Maivogel (Euphydryas maturna (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 22–25 mm.

Flügeloberseiten mit überwiegend kräftig orangefarbenen Flecken, die von mehr oder weniger dicken, schwarzbraunen Linien begrenzt werden; orange Zellen vor dem Rand der Hinterflügel ohne schwarze Punkte.

Flügelunterseiten überwiegend orange, mit hellen, eckigen Flecken und feinen schwarzen Linien; orange Zellen vor dem Rand der Hinterflügel ohne schwarze Punkte.

Ähnliche Art: Euphydryas aurinia besitzt in den orangen Zellen vor dem Rand der Hinterflügel ober- und unterseits schwarze Punkte.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): streng geschützt
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang IV
Rote Liste Sachsen: vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: vom Aussterben bedroht

Merkmale

Verbreitung

Von Frankreich, Deutschland und Südschweden östlich bis Transbaikalien und die Mongolei verbreitet (Tolman & Lewington 1998).

Lebensweise

Die Falter fliegen in einer Generation von Ende Mai bis Anfang Juli. Sie saugen vor allem an weißblühenden Doldenblütengewächsen (Apiaceae), wie z. B. Giersch (Aegopodium podagraria), sowie an Aas und den Exkrementen von Säugetieren. Die Eiablage erfolgt an der Blattunterseite von Esche (Fraxinus excelsior). Die Junglarven leben an Esche gesellig in Gespinsten, die sie jedoch schon Ende Juli zur Überwinterung am Boden verlassen. Im Frühjahr fressen sie an verschiedenen krautigen und verholzenden Pflanzen. Die Verpuppung erfolgt an Jungbäumen in etwa 1 m Höhe.

Lebensräume

Das Maivögelchen lebt in eschenreichen Auwäldern mit gut besonnten und feuchten Wegrändern und Lichtungen, wo eine gut ausgebildete Kraut- und Staudenvegetation sowie Eschenaufwuchs vorhanden sind.

Bestandssituation und Schutzstatus

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kam das Maivögelchen an mehreren Standorten in Sachsen vor, wenngleich nicht häufig (Möbius 1905: 11, 1922: 51). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Art nur noch aus der Elster-Luppe-Aue zwischen Schkeuditz und Leipzig bekannt (Reinhardt et al. 2007).
Das seit 2010 auch in Deutschland bekannte Eschentriebsterben könnte sich negativ auf die Larven- und damit Populationsentwicklung des Maivogels auswirken. Erreger ist das Falsche Weiße Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus).

Literatur

  • Eliasson, C. U. & M. R. Shaw 2003: Prolonged life cycles, oviposition sites, foodplants and Cotesia parasitoids of Melitaeini butterflies in Sweden. – Oedippus 21: 1–52.
  • Fischer, U., M. Dolek, R. Bolz & M. Kurtz 2017: Zur Situation des Eschen-Scheckenfalters (Euphydryas maturna Linnaeus, 1758) (Lepidoptera) in Deutschland – ein Beitrag zur Biologie, Verbreitung, Gefährdung und Artenhilfe. – Entomologische Nachrichten und Berichte 61 (3–4): 181–196.
  • John, V., A. Pavlíčko, V. Vrabec, V. Rybová, M. Andres & M. Konvicka 2021: Cyclic abundance fluctuations in a completely isolated population of Euphydryas maturna. – Nota Lepidopterologica 44: 213–222.
  • Möbius, E. T. A. 1905: Die Grossschmetterlings-Fauna des Königreiches Sachsen. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 18 (1): i–xxi, [i]–[xi], 1–235, Taf. 1–2.
  • Möbius, E. T. A. 1922: Nachtrag zur Grossschmetterlingsfauna Sachsens. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 36: 45–92.
  • Pretscher, P. 2000: Verbreitung, Biotope, Gefährdung und Schutz des Eschen-Schecken-Falters (Euphydryas maturna). – Natur und Landschaft 75 (11): 439–448.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.  
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Schiller, R. & M. Graul 2000: Zur Situation von Euphydryas maturna, Maculinea nausithous und M. teleius in der Region Leipzig - Ein Zwischenbericht. – Insecta, Zeitschrift für Entomologie und Naturschutz 6: 54–56.
  • Straka, U. 2014: Zur Ökologie des Eschenscheckenfalters (Euphydryas maturna) im niederosterreichischen Weinviertel. – Beiträge zur Entomofaunistik 14: 107–137.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. – 319 S., 104 Tafeln. (Übersetztung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von Heidrun Melzer).
  • Weidlich, M. & R. Schiller 1987: Hypodryas maturna (Linné, 1758) - auch gegenwärtig noch ein Charaktertier des Leipziger Auwaldes (Lepidoptera, Rhopalocera). – Veröffentlichung Naturkundemuseum Leipzig 4: 85–87.

Links

 

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 26.11.2021

Maivogel im Auwald (Luppeaue) bei Schkeuditz, Ende Mai 2018
(© Bernd Garbe)


Weibchen II des Maivogels im Juni 2015 im nordwestlichen Leipziger Auwald auf Giersch Nektar saugend
(© Matthias Nuß)


Männchen des Maivogels im Juni 2015 im nordwestlichen Leipziger Auwald auf Giersch Nektar saugend
(© Matthias Nuß)


Weibchen des Maivogels im Juni 2016 im Leipziger Auwald
(© Oliver Schmitz)


Schkeuditz, 01.05.2017, an Esche sitzend
(© Rigo Richter)


leere Puppenhülle, Maivogel bei Schkeuditz, Juni 2017
(© Mathias Hoffmann)
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