Schwalbenschwanz (Papilio machaon Linnaeus, 1758)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 31–48 mm.

Flügeloberseiten hellgelb, Flügeladern schwarz beschuppt, Außenränder mit einer Reihe hellgelber Halbmonde. Vorderflügel basal schwarz, vor dem Vorderrand zwei schwarze Flecke und vor dem Außenrand eine schwarze Binde. Hinterflügel vor dem Außen- und Hinterrand mit einer Reihe dunkelblauer, schwarz eingefasster Flecke, die mit einem orangeroten Punkt endet. Hinterrand der Hinterflügel am Ende mit deutlicher, schwanzartiger Verlängerung (deutscher Name!).

Flügelunterseiten mit denselben Zeichnungselementen, nur tritt das Schwarz deutlich zurück.

Ähnliche Art: Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) mit langen schwarzen Linien auf den Vorderflügeln, die am Vorderrand breit beginnen und nach hinten spitz auslaufen.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Vorderflügellänge 31–48 mm (N = 166). Falter der ersten Generation gelb mit kontrastreicher schwarzer Zeichnung. Falter der zweiten Generation mit etwas weniger ausgedehnter schwarzer Zeichnung und diese mit blassgelben Schuppen bestreut; Hinterflügel mit kontrastreicherer blauer Zeichnung.
Die junge Larve ist schwarz, in der Körpermitte auf dem Rücken mit einem hellen Fleck, mit Längsreihen orangener Wulste, in deren Mitte sich schwarze, mit Borsten besetzte Kegel erheben. Die ausgewachsene Larve ist hellgrün, jedes Segment mit einem schwarzen Band quer zur Körperachse, dass mehrfach durch einen orangenen Fleck unterbrochen ist; die Membranen zwischen den Segmenten sind schwarz. Bei Störung zeigt die Larve eine orangefarbene Nackengabel.
Die Puppe ist hellgrün.

Verbreitung

Nordwestafrika, Europa, Mittlerer und Naher Osten, gemäßigtes Asien bis Japan, Nordamerika (Tolman & Lewington 1998; Hall et al. 2014).

Lebensweise

Die Falter saugen gern an nektarreichen Blüten, insbesondere an Kratzdisteln (Cirsium spp.), Rotklee (Trifolium pratense) und Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum). Bei quantitativen Untersuchungen im Hunsrück in Südwestdeutschland war der Rotklee die wichtigste Nektarquelle für den Schwalbenschwanz, während an anderen Pflanzen nur einzelne Blütenbesuche beobachtet wurden (Schmitt 1998).
Die Weibchen legen die Eier an gut besonnten Standorten an den Blättern der Larvennahrungspflanzen ab, wobei sie auffällig flattern. Dabei bevorzugen sie im Frühjahr einzeln stehende und junge Pflanzen sowie im Sommer solche Pflanzen, die über die umgebende Vegetation herausragen.
Die Larven leben an den Blättern und / oder den Blüten verschiedener Doldenblütler (Apiaceae), u. a. Giersch (Aegopodium podagraria), Dill (Anethum graveolens), Waldengelwurz (Angelica sylvestris), Wiesenkümmel (Carum carvi), Möhre (Daucus carota), Fenchel (Foeniculum vulgare), Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium), Preußisches Laserkraut (Laserpitium prutenicum), Bärwurz (Meum athamanticum), Petersilie (Petroselinum crispum), Sumpfhaarstrang (Peucedanum palustre), Berghaarstrang (Peucedanum oreoselinum), Kleine Pimpinelle (Pimpinella saxifraga), Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia) und Gewöhnlicher Wiesensilau (Silaum silaus). Auf den Erzgebirgswiesen dürfte die Bärwurz die wichtigste Larvennahrungspflanze sein. Gelegentlich fressen die Larven auch an Rautengewächsen (Rutaceae), so an Weinraute (Ruta graveolens) (Möbius 1922: 48). In Nordbayern sind Eier und Larven der Frühlingsgeneration fast ausschließlich an Silaum silaus sowie im Herbst vor allem an Pimpinella saxifraga zu finden (Weidemann 1995).
Die Verpuppung erfolgt an robusten Stängeln oder abgestorbenen, verholzten Pflanzen, wobei die Larven der zweiten Generation zur Überwinterung tiefergelegene Stellen, auch an Steinen bevorzugen (Bräu et al. 2013).
Die Larven werden von der Schlupfwespe Trogus lapidator parasitiert, entwickeln sich aber weiter bis zur Puppe. Erst dann kommt die parasitoide Larve zur vollen Entwicklung und verpuppt sich schließlich in der Schwalbenschwanzpuppe. Die adulte Schlupfwespe verlässt die Schwalbenschwanzpuppe über ein seitlich gefertigtes Loch.

Lebensräume

Der Schwalbenschwanz lebt in Offenländern trockener, heißer und sonniger Lagen. Seine Larven entwickeln sich auf nicht überdüngten Wiesen, in Saumgesellschaften von Gehölzen, auf Halbtrockenrasen und in Kiesgruben sowie in Kräutergärten mit Dill, Fenchel und Möhre.
Die Populationen weisen im Frühjahr aufgrund der Wintermortalität eine geringere Anzahl Falter auf, die sich durch eine hohe Standorttreue mit hill-topping und territorialem Verhalten auszeichnen. Unter günstigen Witterungsbedingungen entwickelt sich im späten Frühling und im Frühsommer eine individuenreichere zweite Generation, deren Falter selbst bei gutem Angebot von Nektar- und Raupennahrungspflanzen aufgrund der erhöhten Populationsdichte abwandern und woanders Lebensräume aufsuchen. Als Mindestareal für eine permanente Population mit 10 bis 20 Faltern (Überwinterung, Ausbildung mehrerer Generationen, Reproduktionszentrum, aus dem Falter abwandern und andere Flächen zur Besiedlung aufsuchen) nennt Brunzel (1996) 5000 Quadratmeter.

Bestandssituation

Literatur

  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Brunzel, S. 1996: Populationsökologische Untersuchungen am Schwalbenschwanz (Papilio machaon L. 1758). – Zeitschrift für Ökologie und Naturschutz 5 (1): 37–46.
  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1: Tagfalter 1. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 552 S.
  • Eckstein, K. 1913: Die Schmetterlinge Deutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Biologie. 1. Band. – Schriften des Deutschen Lehrerveins für Naturkunde 26: 120 S., 16 Taf.
  • Hall, P. W., C. D. Jones, A. Guidotti & B. Hubley 2014: Butterflies of Ontario. – Royal Ontario Museum, Toronto. 488 S.
  • Koch, 1984: Wir bestimmen Schmetterlinge. – Neumann Verlag, Leipzig & Radebeul. 792 S.
  • Lampert, K. 1907: Die Großschmetterlinge und Raupen Mitteleuropas mit besonderer Berücksichtigung der biologischen Verhältnisse. Ein Bestimmungswerk und Handbuch für Sammler, Schulen, Museen und Naturfreunde. – Schreiber, München und Eßlingen. 350 S.
  • Möbius, E. T. A. 1905: Die Grossschmetterlings-Fauna des Königreiches Sachsen. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 18 (1): i–xxi, [i]–[xi], 1–235, Taf. 1–2.
  • Möbius, E. T. A. 1922: Nachtrag zur Grossschmetterlingsfauna Sachsens. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 36: 45–92.
  • Ochsenheimer, F. 1805: Die Schmetterlinge Sachsens mit Rücksichten auf alle bekannten europäischen Arten. 1. Theil: Falter oder Tagschmetterlinge. – Dresden und Leipzig.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.  
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Schmitt, T. 1998: Blütenpräferenzen von Tagfaltern im südwestlichen Hunsrück (Lepidoptera). – Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo, N. F. 19 (2): 161–204.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von Heidrun Melzer).
  • Weidemann, H.-J. 1995: Tagfalter beobachten, bestimmen. – Naturbuch-Verlag, Augsburg. 660 S.

Links

der Schwalbenschwanz im Lepiforum
der Schwalbenschwanz in Wikipedia

Autor(-en): Matthias Nuß, Franziska Bauer. Letzte Änderung am 15.08.2019

Schwalbenschwanz am 16.07.2011 in Oelsnitz/Erzgebirge
(© Katrin Schniebs)


Schwalbenschwanz vor seinem ersten Flug am 24.05.2013 in Glashütte
(© Stefan Höhnel)


Nördlich Wurzen im Juli 2012
(© Daniel Kopsch)


An Dillpflanzen haftende Eier des Schwalbenschwanzes am 25.05.2014 in Glashütte. Frisch gelegt sind sie hell, dann dunkeln sie nach.
(© Stefan Höhnel)


Junge Larve des Schwalbenschwanzes auf Dill. Dohna, 09.06.2011
(© Stephan Teckert)


Larve des Schwalbenschwanz an Möhrenkraut im Garten
(© Angela Kühne)


Papilio machaon Raupe 3.Haut mit ausgestülpter Nackengabel (Osmaterium), Juni 2016, Wendelstein
(© Rigo Richter)


Die ausgewachsene Larve fertigt mit Seide ihren Gurt, um sich anschließend zu verpuppen. Dohna, 19.06.2011
(© Stephan Teckert)


Die ausgewachsene Larve hat ihren Seidengurt fertiggestellt. Nun kann sie sich verpuppen. Dohna, 19.06.2011
(© Stephan Teckert)


Das Aussenskelett der Larven platzt auf und gibt die Puppe frei. Dohna, 20.06.2011
(© Stephan Teckert)


Gürtelpuppe des Schwalbenschwanzes. Dohna, 19.06.2011
(© Stephan Teckert)


Durch das Außenskelett der Puppe ist bereits die Flügelzeichnung sichtbar. Der Schlupf des Falters steht unmittelbar bevor. Dohna, 19.04.2011
(© Stephan Teckert)


Ein frisch aus der Puppe geschlüpfter Falter pumpt Hämolymphe in die Flügeladern. Dohna, 04. Juli 2011
(© Stephan Teckert)


Frisch aus der Puppe geschlüpfte, flugfertige Schwalbenschwänze. Dohna, 05.07.2011
(© Stephan Teckert)
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