Mädesüßperlmuttfalter (Brenthis ino (Rottemburg, 1775))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 19–21 mm.

Flügeloberseiten orange mit schwarzen Flecken. Fransen schwarz-weiß gescheckt.

Flügelunterseiten: Vorderflügel blaß orange mit schwarzen Flecken; Hinterflügel mit hellgelben und weißen Flecken, auf zwei Drittel mit violettem Band, in dem sich schwarze Punkte mit weißem Zentrum befinden.

Ähnliche Art: Beim größeren Brombeerperlmuttfalter (Brenthis daphne) erstreckt sich die violette Färbung auf die gesamte äußere Hälfte der Hinterflügelunterseite.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Auffallend ist die recht breite und sehr rundliche Flügelform des Mädesüß-Perlmuttfalters. Die Vorderflügelunterseite besitzt die gleiche Zeichnung wie die Oberseite.
In der Basis der Hinterflügelunterseite befindet sich in der Regel eine dreieckige, gelb gefärbte durch dunkle Linien begrenzte Zelle.

Verbreitung

Ausgehend von West- und Nordeuropa erstreckt sich das Areal des Mädesüß-Perlmuttfalters ostwärts über die gemäßigten Klimabereiche Asiens bis nach Japan. Auf den Britischen Inseln, im Nordwesten Frankreichs, in der westlichen Hälfte Norwegens sowie im nahezu gesamten Mittelmeerraum fehlt die Art (Ebert & Rennwald 1993).
In Sachsen liegen die Verbreitungsschwerpunkte dieser Perlmuttfalterart im Erzgebirge, im Erzgebirgsvorland und im Lausitzer Gebirge. Offenbar meidet die Art die wärmeren Fluss- und Bachtäler, sodass sie im beispielsweise im Elbtal nicht nachgewiesen ist (Reinhardt et al. 2007).

Lebensweise

Der Mädesüß-Perlmuttfalter bildet eine Generation, deren Falter von Mitte Juni bis Anfang August fliegen (Reinhardt et al. 2007; Settele et al. 2009). In Sachsen liegt die Hauptflugzeit im Juli (Reinhardt et al. 2007). Zur Nahrungsaufnahme nutzen die Falter intensiv und regelmäßig die Nektarpflanzen in der unmittelbaren Nähe der Larvenhabitate, wobei besonders violette Blüten eine Bevorzugung erfahren. Zimmermann et al. (2005) beobachteten die meisten Nahrungsaufnahmen an Großem Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Kratzdistel-Arten (Cirsium sp.), Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) und Wicken-Arten (Vicia sp.).
Die Männchen patrouillieren regelmäßig in den Lebensräumen auf der Suche nach Weibchen (Zimmermann et al. 2005). Die Weibchen legen die Eier einzeln an Blätter der Wirtspflanze in Bodennähe ab (Zimmermann et al. 2005) wozu sich die Weibchen auf die Blattoberseite setzen und das Ei durch ein Loch an die Unterseite heften; an Blättern ohne Loch findet keine Eiablage statt (Ebert & Rennwald 1993). Über die Wirtspflanzen der Larven existieren unterschiedliche Angaben; es kommen Mädesüß (Filipendula ulmaria), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Brombeer-Arten (Rubus spp.), Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), Blutwurz (Potentilla erecta) und Sumpffingerkraut (Potentilla palustris) in Frage (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007; Zimmermann et al. 2005). Die Überwinterung findet im Eistadium als fertige Jungraupe statt, sodass die Larven erst im März mit dem neuen Blattaustrieb schlüpfen (Ebert & Rennwald 1993; Settele et al. 2009). Weidemann (1988) beschreibt die erwachsene Larve als „gräulichbraun, bestachelt mit einem silbriggrauen Längsstreifen auf dem Rücken und einem breiten weißlichen Seitenstreifen". Während des Tages lebt die Larve versteckt an warmen Stellen in der Streuschicht (Weidemann 1988). Zur Verpuppung als gelblich braune Stürzpuppe mit sehr hellen Metallflecken nutzen die Larven die Stängel der Wirtspflanze (Settele et al. 2009; Weidemann 1988).

Lebensräume

In Mittel- und Westeuropa dienen dem Mädesüß-Perlmuttfalter Nass- und Feuchtwiesen, (Mädesüß) Hochstaudenfluren, Seggenriede, Röhrichte, Sümpfe, feuchte Wälder, Auwälder, Moore, Vegetationsbestände an Fließgewässern, Quellhänge, Talwiesen und subalpine Hochstaudenfluren als Lebensraum (Ebert & Rennwald 1993; Zimmermann et al. 2005).

Bestandssituation

In Sachsen entwickeln sich die Populationen des Mädesüßperlmuttfalters positiv, mit zyklischen Ausbreitungstendenzen im Vogtland, im Erzgebirge und im Lausitzer Gebirge und jahrweise in einigen Regionen mit hohen Populationsdichten. Möglicherweise profitiert die Art von den sich nach Nutzungsaufgabe entwickelnden (Mädesüß-)Hochstaudenfluren (Reinhardt et al. 2007).
Zimmermann et al. (2005) stellen ebenfalls fest, dass es sich bei dem Mädesüßperlmuttfalter um eine sehr häufige Art unter den sonst eher zurückgehenden Schmetterlingsarten der Feuchtwiesen handelt. Dies lässt sich wahrscheinlich auf das große Nahrungspflanzenspektrum der Larven und die weite Verbreitung dieser Pflanzenarten zurückführen (Zimmermann et al. 2005).

Literatur

  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1: Tagfalter I. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 552 S.
  • Reinhardt, R., Sbieschne, H., Settele, J., Fischer, U. & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. In: Klausnitzer, B. & R. Reinhardt (Hrsg.): Beiträge zur Insektenfauna Sachsens. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 11, Dresden. 695 S.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann (Hrsg.) 2009: Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. 2. Aufl. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
  • Weidemann, H.-J. 1988: Tagfalter. Band 2 Biologie - Ökologie - Biotopschutz. – Neumann-Neudamm, Melsungen. 372 S.
  • Weyer, J. & T. Schmitt 2013: Knowing the way home: strong philopatry of a highly mobile insect species, Brenthis ino. – Journal of Insect Conservation 17 (6): 1197–1208.
  • Zimmermann, K., Fric, Z., Filipova, L. & M. Konvicka 2005: Adult demography, dispersal and behaviour of Brenthis ino (Lepidoptera: Nymphalidae): how to be a successful wetland butterfly. – European Journal of Entomology 102: 699–706.

Links

Autor(-en): Susanne Kurze, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 24.02.2019

Auf einer Feuchtwiese im Tharandter Wald am Seerenbach fanden wir am 30.06.2013 diesen Mädesüß-Permutterfalter.
(© Karin Brümmer )


Auf einer Feuchtwiese im Tharandter Wald am Seerenbach fanden wir am 30.06.2013 diesen Mädesüß-Permutterfalter.
(© Karin Brümmer )


Die Eier wurden an Mädesüß abgelegt. Die fertig entwickelten Jungraupen bleiben bis zum nächsten Fruhjahr in ihren Eiern.
(© Matthias Hartung)
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