Rotbraunes Ochsenauge (Pyronia tithonus (Linnaeus, 1767))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 18–21 mm.

Flügeloberseiten orange, mit hellbraunen Rändern; Männchen im Vorderflügel mit dunkelbraunem Duftschuppenfleck.

Vorderflügel beider Geschlechter ober- und unterseits mit doppelt weiß gekerntem Augenfleck.

Flügelunterseiten: Vorderflügel orange, mit hellbraunen Rändern; Hinterflügel hell braun, olivgrün und rotbraun marmoriert, mit zwei bis drei kleinen weißen Punkten.

Ähnliche Arten: Beim Großen Ochsenauge (Maniola jurtina) auf der Oberseite der Vorderflügel das Männchen vollständig dunkelbraun, beim Weibchen die orange Färbung deutlich durch die braunen Flügeladern unterbrochen.
Beim Kleinen Ochsenauge (Hyponephele lycaon) auf der Oberseite der Vorderflügel das Männchen ebenfalls vollständig dunkelbraun, beim Weibchen oberseits die orange Färbung nicht durch die Flügeladern unterbrochen sowie ober- und unterseits zwei entfernt voneinander stehende Augenflecke.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Auf den Flügeloberseiten zeichnet sich das Rotbraune Ochsenauge besonders an den Rändern und weniger an der Basis der Flügel durch eine dunkelbraune Grundfarbe aus, während die inneren Partien eine orange Färbung besitzen. In dem orangen Bereich des Vorderflügels befindet sich bei den Männchen ein dunkler breiter Duftschuppenstreifen. Die Vorderflügelunterseite ähnelt mit einem geringeren Kontrast der Oberseite. Dagegen weist die Hinterflügelunterseite eine bräunliche Färbung auf, die bei den Weibchen heller ausfällt als bei den Männchen. In der Postdiskalbinde auf der Hinterflügelunterseite befinden sich verschwommene, weißgekernte Augenflecke. Mit einer Flügelspannweite von reichlich 30 mm ist das Rotbraune Ochsenauge kleiner als das Große und Kleine Ochsenauge.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Rotbraunen Ochsenauges erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über fast ganz Europa nach Norden bis zu den Britischen Inseln und Südirland sowie im Süden und Osten bis nach Südgriechenland und in die Türkei. In Süditalien, in der Alpenregion sowie auf den Mittelmeerinseln mit Ausnahme von Korsika und Sardinien besitzt die Art keine Vorkommen (Nuß 1998).
Aufgrund des aufgesplitterten Areals in Mitteleuropa fehlt das Rotbraune Ochsensauge in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen und stößt in Sachsen und Brandenburg an seine nordöstliche Arealgrenze (Ebert & Rennwald 1993; Settele et al. 2009).
Nach Ebert & Rennwald (1993) beschränkt sich das Rotbraune Ochsenauge auf feucht-warme Gebiete mit Jahresniederschlägen unter 900 mm und Jahresmitteltemperaturen von etwa 9°C.
In Sachsen konzentrieren sich die Vorkommen dieser Augenfalterart in den Heidegebieten der Lausitz (Reinhardt et al. 2007).

Lebensweise

Das Rotbraune Ochsenauge bildet eine Generation, deren Falter von Anfang Juli bis Ende August fliegen (Ebert & Rennwald 1993; Settele et al. 1999). In einigen Jahren können wenige abgeflogene Falter bis in den September auftreten (Ebert & Rennwald 1993). Eine besondere Bevorzugung erfährt die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) als Nektarpflanze der Falter (Ebert & Rennwald 1993). Nur wenn diese fehlt, weichen die Tiere auf andere Pflanzenarten wie die Späte Goldrute (Solidago virgaurea), den Dost (Origanum vulgare) oder den Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) aus (Ebert & Rennwald 1993). In den späten Nachmittagsstunden halten sich vor allem die Männchen in einer Höhe von 0,5 bis 1,2 m auf besonnten Blättern von Laubbäumen oder Sträuchern auf um in dieser Position auf umherfliegende Weibchen zu warten (Ebert & Rennwald 1993).
Vermutlich können die Weibchen des Rotbraunen Ochsenauges die Eier sowohl Anheften als auch nur auf die Bodenoberfläche fallen lassen (Ebert & Rennwald 1993; Weidemann 1988). Aus Ebert & Rennwald (1993) geht folgende zusammengefasste Beschreibung des Eiablageverhaltens hervor: das Weibchen setzt sich nah an der Bodenoberfläche an einen Grashalm, krümmt seinen Hinterleib und wirft das Ei ab. Als Wirtspflanzen der Larven dienen verschiedene Grasarten (Poaceae), wie Ausdauerndes Weidelgras (Lolium perenne), Zartes Straußgras (Agrostis capillaris), Wiesen-Lieschgras (Phleum pratense), Knaulgras (Dactylis glomerata) und Schwingel-Arten (Festuca spec.) (Ebert & Rennwald 1993; Weidemann 1988). Bei den nachtaktiven Larven existieren eine grüne sowie eine graue Farbvariante, die beide einen dunklen Längsstreifen auf dem Rücken besitzen (Weidemann 1988).

Lebensräume

Zu den typischen Lebensräumen des Rotbraunen Ochsenauges gehören feuchte und trockene Standorte in oder am Rand von Wäldern und Gebüschen. Eine große Bedeutung besitzen Waldränder mit gut entwickelten Mantel- und Saumgesellschaften (beispielsweise Brombeerhecken), Waldwege oder Lichtungen mit Schlagfluren, walddurchquerende Bahndämme sowie sonstige waldnahe Böschungen und an Wald angrenzende Wiesen oder Magerrasen. Der Waldtyp spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Abseits des Waldes kann das Rotbraune Ochsenauge in Heckengebieten, Gärten, Sandgruben oder Steinbrüchen vorkommen, sodass die Art auch in Siedlungsgebieten auf ehemaligen Waldstandorten unter bestimmten Vorrausetzungen Überlebenschancen hat (Ebert & Rennwald 1993).

Bestandssituation

Viele Populationen sind räumlich so stark begrenzt, dass sich Herbizideinsätze oder Eingriffe an Waldrändern auf den Erhaltungszustand des lokalen Bestandes negativ auswirken können (Ebert & Rennwald 1993). Demgegenüber sollten Schutzmaßnahmen für diese gefährdete Art die Erhaltung oder Gestaltung von artenreichen Waldrändern bzw. Lichtungen zum Ziel haben (Settele et al. 2009).
Das Rotbraune Ochsenauge zeigt in Sachsen eine negative Bestandsentwicklung (Reinhardt et al. 2007), aber unterliegt in einigen Regionen auch starken Abundanzschwankungen (Settele et al. 2009).

Literatur

  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter II. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.
  • Nuß, M. 1998: Deutsche Übersetzung und fachliche Überarbeitung. – T. Tolman & R. Lewington, Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart. 319 S.
  • Reinhardt, R., Sbieschne, H., Settele, J., Fischer, U. & G. Fiedler (2007): Tagfalter von Sachsen. In: Klausnitzer, B. & R. Reinhardt (Hrsg.): Beiträge zur Insektenfauna Sachsens. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 11, Dresden. 695 S.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann (Hrsg.) 2009: Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. 2. Aufl. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
  • Weidemann, H.-J. 1988: Tagfalter. Band 2 Biologie - Ökologie - Biotopschutz. – Neumann-Neudamm, Melsungen. 372 S.

Links

Autor(-en): Susanne Kurze, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 09.03.2016

Männchen des Rotbraunen Ochsenauges im Juli 2016 in Trebendorf OT Mühlrose beim Nektarsaugen auf Berufkraut
(© Matthias Nuß)


Weibchen des Rotbraunen Ochsenauges auf Rainfarnblüte
(© Thomas Sobczyk)


Pyronia tithonus bei Nemesgulacs in Ungarn 05.08.1999
(© Matthias Hartung)


Paarung bei den Rotbraunen Ochsenaugen. Trebendorf OT Mühlrose, Juli 2016
(© Matthias Nuß)


Ei von Pyronia tithnus am 5.8.2016 in Wihr-au-Val
(© Matthias Hartung)


Frisch geschlüpften Raupe vom 14.8.2016 (aus dem Ei vom 5.8.2016 aus Wihr-au-Val)
(© Matthias Hartung)


Überwinterte Raupe am 5.3.2017, die Raupen spinnen ihre Kotballen an das Hinterleibsende und tragen sie wie Windeln hinter sich her, die Ballen werden erst nach der Häutung abgestreift (aus dem Ei vom 5.8.2016 aus Wihr-au-Val)
(© Matthias Hartung)


Die immer noch grün gefärbte Raupe am 17.3.2017. (aus dem Ei vom 5.8.2016 aus Wihr-au-Val)
(© Matthias Hartung)


Raupe am 5.8.2016 nach der letzten Häutung, jetzt mit einer braunen Färbung (aus dem Ei vom 5.8.2016 aus Wihr-au-Val)
(© Matthias Hartung)


Puppe am 27.5.2017 (aus dem Ei vom 5.8.2016 aus Wihr-au-Val)
(© Matthias Hartung)
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