Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius (Bergsträsser, 1779))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 17–20 mm.

Flügeloberseiten der Männchen hellblau mit einer Reihe deutlicher schwarzbrauner Flecke und ebensolchen Flügelrändern; Weibchen dunkler braun gefärbt. Fransen weiß, vor den Adern braun.

Flügelunterseiten hellbraun, mit zwei zueinander als auch zum Außenrand parallelen Reihen schwarzer, weiß umrandeter Punkte, von denen die äußere Punktreihe kontrastarm ist sowie in der Flügelmitte ein stumpfwinkliger, schwarzer, hell umrandeter Strich.

Ähnliche Arten: Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) auf den Flügelunterseiten dunkler braun und ohne die kontrastarme Punktreihe vor den Flügelaußenrändern. Die ebenfalls ähnlichen Arten Quendel-Ameisenbläuling (Phengaris arion) und Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon) sind in Sachsen ausgestorben.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): streng geschützt
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang IV
Rote Liste Sachsen: vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet

Merkmale

Verbreitung

Von den Niederlanden, Deutschland, Polen sowie Inselvorkommen in Litauen und Lettland südlich bis zu den Pyrenäen und dem Südrand der Alpen in Italien und Frankreich, Kroatien, Serbien und Rumänien sowie östlich über die Ukraine, Georgien, Russland, Kasachstan und die Mongolei bis nach China, Korea und Japan. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft in Deutschland entlang der Südgrenze von Nordrhein-Westfalen, Nordhessen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Ansonsten in Nordrhein-Westfalen und ganz Sachsen-Anhalt ausgestorben (PESI; Bräu et al 2013; Gelbrecht et al. 2016; Reinhardt et al. 2020).

Lebensweise

Die Falter fliegen von Ende Juni bis Mitte August und saugen neben dem Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) auch an anderen rot bis blauviolett blühenden Pflanzen Nektar, wie z. B. Blutweiderich (Lythrum salicaria) und Vogelwicke (Vicia cracca). Die Weibchen legen die Eier an den Großen Wiesenknopf, vorzugsweise in die noch grünen, kleineren und seitenständigen Blütenköpfchen. Die Larven schlüpfen nach acht Tagen und leben während der ersten drei Entwicklungsstadien monophag an den Blüten und Samenanlagen des Großen Wiesenknopfes. Im vierten Stadium lassen sie sich zu Boden fallen und von Ameisen der Gattung Myrmica, insbesondere Myrmica scabrinodis und Myrmica rubra, adoptieren, in deren Nestern sie etwa 10 Monate parasitieren und überwintern. Die Larven sind obligatorisch und parasitär an die Ameisen gebunden.
Der größte Teil der Falter ist sehr ortstreu. 42% der Individuen bewegen sich in einem Radius von unter 100 m. Nur 6-10% der Falter wandern über Distanzen von mehr als 1000 m, wobei eine Maximaldistanz von 2450 m festgestellt wurde (Bräu et al. 2013).

Lebensräume

Einschürige Feuchtwiesen, junge Feuchtwiesenbrachen und mäßig nährstoffreiche feuchte Hochstaudenfluren mit ungenutzten Randbereichen (z.B. an Gräben), in denen die Falter Nektarpflanzen und Ruhebereiche finden.

Bestandssituation

Die Art weist in Sachsen bereits langfristig starke Bestandsrückgänge auf. Reinhardt et al. (2007) nennen intensive Beweidung (Standbeweidung), falschen Mahdzeitpunkt (während der Falterflugzeit und der Larvenentwicklung), aber auch Verbuschung durch Nutzungsaufgabe sowie Bebauung als Ursachen der Lebensraumzerstörung. Bräu et al. (2013) verweisen zusätzlich auf das Walzen von Wiesenflächen, wodurch der Boden verdichtet und die Nester der Wirtsameisen zerstört werden. Im Gegensatz zum Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling benötigt der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling flächige Habitate.

Literatur

  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Dierks, A. & K. Fischer 2009: Habitat requirements and niche selection of Maculinea nausithous and M. teleius (Lepidoptera: Lycaenidae) within a large sympatric metapopulation. - Biodiversity and Conservation 18: 3663.
  • Ebert, G. 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter 2. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.
  • Figurny, E. & M. Woyciechowski 1998: Flower head selection for oviposition by females of the sympatric butterfly species Maculinea teleius and M. nausithous (Lepidoptera: Lycaenidae). – Entomologia generalis 23 (3): 251–222.
  • Gelbrecht, J., F. Clemens, H. Kretschmer, I. Landeck, R. Reinhardt, A. Richert, O. Schmitz & F. Rämisch 2016: Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin. – Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 25 (3–4 ): 327 S.
  • Johst, K., M. Drechsler, J. Thomas & J. Settele 2006: Influence of mowing on the persistence of two endangered large blue butterfly species. – Journal of Applied Ecology 43: 333–342.
  • Olias, M. 2007: Bemerkenswerte Tagfalterfunde aus der Freiberger Umgebung in den Jahren 2005 und 2006 (Lepidoptera). – Mitteilungen des Naturschutzinstitutes Freiberg 3: 32–37.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.
  • Reinhardt, R. 2010: Die Ameisen-Bläulinge Maculinea nausithous (Bergsträsser, 1779) und M. teleius (Bergsträsser, 1779) – faunistische und populationsdynamische Analysen (Lepidoptera, Lycaenidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden 54 (3–4): 85–94, Titelbild, 4. Umschlagseite.
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R. & M. Hausotte 2011: Historische Fundangaben von Maculinea teleius (Bergsträsser, 1779) und Maculinea nausithous (Bergsträsser, 1779) im Raum Leipzig. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden 55 (4): 243–246.
  • Reinhardt, R. & H. Kretschmer 2011: Nachtrag zur Arbeit: Die Ameisen-Bläulinge Maculinea nausithous (Bergsträsser, 1779) und M. teleius (Bergsträsser, 1779) – faunistische und populationsdynamische Analysen (Lepidoptera, Lycaenidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden 55 (1): 66.
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. -Entomologische Nachrichten u. Berichte, Dresden, Beiheft 11. 695 S.
  • Walter, S., B. Hachmöller & M. Schrack 2008: Nachweise des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings Maculinea teleius (Bergsträsser, 1779) (Lepidoptera, Lycaenidae) im Osterzgebirge. – Entomologische Nachrichten und Berichte 52 (3–4): 222.
  • Reinhardt, R., A. Harpke, S. Caspari, M. Dolek, E. Kühn, M. Musche, R. Trusch, M. Wiemers & J. Settele 2020: Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 428 S.
  • Tartally, A., J. A. Thomas, C. Anton, E. Balletto, F. Barbero, S. Bonelli, M. Bräu, L. P. Casacci, S. Csősz, Z. Czekes, M. Dolek, I. Dziekańska, G. Elmes, M. A. Fürst, U. Glinka, M. E. Hochberg, H. Höttinger, V. Hula, D. Maes, M. L. Munguira, M. Musche, P. S. Nielsen, P. Nowicki, P. S. Oliveira, L. Peregovits, S. Ritter, B. C. Schlick-Steiner, J. Settele, M. Sielezniew, D. J. Simcox, A. M. Stankiewicz, F. M. Steiner, G. Švitra, L. V. Ugelvig, H. Van Dyck, Z. Varga, M. Witek, M. Woyciechowski, I. Wynhoff & D. R. Nash 2019: Patterns of host use by brood parasitic Maculinea butterflies across Europe. – Philosophical Transactions of the Royal Society B 374: 20180202.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von H. Melzer).
  • Voigt, H. 2001: Zum Vorkommen von Maculinea nausithous und Maculinea teleius (Lep., Lycaenidae) im Stadtgebiet von Dresden (Sachsen), zwei Schmetterlingsarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie. – Entomologische Nachrichten und Berichte 45 (3/4): 165–170.
  • Wynhoff, I., A. M. Kolvoort, C. F. Bassignana, M. P. Berg & F. Van Langevelde 2017: Fen meadows on the move for the conservation of Maculinea (Phengaris) teleius butterflies. - Journal of Insect Conservation 21 (3): 379–392.

Links

 

Autor(-en): Katharina Weinberg, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 06.02.2021

Männchen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings aus Radebeul-Lindenau, vor 1913, leg. C. Ribbe. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden
(© Matthias Nuß)


Männchen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings aus Radebeul-Lindenau, vor 1913, leg. C. Ribbe. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden
(© Matthias Nuß)


Weibchen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings aus Radebeul-Lindenau, vor 1913, leg. C. Ribbe. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden
(© Matthias Nuß)


Weibchen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings legt ihre Eier in die ungeöffneten Blüten des Großen Wiesenknopfes. Trebendorf, Anfang Juli 2017
(© Matthias Nuß)


Phengaris teleius in der Neißeaue bei Görlitz, 26.07.2010
(© Tommy Kästner)


Ein Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling saugt Nektar an der Vogelwicke (Vicia cracca). Trebendorf, Anfang Juli 2017
(© Matthias Nuß)


Wiese mit Bestand des Großen Wiesenknopfes und Vorkommen des Großen und des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Trebendorf, Anfang Juli 2017
(© Matthias Nuß)
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