Gemeiner Bläuling (Polyommatus icarus (Rottemburg, 1775))

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Diagnose

Vorderflügellänge 14–16 mm. 

Flügeloberseiten der Männchen hellblau, mit dünnem schwarzen Rand, ohne Duftschuppen; der Weibchen braun, je nach Individuum mehr oder weniger blau beschuppt und mit orangen Randflecken. Flügelfransen weiß, nicht gescheckt.

Flügelunterseiten der Männchen hellgrau, der Weibchen hellbraun; beide Geschlechter vor dem Rand mit einer Reihe oranger, schwarz eingefasster Flecken, an der Basis der Vorderflügel mit zwei schwarzen, weiß umrandeten Flecken, die selten fehlen.

Ähnliche Art: Manche Individuen des Gemeinen Bläulings weisen nicht die zwei Punkte an der Basis der Vorderflügelunterseite auf und sind damit sehr ähnlich zum Kleinen Esparsettenbläuling (Polyommatus thersites); dessen Männchen jedoch mit Duftschuppenfeld auf der Oberseite der Vorderflügel, aber die Weibchen nur anhand mikroskopisch sichtbarer Merkmale unterscheidbar. 

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Männchen oberseits hellblau, mit dünner schwarzer Randlinie; Weibchen oberseits braun, unterschiedlich stark blau bestäubt, mit orangen Randflecken. Die Weibchen sind stärker blau gefärbt, wenn während der Larven- und Puppenentwicklung kühleres Wetter herrschte. Unterseits die Männchen heller braun als die Weibchen. Beide Geschlechter unterseits vor dem Rand mit je einer Reihe oranger und schwarzer Flecken, an der Basis der Vorderflügelunterseite mit zwei schwarzen, weiß umrandeten Flecken, die selten fehlen und die Flügelfransen sind weiß und nicht gescheckt.
Verwechslung mit Kleinem Esparsettenbläuling (Polyommatus thersites) möglich. Von diesem unterscheidet sich P. icarus in den Vorderflügeln durch den fehlenden Duftschuppenfleck auf der Oberseite und in den meisten Fällen durch das Vorhandensein von zwei schwarzen, weiß gerandeten Flecken an der Basis der Unterseite sowie im männlichen Genital durch die leicht gekrümmten, aber nicht hakenförmigen Subunci.

Verbreitung

Nordafrika, Kanarische Inseln, Europa, Mittelmeerinseln, Türkei, Mittlerer Osten, gemäßigtes Asien (Tolman & Lewington 1998).
Im Jahr 2005 wurde ein Exemplar des Gemeinen Bläulings in der Nähe des Flughafens Mirabel im westlichen Quebec (Kanada) entdeckt. Die Art wurde dort schnell heimisch, bildet drei Generationen im Jahr und hat sich bis 2011 zum Ottawa River ausgebreitet (Hall et al. 2014).

Lebensweise

Die Falter besuchen eine Vielzahl von Nektarpflanzen, wobei Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae) und gelbe Blüten etwas bevorzugt werden. Bei quantitativen Untersuchungen im Hunsrück in Südwestdeutschland war der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus) die wichtigste Nektarquelle, während an anderen Pflanzen nur einzelne Blütenbesuche beobachtet wurden. Gelegentlich saugen die Falter auch an Pferdeäpfeln (Schmitt 1998). Goverde et al. (2008) zeigen, dass die Weibchen insbesondere an Blüten von Lotus corniculatus saugen, die besonders reich an Aminosäuren sind. Durch die Aufnahme dieser Nahrung können die Adulten eine geringe Quantität der Larvennahrung, welche in einer reduzierten Lebenserwartung und / oder Eiproduktion resultiert, kompensieren (Mevi-Schütz & Erhardt 2005).

In Sachsen fliegen normalerweise zwei Generationen von Mai bis Ende Juni und Mitte Juli bis September, bei günstiger Witterung ist auch eine partielle dritte Generation möglich (Möbius 1922: 56).

Die Weibchen legen die Eier in die Blütenköpfe verschiedener Schmetterlingsblütengewächse, an denen die Larven fressen; in Sachsen sind sie u.a. von Gewöhnlichem Hornklee (Lotus corniculatus), Gelbem Klee (Medicago lupulina), Kriechendem Hauhechel (Ononis repens), Rotklee (Trifolium pratense) und Weißklee (Trifolium repens) bekannt. Die Überwinterung erfolgt in verschiedenen Larvenstadien, die Verpuppung in der Streuschicht.

Lebensräume

Polyommatus icarus besiedelt lückige Extensivgrünländer, lebt an Randstrukturen und auf offenen Flächen; in Bezug auf die Feuchtigkeit in der Habitatwahl tolerant.

Bestandssituation und Schutzstatus

Polyommatus icarus kommt in Sachsen häufig vor (Ochsenheimer 1805; Möbius 1905; Reinhardt et al. 2007), muss durch häufigere Mahd und Düngung des Grünlandes aber Bestandseinbußen hinnehmen. Die Art kann durch die Anlage leguminosenreicher, maximal zweischüriger Wiesen gefördert werden (Bräu et al. 2013).

Literatur

  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Dincã, V., L. Dapporto & R. Vila 2011: A combined genetic-morphometric analysis unravels the complex biogeographical history of Polyommatus icarus and Polyommatus celina Common Blue butterflies. – Molecular Ecology 20 (18): 3921–3935.
  • Ebert, G. 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter 2. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.
  • Goverde, M., A. Bazin, M. Kéry, J. A. Shykoff & A. Erhardt 2008: Positive effects of cyanogenic glycosides in food plants on larval development of the common blue butterfly. – Oecologia 157 (3): 409–18.
  • Hall, P. W., C. D. Jones, A. Guidotti & B. Hubley 2014: Butterflies of Ontario. – Royal Ontario Museum, Toronto. 488 S.
  • Herrmann, G. 1998: Erfassung von Präimaginalstadien bei Tagfaltern. Ein notwendiger Standard für Bestandsaufnahmen zu Planungsvorhaben. – Naturschutz und Landschaftsplanung 30: 133–142.
  • Kolev, Z. 2005: New data on the taxonomic status and distribution of Polyommatus andronicus Coutsis & Ghavalas, 1995 (Lycaenidae). – Nota lepidopterologica 28 (1): 35–48.
  • Mevi-Schütz, J. & A. Erhardt 2005: Amino acids in nectar enhance butterfly fecundity: a long-awaited link. – American Naturalist 165: 411–419.
  • Möbius, E. T. A. 1905: Die Grossschmetterlings-Fauna des Königreiches Sachsen. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 18 (1): i–xxi, [i]–[xi], 1–235, Taf. 1–2.
  • Möbius, E. T. A. 1922: Nachtrag zur Grossschmetterlingsfauna Sachsens. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 36: 45–92.
  • Ochsenheimer, F. 1805: Die Schmetterlinge Sachsens mit Rücksichten auf alle bekannten europäischen Arten. 1. Theil: Falter oder Tagschmetterlinge. – Dresden und Leipzig.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.  
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Rottemburg, S. A. v. 1775: Anmerkungen zu den Hufnagelischen Tabellen der Schmetterlinge. – Der Naturforscher 6: 1–34, Taf. [Originalbeschreibung auf S. 21–22]
  • Schmitt, T. 1998: Blütenpräferenzen von Tagfaltern im südwestlichen Hunsrück (Lepidoptera). – Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo, N. F. 19 (2): 161–204.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von H. Melzer).
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.

Links

Polyommatus icarus im Lepiforum
Polyommatus icarus in Wikipedia

Autor(-en): Matthias Nuß, Katharina Weinberg. Letzte Änderung am 26.03.2019

Männchen des Gemeinen Bläulings in Radeberg im Juni 2013
(© Tanja Engelmann)


Braune Weibchenform des Gemeinen Bläulings am 09.07.2012 auf den Geisingwiesen bei Altenberg
(© Eva-Maria Bäßler)


Blaue Weibchenform des Gemeinen Bläulings in der Gemarkung Hohenprießnitz, Rieselgraben am Fichtbusch, Oktober 2013
(© Michael Happ)


Gemeiner Bläuling am 21.07.2012 in Euldorf bei Herrnhut. In dieser Flügelstellung ist nur einer der beiden Basalpunkte auf der Unterseite der Vorderflügel sichtbar.
(© Eva-Maria Bäßler)


Flügelunterseiten eines Männchens von Polyommatus icarus mit deutlich ausgeprägten Basalpunkten auf dem Vorderflügel. Dresden-Laubegast, 21.08.1916 (e. o.), coll. Zerling (Ankauf 1930), Museum für Tierkunde Dresden. Prep. Wolf Nr. 27.
(© Matthias Nuß)


Detail des männlichen Genitals von P. icarus. Zu sehen sind die leicht gekrümmten, aber nicht hakenförmigen Subunci. Dresden-Laubegast, 21.08.1916 (e. o.), coll. Zerling (Ankauf 1930), Museum für Tierkunde Dresden. Prep. Wolf Nr. 27.
(© Matthias Nuß)


Paarung des Gemeinen Bläulings am 5.08.2010 an den Galgenteichen in Altenberg. Links das Weibchen, kenntlich an den hellbraunen Flügelunterseiten, rechts das Männchen mit grauen Flügelunterseiten. In dieser Flügelstellung sind bei beiden Individuen die Basalpunkte auf der Unterseite der Vorderflügel nicht sichtbar.
(© Stefan Höhnel)


Ei des Gemeinen Bläulings, abgelegt am 21.5.2009 an Hornklee bei Lengenfeld
(© Matthias Hartung)


Larve des Gemeinen Bläulings am 14.6.2009 (ex ovo Zucht aus dem Ei vom 21.5.2009 an Hornklee bei Lengenfeld)
(© Matthias Hartung)


Puppe des Gemeinen Bläulings in einem Gespinst an der Futterpflanze am 24.6.2009 (ex ovo Zucht aus dem Ei vom 21.5.2009 an Hornklee bei Lengenfeld)
(© Matthias Hartung)
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