Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes (Pallas, 1772))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Weibchen: Komplexaugen braunschwarz. Haarfärbung sehr variabel von hell bis (seltener) ganz dunkel. Kopf und Abdomenende meist dunkler behaart. Mesonotum der hellen Tiere ohne deutliche schwarze Querbinde zwischen den Tegulae. Scopa rötlich. Sporne der Hintertibia schwarz.

Die ähnliche Anthophora retusa tritt ebenfalls in einer hellen und einer dunklen Farbform auf, wobei die dunkle in Mitteleuropa überwiegt. Zur sicheren Unterscheidung dienen bei A. retusa die grün-bläulich schimmernden Komplexaugen und die gelbbraunen Tibiensporne der Hinterbeine.

Männchen: Behaarung ähnlich der hellen Form des Weibchens. Die ersten vier Tarsenglieder des Mittelbeines auf der hinteren Seite mit außerordentlich langen schwarzen Haarfransen, dadurch unverwechselbar.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

–

Synonyme

Anthophora acervorum (Linnaeus 1758)
Anthophora pilipes (Fabricius 1775)

Merkmale


Verbreitung

Ganz Europa

Lebensweise

Die Männchen unserer häufigste Pelzbienenart Mitteleuropas erscheinen als eine der ersten Bienen des Jahres bereits Anfang März. Das Weibchen nistet solitär, aber meist in Kolonien, in selbst gegrabenen Gängen in lehm-oder lößhaltigen Steilwänden und Abbruchkanten, in Lehm- und Sandsteinwänden, im Mörtel alter Natursteinmauern u. ä., aber auch im ebenen, regengeschützten, lehmigen Boden. Die vorjährigen Nistplätze werden erneut aufgesucht und in vorhandenen Löchern und Spalten sich verzweigende Gänge weiter in das Substrat gegraben. Die linear-elliptischen Brutzellen liegen schräg oder senkrecht in diesen Gängen und bestehen aus 2,5 mm dicken Lehmwänden, die innen mit einem klaren Sekret ausgekleidet werden, das zu einer weißgrauen wachsartigen Schicht aushärtet. Die Larve entwickelt sich bereits im Frühjahr zum Imago, welches das restliche Jahr bis zum Schlupf im nächsten Frühjahr in der Brutzelle verbringt. Anthophora plumipes sammelt Pollen von verschiedenen Pflanzenfamilien mit Bevorzugung auf engröhrige Blüten, wie Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Lerchensporn (Corydalis) und Schlüsselblume (Primula veris), wobei der Pollen mithilfe der borstigen Zunge aus den Blüten gekratzt wird. Auch Lippenblütler, wie Taubnesseln (Lamium) werden gern besucht. Die Männchen sind in Gärten oft an Blaukissen (Aubrieta) zu finden. Der Pollentransport erfolgt mithilfe der dichten Haarbürsten an den Tibien und Tarsen der Hinterbeine. Auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen patrouillieren die Männchen auf festen, mit Duftstoffen markierten Flugbahnen entlang der Nistplätze und Trachtpflanzen der Weibchen. Auch zur Aufnahme des Nektars umfliegen sie wochenlang in immer gleichen Bahnen die Nektarpflanzen, den Flug immer wieder abrupt durch Anflug auf die Blüte unterbrechend, sobald deren Nektarvorrat wieder aufgefüllt ist.

Flugzeiten: Männchen: Anfang März–Ende Mai, Weibchen: Anfang April–Mitte Juni

Brutparasiten: die Trauerbiene Melecta albifrons und der Schmalflügelige Pelzbienen-Ölkäfer Sitaris muralis.

Lebensräume

Steilwandige Flußufer und Abbruchkanten, natürliche Lößwände, Weinberge, altes Mauerwerk aus Lehm oder aussandendem Mörtel u. ä.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: ungefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: ungefährdet (Westrich et al. 2012).

Aktive Förderung

Mittels Anpflanzung der genannten frühblühenden Pflanzen (Lungenkraut, Schlüsselblume, Lerchensporn u. ä.) sowie der Bereitstellung von Nistmöglichkeiten in Form künstlicher Lehmwände und lehmverfugter Natursteinmauern läßt sich die Frühlingspelzbiene leicht im eigenen Garten ansiedeln.

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2007: Fauna Helvetica – Apidae 5, Neuchâtel. 356 S.
  • Amiet F., Krebs, A. 2012: Bienen Mitteleuropas, Bern. 423 S.
  • Friese H. 1895 – 1901: Die Bienen Europas, Berlin, Innsbruck und Imst. Bd. III 316 S. 
  • Scheuchl, E. 2000. Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band I: Anthophoridae, Velden. 158 S.
  • Schmiedeknecht, O. 1907: Die Hymenopteren Mitteleuropas, Jena. 804 S.  
Autor(-en): Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 06.05.2020

Anthophora plumipes, Weibchen, Radebeul, März 2020
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Anthophora plumipes, Männchen, Radebeul, März 2020
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Diagnostische Merkmale von Anthophora plumipes
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Anthophora plumipes, Weibchen
(© Wolf-Harald Liebig)


Seltene dunkle Form von Anthophora plumipes in Pirna, gefunden im Mai 2013
(© Tommy Kästner)


Männchen von Anthophora plumipes in Pirna, gefunden im Mai 2013
(© Tommy Kästner)


Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) am 31.03.2019 in Radebeul-Kötzschenbroda
(© Florian Meerheim)


einem Fachwerk nachgebildete Nisthilfe für Wildbienen, besetzt mit A. plumipes, Großer Garten Dresden, Mai 2016
(© Tommy Kästner)
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