Stechmücken (Culicidae)

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Diagnose

Stechmücken sind von allen anderen Zweiflüglern durch einen Stechrüssel, der länger ist als der Thorax sowie Schuppen auf Kopf, Thorax (inkl. Flügel und Beine) und Abdomen zu unterscheiden. 

Kopf: Weibchen haben lange, vielgliedrige Fühler mit wenigen langen Borsten an der Basis jedes Geißelgliedes. Fühlerglieder der Männchen auffallend lang und dicht behaart, das letzte Glied trägt wenige lange Borsten, wie beim Weibchen.

Thorax: Klauen der Vorder- und Hinterbeine bei den Männchen vergrößert. 

 

Merkmale

Die häufigsten Schuppenformen sind „gegabelt“ (Aedes communis), ruderblattartig (Aedes communis, Aedes cantans) und sichelförmig (Scutum, Culiseta annulata; Scutum und Scheitel Aedes communis).

Vorkommen und Diversität

Weltweit gibt es 3209 Stechmückenarten, von denen 51 in Deutschland etabliert sind (Werner et al. 2020).

Lebensweise

Die Larven leben aquatisch.
Blutsauger sind ausschließlich die Weibchen.

Medizinische Bedeutung

Stechmücken können Krankheitserreger (Pathogene) des Menschen übertragen. Arten der Gattungen Aedes und Culex sind potenzielle Überträger (Vektoren) des West-Nil-Virus sowie Arten der Gattung Anopheles potenzielle Überträger der Erreger der Malaria (Plasmodium spp.). Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) kann humanpathogene Flaviviren wie Gelbfieber-, Dengue- und West-Nil-Virus sowie potenziell auch das Zika-Virus übertragen (Schaffner & Mathis 2014). In den zurückliegenden Jahrzehnten spielten die durch diese Erreger verursachten Krankheiten vor allem dann eine Rolle, wenn sie von Reisenden nach Deutschland mitgebracht wurden. Durch den Klimawandel ist es aber möglich, dass südliche Mückenarten, die als Überträger von Krankheitserregern in Frage kommen, sich nach Norden ausbreiten oder verschleppt und hier indigen werden sowie die Krankheitserreger selbst sich in Deutschland vorkommenden Mückenarten entwickeln können (Maier et al. 2003). Einen Überblick über das Vorkommen einheimischer und die Ausbreitung fremdländischer Mückenarten in Deutschland, die als Überträger von Krankheitserregern des Menschen in Frage kommen, als auch über Auftreten und Einschleppung der Krankheitserreger selbst geben Maier et al. (2003). 

Ob eine Stechmücke, die zu einer Mückenart gehört, welche einen potenziell humanpathogenen Krankheitserreger übertragen kann, diesen auch tatsächlich überträgt, hängt u.a. von der Prävalenz des Erregers in der Wirtspopulation und dem Vorhandensein genetischer Resistenzfaktoren in den Mücken ab. Zudem beeinflussen die Häufigkeit einer Stechmückenart bedingt durch den Witterungsverlauf (Temperatur und Regen) und die relative Häufigkeit verschiedener Mückenarten zueinander das konkrete Krankheitsgeschehen in einer Region (Gildenhardt et al. 2019). 

Der Infektion durch stechmückenübertragbare Krankheiten kann durch das Tragen langer, mückendichter Kleidung, die Verwendung von Repellents auf nicht abgedeckten Hautpartien und die Nutzung von Moskitonetzen während der Nacht vorgebeugt werden. 

Besonderheiten

In der Aquaristik werden die Larven der Stechmücken regelmäßig als Fischfutter verwendet. Aufgrund ihrer Färbung sowie zur Unterscheidung von den Larven der Chaoboridae und Chironomidae, die in der Aquaristik ebenfalls Verwendung finden, werden sie "Schwarze Mückenlarven" genannt.

Bestimmung der Arten

Die Bestimmung der Arten erfordert in der Regel ein Stereomikroskop. Die überwiegende Zahl der aus Deutschland bekannten Arten ist anhand morphologischer Merkmale bestimmbar. Männchen werden nach dem Bau des Kopulationsapparates unterschieden. Schuppen und Borsten auf Kopf und Thorax bieten wichtige Merkmale zur Unterscheidung der Weibchen. Einige Arten können nur durch das Studium großer Serien identifiziert werden, unter Einbeziehung zytologischer und biochemischer Untersuchungsmethoden. 

Ausführliche Beschreibungen der Arten finden sich bei Mohrig (1969) und Becker et al. (2003).

Literatur

  • Becker N., D. Petric , M. Zgomba, C. Boase, C. Dahl, J. Lane &. A. Kaiser 2003: Mosquitoes and their control. – Kluwer Academic et Plenum Publishers, New York, 498 S.
  • Britz, L. 2010: Stechmückenforschung in Leipzig (Diptera, Culicidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte 54 (3-4): 266–268.
  • Dahl, C. I., A. Kaiser & N. Becker 1999: Culicidae. S. 51–52. – In: H. Schumann, R. Bährmann & A. Stark, Checkliste der Dipteren Deutschlands. – Studia Dipterologica, Suppl. 2.
  • Dahl, C. & G. B. White 1978: Culicidae. S. 390–395. – In: J. Illies, Limnofauna Europaea. Stuttgart.
  • Gildenhard, M., E. K. Rono, A. Diarra, A. Boissière, P. Bascunan, P. Carrillo-Bustamante, D. Camara, H. Krüger, M. Mariko, R. Mariko, P. Mireji, S. E. Nsango, J. Pompon, Y. Reis, M. K. Rono, P. B. Seda, J. Thailayil, A. Traorè, C. V. Yapto, P. Awono-Ambene, R. K. Dabiré, A. Diabaté, D. Masiga, F. Catteruccia, I. Morlais, M. Diallo, D. Sangare & E. A. Levashina 2019: Mosquito microevolution drives Plasmodium falciparum dynamics. – Nature Microbiology 4: 941–947.
  • Kampen, H., D. Zielke & D. Werner 2013: Der Mückenatlas: Vom Mitmach-Projekt zur Wissenschaft. – Naturwissenschaftliche Rundschau 66 (6): 285–295.
  • Kiel, E., T. V. Dworrak, F. Sauer, L. Jaworski & R. Lühken 2019: Konfliktfeld Stechmücken und Naturschutz. – Natur und Landschaft 94 (2): 52–58.
  • Maier, W. A., J. Grunewald, B. Habedank, K. Hartelt, H. Kampen, P. Kimmig, T. Naucke, R. Oehme, A. Vollmer, A. Schöler & C. Schmitt 2003: Mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ausbreitung von primär humanmedizinisch relevanten Krankheitserregern über tierische Vektoren sowie auf die wichtigen Humanparasiten in Deutschland. – Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. – Forschungsbericht 200 61 218/11 UBA-FB 000454. – Umweltbundesamt, Berlin. 341 S.
  • Mattingly, P. F. 1973: Culicidae (Mosquitoes). – In: K. G. V. Smith, Insects and other arthropods of medical importance. – British Museum, London. 37–107.
  • Mohrig, W. 1969: Die Culiciden Deutschlands. Untersuchungen zur Taxonomie, Biologie und Ökologie der einheimischen Stechmücken. – Parasitologische Schriftenreihe, Jena 18: 260 S.
  • Peus, F. 1950: Stechmücken. – Die Neue Brehm-Bücherei. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg/ Lutherstadt. 80 S.
  • Schaffner, F. & A. Mathis 2014: Dengue and dengue vectors in the WHO European region: past, present, and scenarios for the future. – The Lancet Infectious Diseases 14 (12): P1271–1280.
  • Werner, D. & H. Kampen 2019: Stechmücken-Monitoring über das Citizen-Science-Projekt "Mückenatlas". – Natur und Landschaft 94 (3): 125–127.
  • Werner, D., S. Kowalczyk & H. Kampen 2020: Nine years of mosquito monitoring in Germany, 2011–2019, with an updated inventory of German culicid species. – Parasitology Research 119: 2765–2774.
  • Weyer, F. 1954: Bestimmungsschlüssel für die Anopheles-Weibchen und -larven in Europa, Nordafrika und Westasien. – Merkblätter des Bernhardt-Nocht-Institutes für Schiffs- und Tropenkrankheiten Hamburg, Medizinisch wichtige Insekten, Merkblatt 12. – Johann-Ambrosius-Barth, Leipzig. 36 S.
  • Wilkerson, R. C., Y.-M. Linton, D. M. Fonseca, T. R. Schultz, D. C. Price & D. A. Strickman 2015: Making mosquito taxonomy useful: A stable classification of tribe Aedini that balances utility with current knowledge of evolutionary relationships. – PLoS ONE 10 (7): e0133602.

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Autor(-en): Matthias Nuß, Uwe Kallweit. Letzte Änderung am 13.09.2020

Aedes (Ochlerotatus) sp. ♀, Habitus
(© Uwe Kallweit)


Aedes (Ochlerotatus) cantans ♀, Kopf (von oben)
(© Uwe Kallweit)


Stechrüssel eines Weibchens von Aedes (Ochlerotatus) punctor. Die eigentlichen Stechwerkzeuge, die in die Haut des Wirtes eindringen, sind Labrum, Maxillen und Mandibeln.
(© Uwe Kallweit)


Aedes (Ochlerotatus) communis ♀, Kopf (von der Seite)
(© Uwe Kallweit)


Aedes (Ochlerotatus) communis ♀, Rüsselspitze von oben
(© Uwe Kallweit)
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