Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus (Fabricius, 1777))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körper 13–16 mm lang, schwarzbraun gefärbt, mit größtenteils rötlich-gelber Behaarung. Weibchen: Clypeus mittig etwas eingedrückt; Hinterleibtergite 1–4 am Ende mit weißlichen Haarbinden, diese zur Mitte deutlich verschmälert bis unterbrochen; Tibia und Metatarsus 3 dunkel gefärbt (nicht die Behaarung!). Männchen: Endglied der Fühlergeißel gerade, nicht hakenartig gebogen, Geißelglieder hinten mit langen Wimpernhaaren; Abdomen nach hinten verbreitert; Tergite 1–4 mit weißlichen Haarbinden; Sternit 4 am Ende tief bogenförmig ausgeschnitten; Sternit 6 in der Mitte grubenartig eingedrückt, seitlich mit nach innen dicht behaarten Erhebungen.

Halictus quadricinctus ähnelt in beiden Geschlechtern der etwas kleineren Halictus rubicundus. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind hier die ausgedehnte rote Färbung der Hinterbeine des Weibchens von H. rubicundus (dunkel bei H. quadricinctus) und der deutliche grubenartige, seitlich behaarte Eindruck auf dem 6. Hinterleibsternit des Männchens von H. quadricinctus. Dieses ist bei H. rubicundus unauffällig flach. Das Abdomen des Männchens von H. rubicundus ist schlanker, eher zylindisch und nach hinten kaum verbreitert. Die in Größe und Habitus ähnliche Halictus sexcinctus weist ebenfalls weißliche Haarbinden am Ende der Hinterleibtergite auf, allerdings sind diese durchgehend breit und mittig nicht verschmälert; das Männchen besitzt hakenartig gebogene Fühlerspitzen und auf dem Hinterleib sechs statt vier Haarbinden (Name!). Halictus scabiosae unterscheidet sich von H. quadricinctus und H. sexcinctus vor allem durch ockergelbe statt weißliche Haarbinden am Ende der Hinterleibtergite und deutliche, etwas kontrastärmere Haarbinden derselben Farbe am Vorderrand der Hinterleibtergite; das Endglied der Fühlergeißel des Männchens ist ebenfalls hakenartig gebogen.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Halictus quadricinctus ist die größte unserer drei größeren heimischen Halictus-Arten: Halictus quadricinctus, Halictus scabiosae und Halictus sexcinctus. Zu unterscheiden sind diese untereinander beim Männchen anhand der Fühlergeißel und beim Weibchen vor allem anhand der Färbung und Ausbildung der Haarbinden auf den Enden der Hinterleibtergite. Der deutsche und der wissenschaftliche Name beziehen sich auf die vier Hinterleibsbinden des Männchens (sechs bei H. sexcinctus und H. scabiosae).

Weibchen: Körper 15–16 mm lang. Der Clypeus unten mittig mit flacher Quermulde. Mesonotum in der Mitte sehr zerstreut punktiert, mit großen Zwischenräumen (dicht und gleichmäßig bei H. scabiosae und H. sexcinctus). Die Tergite 1–4 tragen auf dem Ende schmale, weissliche Haarbinden, die in der Mitte zusätzlich verschmälert und teilweise ganz unterbrochen sind. Die Hinterleibtergite sind nur auf dem Endrand deutlich, fein punktiert. Tibia und Metatarsus 2 und 3 dunkel gefärbt (rot bei der kleineren, aber im Habitus ähnlichen Halictus rubicundus). Männchen: Körperlänge 13–15 mm. Clypeusspitze gelb; Schläfen unten nicht eingedrückt. Fühlergeißel ocker bis braun, hinten mit etwa 0,15 mm langen, abstehenden Wimpernhaaren; Fühlerglieder 2-mal so lang wie breit; das Endglied der Fühlergeißel ist gerade, nicht hakenartig gebogen, wie bei H. scabiosae und H. sexcinctus. Das Abdomen wirkt plump und ist nach hinten verbreitert; die Tergite 1–4 tragen auf dem Ende schmale, weißliche Haarbinden. Das 4. Hinterleibsternit ist am Ende stark bogenförmig ausgeschnitten; das 6. Sternit ist in der Mitte sehr tief hufeisenförmig eingedrückt und an den erhabenen Seiten dieser Vertiefung dicht bürstenartig, dunkelgelb behaart (Dieses Merkmal fehlt bei H. rubicundus). Hinterer Metatarsus schwach, aber deutlich gebogen.

Verbreitung

Europa, nördlich bis Südfinnland; in Deutschland bis 500 m ü. M.

Lebensweise

Halictus quadricinctus nistet solitär in selbstgegrabenen Hohlräumen, bevorzugt in magerem Lehm oder Löß; in Steilwänden, aber auch in spärlich bewachsenem, ebenem Boden. Das Nest besteht aus einem 8–10 cm langen Hauptgang, der in einen Hohlraum mündet, in dem sich eine mit schmalen Stützpfeilern am umliegenden Erdreich befestigte "Grabwabe" befindet, die zwischen 5 und 20 Brutzellen enthält.
Die Vierbindige Furchenbiene zeigt einen ungewöhnliches Sozialverhalten. Statt, wie andere Bienenarten, nach dem Schlupf das Nest zu verlassen, leben die Nachkommen noch mehrere Wochen lang mit dem Muttertier im Nest zusammen, bis dieses schließlich stirbt. Die Jungweibchen verpaaren sich noch im Sommer mit den Männchen, welche im Spätsommer sterben. Die begatteten Weibchen aber überwintern, um im nächsten Frühjahr ein neues Nest zu bauen.
Halictus quadricinctus ist zum Pollensammeln nicht auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert (polylektisch). Das Weibchen sammelt Pollen auf 8 Pflanzenfamilien mit Bevorzugung auf Korbblütler (Asteraceae); außerdem auf Rauhblattgewächsen (Boraginaceae), Windengewächsen (Convolvulaceae), Kardengewächsen (Dipsacaceae), Ölbaumgewächsen (Oleaceae), Mohngewächsen (Papaveraceae), Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) und Baldriangewächsen (Valerianaceae).

Flugzeit: Überwinterte Weibchen ab Ende April; Männchen ab Juli.

Brutparasit: die Blutbiene Sphecodes gibbus

Lebensräume

Habitate mit Steilwänden und Abbruchkanten, Wegränder u. ä.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: Kategorie 2 – stark gefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: Kategorie 3 – gefährdet (Westrich et al. 2012).

Aktive Förderung

Obwohl die Vierbindige Furchenbiene wenig wählerisch in Bezug auf ihre Nahrungspflanzen ist, zählt sie zu den stark bedrohten Bienenarten. Während ihrer langen Flugzeit, vom Frühjahr bis in der Herbst hinein, benötigt sie ein durchgehendes Angebot an Blütenpflanzen. Eine zu häufige und ganzflächige Mahd von Wiesen und Wegrändern nimmt der Vierbindigen Furchenbiene im Frühsommer das für die Brut dringend benötigte Pollenangebot sowie während der gesamten Flugperiode das für die Eigenversorgung benötigte Nektarangebot, insbesondere für die bis in den Herbst anzutreffenden und dann überwinternden Jungweibchen. Mindestens ebenso stark ist Halictus quadricinctus auf geeignete Nisthabitate, insbesondere Steilwände, Abbruchkanten und Hohlwege angewiesen.

Literatur

        
  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2001: Apidae 3. Halictus, Lasioglossum. – Fauna Helvetica 6: 208 S.
  • Burger, F., unter Mitarbeit von S. Kaluza, G. Baldovski, R. Franke, D. Langner, W.-H. Liebig, T. Sammorey & A. Scholz 2005: Rote Liste Wildbienen. – Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. – Hrsg. Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Dresden. 37 S.
  • Ebmer, P. A. W. 1969: Die Bienen des Genus Halictus Latr. s. l. im Großraum von Linz (Hymenoptera, Apidae). Teil I. – Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz 15: 133–183.
  • Scholz, A. 2013: Offen gelassene Sandgruben – Lebenswerte Welt für so manchen Spezialisten. – Naturschutzinformationen aus dem Landkreis Görlitz 01/2013: 1–3.
  • Westrich, P., U. Frommer, K. Manderey, H. Riemann, H. Ruhnke, C. Saure & J. Voith 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. S. 373–416. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.
Autor(-en): Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 28.08.2015

Halictus quadricinctus, Weibchen, Meißen, Anfang August 2020
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Halictus quadricinctus, Männchen, Thiessow, Juli 2018
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Diagnostische Merkmale von Halictus quadricinctus
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Grabwabennest von Halictus quadricinctus. Aus Friese 1923, Die europäischen Bienen, Berlin & Leipzig, Tafel 3


Vierbindige Furchenbiene, Garten in Radebeul, 23.05.2015
(© Meret Lewis)
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