Die Wildbienen Deutschlands

28.09.2018

Paul Westrich 2018: Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart. 824 S.

Einige Jahre schon sind die Bienen Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Mit dem Colony Collapse Disorder war zunächst nur die Westeuropäische Honigbiene (Apis mellifera) und deren erhöhte Mortalitätsraten in Nordamerika gemeint, aber bald schon wurde das Phänomen auch aus Europa bekannt und vor allem, dass es den vielen Wildbienenarten ebenfalls nicht so gut geht. Von den in Deutschland einheimischen Arten sind 39 bereits ausgestorben, weitere 31 sind vom Aussterben bedroht und insgesamt stehen 293 (54%) Arten auf der Roten Liste (Westrich et al. 2012).
Alle reden über Wildbienen, aber nur wenige kennen sie wirklich! Die Anzahl der Spezialisten, die in der Lage sind, die 565 einheimischen Arten zuverlässig zu bestimmen, ist sehr überschaubar. Viele dieser Arten sind tatsächlich nicht einfach zu bestimmen, da die dafür benötigten Merkmale winzig klein sind und die Anschaffung eines Stereomikroskopes erfordern. Zu dieser Hürde kommt eine weitere hinzu: Auf dem Büchermarkt fehlt ein Bestimmungsbuch, mit dessen Hilfe alle einheimischen Arten bestimmt werden können.
Eine weitere große Lücke wurde nun aber dennoch geschlossen: die Darstellung der Lebensweise und Ökologie aller einheimischen Arten! In seinem neuen Buch hat Paul Westrich dafür das Wissen aus etwa 3.000 Fachpublikationen zusammengetragen und gibt uns einen Überblick über Verbreitung, Brutverhalten, Nahrungsgewohnheiten, Flugzeiten und Lebensräume einer jeden Art. Illustriert ist das Buch mit etwa 1.700 hervorragenden Farbfotos, die überwiegend vom Autor selbst stammen. Sie verschaffen uns einen Eindruck vom Aussehen der Arten und geben uns Einblick in ihren natürlichen Lebensraum.
Mit seinem Buch gibt uns Paul Westrich auch einen Einblick in unterschiedliche Auffassungen der Wissenschaftler und zeigt Kenntnislücken auf. Eine solche Situation erfordert es manchmal, sich auf ein Konzept von mehreren zu berufen, um einen übersichtlichen und verständlichen Stil zu wahren. Dabei ist in einzelnen Fällen der Mut zur Lücke wichtig, dort, wo sich offene Fragen in den Tiefen wissenschaftlicher Publikationen verlieren. Die Spezialisten mögen es dem Autor nachsehen, der interessierte Naturfreund wird dieses Buch ohnehin als eine Quelle schier umfassender Information immer wieder gern zur Hand nehmen und stauen, welche Vielfalt an Lebensgewohnheiten unsere einheimischen Wildbienen hervorgebracht haben.
Wer in Zukunft in Deutschland über Wildbienen mitreden will, wird an diesem Buch nur schwerlich vorbeikommen! (mn)


Zitierte Literatur
  • Westrich, P., U. Frommer, K. Manderey, H. Riemann, H. Ruhnke, C. Saure & J. Voith 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. S. 373–416. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.

 
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