Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle (Denis & Schiffermüller, 1775))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 11–15 mm.

Flügeloberseiten der Männchen deutlich blau schillernd, die Vorderflügel orange mit schwarzen Punkten und schwarzem Rand; die Hinterflügel dunkelbraun mit orangem Band vor dem Rand. Die Weibchen von gleicher Färbung und Zeichnung, nur mit schwachem blauen Schiller, die schwarzen Punkte vor dem Außenrand stets mit blauem Rand.

Flügelunterseiten: Vorderflügel matt orange bis in die Spitze, Hinterflügel hellbraun mit oranger Binde vor dem Rand und alle Flügel mit schwarzen Punkten.

Ähnliche Art: Individuen mit wenig blauem Schiller sind ähnlich zum Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas) und dem Schwefelvögelchen (Lycaena tityrus). Die Vorderflügel dieser beiden Arten oberseits stets ohne den blauen Rand an den schwarzen Punkten vor dem Außenrand und unterseits die Spitze hellbraun bzw. schwefelgelb.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): streng geschützt
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang IV
Rote Liste Sachsen: ausgestorben (1938)
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet

Merkmale

Verbreitung

Zahlreiche isolierte Vorkommen in Mittel- und Nordeuropa; Westrußland, Sibirien, Mongolei, Transbaikalien und Amur.

Lebensweise

In Mitteleuropa leben die Larven an Wiesen-Knöterich (Bistorta officinalis).

Lebensräume

Blütenreiche und nährstoffarme Feuchtwiesen mit Bistorta officinalis sowie Hochmoore mit Vaccinium-Arten und lichtem Wald. In Ostdeutschland und Niederschlesien ist Lycaena helle eine Art des Tieflandes und fehlt im Gebirge (sowohl im Erzgebirge als auch im Riesengebirge). 

Bestandssituation und Schutzstatus

Die Populationen von Lycaena helle gehen in vielen Gebieten Europas stark zurück. Hauptursache sind Entwässerung sowie Bewaldung der Lebensräume aufgrund Nutzungsaufgabe, insbesondere der Beweidung. Auch in Deutschland sind lang- und kurzfristig Bestandsrückgänge für die hier sehr seltene Art zu verzeichnen, so dass sie in der Roten Liste in die Kategorie 2 (stark gefährdet) eingestuft wurde (Reinhardt & Bolz 2012).

In Sachsen kam die Art früher im Leipziger Raum auf den Parthewiesen bei Mockau, Thekla und Abtnaundorf sowie am Bienitz, in Rückmarsdorf und Miltitz vor. Ein Nachweis aus dem Vogtland wird bezweifelt. Aus Dresden sind zwei Exemplare (coll. Trübsbach) überliefert. Für die Lausitz erwähnt Möschler (1861: 136, als "Polyommatus amphidamas") Funde von Karl von Tischer bei Bautzen, dessen Sammlung 1849 in Dresden verbrannte und Schütze (1896: 274–275, als "Polyommatus amphidamas") zusätzlich einen Nachweis von Fleischer bei Bautzen. Somit dürfte Lycaena helle bereits im 19. Jahrhundert in der Lausitz ausgestorben sein. Der letzte Nachweis aus Sachsen (bei Leipzig) geht auf das Jahr 1938 zurück. Seither gilt die Art in Sachsen als ausgestorben (Reinhardt et al. 2007).

Im benachbarten Thüringen ist Lycaena helle ebenfalls in den 1930er Jahren verschwunden (Thust et al. 2006). In Brandenburg (Kretschmer 2008) und Sachsen-Anhalt sind alle früheren Vorkommen erloschen; in Mecklenburg-Vorpommern wurde die Art 1993 und 1994 wiedergefunden, allerdings nur mit einem Vorkommen im Nordosten des Bundeslandes (Gaedike & Heinicke 1999; Wachlin 2012).

Literatur

  • Fischer, K., B. Beinlich & H. Plachter 1999: Population Structure, Mobility and Habitat Preferences of the Violet Copper Lycaena Helle (Lepidoptera: Lycaenidae) in Western Germany: Implications for Conservation. – Journal of Insect Conservation 3: 43–52.
  • Gaedike, R. & W. Heinicke 1999: Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Suppl. 5: 1–216.   
  • Habel, J., M. Meyer & T. Schmitt 2014: Jewels in the Mist. A synopsis on the highly endangered butterfly species the Violet Copper, Lycaena helle. – Pensoft Publishers, 235 S.
  • Kretschmer, H. & J. Gelbrecht 2008: Zum ehemaligen Vorkommen und zu Möglichkeiten der Wiederansiedlung des Blauschillernden Feuerfalters Lycaena helle (Denis & Schiffermüller, 1775) in Brandenburg (Lepidoptera, Lycaenidae). – Märkische entomologische Nachrichten 10 (1): 117–124.
  • Lebigre, C., C. Vanderbeken, C. Turlure, & N. Schtickzelle 2018: Host plant nitrogen enrichment has both positive and negative effects on the larval growth of a specialist Butterfly. – Ecological Entomology 43 (4): 494–505.
  • Möschler, H. B. 1861: Die Schmetterlinge der Oberlausitz. II. Abtheilung. Nachträge. – Neues Lausitzisches Magazin der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitz 38: 1–147.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Sbieschne, H., D. Stöckel, T. Sobczyk, M. Trampenau & R. Reinhardt 2014: Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz. Teil 4: Tagfalter. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 18: 224 S.
  • Scherer, G., F. Löffler & T. Fartmann 2021: Abandonment of traditional land use and climate change threaten the survival of an endangered relict butterfly species. – Insect Conservation and Diversity 14 (5): 556–567
  • Schütze, K. T. 1896: Die Großschmetterlinge der sächsischen Oberlausitz [1. Theil: Einleitung und Rhopalocera]. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 8 ("1895") (2) ("1896"): 265–283.
  • Sommer, R. S., V. Thiele & H. Seppä 2015: Use and misuse of the term ‘glacial relict’ in the Central European biogeography and conservation ecology of insects. – Insect Conservation and Diversity 8 (4): 389–391.
  • Thust, R., G. Kuna & R.-P. Rommel 2006: Die Tagfalterfauna Thüringens. Zustand in den Jahren 1991 bis 2002. – Naturschutzreport, Jena 23: 1–199.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von Heidrun Melzer).
  • Trense, D., J. C. Habel, A. Finger & K. Fischer 2021: Contrasting genetic responses to habitat fragmentation for two Lycaenid butterfly species. Insect Conservation and Diversity
  • Wachlin, V. 2012: Lycaena helle (Denis & Schiffermüller, 1775) - Blauschillernder Feuerfalter. – Steckbriefe der in M-V vorkommenden Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie. – Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern.

Links

Lycaena helle im Lepiforum
Lycaena helle Artenportraits des BfN
Lycaena helle in Wikipedia

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 19.05.2022

Männchen des Blauschillernden Feuerfalters. Niederschlesien, Polen, Mai 2022
(© Matthias Nuß)


Weibchen des Blauschillernden Feuerfalters. Niederschlesien, Polen, Mai 2022
(© Matthias Nuß)


Weibchen des Blauschillernden Feuerfalters. Niederschlesien, Polen, Mai 2022
(© Matthias Nuß)


Männchen von Lycaena helle aus Leipzig, von Herrn Seiler (Dresden) aus einer Larve gezogen und im Mai 1910 geschlüpft. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden
(© Matthias Nuß)


Etiketten des Männchens von Lycaena helle aus Leipzig, von Herrn Seiler (Dresden) aus einer Larve gezogen und im Mai 1910 geschlüpft. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden
(© Matthias Nuß)
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