Diagnose
Körper: 9–11,5 mm lang, oval-eiförmig, mit Ausnahme des schwarzen Rückens rot.
Kopf: Kopf und Fühler schwarz gefärbt.
Thorax: Großer schwarzer Mittelfleck auf dem Halsschild; Flügeldecken sind meist verkürzt, rot, mit zwei großen kreisrunden schwarzen und zwei kleinen schwarzen Flecken. Beine schwarz.
Gesetzlicher Schutz und Rote Liste
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Die Feuerwanze zählt zu den auffälligsten und häufigsten Vertretern der Wanzen. Markant sind die oft sehr großen Ansammlungen von Feuerwanzen im Stammbereich und am Fuße von Linden, welche vorallem im zeitigen Frühjahr an sonnigen Tagen vielerorts zu beobachten sind.
Merkmale
Charakteristisch ist die rot-schwarze Färbung der Tiere, wobei der häutige Teil der Flügeldecken beim überwiegenden Teil der Tiere verkürzt ist (wissenschaftlicher Artname apterus = flügellos). Die erwachsenen Tiere sind 9-11,5mm lang. Rot-schwarze Färbungen mit z.T. kreisrunden schwarzen Punkten auf den Deckflügeln treten auch bei einer Reihe von Vertretern der Bodenwanzen (Horvathiolus superbus, Melanocoryphus albomaculatus, Ritterwanze, Arocatus-Arten) sowie bei der Glasflügelwanze Corizus hyoscyami auf, mit denen die Feuerwanze bei oberflächlicher Betrachtung verwechselt werden könnte, die jedoch allesamt schlanker bzw. zierlicher sind und voll ausgebildete häutige Deckflügelabschnitte besitzen.
Verbreitung
Von Großbritannien und Schweden südlich bis zur Iberischen Halbinsel, Italien und Griechenland (PESI), östlich bis Westsibirien, westliche Mongolei und Nordwestchina (Socha 1993). Barber (1911) nennt die Art auch aus den USA, Mittelamerika und Indien.
Vorkommen in Sachsen
Die Art ist im Tief- und Hügelland verbreitet. In den Mittelgebirgen nur in günstigen Lagen vor allen in urbanen Bereichen und Flusstälern anzutreffen. Höchste bekannte Funde in Sachsen liegen bei ca. 600m im Stadtgebiet von Annaberg.
Lebensweise
Feuerwanzen leben vorwiegend am Boden unter Linden (Tilia) und anderen Malvengewächsen (Malva, Althea, Hibiscus), deren harte Früchte besaugt werden. Dabei ist oft ein gemeinschaftliches Vorgehen zu beobachten, wobei von einem Individuum aufgeschlossene Früchte von mehreren Artgenossen mit besaugt werden. Es werden aber gelegentlich tote Insekten, z.T. auch tote Artgenossen besaugt. Die Art hat in der Regel nur eine Generation pro Jahr und überwintert als erwachsenes Tier - es werden aber auch einzelne Larven im Winterquartier angetroffen. Die Kopula erfolgt im Frühjahr - zum Teil direkt nach dem Verlassen des Winterquartiers. Die Larven sind ab Juni oft auch in größeren Aggregationen anzutreffen. Innerhalb von größeren Ansammlungen erfolgt die Kommunikation über Duftstoffe. So zerstreuen sich größere Ansammlungen bei Störung sehr schnell, wenn von den gestörten Tieren Wehrsekrete ausgestoßen werden.
Bestandssituation
Die Art ist in Sachsen nicht gefährdet und vor allem im urbanen Bereich häufig.
Literatur
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Achtziger, Roland & Tautenhahn, Susanne (2006): Wanzen- (Heteroptera) und Zikadenarten (Auchenorrhyncha) des Campus der TU Bergakademie Freiberg - Mitteilungen des Naturschutzinstitutes Freiberg Freiberg 2: 29-37
- Arnold, Kurt (2009): Checkliste der Heteropteren des Freistaates Sachsen - Mitteilungen Sächsischer Entomologen Entomofaunistische Gesellschaft e.V. LV Sachsen Supplement 8: 116-145.
- Barber, H. B. 1911: Pyrrhocoris apterus Linn. in the United States. – Journal of the New York Entomological Society 19: 111–112.
- Büttner, Kurt & Wetzel, Curt (1964): Die Heteropterenfauna Westsachsens - Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden 1 (2): 69-100
- Cohrs, Christoph & Kleindienst, Clemens (1934): Hemiptera-Heteroptera (Wanzen) Zentralsachsens - Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz Chemnitz 24: 143-182
- Dietze, Hermann (1964): Zum Vorkommen vollgeflügelter Exemplare von im allgemeinen brachypteren Insektenarten - Entomologische Nachrichten Dresden 1: 21-22
- Jordan, K. H. C. (1963): Die Heteropterenfauna Sachsens - Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden 1: 1-68
- Michalk, Otto (1938): Die Wanzen (Hemiptera heteroptera) der Leipziger Tieflandsbucht und der angrenzenden Gebiete, zugleich eine kritische Zusammenstellung aller deutschen Arten - Sitzungsberichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig Leipzig 63/6
- Nigmann, Ursula & Münch, Doris & Münch, Michael & Achtziger, Roland (2008): Verbreitung und Ausbreitung der Platanenwanze Arocatus longiceps St°al, 1872 in Ostdeutschland (Heteroptera: Lygaeidae) - Sächsische Entomologische Zeitung Leipzig 3: 76-88
- Schuhmacher, Friedrich (1919): Verzeichnis der bei Schandau in der Sächsischen Schweiz beobachteten Hemipteren - Entomologische Mitteilungen 8: 150 – 156.
- Socha, R. 1993: Pyrrhocoris apterus (Heteroptera) - an experimental model species: A review. – European Journal of Entomology 90 (3): 241–286.
- Wachmann, Ekkehard & Melber, Albert & Deckert, Jürgen (2007): Wanzen Band 3. Pentatomomorpha I. Aradidae, Lygaeidae, Piesmatidae, Berytidae, Pyrrhocoridae, Alydidae, Coreidae, Rhopalidae, Stenocephalidae. - Die Tierwelt Deutschlands 78
Autor(-en): Michael Münch, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 22.12.2024
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Feuerwanzen, März 2014, östlich Oppach
(© Tilmann Adler)
Ansammlung überwinterter Feuerwanzen am Fuße einer Linde. Waldenburg, Grünefelder Park im März 2013.
(© Michael Münch)
Ansammlung überwinterter Feuerwanzen am Fuße einer Linde. Waldenburg, Grünefelder Park im März 2013. (© Michael Münch)( Bild vergrößern)
Kopulierende Feuerwanzen, Rochsburg, Landkreis Mittelsachsen, März 2003
(© Michael Münch)
Kopulierende Feuerwanzen, Rochsburg, Landkreis Mittelsachsen, März 2003 (© Michael Münch)( Bild vergrößern)
Beim Samensaugen zeigt sich ein für viele Bodenwanzen typisches Sozialverhalten. Ist ein hartes Samenkorn ersteinmal durch eine Wanze "aufgeschlossen", das heißt angestochen und mit Verdauungssekret versetzt, gesellen sich weitere Vertreter hinzu und besaugen die erschlossene Futterquelle. Dies erspart den weiteren Tieren das mühsame erstmalige Anstechen.
(© Michael Münch)
Beim Samensaugen zeigt sich ein für viele Bodenwanzen typisches Sozialverhalten. Ist ein hartes Samenkorn ersteinmal durch eine Wanze "aufgeschlossen", das heißt angestochen und mit Verdauungssekret versetzt, gesellen sich weitere Vertreter hinzu und besaugen die erschlossene Futterquelle. Dies erspart den weiteren Tieren das mühsame erstmalige Anstechen. (© Michael Münch)( Bild vergrößern)
Ausschnitt aus einer riesigen Ansammlung von Feuerwanzen am Fuße einer Linde im Park von Lunzenau, Landkreis Mittelsachsen, April 1995
(© Michael Münch)
Ausschnitt aus einer riesigen Ansammlung von Feuerwanzen am Fuße einer Linde im Park von Lunzenau, Landkreis Mittelsachsen, April 1995 (© Michael Münch)( Bild vergrößern)
Frisch gehäutetes Exemplar der seltenen vollgeflügelten Variante der Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus (Linnaeus, 1758)). Chorin (Brandenburg), Ende Juni 2019
(© Bernd Garbe)
Frisch gehäutetes Exemplar der seltenen vollgeflügelten Variante der Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus (Linnaeus, 1758)). Chorin (Brandenburg), Ende Juni 2019 (© Bernd Garbe)( Bild vergrößern)
Leipzig, Marienbrunnen, Februar 2023
(© Thomas Borkert)
Feuerwanze saugt Honigbiene aus, Dresden, April 2023
(© Robert Michalk)
Feuerwanze saugt Honigbiene aus, Dresden, April 2023 (© Robert Michalk)( Bild vergrößern)
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