Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani Fabricius, 1801)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körperlänge: 22–25 mm.

Kopf: schwarz oder rotbraun, die Fühler am Ende mit einem Fächer aus sieben (Männchen) oder sechs (Weibchen) braunen Lamellen.

Thorax: Halsschild und Schildchen schwarz oder rotbraun, Vorderflügel (Elytren) braun.

Hinterleib: an den Seiten, unterhalb der Flügel eine Reihe weißer Dreiecke. Hinterleibsspitze (Pygidium) schmal verlängert und am Ende knotenartig verdickt, wenig beborstet.

Ähnliche Arten: Beim Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) ist die Hinterleibsspitze am Ende nicht knotig verdickt, beim selteneren Melolontha pectoralis in beiden Geschlechtern doppelt beborstet, beim Männchen wenig und schmal verlängert, beim Weibchen dagegen kurz und stumpf.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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In Deutschland kommen drei Maikäferarten vor, die häufig verwechselt werden, obwohl sie nach äußeren Merkmalen unterschieden werden können: der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) sowie der seltene Melolontha pectoralis.

Merkmale

Der Waldmaikäfer ist oberseits braun. Wie auch die anderen Maikäferarten besitzt er an den Seiten des Hinterleibes, unterhalb der Flügel eine Reihe weißer Dreiecke. Die Hinterleibsspitze (Pygidium) ist in beiden Geschlechtern schmal und endet in einem knotigen Fortsatz, der beim Weibchen manchmal fehlt.

Verbreitung

In ganz Europa, auch dem nördlichen Nordeuropa, fehlt aber in Griechenland sowie der Türkei; östlich bis Ostsibirien und China.

Lebensweise

Die Käfer schlüpfen von Ende April bis Mai aus ihrer Puppe im Erdboden und fliegen hauptsächlich im Mai (und Juni). Aus diesem zeitlichen Auftreten leitet sich der Name Maikäfer ab. Das Schwärmen der Maikäfer beginnt in der Dämmerung und dauert bis zur Dunkelheit. Die Käfer ernähren sich überwiegend von den Blättern von Laubbäumen sowie Lärchen (Reifungsfraß). Nach der Paarung legen die Weibchen in 10-20 cm Tiefe jeweils 20-40 Eier in Gruppen in feuchten, humusreichen Boden ab. Sie kommen noch einmal, selten zweimal, zur Eiablage, allerdings nach einer 14-tägigen Reifungszeit. Insgesamt kann ein Weibchen 60-80 Eier ablegen. Die Embryonalentwicklung liegt bei 4 – 8 Wochen.

Die Larven entwickeln sich über einen Zeitraum von drei (Frankreich) bis vier (Deutschland), selten fünf bis sechs (Russland) Jahren. Die Junglarven ernähren sich zunächst von zarten Wurzelfasern und Humusstoffen. Ältere Larven gehen jede Art von Wurzel an. Sie stellen im Herbst das Fressen ein (bei Bodentemperaturen unter 10-11 Grad) und überwintern tiefer im Boden. Der Wurzelfraß wird im April des darauf folgenden Jahres fortgesetzt. Der Larvenfraß bewirkt ein Welken von Blättern, Nadeln und Trieben. Die Pflanzen lassen sich leicht aus dem Boden herausziehen, da die Wurzelverankerung fehlt. Die feinen Seitenwurzeln fehlen, stärkere Hauptwurzeln sind geschält.

Im 2. oder 3. Jahr nach dem Flugjahr sind die Larven ausgewachsen. Sie fertigen in 20 – 30 cm Tiefe eine eiförmige Puppenwiege und entwickeln sich dort zur Puppe. Die Puppenruhe beträgt ca. sechs Wochen. Der Käfer verbleibt in der Puppenwiege und überwintert darin.

Die langjährige Entwicklung der Larven geht mit einem regional synchronen Auftreten der Käfer einher, so dass alle 3 – 5 Jahre, meist alle 4 Jahre, ein „Maikäferjahr“ zu verzeichnen ist, in dem deutlich mehr Käfer gesichtet werden. Diese Maikäferjahre können jedoch innerhalb Mitteleuropas in benachbarten Gebieten in unterschiedlichen Kalenderjahren auftreten.

Lebensräume

Im Vergleich zu M. melolontha ist der Waldmaikäfer an trockenere Klimate und Sandböden angepasst.

Bestandssituation

Früher waren Maikäfer sehr häufig und jedem Kind bekannt, wozu sicher auch der 5. Streich aus Wilhelm Busch’s „Max und Moritz“ beitrug. Zuweilen traten sie in großen Massen auf, wobei die hungrigen Käfer durchaus ganze Wälder entlaubten. Trotz des in solchen Fällen beeindruckenden Schadbildes ist der größte Schaden bereits in den Jahren davor durch den Wurzelfraß der Engerlinge entstanden. Während der DDT-Euphorie in den 1950er und 1960er Jahren sind die Populationen der Maikäfer in Mitteleuropa weitgehend eingebrochen. Aus dieser Zeit stammt das Lied von Reinhard Mey „Es gibt keine Maikäfer mehr“. Neuere, systematische Erfassungen fehlen.

Entsprechend den ökologischen Anpassungen sollte der Waldmaikäfer in Nordostsachsen häufiger sein als der Feldmaikäfer.

Literatur

  • Busch, W. 1865 (1. Aufl.): Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen. – Verlag Braun & Schneider, München. 53 S.
  • Kovac, D. 1998: Exponat des Monats: Der Maikäfer. – Natur und Museum, 128 (5): 156-158.
  • Niklas, F 1974: Lamellicornia. S. 85 – 129. – In: W. Schwenke, Die Forstschädlinge Europas. Band 2 Käfer. – Parey, Hamburg und Berlin.
  • Rößner, E. 2012: Die Hirschkäfer und Blatthornkäfer Ostdeutschlands (Coleoptera: Scarabaeoidea). – Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Erfurt e.V. 505 S.
Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 18.08.2019

Der Waldmaikäfer von der Seite betrachtet. Deutlich zu sehen ist links die Reihe weißer Dreiecke auf dem Hinterleib, unterhalb der Flügel.
(© Matthias Nuß)


Der Waldmaikäfer von hinten betrachtet. Zu sehen ist die Hinterleibsspitze (Pygidium), die bei dieser Art in beiden Geschlechtern schmal ist und in einem knotigen Fortsatz endet. Allerdings fehlt das knotige Ende manchmal bei den Weibchen.
(© Matthias Nuß)


Waldmaikäfer vom 03.05.2013 aus Radebeul-Zitzschewig
(© Eva-Maria Bäßler)


Die Hinterleibsspitze (Pygidium) des Waldmaikäfers vergrößert dargestellt.
(© Olaf Jäger)
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