Wanderlibelle (Pantala flavescens (Fabricius, 1798))

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Diagnose

Körperlänge: 45–55 mm, Hinterflügellänge: 38–42 mm.

Kopf: Augen oben rotbraun, unten blaugrau.

Thorax: gelblich-orange Grundfarbe; lange und schmale, nach außen sich deutlich verschmälernde Flügel; Hinterflügel basal sehr breit und deutlich dreieckig; bei beiden Geschlechtern können orange Basalflecken auftreten; beim Männchen können die äußersten Flügelspitzen braun verdunkelt sein; Flügelmale rotbraun, in den Hinterflügeln etwas kleiner als in den Vorderflügeln.

Hinterleib: frisch geschlüpfte Tiere gelb, geschlechtsreife Tiere orange, Männchen auch rot bis dunkelrot; beide Geschlechter oberseits mit schwarzen Längsmustern.

Ähnliche Arten: Spitzenfleck (Libellula fulva) oft mit verdunkelten Flügelspitzen, jedoch anderer Hinterleibszeichnung. Kleine Mosaikjungfer (Anax parthenope), Schabracken-Königslibelle (Anax ephippiger) und Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles) mit brauner Grundfarbe, aber entweder blauer Schabracke (Anax parthenope, Anax ephippiger) oder gelbem Dreieck (Aeshna isoceles) an Hinterleibsbasis.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Merkmale

Verbreitung

Die Wanderlibelle kommt auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor (GBIF) und hat die größte Verbreitung aller weltweit vorkommenden Libellenarten (Wildermuth & Martens 2019). Sie ist zirkumtropisch an die Dynamik der Innertropischen Konvergenzzone angepasst, wo der Monsun nicht nur die feucht-warme Luftströmung hervorbringt, welche die Ausbreitung der adulten Libellen begünstigt, sondern auch den Regen, der temporäre Gewässer für die Entwicklung von Eiern und Larven entstehen lässt (Anderson 2009).
Die Wanderlibelle wandert über große Distanzen, überwindet dabei mehr als 3.500 km über offenen Ozeanen (Anderson 2009) und wird im Gebirge selbst in der nivalen Höhenstufe gefunden, mit dem höchstgelegene Nachweis aus dem Himalaya von 6.300 m Höhe (Wojtusiak 1974).

Alljährlich wandern Millionen Individuen von Indien über die Malediven nach Ost- und Südafrika, wo sie sich fortpflanzen (Anderson 2009). Hobson et al. (2012) zeigen anhand von Isotopenuntersuchungen, dass diese Tiere aus der Himalayaregion stammen. Borisov et al. (2020) weisen zudem nach, dass diese Wanderroute Mittelasien einschließt und damit 14.000 km beträgt. 

Erste populationsgenetische Untersuchungen in Nordamerika, Südamerika und Asien deuten darauf hin, dass die Wanderlibelle aufgrund ihrer regelmäßigen Langstrecken-Migration eine globale, panmiktische Population bildet (Troast et al. 2016; Low et al. 2017). Allerdings gibt es zwei distinkte Linien in Korea sowie Malaysia, Japan und Indien (Low et al. 2017). Auf den Osterinseln deuten Besonderheiten in Morphologie und Verhalten darauf hin, dass die Tiere dieser Population nicht mehr wandern (Samways & Osborn 1998).

Im Vergleich zu anderen Regionen auf den gleichen Breitengraden wird die Wanderlibelle nur sporadisch in Europa nachgewiesen, weil feucht-warme Luftströmungen aus Afrika nur selten auftreten (Wildermuth & Martens 2019; Dijkstra et al. 2021).

Lebensweise

Die Art besiedelt temporäre Gewässer, die in der Regenzeit bzw. durch Hochwasser entstehen. Nach dem Schlupf verlassen die Imagines mit dem Jungfernflug das Gewässer, in dem sie sich entwickelt haben und kehren in der Regel nicht dorthin zurück. Sie bilden Jagdschwärme und setzen sich im Laufe des Tages nur selten hin. Die Paarung erfolgt im Flug. Zur Eiablage fliegen Männchen und Weibchen im Tandem zur Wasseroberfläche und das Weibchen legt die Eier ins Wasser. Die mittlere Eiablagedauer im Tandem beträgt 145 Sekunden, wobei 982 Eier abgelegt werden. Später legt das Weibchen die Eier auch allein ab, während das Männchen im Flug darüber wacht. Die Eier entwickeln sich nur bei Temperaturen oberhalb 14–15°C, wobei die Entwicklung von der Eiablage bis zum Schlupf mindestens 35–38 Tage dauert. Die Larven ernähren sich von Krebsen, Kaulquappen und Insekten einschließlich der Larven anderer Libellenarten. Gegenüber den Larven anderer Libellenarten setzen sie sich zudem durch schnelles Wachstum durch (Wildermuth & Martens 2019).

Lebensräume

Kleine, stehende, temporäre und vegetationsfreie Gewässer (Dijkstra et al. 2021).

Bestandssituation

Der erste Nachweis der Wanderlibelle aus Sachsen geht auf eine Einschleppung aus Ekuador mit Bananenkisten zurück (Kipping 2006). Günther (2019 a, b) erbringt anhand eines Exuvienfundes und der Beobachtung eines Männchens in der Bergbaufolgelandschaft der Niederlausitz (Brandenburg) den ersten Nachweis aus Deutschland, der auf eine hiesige Entwicklung zurückgeht.

Literatur

Links

Autor(-en): Matthias Nuß, Susanne Kurze. Letzte Änderung am 16.01.2022

Junges Männchen der Wanderlibelle. Death Valley, Nevada, USA, Juni 2018
(© Jörg Teumer)


Overton, Moapa Valley, Nevada, USA, Juni 2018
(© Jörg Teumer)
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