Rotbeinige Furchenbiene (Halictus rubicundus (Christ, 1791))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körper 9–11 mm lang, schwarzbraun gefärbt; Hinterleibtergite am Ende mit linienschmalen, weißlichen Haarbinden. Weibchen: Tarsen 2 und 3 sowie Tibia 3 rostrot (bezieht sich nicht auf die ebenfalls rötliche Beinbehaarung!). Anhand dieses Merkmales ist das Weibchen mit keiner anderen heimischen Halictus-Art zu verwechseln. Das ähnlich große Weibchen von AS_Lasioglossumxanthopum zeigt ebenfalls eine rötliche Färbung der Hinterbeine, ist aber leicht an den am Vorder- statt am Endrand der Hinterleibtergiten befindlichen Haarbinden zu erkennen. Männchen: Endglied der Fühlergeißel gerade, nicht hakenartig gebogen; Geißelglieder hinten ohne lange Wimpernhaare; Abdomen schlank, zylindrisch; Sternite 4 und 5 bogenförmig ausgeschnitten; Sternit 6 in der Mitte flach, ohne bürstenartige Behaarung.

Halictus rubicundus ähnelt in beiden Geschlechtern der mit einer Körperlänge von ca. 15 mm deutlich größeren Halictus quadricinctus. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind hier wiederum die ausgedehnte rote Färbung der Hinterbeine des Weibchens von Halictus rubicundus (dunkel bei H. quadricinctus) sowie der deutliche grubenartige, seitlich behaarte Eindruck auf dem 6. Hinterleibsternit des Männchens von H. quadricinctus. Dieses ist bei H. rubicundus unauffällig flach. Das Abdomen des Männchens von H. quadricinctus ist plumper und nach hinten deutlich verbreitert.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Synonyme

Halictus nidulans (Walckenaer, 1817)
Halictus lerouxii (Lepeletier, 1841)
Halictus quadrifasciatus (Smith, 1870)
Halictus lupinelli (Cockerell, 1936)
Halictus frater (Pesenko, 1984)

Merkmale

Weibchen: Körpergröße 10–11 mm. Körperfarbe schwarzbraun, mit größtenteils rötlich-grauer Behaarung. Gesicht kürzer als breit, nach unten deutlich konvergierend; Clypeus mittig nicht eingedrückt. Mesonotum dicht punktiert; Mittelfeld des Propodeums schwach körnig gerunzelt; Stutz gerunzelt und matt. Hinterleibtergite fein und flach punktiert; am Ende mit schmalen, weißlichen Haarbinden, etwa halb so breit wie der Endrand. Tarsen des Mittelbeines sowie Tibia und Tarsen des Hinterbeines rostrot. Männchen: Körpergröße 9–11 mm. Körperfarbe schwarzbraun, mit größtenteils gelblich-grauer Behaarung. Gesicht rundlich; Clypeus wenig vorstehend, gelb; Schläfen unten nicht eingedrückt. Endglied der Fühlergeißel gerade, nicht hakenförmig gebogen; Geißelglieder etwa 1,25-mal so lang wie breit, hinten nicht oder bestenfalls winzig klein behaart. Hinterleib schlank, zylindrisch, nach hinten wenig verbreitert. Hinterleibtergite am Ende mit linienschmalen, weißlichen Haarbinden. Hinterleibsternite 4 und 5 am Ende bogenförmig ausgeschnitten; Sternit 6 nahezu flach, ohne auffällige Haarbürsten. Tibien und Tarsen gelb mit dunklen Flecken; Tarsen I und II normal (nicht abnorm verbreitert). Hinterer Metatarsus nur ganz schwach gebogen.

Verbreitung

Gemäßigte Zonen Eurasiens und Nordamerikas; nördlich bis zum Polarkreis, in Südeuropa nur in höheren Lagen.

Lebensweise

Selbstgegrabene Nester in ebenem, vegetationsarmem Boden, aber auch in Steilwänden; häufig in Kolonien. Ein Hauptgang mit direkt anliegenden Brutzellen. In wärmeren Lagen lebt Halictus rubicundus primitiv eusozial mit einer Arbeiterinnenbrut. Die Nester werden oft von einem der Hilfsweibchen bewacht. Erst im Hochsommer werden neue Geschlechtstiere erbrütet. Die Jungweibchen verpaaren sich noch im Sommer mit den Männchen, welche im Spätsommer sterben. Die begatteten Weibchen überwintern, um im nächsten Frühjahr ein neues Nest zu bauen. In höheren, kühleren Lagen lebt H. rubicundus solitär.

Halictus rubicundus ist zum Pollensammeln nicht auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert (polylektisch). Das Weibchen sammelt Pollen auf 9 Pflanzenfamilien: Korbblütler (Asteraceae), Kreuzblütler (Brassicaceae), Glockenblumengewächse (Campanulaceae), Kardengewächse (Dipsacaceae), Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Storchschnabelgewächse (Geraniaceae), Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), Rosengewächse (Rosaceae) und Weidengewächse (Salicaceae).

Flugzeit: Überwinterte Weibchen ab Ende April; junge Geschlechtstiere ab Ende Juni.

Brutparasit: die Blutbiene Sphecodes gibbus

Lebensräume

Waldränder, Weiden, Magerrasen, Kies-, Sand- und Lehmgruben, Brachflächen, Abbruchkanten, Dämme.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: ungefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: ungefährdet (Westrich et al. 2012).

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2001: Apidae 3. Halictus, Lasioglossum. – Fauna Helvetica 6: 208 S.
  • Burger, F., unter Mitarbeit von S. Kaluza, G. Baldovski, R. Franke, D. Langner, W.-H. Liebig, T. Sammorey & A. Scholz 2005: Rote Liste Wildbienen. – Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. – Hrsg. Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Dresden. 37 S.
  • Ebmer, P. A. W. 1969: Die Bienen des Genus Halictus Latr. s. l. im Großraum von Linz (Hymenoptera, Apidae). Teil I. – Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz 15: 133–183.
  • Westrich, P., U. Frommer, K. Manderey, H. Riemann, H. Ruhnke, C. Saure & J. Voith 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. S. 373–416. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.
Autor(-en): Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 28.08.2015

Diagnostische Merkmale von Halictus rubicundus.
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Halictus rubicundus, Weibchen, Radeburg, April 2017
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Halictus rubicundus, Männchen, Radebeul, Juni 2016
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Halictus rubicundus, Weibchen
(© Wolf-Harald Liebig)


Halictus rubicundus, Weibchen, am 17.04.2014 im Glashütter Prießnitztal
(© Stefan Höhnel)
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