Fliegende Edelsteine – Monographie über die Goldwespen Mitteleuropas erschienen

28.10.2020

Trotz ihrer geringen Körperlänge von weniger als einem Zentimeter ziehen die farbenprächtigen, metallisch glänzenden Goldwespen unsere Blicke auf sich und wer sich dann schon einmal daran gemacht hat, diese Insekten zu fotografieren weiß, dass dies nicht nur eine Herausforderung ist, weil sie so klein, sondern auch, weil sie so schnell sind.

Goldwespenlarven leben auf Kosten anderer Insekten, insbesondere von Grabwespen, Wegwespen und Wildbienen, aber auch von Pflanzenwespen, Honigwespen oder Schmetterlingen, wobei die einzelnen Goldwespenarten bei der Nutzung der Wirte hochspezialisiert sind. Sie leben also parasitisch, entweder als Kuckuck auf Kosten anderen Insektenlarven, was mit dem Tod letzterer einhergeht, oder auf Kosten des eingelagerten Proviants, was man Kleptoparasitismus nennt. Die adulten Goldwespen hingegen sind Vegetarier und so kann man sie beim Blütenbesuch beobachten. Auf der Suche nach Wirten findet man sie dann zum Beispiel regelmäßig an Bienennisthilfen.

Schnell kann man sich für Goldwespen begeistern, aber die kleine Körpergröße bringt es mit sich, dass deren Artbestimmung nicht ganz einfach ist. Viele Arten können nach Makrofotos bestimmt werden, vor allem, wenn die Tiere von oben, von der Seite und von vorn fotografiert werden, aber es verbleiben auch einige Artengruppen, die selbst für Spezialisten eine Herausforderung sind, wie z. B. die Chrysis ignita-Artengruppe, bzw. es werden selbst in Mitteleuropa noch unbekannte Arten entdeckt und wissenschaftlich beschrieben. Die Forschung wird in den nächsten Jahren viele neue Erkenntnisse zu diesen Insekten zutage fördern.

Vor diesem Hintergrund ist nun ein Buch von Heinz Wiesbauer, Paolo Rosa und Herbert Zettel über die mitteleuropäischen Goldwespen erschienen, dass alle Arten behandelt. Ein ausführlich einführender Teil gibt Einblicke in die Erforschungsgeschichte der Goldwespen sowie ihre interessante und hochkomplexe Lebensweise. Die einzelnen Arten werden im Hauptteil des Buches behandelt. Ein Bestimmungsschlüssel führt zu den Gattungen und Artengruppen. 652 Farbfotos und Farbzeichnungen illustrieren die Lebensweise, Lebensräume und erleichtern die Artbestimmung erheblich.

Dieses Buch ist für alle zu empfehlen, die sich mit Goldwespen beschäftigen möchten, sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Letzte finden über ein ausführliches Literaturverzeichnis schließlich zu den wissenschaftlichen Publikationen zur Bestimmung von äußerlich ähnlichen Arten, molekulargenetischen Untersuchungen u.w.m. Und wer sich nur für Goldwespen begeistern und die schönen Fotos genießen möchte, dem sei das Buch allemal empfohlen. mn

Wiesbauer, H., P. Rosa & H. Zettel 2020: Die Goldwespen Mitteleuropas. Biologie, Lebensräume, Artenportraits. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
 
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