Punktierte Zartschrecke (Leptophyes punctatissima (Bosc, 1792))

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Diagnose

Körperlänge: Männchen 10–14 mm, Weibchen 13–17 mm + Ovipositor 7–8 mm.

Körper: grüne Grundfärbung, feine schwarze Punkte über den ganzen Körper verteilt, heller Streifen zwischen Auge und Halsschild-Hinterrand, Männchen mit breiter braunroter Binde auf dem Rücken.

Kopf: Fühler länger als Körper.

Thorax: Flügel stark verkürzt.

Hinterleib: Cerci der Männchen im Spitzendrittel stark gebogen und mit spitzem Endzahn. Ovipositor der Weibchen sichelförmig und mehr als doppelt so lang wie das Pronotum sowie mit sehr feiner, kaum sichtbarer Zähnung.

Gesang der Männchen: sehr leise Einzelsilben, die in Abständen von zwei bis zehn Sekunden geäußert werden. Gut hörbar mit einem Ultraschelldetektor. Ähnelt stark dem Gesang der Gestreiften Zartschrecke (Leptophyes albovittata).

Ähnliche Arten: Bei der Gestreiften Zartschrecke (Leptophyes albovittata) reicht der helle Hinteraugenstreifen über den gesamten Hinterleib. Die Gemeine Plumpschrecke (Isophya kraussii) mit deutlich kürzeren Fühlern (weniger als doppelt so lang wie Körper) sowie Cerci und Ovipositor anders geformt. Auch bei der Laubholz-Säbelschrecke (Barbitistes serricauda) und der Nadelholz-Säbelschrecke (Barbitistes constrictus) sind Cerci und Ovipositior anders geformt.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Verbreitung

Von Südengland, Dänemark und Südskandinavien südlich über Nordspanien, Italien bis nach Griechenland (Waeber 2003). In Sachsen gelangen Nachweise bis in das Jahr 1990 nur in Leipzig. Seit  1990 ist eine Ausbreitung zu beobachten. Nachweise gelangen inzwischen regelmäßig aus Dresden, Nordwest- und Mittelsachsen sowie vereinzelt in der Oberlausitz. Durch die versteckte Lebensweise in Gehölzen in häufig städtisch geprägten Lebensräumen ist die tatsächliche Verbreitung der Punktierten Zartschrecke in Sachsen bisher nur ungenügend bekannt. Auch können akustische Nachweise nur mit Ultraschalldetektoren erfolgen.

Lebensweise

Die Tiere ernähren sich herbivor von Blütenpflanzen wie Mieren, Rosen, Klee oder Löwenzahn sowie von Blättern von Laubbäumen (Ingrisch & Köhler 1998). Die Eiablage erfolgt in Rindenritzen aber auch in Pflanzenstängel von beispielsweise Himbeere (Grein et al. 2008). Je nach Zeitpunkt der Eiablage ist die Individualentwicklung ein- oder zweijährig. Die Larven haben einen relativ niedrigen Wärmebedarf und halten sich vornehmlich in der Gras- und Krautschicht auf (Waeber 2003). Die adulten Tiere hingegen, welche von Ende Juni bis Anfang November auftreten, klettern meist im Laufe des Sommers in höhere Strukturen wie Sträucher und Bäume (Fischer et al. 2016). Die Larven sind erheblich mobiler als die Imagines, generell wird der Punktierten Zartschrecke jedoch eine hohe Ortstreue zugeschrieben (Waeber 2003). Die Punktierte Zartschrecke gehört zu den Insektenarten, die auch invasive Neophyten als Nahrung nutzt. Nachweise gelangen auch in Sachsen immer wieder auf  Staudenknöterich (Fallopia).

Lebensräume

Gehölz- und staudenreiche Standorte wie Wald-, Gebüsch- und Heckensäume, besiedelt jedoch auch verbuschte Magerrasen, Streuobstwiesen und gehölznahe Hochstaudenfluren (Fischer et al. 2016). Auch in anthropogenen Lebensräumen wie Gärten, Friedhöfe und Parkanlagen (Bellmann 2006). Generell braucht die Punktierte Zartschrecke Gehölzstrukturen mit vorgelagerten Gras- und Krautflächen, sind diese Habitatstrukturen vorhanden, kann sie ein breites Spektrum an Lebensräumen nutzen (Waeber 2003). Die Häufung von Nachweisen im urbanen Raum könnte auf eine passive Verfrachtung zurückzuführen sein, da Eier häufig in Kübel- und Topfpflanzen abgelegt werden. Durch Gartenabfälle können Eigelege und Jungtiere auch in sonst ungeeignete Habitate verfrachtet werden (z.B. in Fichtenforsten), wo dann in den die wilden Komposthaufen begleitenden Brennnesselfluren isolierte kleine Populationen etablieren können.

Bestandssituation

Die Punktierte Zartschrecke gilt in Sachsen aktuell als ungefährdet (Klaus & Matzke 2010).

Automatische Erfassung

Bennett et al. (2013) stellen einen Datenlogger für die automatische Erfassung der Punktierten Zartschrecke im Feld vor.

Literatur

  • Bellmann, H. 2006: Der Kosmos Heuschreckenführer. – Kosmos Verlag, Stuttgart. 350 S
  • Bennett, W., D. Chesmore & E. Baker 2013: Speckled Bush Cricket Data Logger. – Project Report. Project Summary and Device User Manual. – University of York, 29 S.
  • Börner, J., K. Richter, M. Schneider & S. Straube 1994: Rote Liste Heuschrecken. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Radebeul. 12 S.
  • Fischer, J., D. Steinlechner, A. Zehm, D. Poniatowski, T. Fartmann, A. Beckmann & C. Stettmer 2016: Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols - Bestimmen - Beobachten – Schützen. – Quelle & Meyer, 368 S.
  • Grein, G., A. Hochkirch, K. Schröder & H.-J. Clausnitzer 2008: Fauna der Heuschrecken (Ensifera & Caelifera) in Niedersachsen. – Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen 46. 186 S.
  • Ingrisch, S. & G. Köhler 1998: Die Heuschrecken Mitteleuropas. – Die Neue Brehm-Bücherei 629. – Westarp Wissenschaften, Magdeburg. 460 S.
  • Klaus, D. & D. Matzke 2010: Heuschrecken, Fangschrecken, Schaben und Ohrwürmer - Rote Liste und Artenliste Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 36 S.
  • Roesti, C. & B. Keist 2009: Die Stimmen der Heuschrecken. – Haupt Verlag, Bern. 144 S.
  • Waeber, G. 2003: Punktierte Zartschrecke Leptophyes punctatissima (Bose, 1792). S. 71–74. – In: H. Schlumprecht & G. Waeber, Heuschrecken in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart.
Autor(-en): Tommy Kästner, Matthias Nuß, Jennifer Wintergerst. Letzte Änderung am 01.10.2020

Männchen der Punktierte Zartschrecke am 28.07.2017 im Dresdner Zschonergrund auf einer Streuobstwiese
(© Katrin Ritter)


Weibchen der Punktierten Zartschrecke am 25.08.2017 auf einer Streuobstwiese im Zschonergrund Dresden
(© Katrin Ritter)


Weibchen der Punktierten Zartschrecke bei der Eiablage. Gemarkung Hohenprießnitz, Schlosspark, September 2019
(© Michael Happ)


Punktierte Zartschrecke am 03.07.2018 im Tharandter Wald auf dem alten Sportplatz Spechthausen
(© Lothar Brümmer)


Larve der Punktierten Zartschrecke, Hohnstein, 21.06.2020
(© Jürgen Schulze)


Am 22.10.2013 vormittags kletterte diese Punktierte Zartschrecke an einem Gebäude in Dippoldiswalde langsam aufwärts
(© Stefan Höhnel)


Laboraudioaufnahme. 29°C. Racal mit B&K 1/4" oder 1/2", Kassettennr. R87-7. Nachträglich bearbeitet mit Audacity V. 2.4.2.
(© Klaus-Gerhard Heller, DORSA)
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