Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae (Rossi, 1790))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Weibchen: Körper 14–15 mm lang, schwarzbraun gefärbt, mit ockergelber Behaarung einschließlich der Haarbinden der Hinterleibtergite. Kopf breiter als der Thorax; Hinterleibtergit 1 ohne Basalfurche; Hinterleibtergite 1–4 am Ende mit ockergelben Haarbinden, diese bei 2–4 den Endrand vollständig bedeckend; Hinterleibtergite, insbesondere Tergite 2 und 3, zusätzlich mit deutlichen, kontrastärmeren Haarbinden auf der Tergitbasis; Tibia und Metatarsus 3 dunkel gefärbt (nicht die Behaarung!) Männchen: Körper 12–14 mm lang, schwarzbraun gefärbt, mit hellgelber Behaarung. Fühlergeißel braunschwarz bis schwarz; Scapus schwarz, nur bei der Einlenkung der Geißel gelb geringelt, Endglied der Fühlergeißel hakenartig gebogen; Hinterleibtergite 1–6 am Ende mit hellgelben Haarbinden und insbesondere Tergite 2 und 3 mit zusätzlichen, kontrastärmeren Basalbinden. Metatarsus 2 nur wenig länger behaart als dessen Breite; Sporn von Tibia 2 spitz ausgezogen.

Halictus scabiosae
unterschiedet sich von der sehr ähnlichen Art Halictus sexcinctus beim Weibchen vor allem durch die ockergelben Haarbinden auf dem Ende der Hinterleibtergite und die deutlichen, etwas kontrastärmeren Haarbinden derselben Farbe am Vorderrand der Hinterleibtergite 2–3. Die teilweise auch bei H. sexcinctus vorhandenen Basalbinden sind weißlich und viel schwächer und schmaler ausgebildet. Bei älteren Tieren von H. scabiosae (Flügelzustand beachten!) ist die ockergelbe Färbung der Haarbinden jedoch oft weisslich ausgeblichen und die arttypischen Basalbinden sind abgerieben. Zur korrekten Artbestimmung sollten daher immer auch alle anderen Merkmale herangezogen werden. Das Weibchen der ähnlich großen Halictus quadricinctus unterscheidet sich von H. scabiosae vor allem durch die viel schmaleren und mittig zusätzlich vermälerten, weißlichen statt gelben Haarbinden auf den Hinterleibtergiten. Die Männchen von Halictus scabiosae und H. sexcinctus sind leicht anhand der Fühlerfärbung zu unterscheiden. Die Geißelglieder sind bei H. scabiosae durchgehend braunschwarz gefärbt. Bei H. sexcinctus sind die mittleren Geißelglieder ockerbraun aufgehellt. Das Männchen von H. quadricinctus ist durch seine vier statt sechs Tergitbinden und die am Ende nicht hakenartig gebogenen Fühlergeißel nicht mit H. scabiosae und H. sexcinctus zu verwechseln.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Halictus scabiosae ist neben Halictus quadricinctus und Halictus sexcinctus eine der drei größeren heimischen Halictus-Arten. Zu unterscheiden sind diese untereinander beim Männchen u. a. anhand der Fühlergeißel und beim Weibchen vor allem anhand der Farbe und Ausbildung der Haarbinden auf den Enden der Hinterleibtergite.

Weibchen: Körper 14–15 mm lang, Habitus kürzer und gedrungener als bei H. sexcinctus. Kopf breiter als der Thorax. Der Clypeus ist nicht eingedrückt wie bei H. quadricinctus und das Mesonotum ist viel dichter und gleichmäßiger punktiert. Das Scutellum ist dichter, gleichmäßiger punktiert als bei H. sexcinctus; Stutz des Propodeums deutlich unregelmäßiger gerunzelt; die abfallende Basis des ersten Hinterleibtergites ohne deren flache Längsfurche; Hinterleibtergit 2 ganz dicht punktiert, matt (leicht glänzend mit punktgroßen Zwischenräumen bei H. sexcinctus). Haarbinden auf den Enden der Hinterleibtergite bei frischen Tieren ockergelb (weisslich bei H. quadicinctus und H. sexcinctus) und breiter, bei den Tergiten 2–4 auch in der Mitte den ganzen Endrand bedeckend. Hinterleibtergite, insbesondere Tergite 2 und 3, zusätzlich mit deutlichen, kontrastärmeren Haarbinden auf der Tergitbasis. Männchen: Körperlänge 12–14 mm, schlank. Fühler kürzer als bei H. sexcinctus, Fühlergeißel ganz dunkel; Scapus nur bei der Einlenkung der Geißel gelb geringelt; das Endglied der Fühlergeißel ist hakenartig gebogen (gerade bei H. quadricinctus). Die Hinterleibtergite tragen auf dem Endrand hellgelbe Haarbinden; die Tergite 2–3 zusätzlich mit kontrastärmeren Haarbinden auf den Tergitbasen. Die ersten beiden Tarsomere des Mittelbeins sind schräg nach unten gerichtet behaart, etwa so lang wie die Breite des Metatarsus, die Haare gerade und bürsteartig (deutlich länger bei H. sexcinctus und mit gewellten Haarspitzen). Die Tibia des Mittelbeines mit einem am Ende spitz ausgezogenen Dorn (Spitze eingekrümmt bei H. sexcinctus).

Verbreitung

Marokko bis Belgien. Die wärmeliebende, bisher eher in Süddeutschland vorkommende Art breitet sich in den letzten Jahren nach Norden aus.

Lebensweise

Halictus scabiosae nistet bevorzugt in spärlich bewachsenem, ebenem bis schwach geneigtem Boden, teilweise in größeren Aggregationen. Das Nest besteht aus mehreren direkt vom senkrechten Hauptgang abgehenden Brutzellen. Anders als die meisten anderen heimischen Wildbienen zählt Halictus scabiosae nicht zu den solitär lebenden Bienenarten sondern lebt primitiv-eusozial. Die begatteten Jungweibchen überwintern gemeinsam im Geburtsnest und gründen im Frühjahr ein gemeinsames Nest, in dem nur eines der Weibchen Eier legt (polygyne Nestgründung). Dieses bewacht oftmals auch den Eingang des Nestes. Die anderen Weibchen dienen ihr als Hilfsweibchen, bis sie vor dem Schlüpfen der neuen Generation von der Königin aus dem Nest vertrieben werden. Daraufhin gründen die Arbeiterinnen jeweils eigene Nester, die sie selbst graben oder von anderen Arten übernehmen, wobei sie teilweise sogar die ursprüngliche Nestbesitzerin töten und die bereits verproviantierten Zellen nutzen. Je nach geographischer Lage können zwei oder mehr Arbeiterinnenbruten vorkommen.
Halictus scabiosae bevorzugt zum Pollensammeln Korbblütler (Asteraceae), sammelt aber auch auf Windengewächsen (Convolvulaceae) und Kardengewächsen (Dipsacaceae).

Flugzeit: Überwinterte Weibchen ab Anfang April; Männchen ab Anfang Juli.

Lebensräume

Trockenwarme Habitate; Ruderalflächen, Magerrasen, Kiesgruben.

Bestandssituation

Die Art breitet sich in Deutschland seit den frühen 1990er Jahren nach Norden und Nordosten aus, wurde 2002 erstmalig in Thüringen und 2007 erstmalig in Sachsen nachgewiesen (Burger & Frommer 2010). Die ersten Nachweise aus Sachsen stammen von 2007 aus Leipzig und von 2009 aus Plauen (Burger & Frommer 2010). Seit 2014 zahlreiche Nachweise auf "Insekten Sachsen".

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2001: Apidae 3. Halictus, Lasioglossum. – Fauna Helvetica 6: 208 S.
  • Burger, F., unter Mitarbeit von S. Kaluza, G. Baldovski, R. Franke, D. Langner, W.-H. Liebig, T. Sammorey & A. Scholz 2005: Rote Liste Wildbienen. – Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Dresden. 37 S.
  • Burger, F. & U. Frommer 2010: Zur Ausbreitung von Halictus scabiosae (Rossi, 1790) in Thüringen und Sachsen (Hymenoptera, Apidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte 54: 127–129.
  • Ebmer, P. A. W. 1969: Die Bienen des Genus Halictus Latr. s. l. im Großraum von Linz (Hymenoptera, Apidae). Teil I. – Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz 15: 133–183.
  • Scholz, A. 2013: Offen gelassene Sandgruben – Lebenswerte Welt für so manchen Spezialisten. – Naturschutzinformationen aus dem Landkreis Görlitz 01/2013: 1–3.
  • Westrich, P., U. Frommer, K. Manderey, H. Riemann, H. Ruhnke, C. Saure & J. Voith 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. S. 373–416. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.
Autor(-en): Mandy Fritzsche, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 27.04.2021

Diagnostische Merkmale von Halictus scabiosae.
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Von Außenparasiten (Milben?) befallenes Weibchen von Halictus scabiosae, Radebeul, August 2017
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Halictus scabiosae, Männchen, Radebeul, Juni 2018
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Halictus scabiosae, Weibchen, in der Gemarkung Hohenprießnitz, Kahns Berg, an Rainfarn (Tanacetum vulgare), Oktober 2014
(© Michael Happ)


Halictus scabiosae, Weibchen, in der Gemarkung Hohenprießnitz, Kahns Berg, an Rainfarn (Tanacetum vulgare), Oktober 2014
(© Michael Happ)


Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), Kaditz bei Dresden, August 2015
(© Steffen Hintersaß)


Männchen von Halictus scabiosae in der Gemarkung Hohenprießnitz, Rittergut, an Crisium sp., August 2014
(© Michael Happ)


Männchen von Halictus scabiosae in der Gemarkung Hohenprießnitz, Rittergut, an Crisium sp., August 2014
(© Michael Happ)


Halictus scabiosae, Männchen
(© Jakob Mann )
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