnitz. Michael Happ und die NABU-Gruppe Hohenprießnitz um Rolf Schulze haben dieses Treffen hervorragend vorbereitet und durchgeführt. In der Heimatscheune wurde für unser leibliches Wohl gesorgt und die Gastfreundschaft der NABU-Gruppe ließ keine Wünsche offen. Exkursionsziele waren die Muldenwiesen, der Schloßpark Hohenprießnitz, der durch Michael Happ inzwischen sachsenweit bekannte Kahns Berg und die Schmetterlingswiese „Puppenstube am Fichtbusch“. Die 20 Teilnehmer plus Kinder und NABU-Gruppe Hohenprießnitz trugen an dem Exkursionswochenende 614 Fundmeldungen für 391 Arten zusammen, die alle auf INSEKTEN SACHSEN verfügbar sind. Die nachfolgenden Fotos zeigen ein paar Impressionen von dieser Sommerexkursion. Ich danke der NABU-Gruppe Hohenprießnitz ganz herzlich für dieses schöne, erfolgreiche und unvergessliche Wochenende!
Im Namen des INSEKTEN-SACHSEN-Teams danke ich auch ganz herzlich allen Insektenfreunden, die INSEKTEN SACHSEN 2016 mit neuen Fotos, Steckbriefen, der Freigabe von Funden und spannenden Einzelbeobachtungen vorangebracht haben und wünsche allen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017. (mn)





















(Fotos ak, emb, mf, mg, mh, rs, ta, whl)



INSEKTEN SACHSEN Herbstworkshop 2016


04.12.2016
Für Samstag den 26. November luden wir, der AK Entomologie, wieder zu unserem Herbstworkshop in die Schulungsräume der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden ein. Verzeichneten wir im Frühjahr zum ersten Workshop des Jahres 25 Teilnehmer, verdoppelte sich nun die Zahl und der große Schulungsraum stieß an seine Aufnahmegrenzen.
Schwerpunkt unseres Herbstworkshops bildete das Thema Naturfotografie mit all seinen Facetten. Franziska Bauer und Peter Diehl stellten spezielle Makrofotografietechniken vor und Mandy Fritzsche gab eine Einführung in zentrale Aspekte der Bildbearbeitung und -archivierung. Darüber hinaus stellte Matthias Nuß technische Ergänzungen bei INSEKTEN SACHSEN vor und Angela Kühne gab Tipps für den Erwerb eines qualitativ guten und zugleich preiswerten Stereomikroskopes. Alle Themen wurden intensiv diskutiert und werden als Beiträge in der Sächsischen Entomologischen Zeitschrift erscheinen bzw. bei der weiteren Entwicklung von INSEKTEN SACHSEN berücksichtigt und als Gebrauchsanweisung digital auf der Plattform veröffentlicht. Mit zwei Vorträgen zum Schmetterlingsgarten am Schneckenstein von Wolfgang Wagner und zu aktuellen Entwicklungen der Heuschreckenfauna Sachsens von Tommy Kästner schloss der Vormittagsteil unseres Workshops.
Nach der Mittagspause fanden sich die Teilnehmer in den Sammlungsräumen des Museums für Tierkunde zusammen. Belegexemplare und Belegfotos, die bislang nicht oder nur unsicher bestimmt werden konnten, wurden (nach)bestimmt und auf diese Weise auch zahlreiche Meldungen auf INSEKTEN SACHSEN freigegeben. Natürlich gab es auch Zeit für den persönlichen Erfahrungsaustausch, die besonders am Ende des Workshops genutzt wurde, da dann keine weiteren Programmpunkte mehr anstanden. So verließen die letzten Teilnehmer nach 19:30 Uhr das Haus. (tk & mn, Fotos rg)
















Sächsische Entomologische Zeitschrift erschienen


02.12.2016
Nach einiger Verzögerung ist die Sächsische Entomologische Zeitschrift als Doppelband für die Jahre 2014/2015 erschienen. Auf 238 Seiten erfährt der Leser viel Wissenswertes und Neues aus der sächsischen Insektenwelt.
Das Titelfoto der Großen Holzbiene verweist auf die erste Arbeit im Heft, die sich mit der Einwanderungshistorie dieser südlichen Art beschäftigt. 2005 erstmalig in Sachsen nachgewiesen, zeigen die Autoren die kontinuierliche Ausbreitung dieser Wildbienenart im Freistaat. Über die Analyse georeferenzierter Daten der Vorkommen der Großen Holzbiene sowie des Klimas und der Klimaänderungen wird deutlich, dass wärmebegünstigte Lagen zuerst besiedelt wurden. Die Arbeit ist mit zahlreichen Kartenbeispielen und Diagrammen illustriert.
Darauf folgen acht Arbeiten über Insekten und Spinnen der Kleinraschützer Heide bei Großenhain. Von 2009 bis 2012 wiesen die Autoren in diesem Gebiet 802 Käfer-, 96 Bienen-, 46 Grabwespen-, 121 Fliegen-, 142 Wanzen-, 123 Zikaden- und 181 Spinnenarten nach – und das inmitten der Großenhainer Pflege. Weitere Insektenordnungen wären hier noch zu untersuchen!
Eine weitere Arbeit mit dem bescheidenen Titel „Staubläuse in Sachsen“ gibt einen Überblick über diese winzigen Insekten, von denen nunmehr 69 Arten bei uns als heimisch gelten dürfen. Davon wurden neun Arten erstmalig für Sachsen nachgewiesen, darunter je eine Art erstmalig für Deutschland bzw. für Europa!
Das dicke Ende des Heftes füllen Arbeiten, die Erstnachweise von Prachtkäfer- und Raubfliegenarten für Sachsen melden, ein Massenvorkommen des Sechsfleckwidderchens bei Nochten beschreiben, auf besondere Vorkommen der Gemeinen Plumpschrecke und der Kleinen Habichtsfliege hinweisen sowie die Nachfalterreste an Fledermausfraßplätzen analysieren.
Alle Beiträge sind mit Farbfotos illustriert, so dass der Leser eine sehr gute Vorstellung von den behandelten Arten bekommt – vorausgesetzt es gelingt ihm, sich die oft geringen Körpermaße vorzustellen. Für die Staubläuse werden zusätzlich wissenschaftliche Zeichnungen geliefert.
Zwei Buchbesprechungen beschließen den Zeitschriftenband.
Für den Band 9 (2016) wurden bereits die ersten Manuskripte eingereicht und weitere angekündigt, so dass wir sehr zuversichtlich sind, dass die Zeitschrift ab 2017 wieder regelmäßig mit einem Band pro Jahr erscheinen wird. (mn)

Bezug
9,00 € zzgl. Porto im freien Verkauf
6,00 € zzgl. Porto für NABU Sachsen-Mitglieder und im Abonnement
Bestellung: NABU Sachsen, Landesgeschäftsstelle, Ina Ebert (ebert@NABU-Sachsen.de)


Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge


29.05.2016
Vor einem Jahr, am 21. Mai 2015, startete die sachsenweite Mitmachaktion „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“. Nach den ersten 12 Monaten des Projektes gibt es bereits 75 Schmetterlingswiesen in Sachsen, die von Projektkoordinatoren, regionalen Projektpartnern, Wohnungsgenossenschaften und privaten Leuten gepflegt werden. Damit es den Populationen der Schmetterlinge in Sachsen aber spürbar besser geht, braucht es noch viel mehr solcher Wiesen!
Zum diesjährigen Saisonauftakt trafen sich am 23. Mai 2016 Projektkoordinatoren und Wiesenpfleger in Eilenburg mit Oberbürgermeister Ralf Scheler, Vertretern des Landratsamtes sowie des Landschaftspflegeverbandes Torgau-Oschatz. Die Stadt Eilenburg stellt große Flächen ihres Stadtparks für eine schmetterlingsgerechte Wiesenpflege zur Verfügung. Demonstriert wurde die Mahd mit Sense und Balkenmäher: einen Streifen mähen, einen Streifen stehen lassen, einen Streifen mähen, einen Streifen stehen lassen... So ist es möglich, dass bei jeder Mahd ein Teil der Schmetterlingspopulationen überleben kann und die Wiesen nicht nur bunter blühen , sondern auch bunte Schmetterlinge auf ihnen fliegen werden.
Zum Saisonauftakt wurden die Projekthomepage und die 40-seitige Projektbroschüre überarbeitet sowie neu ein Faltblatt mit prägnanter Projektdarstellung , ein Schmetterlings-Daumenkino sowie die Handy-App TAGFALTER SACHSENS vorgestellt.
Die Tagfalter-App erlaubt die interaktive Bestimmung der 125 in Sachsen heimischen Tagfalterarten nach den Merkmalen Vorderflügellänge sowie Farben und Muster der Flügel. Wer die heimischen Tagfalterarten schon kennt, kann die App auch nutzen, um über die Namenssuche direkt zu den Arten zu gelangen. Dort finden sich zu jeder Art aussagefähige Fotos und eine Diagnose, welche die typischen Merkmale einer Art sowie die Merkmale zur Unterscheidung ähnlicher Arten enthält. Diese Fachinformationen, wie auch das Ampelsystem und die Informationen über den gesetzlichen Schutz und den Status in der Roten Liste werden von INSEKTEN SACHSEN übernommen und hier gepflegt. Wer die richtige Art gefunden hat, kann seine Beobachtung mithilfe der App melden. Dazu kann er ein Foto mitliefern, welches die Prüfung der Artbestimmung erlaubt und die Ortungsfunktion des Handys liefert die geographischen Koordinaten für die Fundmeldung. Diese geht auf INSEKTEN SACHSEN ein und wird hier, wie alle anderen Fundmeldungen auch, von Entomologen geprüft.
Mithilfe der App sollen die Schmetterlingswiesenpflegerinnen und -pfleger erfahren können, welche Tagfalterarten auf ihren Wiesen fliegen. Die App kann aber auch unabhängig von einer Schmetterlingswiese eingesetzt werden, um sie für die Artbestimmung von Tagfaltern und die Meldung von Beobachtungen zu nutzen. Sie kann also sachsenweit für ein Tagfalterminitoring genutzt werden. Und vielleicht trägt sie auch ein wenig dazu bei, dass es zukünftig wieder mehr Artenkenner geben wird. (mn)

Die Tagfalter-App für Android


Frau Beydatsch von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt überreicht Herrn Ralf Scheler, Oberbürgermeister
von Eilenburg, das Schmetterlingswiesenschild für den Stadtpark Eilenburg. Foto: Matthias Nuß


Vertieft in die Schmetterlingswiese. Foto: Ina Ebert


Streifenmahd - so kann bei jeder Mahd ein Teil der Schmetterlingspopulationen überleben. Foto: Ina Ebert





Krombacher Brauerei begrüßt das Engagement bei INSEKTEN SACHSEN


11.05.2016
Die Krombacher Brauerei begrüßt das Engagement bei INSEKTEN SACHSEN und hat sich entschlossen, im Rahmen der Krombacher Spendenaktion die gemeinnützige Arbeit bei INSEKTEN SACHSEN zu unterstützen. Am 11. Mai 2016 übergab Michael Lange (2.v.r.), Repräsentant der Krombacher Brauerei, einen Scheck in Höhe von 2.500 Euro an Vertreter von INSEKTEN SACHSEN. Tilmann Adler (2.v.l.) bewarb diese Spende u.a. mit den Worten:

"Die Vielfalt der Natur ist ein großes Geschenk und dazu muss ich nicht in den Regenwald fahren, sondern kann dies vor meiner Haustür entdecken. Seit 3 Jahren kartiere ich ehrenamtlich für Insekten Sachsen und betrachte die Natur seitdem mit anderen Augen, man sieht einfach mehr, wenn man sich für seine Umwelt Zeit nimmt und leistet damit auch einen wissenschaftlichen Beitrag zur Erforschung der heimischen Insekten."

Wir danken der Krombacher Brauerei ganz herzlich für diese Unterstützung!


Foto: Franziska Bauer

Mit der Krombacher Spendenaktion wurden seit 2003 bislang 1.062 Institutionen und Organisationen mit insgesamt 2,677 Mio. Euro unterstützt. Zudem engagiert sich die Krombacher Brauerei seit 10 Jahren für den Natur- und Artenschutz in Deutschland und weltweit, und startete 2016 gemeinsam mit der DUH, dem NABU und dem WWF das Krombacher Artenschutzprojekt, um die Artenvielfalt in Deutschland zu schützen. (mn)


Das war der Frühlingsworkshop 2016


11.04.2016
Am 09.04.2016 fand unser diesjähriger Frühlingsworkshop in Dresden statt. Matthias Nuss begrüßte die 25 Teilnehmer mit einem Rückblick über 10 Jahre Arbeitskreis Entomologie im NABU Sachsen. Anschließend tagte die Mitgliederversammlung, bei welcher Matthias Nuss, Michael Münch, Hanno Voigt und Bernd-Jürgen Kurze für ihre Arbeit der vergangenen vier Jahre gedankt und für die kommende Legislaturperiode wiedergewählt wurden.
In den folgenden zwei Stunden berichtete Michael Braune über spannende Details aus dem Leben einheimischer Ameisen samt Formicarium „für die Hosentasche“, Christian Schmidt stellte die heimischen Baumwanzen vor, Janine Schyra rief zur Mitarbeit an der Erstellung einer Datenbank zur molekularen Bestimmung heimischer Tierarten auf und Matthias Nuss berichtete über den Stand des Schmetterlingswiesenprojektes, insbesondere die Programmierung der Tagfalter-App, sowie über zwei neu startende Projekte zur Erfassung historischer Nachweise von Schmetterlingen und Wanzen (Senckenberg) und einem deutschlandweiten Projekt zur Erfassung der Schmetterlinge als Grundlage für die Gefährdungsanalyse für die Rote Liste 2020 (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe und Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden).
Nach der Mittagspause wurde sich in den Sammlungsräumen zusammengesetzt. Von den Workshopteilnehmern mitgebrachte Belegexemplare und bisher unbestimmte Fotos wurden (nach)bestimmt. Viele Fundmeldungen auf INSEKTEN SACHSEN, die bisher noch nicht bearbeitet werden konnten, wurden geprüft. Ewald Jansen besuchte uns erstmals und bestimmte zahlreiche Blattwespen auf INSEKTEN SACHSEN. So wurden an diesem Nachmittag etwa 150 Fundmeldungen bearbeitet und 19 Arten neu in die Bestimmungshilfe aufgenommen.
Natürlich gab es auch viel Zeit für den persönlichen Erfahrungsaustausch und so verließen die letzten Teilnehmer nach 19:30 Uhr das Haus. (tk)














Fotos: Ronny Gutzeit


Die Wissenskünstlerin Cornelia Hesse-Honegger


29.01.2016
Die Wissenskünstlerin Cornelia Hesse-Honegger. Ein Feature von Christine Nagel, Deutschlandfunk, 29.01.2016 (verfügbar bis 06. August 2016)

Die Schweizerin Cornelia Hesse-Honegger ist Bildende Künstlerin, Naturwissenschaftliche Zeichnerin und Wissenskünstlerin. Weltweit bekannt wurde sie mit ihren Bildern von deformierten Wanzen (Heteroptera). Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (1986) dokumentierte sie Fehlbildungen bei Wanzen in Regionen mit radioaktivem Fallout sowie in der Nähe von Kernkraftwerken. Ihr künstlerischer Ansatz, das Gesehene zu dokumentieren, wurde wiederholt als unwissenschaftlich abgetan. Dabei machte sie über das Zeichnen Entdeckungen: verformte Beine, Fühler und Flügel, außergewöhnliche Farbmuster oder bizarre Auswüchse. Am 28.Oktober 2015 erhielt Cornelia Hesse-Honegger für ihr aufklärerisches Werk den Nuclear Free Future Award.

Hintergrund: Bereits im Jahr 1927, lange vor dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, zeigte Hermann Joseph Muller bei Taufliegen, dass ionisierende Röntgenstrahlung zu einer Veränderung des Erbgutes führen kann. 1946 wurde er für diese Entdeckung mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Bald bestätigte die Wissenschaft auch, dass besonders die Niedrigstrahlung genetische Schäden verursacht, die erst in späteren Generationen sichtbar werden (Überblick bei Møller & Mousseau 2013). Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 berichteten japanische Wissenschaftler von Missbildungen bei Schmetterlingen und auch auf uns Menschen ist ein negativer Einfluss feststellbar: Für die US-Bundesstaaten an der Pazifikküste wurde bei Neugeborenen eine Zunahme angeborener Fehlbildungen um 13% im Vergleich zum Vorjahr festgestellt (Mangano & Sherman 2015). (mn)

Literatur

  • Hesse-Honegger, C. 1989: Warum bin ich in Österfärnebo? Bin auch in Leibstadt, Beznau, Gösgen, Creys-Malville, Sellafield gewesen ... – Edition Heuwinkel, Genf Carouge.
  • Hesse-Honegger, C. 1998: Heteroptera – das Schöne und das Andere oder Bilder einer mutierenden Welt. – Zweitausendeins, Frankfurt/M.
  • Hesse-Honegger, C. & P. Wallimann 2008: Malformation of true bug (Heteroptera): a phenotype field study on the possible influence of artificial low-level radioactivity. – Chemistry & Biodiversity 5: 499–539.
  • Mangano, J. & J. Sherman 2015: Changes in Congenital Anomaly Incidence in West Coast and Pacific States (USA) after Arrival of Fukushima Fallout. – Open Journal of Pediatrics 5: 76–89.    
  • Møller, A. P., T. A. Mousseau 2013: The effects of natural variation in background radioactivity on humans, animals and other organisms. – Biological Reviews 88 (1): 226–254.
  • Muller, H. J. 1927: Artificial transmutation of the gene. – Science 66: 84–87.

Webseite von Cornelia Hesse-Honegger



Dramatischer Rückgang der heimischen Insekten


16.01.2016
In einem Fachgespräch des Umweltausschusses im Bundestag am 13. Januar 2016 zeigten die Wissenschaftler Dr. Joself Settele, Prof. Dr. Thomas Schmitt, Prof. Dr. Teja Tscharntke sowie der Naturschützer Josef Tumbrinck, dass es in unserer Natur zu einem dramatischen Rückgang der heimischen Insekten gekommen ist. Dieser Trend ist sowohl lang- wie auch kurzfristig belegt und er betrifft den Rückgang der Insektenarten genauso, wie den Rückgang der Insektenbiomasse.

Die Aussagen der Wissenschaftler basieren auf umfangreichen Studien. So wurde an dieser Stelle 2013 über den Grünlandschmetterlingsindikator berichtet, der für Europa einen Rückgang der Populationen von Tagfalterarten im Zeitraum von 1990 bis 2011 um fast 50% bzw. in den EU-Mitgliedsstaaten um fast 30% verzeichnet.
In einer Studie von Sorg et al. (2013) wurde in den Jahren 1989 und 2013 im Naturschutzgebiet ‘Orbroicher Bruch’ (Krefeld, Nordrhein-Westfalen) jeweils an zwei Standorten die Biomasse flugaktiver Insekten mithilfe von Malaisefallen ermittelt. Nach Abtropfen der Fangflüssigkeit betrug die Masse der 1989 gefangenen Insekten am Standort 1 1117,1 g und am Standort 2 1425,6 g. Im Jahr 2013 waren es am Standort 1 nur noch 257,3 g und am Standort 2 294,4 g. Dies entspricht einem Rückgang flugaktiver Insekten von 1989 bis 2013 auf 23% bzw. 20,7%.
Habel et al. (2016) analysierten Daten über das Vorkommen von Tagfaltern und Widderchen im Naturschutzgebiet ‘Am Keilstein’ auf den südexponierten Hängen an der Donau in Regensburg. Für die dortigen Kalkmagerrasen konnten sie Literatur- und Sammlungsdaten zwischen den Jahren 1770 und 2013 ermitteln. Die Daten wurden nach Jahrzehnten strukturiert und Jahrzehnte mit ungenügender Datenerhebung aus der Analyse ausgeschlossen. Danach ergaben sich drei größere Zeitfenster für die eigentliche Analyse: 1840–1879, 1900–1929 und 1970–2013. Die absolute Artenanzahl betrug in diesen Zeiträumen 130 (1840–1880), 133 (1900–1929) und 121 Arten (1970–2013). Die höchste je ermittelte Artenanzahl/Dekade stammt aus den 1870er Jahren mit 123 Arten. Nach 2010 war die Anzahl auf 71 Arten gesunken. Der signifikante Verlust der Gesamtanzahl der Arten geht einher mit einem Verlust unterschiedlicher Artenvielfalt in verschiedenen Habitaten (β Diversität) und einer graduellen Transformation von einer Artengemeinschaft mit vielen Habitatspezialisten zu einer Artengemeinschaft, die von wenigen Habitatgeneralisten dominiert wird.

Als Ursachen für den dramatischen Rückgang unserer heimischen Insekten werden vor allem der Verlust der Strukturvielfalt in der Landschaft, Stickstoffbelastung und der Einfluss von Pestiziden benannt bzw. diskutiert. Dabei ist der Rückgang der Insekten nicht nur für die Insekten selbst von Bedeutung. Viele Pflanzen sind auf die Bestäubung ihrer Blüten durch Insekten angewiesen. Dazu gehört auch ein Großteil der Kulturpflanzen, die ohne Insektenbestäubung keine Früchte hervorbringen, welche für unsere Ernährung unerlässlich sind. Darüber hinaus sind Insekten in den terrestrischen und aquatischen Ökosystemen eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Wirbeltierarten. Ein Verlust der Insektenbiomasse muss daher auch ein Verlust insektenfressender Wirbeltiere zur Folge haben. Genau dieser Zusammenhang ist für viele Arten gezeigt worden, wie beispielsweise Neuntöter (Schreurs 1964), Feldlerche, Rauchschwalbe, Schafstelze, Star, Dorngrasmücke und Misteldrossel (Hallmann et al. 2014). (mn)


Vollständige Videoaufzeichnung des Fachgespräches „Ursachen und Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes bei Insekten“ in der 73. Sitzung des Umweltausschusses im Bundestag am 13. Januar 2016.
(1 h 20 min)


Literatur



Das war das Jahr 2015 auf INSEKTEN SACHSEN


31.12.2015
Auch 2015 war wieder ein sehr erfolgreiches Jahr auf INSEKTEN SACHSEN. Insgesamt gingen 10.979 Onlinemeldungen ein, darunter über 600 Insektenarten erstmalig mit einem Foto. So wurden im Herbst gleich zwei Meilensteine erreicht: im September ging die 3000ste Art mit einem Foto und im November die 6000ste Art mit einem Fundnachweis ein.
In unserer Rubrik „Schon gesehen?“ riefen wir dieses Jahr dazu auf, insbesondere Beobachtungen der Frühjahrsfrostspanner, der Gehörnten Mauerbiene, der beiden Bienenkäferarten, der Wespe Polistes dominula, des Taubenschwänzchens, der Südlichen Eichenschrecke, der Herbstfrostspanner sowie der Winterhaften und Felsenspringer mitzuteilen. Die eingehenden Meldungen stellten sich bei der Gehörnten Mauerbiene Osmia cornuta als besonders erkenntnisreich heraus. Diese Art wurde nach 1944 über einen Zeitraum von sechs Jahrzehnten in Sachsen nicht gefunden. Erst im Jahr 2003 entdeckte ein Biologiestudent im Botanischen Garten der TU Dresden diese Bienenart wieder und seit 2013 wird sie im Dresdner Elbtal regelmäßig beobachtet. Anfang April 2015 riefen wir dazu auf, Beobachtungen der Gehörnten Mauerbiene mitzuteilen. Insgesamt gingen 58 Meldungen ein. Die meisten dieser Meldungen waren mit einem oder mehreren Belegfotos versehen, so dass wir die Artbestimmung überprüfen konnten. Aber nicht alle Fotos zeigten die Gehörnte Mauerbiene. So waren sowohl ihre Verwandte, die Rote Mauerbiene (Osmia rufa), als auch Hummeln und Wollschweber darunter. Nach Prüfung und in einigen Fällen Korrektur der eingegangenen Meldungen konnten 25 Meldungen für die Gehörnte Mauerbiene und 13 Meldungen für die Rote Mauerbiene freigegeben werden. Aufgrund der vorhandenen Fehlbestimmungen entschieden wir uns, alle Meldungen, die kein Belegfoto enthielten, nicht freizugeben, denn nur die Beobachtungen, die auf einer exakten Artbestimmung beruhen, können für eine weitere Analyse des Vorkommens herangezogen werden. Für die Gehörnte Mauerbiene liegen uns nun Beobachtungen von 10 Quadranten aus Sachsen vor, für die Rote Mauerbiene sind es 13. Wenngleich diese Erfassung sicher noch nicht vollständig ist, wird in den Karten deutlich, dass beide Arten in Sachsen weit verbreitet sind.
Zu den Höhepunkten im Jahr 2015 gehörten bei INSEKTEN SACHSEN zweifellos unsere Veranstaltungen, bei denen sich die Mitmachenden kennenlernen und Erfahrungen austauschen konnten. Unsere Workshops am 18. April und 14. November waren gut besucht und zu unserem Sommertreffen vom 3. bis 5. Juli in der Oberlausitz kamen 30 Teilnehmer. Diese zur guten Tradition gewordenen Veranstaltungen werden wir auch 2016 wieder durchführen.
Allen Insektenfreunden, die INSEKTEN SACHSEN 2015 mit neuen Fotos, Steckbriefen, der Freigabe von Funden und spannenden Einzelbeobachtungen vorangebracht haben, danke ich im Namen des INSEKTEN-SACHSEN-Teams ganz herzlich und wünsche allen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2016.

Euer Matthias Nuß


























Dunkelbrauner Kugelspringer zum Insekt des Jahres 2016 gekürt


26.12.2015
Springschwänze stellen die individuenreichste Insektengruppe unserer Böden. Auf einem Quadratmeter Bodenfläche können bis zu 200.000 Individuen leben. Hier sorgt ihre rege Fraßtätigkeit dafür, dass abgestorbene organische Substanz abgebaut und Grundlage für die mikrobielle Aktivität und des Stoffumsatzes im Boden wird. Aus diesem Prozess gehen Nährstoffe hervor, die von den Pflanzen aufgenommen und genutzt werden. Springschwänze sind somit ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Boden, das kaum erneuerbar und auch für uns Menschen lebenswichtig ist: Ackerbau und Forstwirtschaft sind direkt von der Leistungsfähigkeit der Bodenorganismen abhängig.
Stellvertretend für alle Springschwänze wurde der Dunkelbraune Kugelspringer (Allacma fusca (Linnaeus, 1758)) zum Insekt des Jahres 2016 gekürt. Springschwänze (Collembola) kommen in Deutschland mit 416 Arten vor, von denen 87 Arten zu den Kugelspringern (Sminthuridae) gezählt werden. Namensgebend ist ihre Körperform, durch welche sie sich von den langgestreckten Springschwänzen unterscheiden. Mit bis zu 4 Millimeter Körperlänge ist der Dunkelbraune Kugelspringer die größte einheimische Art unter den Kugelspringern. (mn)

Kuratorium Insekten des Jahres
Insekt des Jahres 2016 - Dunkelbrauner Kugelspringer - Faltblatt


Projekt zur Erhaltung des Goldenen Scheckenfalters im Mai 2015 gestartet


11.06.2015
Dort wo Bayern, Sachsen und Tschechien zusammentreffen, gibt es im Grünen Band die letzten sächsischen Vorkommen des Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia). Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Goldene Scheckenfalter im sächsischen Tiefland weit verbreitet. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts sind seine Populationen jedoch europaweit im Rückgang begriffen. In Deutschland gingen allein zwischen 1950 und 2002 drei Viertel der Populationen verloren. Dieser Trend vollzog sich auch in Sachsen. An der Wende zum 21. Jahrhundert kommt der Goldene Scheckenfalter nur noch im südwestlichen Vogtland und hier insbesondere im Grünen Band vor. Nun soll im Rahmen eines (bundes)länderübergreifenden Verbundprojektes zwischen Bayern, Sachsen und der Tschechischen Republik die Lebensraumsituation für den Goldenen Scheckenfalter verbessert, die bestehenden Vorkommen stabilisiert und im Projektgebiet eine überlebensfähige Population aufbaut werden.
Das Projekt wird bis 2021 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit / Bundesamt für Naturschutz, dem Bayerischen Naturschutzfonds und dem Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft gefördert. In der Tschechischen Republik beteiligt sich die Organisation AMETYST an dem Projekt.

Wir wünschen allen Beteiligten viel Erfolg! (mn)

Weitere Informationen gibt es unter http://www.biologischevielfalt.de/22879.html  


Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge


21.05.2015
Am 20. Mai 2015 startete in Burgstädt eine neue, sachsenweite Mitmachaktion, die dazu aufruft, Freiflächen in Städten und Dörfern so zu pflegen, dass sie Lebensräume für Schmetterlinge werden. Der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt eröffnete das Projekt. Im Anschluss erläuterte Prof. Dr. Dr. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, in einem Vortrag die gravierenden Veränderungen in unsere Umwelt durch das Wirken des Menschen seit dem 19. Jahrhundert, die Geologen bereits dazu veranlassen, von einem neuen Erdzeitalter, dem Anthropozän, zu sprechen. Außerdem machte er auf die Ökosystemdienstleistungen aufmerksam, auf die wir Menschen angewiesen sind. Danach erläuterte Dr. Matthias Nuß vom Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden Inhalte des Schmetterlingswiesenprojektes.
Im Anschluss erfolgte ein Rundgang auf einer Wiese der Naturschutzstation Herrenhaide, die seit Jahren schmetterlingsgerecht gemäht wird. Wiesenschaumkraut, Sauerampfer, Fingerkraut, Nelken, Hahnenfuß und Knabenkräuter stehen in Blüte und trotz grauen Himmels flogen Falter des Kleinen Wiesenvögelchens (Coenonympha pamphilus). Die grünen Blätter von Rainfarn und vieler Exemplare des Gewöhnlichen Teufelsabbiss versprechen einen reichen Blütenflor im Sommer. Staatsminister Thomas Schmidt brachte auf dieser Wiese das erste Schmetterlingswiesenschild an.
Nun gilt es, das Projekt mit Leben zu erfüllen, so dass möglichst viele Schmetterlingswiesen im Freistaat entstehen. Jeder ist aufgerufen, mitzumachen. Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es unter www.schmetterlingswiesen.de. Dort steht auch die Projektbroschüre als PDF-Datei zur Verfügung.
Das Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ ist eine Kooperation der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, des Senckenberg Museums für Tierkunde Dresden, des NABU Landesverbandes Sachsen e. V., des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege e. V., Landesverband Sachsen und des Landschaftspflegeverbandes Torgau-Oschatz e. V. Es wird unterstützt durch den Naturschutzfonds der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt aus Zweckerträgen der Lotterie Glücksspirale. (mn)




Neonikotinoide gefährden Artenvielfalt und nachhaltige Landwirtschaft


15.04.2015

Seit Jahren sind Neonikotinoide aufgrund ihrer extrem hohen Giftigkeit und den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt in der öffentlichen Diskussion (siehe auch die Nachrichten in dieser Rubrik vom 03.05., 29.04. und 01.02.2013). Nun hat das European Academies Science Advisory Council (EASAC) ein Gutachten über Ökosystemdienstleistungen, Landwirtschaft und Neonikotinoide vorgelegt.

Unter Ökosystemdienstleistungen wird der Nutzen verstanden, den wir Menschen aus Ökosystemen beziehen. In unserer modernen Welt werden diese Ökosystemdienstleistungen gern auch in Geldwert ausgedrückt:

  • 75% der Kulturpflanzen auf dem globalen Markt sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Diese weltweite Bestäubungsleistung wird auf einen Wert von 14,6 Mrd. € pro Jahr beziffert.
  • Prädatoren wie parasitische Wespen, Marienkäfer sowie Vögel fressen zu einem erheblichen Anteil solche Insekten, die an Kulturpflanzen ökonomischen Schaden verursachen können. Dieser natürliche Pflanzenschutz entspricht weltweit einem Nutzen von 100 Mrd. US$ pro Jahr.
  • Bodenorganismen spielen eine besondere Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit und damit für die landwirtschaftliche Produktivität: Der daraus entstehende jährliche Nutzen entspricht weltweit einem Gegenwert von 25 Mrd. US$.

Diese Ökosystemdienstleistungen basieren auf der natürlich vorhandenen Artenvielfalt. Die Wiederherstellung und die Aufrechterhaltung der Artenvielfalt sind deshalb eine besondere Herausforderung für die Politik der Europäischen Union.
Seit vielen Jahren allerdings zeigen die Daten über Bestäuber wie Wildbienen, Käfer, Schwebfliegen und Schmetterlinge sowie Insekten- und Vogelarten, die im natürlichen Pflanzenschutz von Bedeutung sind, dass deren Populationen sehr stark zurückgehen. Vor diesem Hintergrund hebt das Gutachten der EASAC in Bezug auf Neonikotinoide insbesondere die folgenden vier Punkte hervor:

  1. Es besteht eine wachsende Beweislast, dass die weit verbreitete prophylaktische Anwendung von Neonikotinoiden schwere negative Auswirkungen auf Nichtzielorganismen hat, die Ökosystemdienstleistungen einschließlich der Bestäubung und natürlichen Schädlingsbekämpfung bieten.
  2. Es gibt eindeutige wissenschaftliche Beweise für subletale Auswirkungen von sehr geringen Mengen von Neonikotinoiden über längere Zeiträume auf Nützlinge. Diese sollten in den EU-Genehmigungsverfahren behandelt werden.
  3. Die derzeitige Praxis des prophylaktischen Einsatzes von Neonikotinoiden steht im Widerspruch zu den Grundprinzipien des integrierten Pflanzenschutzes gemäß der Richtlinie über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden in der EU.
  4. Die weit verbreitete Verwendung von Neonikotinoiden (wie auch anderer Pestizide) schränkt das Potenzial für die Wiederherstellung der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen, wie es nach der EU-Agrarumweltverordnung geregelt ist, ein.

Fast zeitgleich erscheint eine Metastudie von Stehle & Schulz (2015), in der die Autoren 838 wissenschaftliche Studien über die Belastung von Oberflächengewässern mit Insektiziden aus der Landwirtschaft auswerten, die in internationalen Fachzeitschriften publiziert wurden und sich auf über 2.500 Standorte in 73 Ländern beziehen. Die Autoren weisen darauf hin, dass bereits bei gesetzlich erlaubten Kontaminationen 30% der Familien der Macroinvertebraten verschwinden und dass diese erlaubten Werte bei 5.915 Messungen bzw. an 68,5% der Standorte überschritten wurden. Dabei gibt es für etwa 90% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche noch kein Monitoring. Aufgrund der vorhandenen Daten muss davon ausgegangen werden, dass die biologische Intaktheit der globalen Wasserressourcen substantiell gefährdet ist. Die Überschreitungen der erlaubten Kontaminationen sind signifikant höher für Insektizide der neueren Generationen und auch in Ländern mit strengen Umweltregularien hoch. Die Autoren der Metastudie fordern weltweit eine Korrektur für bestehende Pestizidbestimmungen und die Praxis der landwirtschaftlichen Ausbringung sowie intensiviere Forschungsanstrengungen über die Präsenz und die Auswirkungen von Pestiziden unter Freilandbedingungen.
Erst 2013 zeigten Wissenschaftler auch für Deutschland, dass die gesetzlich erlaubten Kontaminationen das im Übereinkommen über die biologische Vielfalt erklärte Ziel, die Rate des Biodiversitätsverlustes bis 2020 zu reduzieren, für aquatische Organismen aufs Spiel setzen. Die Analyse zeigt, dass die Pestizide, die derzeit in Europa im Einsatz sind, bis zu 42% Verluste der Artengemeinschaften in Fließgewässern verursachen können (Beketov et al. 2013). (mn)

Literatur

  • Beketov, M. A., B. J. Kefford, R. B. Schäfer & M. Liess 2013: Pesticides reduce regional biodiversity of stream invertebrates. – Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 110 (27): 11039–11043.
  • European Academies, Science Advisory Board 2015: Ecosystem services, agriculture and neonicotinoids. - EASAC policy report 26. EASAC Secretariat, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle/Saale. 61 S.
  • Stehle, S. & R. Schulz 2015: Agricultural insecticides threaten surface waters at the global scale. – Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America: Early Edition 1– 6.
  • Richtlinie 2009/128/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 über einen Aktionsrahmen der Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden.

 




EU-Verordnung über Prävention und Management invasiver gebietsfremder Arten


10.02.2015
In Europa wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 13.000 Pflanzen- und Tierarten eingeschleppt. Einige von ihnen schaden der Umwelt, der Landwirtschaft oder der Gesundheit. Am 22. Oktober 2014 erließen das Europäische Parlament und der Rat die Verordnung 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbereitung invasiver gebietsfremder Arten, die am 1. Januar 2015 in Kraft trat. Bis Jahresende wird von der EU-Kommission eine Liste erstellt, welche Arten als problematisch und daher als bekämpfenswürdig zu erachten sind. Dazu erfolgt zunächst eine Auswertung wissenschaftlicher Daten durch Experten, welche Arten welche Auswirkungen haben. Daraufhin wird es sicher eine Konsultation mit den Mitgliedsstaaten geben, also einen politischen Prozess, wo vielleicht manche Arten aus der Liste herausfallen und andere vorgereiht werden. Man schätzt zur Zeit, dass etwa 100 bis 150 Arten auf dieser Liste stehen werden.


Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbereitung invasiver gebietsfremder Arten


Invasive gebietsfremde Art - Was tut die Europäische Union


Beantragung von Ausnahmegenehmigungen für die Freilandforschung in Sachsen


26.01.2015
Nicht jede Insektenart lässt sich in freier Natur zweifelsfrei bestimmen. Auf Insekten-Sachsen.de signalisiert ein Ampelsystem, ob eine Art nach äußeren Merkmalen bestimmbar ist bzw. dafür eine gute Lupe und ein Bestimmungsschlüssel nötig sind. Für viele Arten jedoch steht hier die Ampel auf rot (oder grau), was bedeutet, dass ein Belegexemplar nur nach Untersuchung mikroskopischer Details unter dem Stereomikroskop bestimmt werden kann. Das Tier muss also gefangen und aus der Natur dauerhaft entnommen werden. Handelt es sich dabei um eine artenschutzrechtlich besonders oder streng geschützte Art, benötigt man für das Fangen und natürlich auch für die Entnahme eine Ausnahmegenehmigung! So sind einige Tagfalterarten besonders und z.T. zusätzlich streng geschützt- und alle Wildbienenarten besonders geschützt. Vor der Entnahme aus der Natur sollte daher rechtzeitig eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Dafür gibt es in Sachsen ein Standardverfahren, in dem die Beantragung von Ausnahmegenehmigungen für verschiedene Landkreise mit nur einem Antrag möglich ist. Im Gegenzug sind die Erfassungsergebnisse jährlich dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zu übergeben.
Das Standardverfahren findet jedoch nur außerhalb von Naturschutzgebieten, Naturdenkmalen und dem Nationalpark Sächsische Schweiz Anwendung. Wer in einem solchen Schutzgebiet Insekten fangen und entnehmen möchte, egal ob es sich um besonders geschützte oder sonstige Arten handelt, benötigt dafür eine gesonderte Genehmigung von der zuständigen Naturschutzbehörde (außerhalb der Großschutzgebiete die UNB).

Weitere Informationen zur Ausnahmegenehmigung für die Freilandforschung sowie das Antragsformular als Download

Welche Arten einem gesetzlichen Schutz unterliegen, kann man beispielsweise im Wissenschaftlichen Informationssystem zum Internationalen Artenschutz (WISIA), einer Datenbank des Bundesamtes für Naturschutz, abfragen.


Das war das Jahr 2014 auf Insekten-Sachsen


24.12.2014

2014 war ein ungewöhnliches Jahr: Der außergewöhnlich milde Winter war schon Mitte Februar zu Ende und die überwinternden Tagfalter verließen ihre Verstecke. So begannen dann auch schon im Februar 2014 rege Aktivitäten auf Insekten-Sachsen.de.
Seitdem das Projekt im Frühjahr 2011 startete, wurde am 5. März 2014 die zweitausendste Insektenart mit einem Foto gemeldet und bis zum 19. Dezember kamen noch einmal 500 Arten hinzu. Gegenüber dem Projektzeitraum von 2011 bis 2013 hat sich sowohl die Anzahl der von Entomologen hochgeladenen Daten auf über 160.000 als auch die Anzahl der online eingegangen Meldungen auf über 18.000 Datensätze jeweils mehr als verdoppelt. Insgesamt sind zum Jahresende 5.681 Arten mit je mindestens einem Fundnachweis aus Sachsen auf der Online-Plattform verzeichnet.
Zu den Höhenpunkten des Jahres 2014 gehörten unsere Workshops am 5. April und 22. November in Dresden sowie unsere Sommerexkursion vom 4. Bis 6. Juli in die nordöstliche Lausitz. Hier bot sich Gelegenheit Erfahrungen auszutauschen, beispielsweise bei der Bestimmung von Insekten, technischen Raffinessen der Insektenfotografie und Präparationstechniken unter dem Stereomikroskop. Oliver Röller berichtete uns vom ArtenFinder-Projekt in Rheinland-Pfalz und gab uns damit viele positive Anregungen.
Besonders erfreulich ist, dass auch in diesem Jahr wieder Interessierte erstmals zu unserer Seite gefunden haben und mitmachen. Stellvertretend seien hier Mandy & Michael Fritzsche genannt. Sie arbeiten sich mit viel Begeisterung und Engagement in die Wildbienen ein, haben bereits für zahlreiche Arten Steckbriefe geschrieben und diese mit didaktisch durchdachten Abbildungen illustriert. Von den 31 aus Sachsen bekannten Wildbienengattungen und über 400 Arten sind bereits Repräsentanten aus 24 Gattungen mit insgesamt 62 Arten auf Insekten-Sachsen verzeichnet.
Ihnen und allen Insektenfreunden, die Insekten-Sachsen 2014 mit neuen Fotos, Steckbriefen, der Freigabe von Funden und spannenden Einzelbeobachtungen vorangebracht haben, danke ich im Namen des Insekten-Sachsen-Teams ganz herzlich, wünsche Euch frohe Weihnachten sowie ein friedliches und gesundes Jahr 2015.

Euer Matthias Nuß


Während des Workshops am 22. November in Dresden.


Nachts beim Lichtfang während der Sommerexkursion in der Lausitz ...


... die Re-fritzsche-rator-Methode ...


... tagsüber während der Sommerexkursion in der Lausitz ...


... ein Picknick im Freien gehört zu einer Sommerexkursion dazu.




Tagfalter bestimmen beim ArtenFinder in Rheinland-Pfalz


17.12.2014
Der ArtenFinder in Rheinland-Pfalz ist ein Portal, über welches Bürgerinnen und Bürger ihre Tier- und Pflanzenbeobachtungen in eine gemeinsame digitale Datenbank eintragen und so einen Datenpool zum zeitlichen und räumlichen Auftreten von wildlebenden Tieren, Pflanzen und Pilzen erarbeiten. Seit 2011 ist der ArtenFinder online. In dieser Zeit haben 242 Bürger über 40.000 Schmetterlingsbeobachtungen mitgeteilt. Das geht nicht ohne eine korrekte Artbestimmung, weshalb unter ArtenInfo Bestimmungshilfen, auch für Tagfalter, zur Verfügung gestellt werden.
Nun hat die Koordinierungsstelle für Ehrenamtsdaten der kooperierenden Naturschutzverbände BUND, NABU und POLLICHIA (KoNat) in Rheinland-Pfalz zusätzlich ein Bestimmungsbuch für Tagfalter herausgegeben. Es beschränkt sich auf die in Rheinland-Pfalz vorkommenden und aktuell nachzuweisenden Arten. Damit soll es Neueinsteigern erleichtert werden, einen Überblick über die heimischen Tagfalterarten zu bekommen, weil so die Anzahl der Arten geringer ist, als würden alle in Deutschland vorkommenden Arten behandelt.
Zu Beginn des Buches werden die Flügelmerkmale der Tagfalter und deren Bezeichnungen erläutert sowie eine Größenskala von 1 – 10 eingeführt. Der Hauptteil des Buches behandelt die einzelnen Arten jeweils auf einer Doppelseite, auf welcher links aussagefähige Fotos der Art sowie rechts Fotos von sehr ähnlichen und damit leicht zu verwechselnden Arten zu finden sind. In der Kopfzeile findet sich ein Schmetterlingssymbol mit einer Zahl, welche die Größenklasse angibt, zu welcher diese Art gehört. Im Text wird auf regionale Vorkommen, Lebensraum, Nahrung und die Häufigkeit der Meldungen im Jahresverlauf eingegangen sowie die Arten mit ihren Bestimmungsmerkmalen beschrieben und auf mögliche Verwechslungen hingewiesen. Dabei werden im Feld nicht unterscheidbare Arten zu einem Artkomplex zusammengefasst. In Rheinland-Pfalz ausgestorbene oder vom Aussterben bedrohte Arten werden kurz am Ende des Buches behandelt. Was dem Hauptteil hätte vorausgehen können ist ein Schlüssel, mit welchem man zu den einzelnen Untergruppen der Tagfalter gelangen kann. Dadurch, dass diese Hilfe fehlt, muss man sich durch das Buch hindurchblättern, um eine gesuchte Art zu finden. Solche Schlüssel sind für Tagfalter beim ArtenFinder verfügbar, so dass diese Hilfe grundsätzlich vorhanden ist.
Die Autoren gehen davon aus, dass mit ihrem neu vorgelegten Buch eine Einarbeitung in die Tagfalter innerhalb von zwei Jahren möglich ist: „Mit dem Buch können sich Laien auf den Weg zum Tagfalter-Experten machen, wenn sie der Ehrgeiz packt!“ (mn)

Schotthöfer, A., N. Scheydt, E. Blum & O. Röller 2014: Tagfalter in Rheinland-Pfalz – beobachten und erkennen. – POLLICHIA, Neustadt an der Weinstraße, 248 S. 




Insekt des Jahres 2015


16.12.2014
Unter den Schmetterlingen erfreuen uns Menschen insbesondere die Tagfalter aufgrund ihrer meist schön gefärbten Flügel. Zu den Tagfaltern gehören die Bläulinge, die mit über 5.200 Arten weltweit vorkommen. Die Flügel der Männchen sind oberseits blau, braunorange oder glänzend orange gefärbt, die der Weibchen oft braun. Von den drei Beinpaaren der Falter ist das vordere reduziert und nur die mittleren und hinteren Beine eignen sich zum Laufen.
In Sachsen kommen weniger als 30 Bläulingsarten vor, unter ihnen der Silbergrüne Bläuling (Polyommatus coridon). Die Männchen dieser Art besitzen oberseits silbrig blaue Flügel mit braunen Rändern, die Weibchen sind oberseits samtbraun. Unterseits zeigen sie Muster aus schwarzen, weiß gerandeten Punkten auf hellbraunem Grund. Charakteristisch für den Silbergrünen Bläuling ist im Zentrum der Hinterflügelunterseite ein weißer Fleck, der nach Außen spitz ausgezogen ist und im Zentrum einen undeutlichen schwarzen Strich aufweisen kann. Durch dieses Merkmal können sowohl die Männchen als auch die Weibchen von ähnlichen Arten unterschieden werden.
Der Silbergrüne Bläuling kommt auf Kalkmager- oder Sandtrockenrasen vor, die auf basischen Böden gedeihen. Die Falter saugen Nektar an Flockenblumen und Skabiosen. Die Raupen fressen an der Bunten Kronwicke, anderswo an Hufeisenklee. Sie leben in Gemeinschaft mit Ameisen, für die sie ein süßes Sekret ausscheiden, das die Ameisen fressen. Im Gegenzug schützen die Ameisen die Raupen vor räuberischen und parasitoiden Insekten.

Pressemitteilung des Kuratoriums „Insekt des Jahres“


Potenzial zur Förderung der Wildbienen bislang bei weitem nicht ausgeschöpft


26.08.2014
In einem Faktenblatt des Schweizer Forschungsinstitutes für biologischen Landbau wird der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand zur Bedeutung der Wildbienen bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen zusammengefasst. So wird die Bestäubungsleistung der Honigbiene für Kulturpflanzen überschätzt und aufgezeigt, dass Wildbienen nicht nur quantitativ eine erhebliche Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen spielen, sondern einige Pflanzen ausschließlich von Wildbienen bestäubt werden.
Das Faktenblatt nennt wesentliche, bislang bekannte Ursachen für den Rückgang der Wildbienen, zitiert wissenschaftliche Untersuchungen, die dies belegen und listet die Ursachen gewichtet auf.
Schließlich wird ein Überblick über mögliche Förder- und Schutzmaßnahmen für Wildbienen gegeben und die besonders positiven Effekte einer biologischen Landwirtschaft auf Wildbienen hervorgehoben.

Literatur
Lukas Pfiffner & Andreas Müller 2014: Wildbienen und Bestäubung. – Faktenblatt, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), 8 S.


Körperoberfläche von Springschwänzen erforscht


28.07.2014
Wenn Du in diesen Sommertagen barfuß über einen Waldboden gehst versuche Dir vorzustellen, dass es unter Deinen Füßen von winzigen Springschwänzen nur so wimmelt. Springschwänze gehören zur Bodenfauna, sind an der Zersetzung organischer Substanz und der Bildung von Humus beteiligt. Ohne Springschwänze gäbe es keinen gesunden Boden!
Springschwänze (Collembola) sind die ältesten Vertreter der Insekten. Fossilien dieser Gruppe sind bereits aus dem Devon – vor 395 Millionen Jahren – bekannt. Ihr deutscher Name geht auf den Besitz einer Sprunggabel zurück, welche die Tiere bauchseitig am Hinterleib besitzen. Diese Gabel ist weiter vorn eingehakt und kann blitzschnell gelöst werden, so dass die Tiere ein Vielfaches ihrer eigenen Körperlänge nach vorn springen.
Seit Ende der 1950er Jahre untersuchen Wissenschaftler des Museums für Naturkunde Görlitz, das heute zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gehört, welche Lebewesen im Boden vorkommen, welche ökologischen Ansprüche sie haben und welchen Beitrag sie für die Aufrechterhaltung oder Regeneration der Bodenfunktionen leisten. Die Springschwänze, von denen in Sachsen mehrere Hundert Arten vorkommen, stellen dabei einen wichtigen Forschungsschwerpunkt dar.
Seit einigen Jahren nun erforscht zudem ein Dresdner Wissenschaftlerteam die wasserabweisenden Eigenschaften dieser Tiere. Ihre Körperoberfläche ist mit verschiedenen Flüssigkeiten wie Wasser, Öl und Alkohol nicht benetzbar. Das Team um Julia Nickerl, René Hensel, Ralf Helbig, Christoph Neinhuis und Cartsen Werner vom Max Bergmann Zentrum für Biomaterialien, der Technische Universität und dem Leibniz-Institut für Polymerforschung hat herausgefunden, dass spezielle Nanostrukturen auf den Körperoberflächen diese Eigenschaften hervorbringen. Nachdem die Wissenschaftler diese Strukturen verstanden hatten, haben sie diese künstlich nachgebildet und konnten so wasserabweisende Oberflächen herstellen. Bionik heißt der Wissenschaftszweig, der für technische Lösungen Vorbilder in der Natur untersucht. (mn)

Youtube Video vom 26.07.2014

Literatur
Helbig, R., J. Nickerl, C. Neinhuis & C. Werner 2011: Smart Skin Patterns Protect Springtails. – PLoS ONE 6(9): e25105
Nickerl, J., R. Helbig, H.-J. Schulz, C. Werner & C. Neinhuis 2013: Diversity and potential correlations to the function of Collembola cuticle structures. – Zoomorphology 132 (2): 183–195.




Die Bürgerwissenschaften werden erwachsen


12.03.2014
Dass man sich fast täglich mit Insekten beschäftigt, dürften Viele, die bei Insekten Sachsen mitmachen, als etwas völlig Normales betrachten, und als etwas Faszinierendes sowieso. Und dass hier Leute mit unterschiedlichen Motivationen, Vorbildungen, Berufen und Spezialisierungen zusammenkommen ebenfalls. „Bürgerwissenschaften“ (Citizen Science) wird die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern genannt, die entweder eine akademische Ausbildung auf ihrem Fachgebiet vorweisen können oder eben nicht. Seit einigen Jahren jedenfalls wird das so genannt, was eigentlich schon eine lange Tradition aufweist. Nun aber ermöglichen die neunen Medien Computer, Internet und Smartphone eine neue Form der synchronen Zusammenarbeit vieler (Bürger-)Wissenschaftler. Elizabeth Owuor hat für die Deutsche Welle zum Thema Bürgerwissenschaften recherchiert und versucht ein Bild auf deren lange Geschichte und ihre gegenwärtige Blüte zu zeigen. Rund um den Globus und in wohl allen Wissenschaftsdisziplinen ist sie fündig geworden, nicht zuletzt auch in Sachsen bei den Insektenforschern ...

Crowdsourcing biodiversity: Citizen Science comes of age



Gentechnisch veränderter Mais wird in der EU zugelassen


12.02.2014
Die Minister der EU-Staaten haben am 11. Februar über eine Anbauerlaubnis der gentechnisch veränderten Maissorte TC1507 abgestimmt. Von den 28 EU-Mitgliedern stimmten 19 dagegen und 4 enthielten sich. Damit kam keine qualifizierte Mehrheit für eine Ablehnung zustande, da sich das Stimmengewicht auch nach der Einwohnerzahl der EU-Staaten richtet. So stimmten beispielsweise die bevölkerungsreichen Staaten Großbritannien und Spanien für den Anbau von TC1507 in der EU. Deutschland als bevölkerungsreichstes Land der EU hat sich der Stimme enthalten und damit den Weg für die Zulassung mit geebnet, und das, obwohl die Mehrheit der Deutschen laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft „voll und ganz“ auf gentechnisch veränderte Lebensmittel verzichten möchte.
Die Maissorte TC1507 wird von der US-Firma Pioneer Dupont hergestellt. Dieser Maissorte wurden gentechnisch zwei Bakteriengene ‚eingepflanzt‘. Ein Gen ist „Cry1F“ aus Bacillus thuringiensis. Es erzeugt ein Eiweiß, welches die Larven von Schmetterlingen nicht verdauen können, sodass es ihren Darm zerstört und sie sterben. Das Eiweiß wird in allen Teilen der Maispflanze während der gesamten Vegetationsperiode produziert und soll sie gegen den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) schützen. Das zweite Gen ist „pat“ aus dem Bodenbakterium Streptomyces viridochromogenes. Es verleiht der Maispflanze Resistenz gegen den Herbizidwirkstoff Glufosinat.
Cry1F ist ein Eiweiß, dass nicht nur spezifisch auf den Maiszünsler, sondern auf viele Schmetterlinge und andere Insekten wirkt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Einsatz von Cry1F für andere Insekten in der Umwelt günstiger ausfalle als der von Insektiziden. Da CryF1 mit dem Pollen durch den Wind in der Umwelt verfrachtet wird, bleibt jedoch abzuwarten, wie die tatsächlichen Auswirkungen auf Schmetterlinge und andere Insekten bei einem großflächigen Anbau dieser gentechnisch veränderten Maissorte sein werden, zumal laut Greenpeace die Konzentration des für Schmetterlinge giftigen Toxins im Maispollen deutlich höher ist als bei bisherigen gentechnisch veränderten Maissorten. (mn)

Pressestimmen:
FAZ
Greenpeace
NABU
ZEIT Online





Insekt des Jahres 2014


07.12.2013
Die Goldschildfliege (Phasia aurigera) wurde zum Insekt des Jahres 2014 gekürt

Die Goldschildfliege gehört mit 1 cm Körperlänge zu den größeren einheimischen Fliegenarten. Auffälligstes Merkmal der Fliegen ist der Besitz von nur einem Flügelpaar. Die Hinterflügel sind zu Schwingkölbchen umgebildet. Daraus leitet sich der wissenschaftliche Name dieser Insektenordnung ab: Diptera – Zweiflügler. Sie sind mit etwa 10.000 Arten in Mitteleuropa vertreten und damit die wohl artenreichste Insektenordnung in unserer heimischen Natur.
Die Männchen der Goldschildfliegen sind neben ihrer Körpergröße aufgrund ihrer roten Augen, der gold-gelben und schwarzen Körperfärbung sowie den braunrot und schwarz gefärbten Flügeln auffällig und leicht zu bestimmen. Die Weibchen hingegen besitzen einen einheitlich schwarzen Körper und transparente Flügel. Sie legen ihre Eier in große, pflanzensaftsaugende Wanzen ab, in denen sich die Larven parasitisch entwickeln.
Die erwachsenen Fliegen sind an Waldrändern auf Hochstaudenfluren beim Nektarsaugen zu finden.


Pressemitteilung des Kuratoriums „Insekt des Jahres“




Europäische Umweltagentur veröffentlicht den Grünlandschmetterlingsindikator


17.08.2013

Seit Jahren ist in unserer Landschaft offenkundig, dass die Tagfalterarten seltener werden. Auf vielen Wiesen sieht man nur noch Kohlweißlinge, wo früher noch viele andere Tagfalterarten zu sehen waren.

Nun legt die Europäische Umweltagentur Zahlen vor, die diesen Negativtrend leider belegen. Basierend auf nationalen Tagfalter-Monitoring-Projekten in 19 europäischen Ländern werden die Daten für 17 Schmetterlingsarten aus dem Zeitraum von 1990–2011 ausgewertet. Danach sind die Populationen von acht Arten zurückgegangen, von zwei stabil, von einer haben sie zugenommen und für sechs Arten ist kein eindeutiger Trend zu erkennen. Im Vergleich zu 1990 sind die Populationen aller Tagfalterarten durchschnittlich um fast 50% zurückgegangen. Betrachtet man nur die EU-Mitgliedsstaaten, ist dieser Rückgang mit fast 30% etwas geringer. Als Hauptgründe für den Rückgang der Grünlandschmetterlingsarten werden die Intensivierung der Landwirtschaft auf flachen und leicht zu bewirtschaftenden Flächen, die Aufgabe von Dauergrünland in gebirgigen und feuchten Regionen sowie der Einsatz von Pestiziden angeführt. Die Daten wurden auf 3.500 Transekten in ganz Europa erhoben. Daran waren Tausende ausgebildete professionelle und freiwillige Beobachter beteiligt.

Der Bericht sagt nichts darüber aus, wie stark die Populationen vieler Tagfalterarten bis zum Jahr 1990 bereits zurückgegangen waren. Beispielsweise war der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) zu jenem Zeitpunkt in den meisten Teilen Sachsens schon verschwunden und besaß nur noch Restpopulationen im Grünen Band, während der Quendel-Ameisenbläuling (Phengaris arion) 1976 letztmalig in Sachsen gesichtet wurde. Beide Arten gehören zu den 17 Grünlandschmetterlingsindikatoren. So ist der Bericht der Europäischen Umweltagentur vor allem eins: alarmierend für den weiteren Rückgang unserer Schmetterlingspopulationen. (mn)

European Environment Agency 2013: The European Grassland Butterfly Indicator: 1990–2011. – EEA Technical Report No. 11/2013.



Sächsische Biodiversitätsdaten stehen für Wissenschaftler aus aller Welt zur Verfügung


16.07.2013
Welche Insektenarten in Sachsen vorkommen und wo sie in Sachsen vorkommen, beschäftigt Insektenforscher schon seit Jahrhunderten. Die Schaffung dieses Wissens war ganz überwiegend schon immer eine rein von Neugier getriebene Wissenschaft, die von Liebhabern und Profis gleichermaßen vorangetrieben wurde und wird. Heutzutage findet sich dafür der Begriff Citizen Science (Bürgerwissenschaften). Er meint die aktive Integration von Bürgern in der Wissenschaft. Und genau das verwirklichen wir auf Insekten-Sachsen.de. Tausende Beobachtungen und Fotos wurden seit dem Jahr 2011 mitgeteilt und belegen schon jetzt ein oder mehrere Vorkommen von über 1.000 Insektenarten im Freistaat. Diese Daten sind nicht nur wichtig für den Schutz unserer einheimischen Arten, sie bezeugen vor allem auch das Interesse und die Begeisterung an unserer Natur und geben Einblicke in ökologische Zusammenhänge. Die Daten sind auf regionaler Ebene unmittelbar auf unseren interaktiven Karten verfügbar. Da aber das Verbreitungsgebiet aller einheimischen Insektenarten weit über die Grenzen Sachsens hinausreicht, sind die hier verfügbaren Daten auch von großem Nutzen für die internationale Forschergemeinde, geht es beispielsweise darum, die Verbreitungsgebiete der Arten, auch für unterschiedliche Zeiträume, zu rekonstruieren. Aus diesem Grund wurden die Nachweisdaten von Insekten-Sachsen.de jetzt auf dem Portal Global Biodiversity Information Facility (GBIF) verfügbar gemacht. GBIF ist ein internationales Netzwerk, das Informationen zur Biodiversität aus zahlreichen Datenbanken in einem zentralen Portal zusammenfasst, um Informationen über alle Arten der Erde frei zugänglich zu machen. Wie sich die sächsischen Daten dort darstellen und was wir umgekehrt aus dem GBIF-Portal entnehmen können, lässt sich gut anhand des Glühwürmchens erkennen. (mn)


Rätsel um die Überlegenheit des Asiatischen Marienkäfers aufgeklärt


16.05.2013
Ein deutsches Wissenschaftlerteam interessierte sich für die Frage, warum manche fremdländische Arten zu erfolgreichen invasiven Arten werden, während andere, nahe verwandte Arten, oft nicht diese Eigenschaft besitzen. In manchen Fällen, so bei den Marienkäfern, werden einheimische Arten sogar von ihrem invasiven, fremdländischen Verwandten verdrängt. In der heute erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science präsentieren die Wissenschaftler aus Gießen, München und Jena ihre Forschungsergebnisse zum Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis). Dieser trägt parasitische Mikrosporidien in seinem Körper, gegen die er selbst immun ist. Da die räuberischen Marienkäfer, die sich überwiegend von Blattläusen ernähren, auch Marienkäfer sowohl der eigenen als auch anderer Arten fressen, geht diese räuberische Konkurrenz zu ungunsten der einheimischen Marienkäferarten aus: sie sterben nicht nur, wenn sie von Artgenossen oder anderen Marienkäferarten, wie dem Asiatischen Marienkäfer gefressen werden, sondern auch dann, wenn sie selbst einen Asiatischen Marienkäfer fressen. Denn mit ihm nehmen sie die Mikrosporidien auf, gegen die sie nicht immun sind. (mn)

Zur Originalarbeit:
Vilcinskas, A., K. Stoecker, H. Schmidtberg, C. R. Röhrich & H. Vogel 2013: Invasive Harlequin Ladybird Carries Biological Weapons Against Native Competitors. – Science 340 (6134): 862–863. 
 
Pressestimmen:
Asiatische Marienkäfer nutzen Bio-Waffen gegen ihre europäischen Verwandten

Max-Planck-Gesellschaft 16. Mai 2013 

Invasiver Marienkäfer nutzt Bio-Waffen
Justus-Liebig-Universität Gießen 16. Mai 2013



„Bye Bye Biene?“


03.05.2013
Das globale Bienensterben kommt nicht aus den Schlagzeilen. In der im April von Greenpeace veröffentlichten, 50-seitigen Studie „Bye Bye Biene?“ sind die wichtigsten Punkte, welche Anlass zur Sorge geben, dass, erstens, derzeit keine exakten Daten vorliegen, um verlässliche Schlussfolgerungen zum globalen Zustand von Bestäubern ableiten zu können, zweitens, dass der Anbau bestäubungsabhängiger Kulturpflanzen schneller zunimmt als der globale Bestand kommerziell gehaltener Honigbienen und gleichzeitig Wildbestäuber in ihrem Vorkommen und in ihrer Vielfalt eingeschränkt werden, sowie drittens, das Honigbienenpopulationen in verschiedenen Ländern unterschiedliche Entwicklungen zeigen, aber selbst in Gebieten mit hoher landwirtschaftlicher Produktion wie den USA, Großbritannien und vielen anderen westeuropäischen Ländern Rückgänge dokumentiert sind.
Greenpeace beruft sich auf wissenschaftliche Publikationen, die in der Studie zitiert werden und fordert den Einsatz bienenschädlicher Pestizide zu verbieten, nationale Aktionspläne zu verabschieden, um landwirtschaftliche Praktiken, die sich positiv auf Bestäuber auswirken, zu fördern, natürliche und naturnahe Lebensräume in und in der Nähe von Agrarlandschaften zu schützen und die Artenvielfalt auf den Agrarflächen zu erhöhen sowie mehr finanzielle Mittel für die Erforschung, Entwicklung und Anwendung ökologischer Anbaupraktiken zur Verfügung zu stellen.
Bei der Forderung nach dem Verbot bienenschädlicher Pestizide geht Greenpeace über den jüngst von der EU-Kommission eingebrachten Vorschlag hinaus, die Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zu verbieten und fordert das Verbot vier weiterer Insektizide.


"More than Honey" erhält Filmpreise


30.04.2013
Der im November 2012 in den deutschen Kinos gestartete Dokumentarilm "More than Honey", der über das weltweite Bienensterben berichtet, erhielt am Freitag den Deutschen Flimpreis in der Kategorie „Dokumentarfilm“.

Der Film von Markus Imhoof war in der Schweiz der erfolgreichste einheimische Kinofilm 2012. Neben dem Deutschen Filmpreis 2013 erhielt "More than Honey" auch den Bayerischen Filmpreis 2013 (Kategorie "Dokumentarfilm"), den Publikumspreis der Solothurner Filmtage 2013, die Schweizer Filmpreise 2013 (Kategorien "Dokumentarfilm" und "Filmmusik") und den Romy 2013 (Kategorien "Beste Dokumentation Kino" und "Bester Produzent Kino-Domumentation").



Einsatzbeschränkung für Neonikotinoide kommt


29.04.2013
Ab 1. Dezember 2013 ist die Nutzung der Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam für Sonnenblumen, Raps, Mais und Baumwolle in der gesamten EU verboten. Bei der heutigen Abstimmung von Vertretern der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben 15 Mitgliedsstaaten für den Vorschlag der EU-Kommission gestimmt, acht dagegen und vier hatten sich enthalten. Damit wurde bei der Abstimmung zwar keine qualifizierte Mehrheit für das Verbot erzielt, die Entscheidung liegt aber jetzt bei der Europäischen Kommission, die den Vorschlag selbst einreichte und deshalb das Verbot im Alleingang durchsetzen wird. Es gilt zunächst für zwei Jahre.

Siehe auch unsere Nachrichten vom 01.02.2013.


Weitere Informationen:

Mehr Schutz für Europas Bienen tagesschau.de vom 29.04.2013

Walter Haefeker, Europäischer Berufsimkerverband, zu den EU-Maßnahmen gegen das Bienensterben tagesschau.de vom 29.04.2013

Neonikotinoid-Verbot kommt agrarheute.com vom 29.04.2013

Europaweiter Beschluss zu Neonikotinoiden stärkt Bienenschutz Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Pressemitteilung Nr. 124 vom 29.04.13

Neonicotinoide: Jetzt entscheidet Kommission BauernZeitung.at vom 29.04.2013


Jetzt auch "Weichtiere-Sachsen" Online


25.04.2013
Nach zweijähriger Entwicklung und erfolgreicher Testung der Online-Plattform „Insekten-Sachsen“ wird diese nun auch von den Malakologen für die Schnecken und Muscheln des Freistaates verwendet. Die neue Plattform geht mit 12 Artsteckbriefen, 88 Fotos, 243 Onlinemeldungen sowie 22.200 Nachweisen, die aus Literatur, Sammlungen und von Exkursionen zusammengetragen wurden, an den Start.
Ähnlich wie das Insekten-Sachsen-Team möchten auch die Malakologen auf einige der 205 in Sachsen vorkommenden Arten besonders aufmerksam machen und einladen, Beobachtungen mitzuteilen. So kann jeder helfen, das Wissen um unsere einheimischen Arten zu mehren, denn selbst für die größte einheimische Schneckenart – die Weinbergschnecke – ist die Verbreitung in Sachsen noch ungenügend bekannt. Mit „Weichtiere-Sachsen“ sollen auch pauschale Vorurteile gegenüber Schnecken, die insbesondere durch die Fraßschäden der Spanischen Wegschnecke beflügelt wurden, abgebaut und auf interessante, einheimische Schnecken und Muscheln hingewiesen werden, von denen ein Großteil der Arten stark bedroht ist.
„Weichtiere-Sachsen“ lädt Naturfreunde und Spezialisten gleichermaßen ein, sich mit den einheimischen Vertretern der weltweit zweitgrößten Tiergruppe zu beschäftigen und an ihrer Erforschung mitzuwirken.

Zu erreichen ist „Weichtiere-Sachsen“ unter www.weichtiere-sachsen.de


Insekten Sachsen für unterwegs


18.04.2013
Wer kennt es nicht: Man ist in der Natur unterwegs, sieht einen Falter und möchte gern seinen Namen wissen. Dieser lässt sich jetzt mit der mobilen Funktion von "Insekten Sachsen" auf dem Smartphone nachschlagen. Farbige Fotos und Diagnosen ermöglichen die Bestimmung oder Überprüfung einer solchen im Gelände. Und, einmal bei der richtigen Art angekommen, kann man gleich vor Ort die Beobachtung mittels Smartphone an "Insekten Sachsen" mitteilen.

Die Bestimmungshilfe enthält bereits 1.193 Insektenarten. Die Fotos sind von Naturfreunden zusammen mit Fundmeldungen bei "Insekten Sachsen" eingereicht und von Spezialisten geprüft worden. Auf dieser Grundlage können nun weitere Beobachtungen in der Natur gemacht und mitgeteilt werden. Die Beteiligung von Bürgern an der Wissenschaft funktioniert also. Allen Mitmachenden ein herzliches Dankeschön und weiterhin viel Freude bei der Insektenbeobachtung!

Die mobile Version von "Insekten Sachsen" erreicht man unter www.insekten-sachsen.de/mobil (mn)


EU Komission empfiehlt Verbot von Neonikotinoiden


01.02.2013
Die EU Kommission empfahl am Donnerstag, den 31. Januar 2013, ein zunächst zweijähriges Verbot für die drei Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, die zur Stoffklasse der Neonikotinoide gehören. Das Verbot soll für solche Kulturpflanzen gelten, die Nektar produzieren und von Bienen bestäubt werden, nicht aber für windblütige Pflanzen. Der Antrag wurde gestellt, nachdem am 16. Januar 2013 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Reihe von Risiken für Honigbienen (Apis mellifera) durch diese drei Insektizide aufzeigte. Eine Petition der Avaaz zum sofortigen Verbot der Neonikotinoide an die Entscheidungsträger der EU wurde von über 2 Millionen Menschen unterzeichnet.

Zum Weiterlesen:

31.01.2013: Bee health – European Food Safety Authority (efsa) 

31.01.2013: Neonicotinoids: Exec wants two-year suspension of use and sale

31.01.2013: Umweltgifte: Pestizid-Verbot soll Bienen retten

16.01.2013: EFSA identifiziert Risiken durch Neonicotinoide für Bienen

01.06.2012: EFSA wertet Studien zu einigen Pestiziden und Bienengesundheit aus




Insekt des Jahres 2013


12.12.2012
Die Gebänderte Flussköcherfliege (Rhyacophila fasciata) wurde zum Insekt des Jahres 2013 gekürt.

Rhyacophila fasciata hat eine Körperlänge von etwa 10 mm und eine Vorderflügellänge von 10–14 mm. Sie gehört damit zu den großen einheimischen Arten der Köcherfliegen (Trichoptera). Köcherfliegen besitzen vier Flügel und sind mit den Schmetterlingen verwandt. Wie diese entwickeln sich die Tiere über eine vollständige Metamorphose und der Körper der erwachsenen Tiere ist von Schuppen bedeckt. Bei den Köcherfliegen sind diese Schuppen haarförmig, bei den Schmetterlingen hingegen spatelförmig.
Die Larven der Köcherfliegen leben aquatisch, das heißt unter Wasser. Zum Atmen nehmen sie den Sauerstoff über Tracheenkiemen aus dem Wasser auf. In den meisten Köcherfliegenfamilien bauen sich die Larven aus Seide einen Köcher (Name!), in welchem je nach Art Sandkörnchen oder Pflanzenteile eingeflochten werden. Die Larven der Gebänderten Flussköcherfliege leben in schnell fließenden Bächen und Flüssen der Mittelgebirge. Sie fressen kleine Wasserinsekten.

Faltblatt Insekt des Jahres 2013


Insekten Sachsen jetzt mit RSS-Feed


10.12.2012
Ein RSS-Feed zeigt in einer Listendarstellung die aktuellsten Änderungen auf Insekten Sachsen chronologisch an. Hierzu gehören Fundmeldungen, Termine, Artsteckbriefe und Nachrichten. Über ein Suchfeld kann in dieser Liste nach einzelnen Art- oder Gattungsnamen gesucht werden, wonach das Ergebnis auf diese eingeschränkt wird. Um die RSS-Feeds lesen zu können benötigt man einen RSS-Reader. Ein solcher ist in verschiedenen Browsern (z. B. Internet Explorer, Firefox) und anderen Programmen (MS Outlook) bereits enthalten, kann aber auch aus dem Internet heruntergeladen werden (z. B. RSSOwl). In der Regel reicht es, einfach mit der Maus auf das RSS-Symbol zu klicken, um die Informationen lesen zu können. Auf Insekten Sachsen ist das Symbol auf der Startseite im unteren Bereich der rechten Spalte zu finden. Einfach anklicken und abonnieren! (mn)


Sumpfwiesenperlmuttfalter zum Schmetterling des Jahres 2013 gekürt


25.11.2012
Die Naturschutzstiftung des BUND Nordrhein-Westfalen und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen haben den Sumpfwiesenperlmuttfalter (Boloria selene) am 22.11.2012 in Düsseldorf zum Schmetterling des Jahres 2013 gekürt.
Der Sumpfwiesenperlmuttfalter lebt vor allem auf Feuchtwiesen, an Moorrändern und in Sümpfen, wo seine Larven das Sumpfveilchen finden, ihre Nahrungspflanze. In den regenreicheren atlantischen und alpinen Bereichen Deutschlands kommt der Schmetterling auch auf trockeneren nährstoffarmen Wiesen, Weiden, Mager- und sogar Schwermetallrasen vor und ernährt sich dort auch von anderen Veilchenarten.
Bereits jetzt lebt der Sumpfwiesenperlmuttfalter in inselartig voneinander isolierten Populationen. Hauptursachen dafür sind der fortschreitende Landschaftsverbrauch mit Trockenlegung vieler Feuchtgebiete, Umbruch von Wiesen zu Ackerland sowie die Eutrophierung durch Stickstoffeintrag aus der Luft.
Nach aktuellen Voraussagen wird der Schmetterling in den nächsten Jahrzehnten aufgrund des Klimawandels einen Großteil seines Lebensraums einbüßen.


Insekten Sachsen bekommt eine Bestimmungshilfe


09.09.2012
Mit 1.400 Fotos, die uns auf Insekten Sachsen bereits zugegangen sind, lassen sich nun auf übersichtlich angeordneten Tafeln die einheimischen Insektenarten vergleichen. Der Einstieg zeigt Vertreter unterschiedlicher Insektenordnungen, wie Schmetterlinge, Zweiflügler, Käfer, Hautflügler, Libellen, Schnabelkerfe u.a.m. Hier kann man eine Insektenordnung auswählen, kommt so zu deren Großgruppen, z. B. bei den Schmetterlingen zu den Tagfaltern. Dort geht es weiter zu den Familien der Dickkopffalter, Ritterfalter, Weißlinge, Bläulinge, Edelfalter und Würfelfalter. Geht man nun beispielsweise weiter zu den Edelfaltern, trifft man so bekannte Arten wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Landkärtchen, Kaisermantel und auch weitgehend unbekannte Arten wie Kleiner Eisvogel, Blaukernauge und Großer Fuchs. All das erschließt sich durch Vergleich der Fotos und sollte es auch Einsteigern ermöglichen, sich weit in der Vielfalt der Insekten zurechtzufinden. Ist man durch den Fotovergleich bei einer Art angekommen, kann man von hier direkt weiter zur Artbeschreibung gelangen, um seine Artbestimmung zu prüfen oder mehr über diese Art zu erfahren.
Aber Vorsicht: Nicht alle Arten lassen sich anhand eines Fotos bestimmen! Siehe dazu unsere Nachricht vom 17.07.2012 über die Einführung eines Ampelsystems auf Insekten Sachsen. (mn)


Steckbrief für Pantilius tunicatus als 100. Steckbrief einer Wanzenart erstellt


06.09.2012
Mit dem Erscheinen der ersten Tiere der für den Herbst typischen Wanzenart Pantilius tunicatus wurde deren Steckbrief erstellt. Damit existieren jetzt Artsteckbriefe für 100 Wanzenarten, die alle einheimischen Wanzenfamilien repräsentieren. Außerdem sind bereits für 475 der 676 sächsischen Arten Fotos sowie Funddaten zu fast allen sächsischen Wanzenarten auf Insekten Sachsen verfügbar. (mm)





Neuerscheinung: Eckehard Rößner, Die Hirsch- und Blatthornkäfer Ostdeutschlands


05.09.2012
Wie sähe unsere Landschaft aus, würden all die festen Hinterlassenschaften des Stoffwechsels der Säugetiere, die sich zwischen Ostsee und Erzgebirge tummeln, für alle Ewigkeit liegen bleiben! Dass dem nicht so ist, verdanken wir einem Großteil der Scarabaeoidea, jenen Käfern, die sich dieser Haufen noch einmal annehmen und sie verstoffwechseln. Einige dieser Käferarten sind recht populär, wie „der“ Mistkäfer, von dem es tatsächlich bei uns mehrere Arten gibt, die für ihren Nachwuchs Brutfürsorge betreiben! Andere leben, zeitlebens, versteckt in oder unter den Haufen, manche sind spezialisiert, so z. B.  Onthophagus vitulus, der in der Kotkammer des Feldhamsters lebt.
Nicht alle Käfer der scarabaeoiden Verwandtschaft haben diese Ernährungsgewohnheiten – andere fressen an lebenden Pflanzen wie der Maikäfer oder in abgestorbenem Holz wie der Eremit.
In über 20 Jahren hat Eckehard Rößner in akribischer Arbeit zusammengetragen, welche dieser Käferarten in Ostdeutschland vorkommen, hat deren Einzelnachweise durch eigene Exkursionen, Auswertung von Literatur und wissenschaftlichen Sammlungen ermittelt. Angereichert mit Wissen zur Lebensweise und Habitatbindung der Arten, aussagekräftigen Farbabbildungen der Käfer, Verbreitungskarten und Phänogrammen nimmt die präzise Abhandlung 505 Seiten im A4 Format ein.
Damit hat Eckehard Rößner ein Grundlagenwerk geschaffen, das lange Bestand haben wird. Wenngleich das Hauptaugenmerk des Buches auf der Faunistik, dem Vorkommen der einzelnen Käferarten im Untersuchungsraum, liegt, sind die zusätzlichen Informationen über Lebensweise, Habitatbindung und Erkennung der Arten präzise recherchiert und beschrieben. Sie machen das Werk zu einem Handbuch, an dem niemand vorbeikommt, der sich mit den Scarabaeoidea Deutschlands beschäftigt.
Dem Autor Eckehard Rößner beglückwünsche ich zu dem vorgelegten Werk! (mn)


Eckehard Rößner
2012
Die Hirschkäfer und Blatthornkäfer Ostdeutschlands (Coleoptera: Scarabaeoidea)
505 Seiten
ISBN 978-3-00-036153-1

Herausgegeben und zu beziehen von:
Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Erfurt e. V.
Große Arche 14, 99084 Erfurt
Tel.: 0361-6555680
FAX: 0361-6555689
naturkundemuseum @ erfurt.de


Sachsens Gewässer mit Pestiziden belastet


30.08.2012
Pflanzenschutzmittel (Pestizide) sind Stoffe, die zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen in der Land- und Forstwirtschaft, im Gartenbau sowie in der Vorratshaltung eingesetzt werden. Das Pflanzenschutzgesetz regelt den Umgang mit solchen Mitteln, u.a. auch um "Gefahren, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder durch andere Maßnahmen des Pflanzenschutzes, insbesondere für die Gesundheit von Mensch und Tier und für den Naturhaushalt, entstehen können, abzuwenden oder ihnen vorzubeugen."
Nun ergab die Beantwortung einer Kleinen Anfrage von Johannes Lichdi, dem naturschutzpolitischen Sprecher Der GRÜNEN-Landtagsfraktion durch den Landwirtschafts- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU), dass in den letzten 5 Jahren in sächsischen Gewässern 344 Grenzwertüberschreitungen mit nicht mehr zugelassenen Pestiziden registriert wurden. (mn)

Antwort von Landwirtschafts- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU) auf die Kleine Anfrage von Johannes Lichdi, naturschutzpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Landtagsfraktion, nach der Pestizidbelastung sächsischer Oberflächen- und Grundwasserkörper (Drs. 5/9497)


Neue Rote Liste der wirbellosen Tiere Deutschlands erschienen


29.08.2012
Zu Beginn des Monats ist die neue Rote Liste der wirbellosen Tiere Deutschlands erschienen. Unter den Insekten sind Zweiflügler (Asilidae, Empidoidea, Syrphidae), Schmetterlinge (Bombycoidea, Drepanoidea, Geometroidea, Noctuoidea, Papilionoidea, Pyraloidea), Hautflügler (Apidae, Formicidae, diverse Aculeata, Symphyta), Fransenflügler, Heuschrecken, Schaben und Ohrwürmer vertreten, wobei die Zünslerfalter (Pyraloidea) und die Raubfliegen (Asilidae) erstmalig vertreten sind. Käfer und weitere Fliegengruppen sind derzeit noch in Bearbeitung und werden in einem demnächst erscheinenden Band der „Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands“ behandelt.

Im vorliegenden Band sind etwa 5.500 Insektentaxa bearbeitet. Für jede behandelte Gruppe liegt ein vollständiges Verzeichnis der in Deutschland vorkommenden Arten vor. Knapp die Hälfte dieser Arten gilt als bestandsgefährdet. Die Wildbienen weisen mit 52,2% überdurchschnittlich viele Rote-Liste-Arten auf.

Eine Besonderheit der neuen Roten Liste Deutschlands ist eine neue zur Anwendung kommende Methodik, welche u. a. die aktuelle Bestandssituation sowie langfristige und kurzfristige Bestandstrends eine jeder Art analysiert. Mit diesen Kriterien wird eine hohe Transparenz hergestellt, wie es zur Einstufung einer Art in eine bestimmte Kategorie kommt und es lassen sich anhand derselben Methodik in der Zukunft Änderungen in der Bestandssituation ermitteln. (mn)

Mehr Information und Bezugsmöglichkeit


Japanische Wissenschaftler weisen Missbildungen bei Schmetterlingsart in Fukushima nach


16.08.2012
Mutationen treten natürlich in allen Populationen von Organismen auf. Ohne sie gäbe es keine Evolution. Aber viele dieser Mutationen sind auch gesundheitsbeeinträchtigend oder gar tödlich. In den 1920er Jahren zeigte Hermann Muller, dass hohe Dosierungen von Röntgenstrahlen die Mutationsrate um 15000% erhöht. 1946 erhielt er für seine Forschungsarbeiten den Nobelpreis.
Nun untersuchten Wissenschaftler der Ryukyu-Universität in Okinawa erstmals Auswirkungen der durch Schmelze und Explosion des Atomreaktors Dai-ichi in Fukushima in der Umwelt erhöhten Radioaktivität auf Lebewesen. Ihr Untersuchungsobjekt war der Japanische Bläuling (Zizeeria maha).
Zur Zeit des Reaktorunglücks befand sich die Population des Japanischen Bläulings im Larvenstadium, sodass die Tiere nicht nur äußerlich der künstlichen Strahlung ausgesetzt waren, sondern diese auch mit ihrer einzigen Nahrungspflanze, dem Sauerklee Oxalis corniculata aufnahmen. 12,4% der Falter, die sich zwei Monate später aus diesen Larven entwickelten, wiesen Missbildungen auf. Die F1-Generation, aufgezogen außerhalb einer erhöhten radioaktiven Strahlung, zeigte eine erhöhte Mortalität bei Larven und Puppen sowie bei 18,3% der sich entwickelten Falter Missbildungen. Dieser Anteil erhöhte sich auf 33,5% in der F2-Generation, welche im Labor aus der Kreuzung eines mit erblicher Strahlenbelastung und eines unbelasteten Elternteils hervorging.
Missbildungen wurden an praktisch allen Körperteilen nachgewiesenen, an Fühlern, Augen, Mundwerkzeugen, Beinen und Flügeln, einschließlich veränderter Flügelzeichnungen. Am Thorax wurden tumorartige Verdickungen gefunden. Innere Organe wurden nicht untersucht. (mn)

Zum Originalartikel


NABU veröffentlicht Libellenschlüssel


16.08.2012
Für die Libellen Norddeutschlands liegt ein neuer Feldbestimmungsführer, erarbeitet von Dietmar Glitz und herausgegeben vom NABU Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Niedersachsen vor. Auf 374 Seiten können mit diesem Geländeschlüssel alle 81 in Deutschland heimischen Arten bestimmt werden. Darüber hinaus werden diese Arten jeweils mit beeindruckenden Fotografien und tollen Zeichnungen vorgestellt.
Viele Libellenfachleute aus den nördlichen Bundesländern haben ihre Beobachtungsdaten beigetragen und auch der Autor des Feldführers hat seine Arbeit dem NABU ehrenamtlich zur Verfügung gestellt. So ist ein aktuelles und sehr informatives Nachschlagewerk zu einem ausgesprochen günstigen Preis für alle Libellen Deutschlands entstanden.
Mit der Herausgabe dieses neuen Libellenfeldschlüssels will der NABU für alle Naturinteressierten eine praktische und motivierende Unterstützung bieten, sich eingehender mit diesen faszinierenden Insekten in ihren natürlichen Lebensräumen zu beschäftigen. Neben Anregungen zu eigenen, schönen Naturerlebnissen mit diesen Akrobaten der Lüfte werden, besonders auf der zusätzlichen DVD, konkrete Hinweise zum Schutz oder zur Verbesserung ihrer Lebensräume gegeben.

Der Feldführer und die dazugehörige DVD kosten 19,80 € (NABU Mitglieder 14,80 €). Bestellung über die NABU Landesgeschäftstellen:
NABU Niedersachsen, Alleestr. 36, 30167 Hannover, info@NABU-niedersachsen.de  
NABU Schleswig-Holstein, Färberstr. 51, 24534 Neumünster, info@NABU-SH.de  
NABU Hamburg, Osterstr. 58, 20259 Hamburg-Eimsbüttel, NABU@NABU-Hamburg.de  
NABU Mecklenburg-Vorpommern, Arsenalstr. 2, 19053 Schwerin, lgs@NABU-MV.de  



Ampelsystem auf Insekten Sachsen illustriert Schwierigkeitsgrad bei Artbestimmung


17.07.2012
Ein Ampelsystem mit den Farben grün, gelb, rot und grau kennzeichnet von nun an auf Insekten Sachsen den Schwierigkeitsgrad bei der Bestimmung von Arten. Die Farben bedeuten:

Grün:  Allein nach äußeren Merkmalen schon mit bloßem Auge oder bei geringer Vergrößerung (10-fach) mit einer Lupe bestimmbar.
Gelb:  Nach äußeren Merkmalen bei geringer (10-facher) bis mittlerer (30-facher) Vergrößerung mit einer Lupe sowie unter Nutzung von Fachliteratur bestimmbar.
Rot:  Nur nach Untersuchung von Genitalmerkmalen mithilfe eines Stereomikroskopes bestimmbar.
Grau:  Allenfalls für einen Experten mit viel Erfahrung, Fachliteratur und Vergleichsmaterial bestimmbar.

Der Kreis ist in der Senkrechten halbiert, um, falls nötig, im linken Halbkreis die Männchen sowie im rechten Halbkreis die Weibchen differenzieren zu können: grün-gelb, gelb-rot und rot-grau. 

Ein solches Ampelsystem wird bereits von Kunz et al. (2011) benutzt. Wir finden dies didaktisch sehr hilfreich und nutzen es analog den Vorgaben dieser Autoren, um Verwirrungen zwischen sehr ähnlichen Systemen zu vermeiden.

Für die Wanzen und die Tagfalter ist das Ampelsystem bereits verfügbar. Es gilt zu beachten, dass dieses nur unter Beachtung der in Sachsen vorkommenden Arten etabliert worden ist. In der Natur kommen verwandte und schwieriger zu unterscheidende Arten oft in anderen Regionen vor.

Literatur
  • Kunz, G., H. Nickel & R. Niedringhaus 2011: Fotoatlas der Zikaden Deutschlands. – Wissenschaftlich Akademischer Buchvertrieb - Fründ, Scheeßel. 293 S.

mn




Artsteckbriefe auf Insekten Sachsen jetzt mit automatisch generierten Phänogrammen


13.07.2012
Auf Insekten Sachsen werden nun auch Phänogramme automatisch aus dem Datenbestand generiert. Sie sind neben Artsteckbrief, interaktiver Karte und Fotogalerie als vierter Reiter einer jeden Art zugeordnet. Phänogramme zeigen die Erscheinungszeiten der jeweiligen Entwicklungsstadien (z. B. Ei, Larve, Adulte) einer Insektenart im Jahresverlauf an. Im Phänogramm sind auf der Zeitachse die Monate eines Jahres dargestellt. Jeder Monat ist in drei Dekaden (Anfang, Mitte, Ende) unterteilt. Die Ordinate gibt die Anzahl der Funde wieder. mn


Bei Insekten Sachsen immer auf dem neuesten Stand


02.07.2012
Von nun an informieren wir an dieser Stelle über neueste Entwicklungen auf Insekten Sachsen. Und gleich unterhalb der Nachrichten wird jederzeit auf die neuesten Fundmeldungen, neue und aktualisierte Steckbriefe sowie die neuesten Fotos hingewiesen. mn
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