Gewöhnliche Gebirgsschrecke (Podisma pedestris (Linnaeus, 1758))

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Diagnose

Körperlänge: Männchen 18–25 mm, Weibchen 24–30 mm.

Körperfarbe reicht von rotbraun bis gräulich oder olivgrün (niemals nur grün); Männchen schwarz-gelb gezeichnet (wespenartiges Streifenmuster), Abdomen unterseits gelb gefärbt.

Kopf: Fühler kürzer als Körper.

Thorax: Vom Auge bis zum Halsschild-Hinterrand verlaufender breiter schwarzer Streifen; Walzenförmiger Zapfen auf Vorderbrustplatte; Hinterschenkel unterseits rot gefärbt; Hinterschienen blau gefärbt mit weißen Dornen; Flügel schuppenartig und kürzer als Halsschild.

Gesang der Männchen: leise, knisternde oder knirschende Töne, welche nur aus nächster Nähe hörbar sind. Laute entstehen durch aneinander reiben der Mandibeln.

Ähnliche Art: Die Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) ist langflügelig und besitzt rot gefärbte Hinterschienen.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Rote Liste Sachsen (Klaus & Matzke 2010): vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet

Merkmale

Verbreitung

Von Skandinavien, Russland und Frankreich bis zur Ukraine, südlich bis Spanien, Italien und Griechenland sowie Kasachstan und Mongolei (OSF, PESI).

Lebensweise

Die Eiablage erfolgt paketweise als Ootheken mit durchschnittlich 12 Eiern in die oberflächennahe Erde oder in Pflanzenstängel. Larven entwickeln sich meist von Anfang Juni bis Anfang Oktober, dabei durchlaufen sie fünf Larvenstadien. Nach der Diapause dauert die Entwicklung bei 24°C nur sechs Tage (Ingrisch 1996; Fischer et al. 2016; Heusinger & Voith 2003). Adulte trete meist ab Mitte Juni bis Mitte November auf, mit Höhepunkt im August. Je nach Naturraum und Witterungsverlauf können sie auch eher gefunden werden (Ingrisch & Köhler 1998, Fischer et al. 2016). Bei der Balz schleicht sich das Männchen mit hin- und herschaukelnden Bewegungen an das Weibchen heran um es anschließend anzuspringen, die Bewegungen wirken dabei oft ein wenig „ungeschickt“ (Fischer et al. 2016).
Die Tiere ernähren sich phytophag von Gräsern, krautigen Pflanzen und Laub verschiedener Bäume (Harz 1960; Ingrisch & Köhler 1998).

Lebensräume

Überwiegend sind die Tiere an warmen, steinigen Trockenstandorten mit lückiger Vegetation, wie lückige Trocken- und Magerrasen, Felsrasen, lückige Zwergstrauchflure, magere Almweiden, trockene Moorbereiche, aber auch Schutthalden und Waldlichtungen zu finden. Nahezu vegetationsfreie Schotter- und Felsbereiche sind ebenfalls als Lebensraum geeignet (Heusinger & Voith 2003; Fischer et al. 2016).

Bestandssituation

Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke ist in Sachsen vom Aussterben bedroht.

Literatur

  • Börner, J., K. Richter, M. Schneider & S. Straube 1994: Rote Liste Heuschrecken. - In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Radebeul. 12 S.
  • Fischer, J., D. Steinlechner, A. Zehm, D. Poniatowski, T. Fartmann, A. Beckmann & C. Stettmer 2016: Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols - Bestimmen - Beobachten – Schützen. – Quelle & Meyer, 368 S.
  • Harz, K. 1960: Geradflügler oder Orthopteren (Blattodea, Saltatoria, Dermaptera). – In: Dahl, F. (Hrsg): Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile nach ihren Merkmalen und nach ihrer Lebenseise. 46. Teil. Jena, Gustav Fischer. 232 S.
  • Heusinger & Voith, S. 2003: Gewöhnliche Gebirgsschrecke Podisima pedestris (Linnaeus, 1758). S. 187–190. – In: H. Schlumprecht & G. Waeber, Heuschrecken in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart.
  • Ingrisch, S. 1996: Fekundität und Entwicklung alpiner Feldheuschrecken (Orthoptera: Acrididae). – Mitt. Schweiz. ent. Ges. 69: 441–455.
  • Ingrisch, S. & G. Köhler 1998: Die Heuschrecken Mitteleuropas. – Die Neue Brehm-Bücherei 629. Westarp Wissenschaften, Magdeburg. 460 S.
  • Klaus, D. & D. Matzke 2010: Heuschrecken, Fangschrecken, Schaben und Ohrwürmer - Rote Liste und Artenliste Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie – Druckerei Wagner GmbH. 36 S.
Autor(-en): Tommy Kästner, Charlotte Kricke. Letzte Änderung am 16.10.2020
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