Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas (Linnaeus, 1761))

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Diagnose

Vorderflügellänge 14–16 mm.

Flügeloberseiten: Vorderflügel intensiv metallisch orange, mit schwarzen Punkten und breitem dunkelbraunen Flügelrand; Hinterflügel dunkelbraun, vor dem Hinterrand mit einer mehr oder weniger deutlichen blauen Punktreihe, die auch fehlen kann, und einer stets deutlichen orangen Binde, in die schwarze Punkte hineinragen und von der das Orange in einen kleinen Zipfel des Flügelhinterrandes hineinläuft. Alle Flügel mit weißen Fransen.

Flügelunterseiten: Vorderflügel matt orange, mit schwarzen Punkten und hellbraunem Rand; Hinterflügel hell graubraun mit nur kleinen undeutlichen schwarzen Punkten und einer undeutlichen orangen Fleckenreihe vor dem Flügelrand.

Ähnliche Art: Die Männchen des Schwefelvögelchens (Lycaena tityrus) oberseits braun mit schwarzen Flecken und manchmal leichtem Blauschiller, die Weibchen vor den Außenrändern mit dünner brauner Randlinie und davor ein oranges Band mit schwarzen Punkten. Hinterflügel beider Geschlechter unterseits schwefelgelb, mit deutlichen schwarzen Punkten.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Mit einer Vorderflügellänge von etwa 13 mm zählt der Kleine Feuerfalter zu den kleineren Arten unter den Feuerfaltern. Vorderflügel oberseits mit metallisch oranger Grundfarbe, darin einzelne schwarze Flecke sowie breit braun gerändert; unterseits mit gleicher, aber kontrastärmerer Zeichnung. Hinterflügel oberseits braun, mit oranger Randbinde, davor oft kleine, blau glänzende Flecken; unterseits hell graubraun mit kleinen, kontrastarmen schwarzen Flecken und einer orangen Randbinde. Alle Flügel mit weißen Fransen.

Verbreitung

Von Irland, Großbritannien und Fennoskandien südlich bis zu den Kanarischen Inseln und Madeira sowie Nordafrika und östlich bis Japan. Nordamerika, Grönland (Tolman & Lewington 1998; Bräu et al. 2013; Hall et al. 2014).

Lebensweise

In Sachsen bildet der Kleine Feuerfalter drei, selten vier Generationen, deren Falter von Anfang Mai bis Anfang Oktober fliegen (Reinhardt et al. 2007). Eine vierte Generation ist möglich und tritt in einigen Regionen Deutschlands regelmäßig auf (Ebert & Rennwald 1993; Settele et al. 2009). In Jahren mit günstigen Witterungsbedingungen kann die Falterzahl von Generation zu Generation stetig steigen, weil sich die Eiablagerate der Weibchen bei wärmeren Bedingungen erhöht. Somit erfolgt die Entwicklung (potenziell) azyklisch, dass heißt, das Ende der Flugzeit wird allein vom Wetter bestimmt. Infolge dessen sterben im Herbst oft viele frisch geschlüpfte Falter (Ebert & Rennwald 1993).
Als häufiger Blütenbesucher nutzt der Kleine Feuerfalter ein großes Spektrum von Blütenpflanzen verschiedener Pflanzenfamilien und unterschiedlicher Blütenfarben, unter anderem Schafgarbe (Achillea millefolium), Sommerflieder (Buddelja davidii), Heidekraut (Calluna vulgaris), Habichtskräuter (Hieracium sp.), Ackerwitwenblume (Knautia arvensis), Herbstlöwenzahn (Leontodon autumnalis), Goldrute (Solidago sp.) und Rainfarn (Tanacetum vulgare) (Reinhardt et al. 2007). Bei quantitativen Untersuchungen im Hunsrück in Südwestdeutschland trat der Kleine Feuerfalter zwar nur sporadisch auf, aber Ackerkratzdistel (Cirsium pratense) war dann die wichtigste Nektarquelle, während an anderen Pflanzen nur einzelne Blütenbesuche beobachtet wurden (Schmitt 1998).
Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Als Ansitzwarte wählen sie Blütenköpfe, Steine oder auch Stellen mit vegetationsfreiem Boden, wo sie mit halbgeöffneten Flügeln sitzen. Mitunter bedrängen sich die Männchen bei den Luft- oder Schiebekämpfen sehr aggressiv (Ebert & Rennwald 1993).
Die Eiablage findet in der Nähe des sich schnell erwärmenden Untergrundes an den Blättern, Stängeln oder Blattachseln der Wirtspflanze statt (Ebert & Rennwald 1993; Fartmann 2004; Reinhardt et al. 2007). Als wichtigste Nahrungspflanzen der Larven gelten der Kleine Sauerampfer (Rumex acetosella) und der Wiesensauerampfer (Rumex acetosa). Darüber hinaus liegen Beobachtungen auch vom Straußblütigen Sauerampfer (Rumex thyrsiflorus), Stumpfblättrigem Ampfer (Rumex obtusifolius) und Krausem Sauerampfer (Rumex crispus) vor (Ebert & Rennwald 1993; Fartmann 2004; Bräu et al. 2013). Die grünen, gelegentlich auch roten Larven verbergen sich an den Blattunterseiten und überwintern (Weidemann 1995). Die Larve verpuppt sich in einem Gespinst an ihrer Nahrungspflanze.

Lebensräume

Die Falter nutzen eine Vielzahl von Lebensräumen im Offenland, an Waldrändern und in Gebüschlandschaften. Es werden Dämme, Böschungen, Wegränder, Ackerraine, Gärten, Weinberge, Sportplätze, Kies- und Sandgruben, Steinbrüche, städtische Grünflächen sowie Wege, Säume und Lichtungen in Laub- und Nadelwäldern beflogen (Ebert & Rennwald 1993).
Zur Reproduktion ist der Kleine Feuerfalter auf magere Frischwiesen und -weiden mit Störstellen, wie z. B. Maulwurfshügel, oder auf Magerrasen, Sandfluren, trockene Brachen oder Ruderalflächen angewiesen, wo die bevorzugte Wirtspflanze, der Kleine Sauerampfer (Rumex acetosella), wächst (Reinhardt et al. 2007; Streitberger et al. 2014).

Bestandssituation

Der Kleine Feuerfalter besitzt eine hohe Ausbreitungsfähigkeit, eine hohe Vermehrungsrate und die Larven können sich auch auf kleinflächigen Habitaten entwickeln. So kann er auch bei intensiver Landnutzung schnell neue Habitate erschließen (Bräu et al. 2013). In Sachsen kommt der Kleine Feuerfalter in allen Regionen und Naturräumen vor. Jahrweise kann er in einigen Gebieten fehlen, erscheint aber oft an vielen Stellen wieder, wo in den vorangegangenen Jahren kein Nachweis gelang (Reinhardt et al. 2007).

Literatur

  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter II. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.
  • Eckstein, K. 1913: Die Schmetterlinge Deutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Biologie. 1. Band. – Schriften des Deutschen Lehrerveins für Naturkunde 26: 120 S., 16 Taf.
  • Fartmann, T. 2004: Die Schmetterlingsgemeinschaften der Halbtrockenrasen-Komplexe des Diemeltals. Biozönologie von Tagfaltern und Widderchen in einer alten Hudelandschaft. – Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 66 (1): 1–256.
  • Hall, P. W., C. D. Jones, A. Guidotti & B. Hubley 2014: Butterflies of Ontario. – Royal Ontario Museum, Toronto. 488 S.
  • Kandori, I. T. Yamaki, S. Okuyama, N. Sakamoto & T. Yokoi 2009: Interspecific and intersexual learning rate differences in four butterfly species. – Journal of Experimental Biology 212 (23): 3810–3816.
  • Möbius, E. T. A. 1905: Die Grossschmetterlings-Fauna des Königreiches Sachsen. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 18 (1): i–xxi, [i]–[xi], 1–235, Taf. 1–2.
  • Ochsenheimer, F. 1805: Die Schmetterlinge Sachsens mit Rücksichten auf alle bekannten europäischen Arten. 1. Theil: Falter oder Tagschmetterlinge. – Dresden und Leipzig.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., Sbieschne, H., Settele, J., Fischer, U. & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. In: Klausnitzer, B. & R. Reinhardt (Hrsg.): Beiträge zur Insektenfauna Sachsens. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 11, Dresden. 695 S.    
  • Schmitt, T. 1998: Blütenpräferenzen von Tagfaltern im südwestlichen Hunsrück (Lepidoptera). – Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo, N. F. 19 (2): 161–204.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann (Hrsg.) 2009: Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. 2. Aufl. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
  • Streitberger, M., S. Rose, G. Hermann, T. Fartmann 2014: The role of a mound-building ecosystem engineer for a grassland butterfly. – Journal of Insect Conservation 18 (4): 745–751.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von Heidrun Melzer).
  • Weidemann, H.-J. 1995: Tagfalter beobachten, bestimmen. – Naturbuch-Verlag, Augsburg. 660 S.

Links

Autor(-en): Susanne Kurze, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 26.04.2016

Kleiner Feuerfalter im August 2013 in Arnsdorf
(© Peter Diehl)


Kleiner Feuerfalter, Gemarkung Hohenprießnitz, Rieselgraben am Fichtbusch, Oktober 2013
(© Michael Happ)


Kleiner Feuerfalter auf einer blütenreichen Wiese in der Nähe der Papitzer Lachen, Juli 2014
(© Bernd Garbe)


Falter an Apfelminze im Kräuterbeet. Callenberg OT Meinsdorf im September 2012
(© Thomas Polster)


Kleiner Feuerfalter auf einer Wiese in Callenberg OT Meinsdorf im September 2012
(© Thomas Polster)


Ei vom Kleinen Feuerfalter abgelegt am 16.7.2015 an Sauerampfer in der Sandgrube bei Lengenfeld.
(© Matthias Hartung)


Larve des Kleinen Feuerfalters aus einer Zucht von Faltern aus der Region der Oberlausitz (Studioaufnahme), Juni 2014
(© Susanne Kurze)


Puppe des Kleinen Feuerfalters aus einer Zucht von Faltern aus der Region der Oberlausitz (Studioaufnahme)
(© Susanne Kurze)


Kleiner Feuerfalter auf meinem Finger sitzend. Kalkhöhe bei Glashütte am 8.10.2013
(© Stefan Höhnel)


Zwischen einem abgeernteten Weizenfeld und einem trocken-warmen Eichenhain wachsen kleine Rumex acetosella-Pflänzchen, an denen Weibchen ihre Eier ablegen. Nahe Moritzburg im September 2016.
(© Franziska Bauer)
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