Dicranocephalus agilis (Scopoli, 1763)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

–

Merkmale

Von den drei in Mitteleuropa vorkommenden Wolfsmilchwanzen-Arten kommen nur Dicranocephalus agilis und Dicranocephalus medius in Sachsen vor. Beide unterscheiden sich von der nicht aus Sachsen nachgewiesenen Dicranocephalus albipes durch das Vorhandensein feiner Knötchen auf dem häutigen Teil der Deckflügel in dem Bereichen zwischen den Adern. Bei D. albipes sind diese Zwischenräume vollständig glatt ausgebildet. Die beiden bei uns nachgewiesenen Arten unterscheiden sich untereinander an Lage, Färbung und Größe der hellen Ringe am ersten (innersten) Fühlerglied: Dicranocephalus agilis besitzt dort neben einem schmalen schwarzen Ring am Beginn eine gleichmäßige Verteilung gleichgroßer weißer und schwarzer Abschnitte während bei Dicranocephalus medius dieses erste Fühlerglied folgendermaßen gefärbt ist: einem schmalen schwarzen Ring folgt ein mittelgroßer weißer, diesem ein bräunlicher (nicht schwarzer!) Ring, bevor dann wieder ein weißer Ring folgt, der gleich groß zum ersten weißen Ring ist. Abgeschlossen wird die Färbung des ersten Fühlergliedes durch einen breiteren schwarzen Ring. Die Ringe am ersten Fühlerglied wirken also insgesamt bei der verwandten Art unregelmäßig.

Verbreitung

Dicranocephalus agilis ist in einem breiten Gürtel vom Süden der Britischen Inseln über Südskandinavien bis nach Chemna verbreitet. Nach Süden reicht die Verbreitung bis Nordafrika. In Deutschland nehmen die Funde nach Nordwesten deutlich ab - sie ist aber dennoch die häufigste Art der Gattung.

Vorkommen in Sachsen

Die Art ist in Sachsen lokal zerstreut verbreitet, fehlt jedoch auch in weiten Landesteilen. Schwerpunkte des Vorkommens liegen im Elbtal und angrenzenden Bereichen. Die Art ist vielerorts mit dem verschwinden von Triften und mageren Rasen zurückgegangen, so dass heute aus dem Leipziger Raum nur noch ein aktueller Fundort bekannt ist. Historische Fundorte gibt es auch im Zwickauer Raum. Die Vorkommen im Bereich der Königsbrücker Heide bestehen wahrscheinlich noch - eine entsprechende Untersuchung konnte bisher nicht durchgeführt werden. Da die Arten der gattung auffällig sind und oft auf der Wirtspflanze sitzen dürfte die Art auch von beifangsammlern gefunden werden - entsprechende aktuelle Nachweise sind im Vergleich zum Angfang des 20. Jahrhunderts allerdings rar, was die heutige Seltenheit der Art dokumentiert.

Lebensweise

Nach der Überwinterung paaren sich die erwachsenen Tiere im Frühjahr und legen an oder unter den Wolfsmilchpflanzen Eier ab. Die Larven sind im Sommer, erwachsene Tiere der neuen generation dann ab August zu finden. Die Art lebt an und größtenteils am Boden unter Wolfsmilcharten.

Lebensräume

Besiedelt werden trocken-warme Offenlandbiotope mit Vorkommen von Wolfsmilch-Arten (Euphorbia sp.), insbesondere Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Die Art scheint wärmeliebender zu sein als die Schwesterart Dicranocephalus medius.

Bestandssituation

Die Art ist in Sachsen selten und muss als stark gefährdet angesehen werden.

Literatur

  • Arnold, Kurt (2003): Aktuelle Heteropteren-Funde nach 1980 aus dem Freistaat Sachsen (Insecta: Hemiptera) - 1. Beitrag - Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden 24: 3-17
  • Arnold, Kurt (2009): Aktuelle Heteropteren-Funde nach 1980 aus dem Freistaat Sachsen (Insecta: Heteroptera) - 5. Beitrag - Mitteilungen Sächsischer Entomologen Entomofaunistische Gesellschaft e.V. LV Sachsen Supplement 8: 4-115
  • Arnold, Kurt (2009): Checkliste der Heteropteren des Freistaates Sachsen - Mitteilungen Sächsischer Entomologen Entomofaunistische Gesellschaft e.V. LV Sachsen Supplement 8: 116-145
  • Brändle, Martin & Rieger, Christian (1999): Die Wanzenfauna von Kiefernstandorten (Pinus sylvestris L.) in Mitteleuropa (Insecta: Hemiptera: Heteroptera) - Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden 21: 239-258
  • Büttner, Kurt & Wetzel, Curt (1964): Die Heteropterenfauna Westsachsens - Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden 1 (2): 69-100
  • Cohrs, Christoph & Kleindienst, Clemens (1934): Hemiptera-Heteroptera (Wanzen) Zentralsachsens - Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz Chemnitz 24: 143-182
  • Jordan, K. H. C. (1940): Die Heteropterenfauna der Oberlausitz und Ostsachsens - Isis Budissina Bautzen 14: 96-156
  • Jordan, K. H. C. (1953): Neue Funde und Beobachtungen zur Heteropterenfauna der Oberlausitz und Ostsachsens. - Natura lusatica 1: 2-17
  • Jordan, K. H. C. (1963): Die Heteropterenfauna Sachsens - Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden 1: 1-68
  • Michalk, Otto (1938): Die Wanzen (Hemiptera heteroptera) der Leipziger Tieflandsbucht und der angrenzenden Gebiete, zugleich eine kritische Zusammenstellung aller deutschen Arten - Sitzungsberichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig Leipzig 63/6
  • Schuhmacher, Friedrich (1919): Verzeichnis der bei Schandau in der Sächsischen Schweiz beobachteten Hemipteren - Entomologische Mitteilungen 8: 150 – 156
  • Wachmann, Ekkehard & Melber, Albert & Deckert, Jürgen (2007): Wanzen Band 3. Pentatomomorpha I. Aradidae, Lygaeidae, Piesmatidae, Berytidae, Pyrrhocoridae, Alydidae, Coreidae, Rhopalidae, Stenocephalidae. - Die Tierwelt Deutschlands 78
Autor(-en): Michael Münch. Letzte Änderung am 01.08.2012

Dicranocephalus agilis auf Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias) , Ballenstedt, Kleiner Gegenstein, Trockenrasen an der Südseite (Deutschland, Sachsen-Anhalt, Harzkreis), 29.05.2011
(© Michael Münch)


Dicranocephalus agilis, Plauen/Vogtland, Mai 2014
(© Steffen Hintersaß)
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