Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körperlänge ohne Flügel: Männchen 15–23 mm, Weibchen 23–24 mm.

Körper mit grau-bräunlicher bis rötlicher Grundfarbe

Kopf: Fühler kürzer als Körper.

Thorax: dunkel gefleckte Vorderflügel, erreichen die Hinterknie. Hinterflügel durchsichtig, in der basalen Hälfte rosarot getönt. Hinterschienen leuchtend rot. Am Prosternum ein deutlich sichtbarer, walzenförmiger Zapfen; Halsschildseitenkiele fast gerade.

Abdomen: Cerci beim Männchen kräftig, zangenartig.

Gesang der Männchen: Schwirrverse und Mandibellaute, bei denen die Kiefer gegeneinander gerieben werden. Leicht mit dem Gesang von Ödlandschrecken sowie anderen Calliptamus-Arten zu verwechseln.

Ähnliche Arten: Die Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica) besitzt am Oberrand der Hinterschenkel eine Stufe ("Ödlandschreckenstufe"), der Kiesbankgrashüpfer (Chorthippus pullus) besitzt geknickte Halsschildseitenkiele.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Rote Liste Sachsen: stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet

Merkmale

Verbreitung

Von Frankreich, Deutschland und Polen südlich bis Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und Zypern, einschließlich der Balearen, Korsika, Sardinien, Sizilien und Kreta (Wagensonner & Weihrauch 2003; PESI), östlich über die Ukraine bis in die russischen Steppengebiete und Mittelasien (GBIF). 

Lebensweise

Die Tiere ernähren sich von krautigen Pflanzen wie beispielsweise Klee, Spitzwegerich und Habichtskraut (Ingrisch & Köhler 1998). Krawczynski & Wagner (2010) konnten Fraß an einem Rehkadaver beobachten. Die Eier werden in lockere, offene Bodenstrukturen abgelegt (Brose 1997). Die Adulten treten von Juni bis Oktober auf, mit Höhepunkt im August (Fischer et al. 2016). Die Italienische Schönschrecke besitzt ein gutes Flugvermögen und kann neue Gebiete durch Zuwanderung gut erschließen (Wagensonner & Weihrauch 2003).

Lebensräume

In Sachsen zwischen Elbe und Neiße im Tief- und Hügelland in trockenwarmen Lebensräume mit einem hohen Anteil an vegetationslosen Flächen und sonst eher lückiger Vegetation (Trockenrasen, Felsensteppen, verlassene Steinbrüche, Kiesgruben, Sanddünen, Aufforstungsflächen, Rohböden der Tagebaufolgelandschaft und auf Truppenübungsplätzen, Ackerbrachen) (Brose 1997; Wagensonner & Weihrauch 2003; Fischer et al. 2016). Neben diesen meist anthropogen geschaffenen Habitaten spielen Sandbänke und Geschiebefelder in Flussauen von Oder und Neiße eine wichtige Rolle.

Bestandssituation

Die Italienische Schönschrecke galt in Sachsen Anfang der 1990er Jahre als ausgestorben oder verschollen (Börner et al. 1994), nach 2010 als stark gefährdet (Klaus & Matzke 2011) und ist seit 2015 zwischen Elbe und Neiße regelmäßig zu finden (vergleiche Karte auf Insekten Sachsen).

Literatur

  • Bellmann, H. 2006: Der Kosmos Heuschreckenführer. – Kosmos Verlag, Stuttgart. 350 S.
  • Börner, J., K. Richter, M. Schneider & S. Straube 1994: Rote Liste Heuschrecken. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Radebeul. 12 S.
  • Brose, U. 1997: Untersuchungen zur Ökologie von Calliptamus italicus (Linnaeus, 1758) unter Berücksichtigung von Habitatpräferenzen, Populationsaufbau und Ausbreitungsverhalten. – Articulata 12 (1): 19–33.
  • Fischer, J., D. Steinlechner, A. Zehm, D. Poniatowski, T. Fartmann, A. Beckmann & C. Stettmer 2016: Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols - Bestimmen - Beobachten – Schützen. – Quelle & Meyer, 368 S.
  • Ingrisch, S. & G. Köhler 1998: Die Heuschrecken Mitteleuropas. – Die Neue Brehm-Bücherei 629. – Westarp Wissenschaften, Magdeburg. 460 S.
  • Klaus, D. & D. Matzke 2011 ("2010"): Heuschrecken, Fangschrecken, Schaben und Ohrwürmer. Rote Liste und Artenliste Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. 36 S.
  • Krawczynski, R. & H.-G. Wagner 2010: Ungewöhnliches Nahrungsverhalten der Italienischen Schönschrecke (Calliptamus italicus, L. 1758) und des Heidegrashüpfers (Stenobothrus lineatus, Panzer 1796). – Articulata 25 (1): 23–27.
  • Roesti, C. & B. Keist 2009: Die Stimmen der Heuschrecken. – Haupt Verlag, Bern. 144 S.
  • Wagensonner, I. & F. Weihrauch 2003: Italienische Schönschrecke Calliptamus italicus (Linnaeus, 1758). S. 194–196. – In: H. Schlumprecht & G. Waeber, Heuschrecken in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart.
Autor(-en): Tommy Kästner, Jennifer Wintergerst, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 29.09.2020

Männchen der Italienischen Schönschrecke aus der Nähe von Darmstadt, 15.07.2011
(© Tommy Kästner)


Weibchen der Italienischen Schönschrecke am 19. Juli 2015 in der Uferböschung am Bärwalder See
(© Friedmar Graf)


Italienische Schönschrecke im Juli 2014 nordwestlich Bärwalde
(© Matthias Nuß)


Italienische Schönschrecke am26.08.2017 in der Umgebung Lippen / Oberlausitz.
(© Mario Trampenau)


Ventralsansicht einer Italienischen Schönschrecke. Deutlich sichtbar ist der Zapfen am Prosternum. Halbendorf/Spree, 18.07.2020
(© Tommy Kästner & Matthias Nuß)
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