Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis (Charpentier, 1840))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körperlänge: 33–37 mm, Hinterflügellänge: 29–32 mm.

Kopf: Stirn weiß, Labium (Unterlippe) schwarz.

Thorax: Flügelmale (Pterostigmata) bei jungen Männchen und Weibchen schwarz, bei ausgereiften Männchen weiß und zur Flügelspitze angrenzende Adern weiß. Hinterflügel bei beiden Geschlechtern mit einem schwarzen, gelb gesäumten Basalfleck und einer Querader unmittelbar vor dem Flügeldreieck. Die Flügel einiger Individuen mit schwarzen rauchigen Flecken oder reduzierten Basalflecken. 

Hinterleib: Vordere Hälfte schlank, die hintere bei den Männchen deutlich, bei den Weibchen weniger verbreitert und abgeflacht (keulenförmiger Hinterleib). Grundfärbung schwarz. Junge Männchen auf den vorderen Segmenten oberseits mit dunkelgelben Mittelflecken, die mit zunehmendem Alter von einer blauen Bereifung überlagert werden. Weibchen auf den Segmenten 2 bis 7 oberseits mit gelben Flecken, auf den Segmenten 4–7 ähneln die Flecken zwei mittig verschmolzenen Strichen, Segmente 2–4 zusätzlich an den Seiten mit gelben Flecken, mit zunehmendem Alter verschmelzen die Flecken; bei sehr alten Weibchen kann eine blaue Bereifung an den Seiten des Hinterleibs auftreten. Obere Hinterleibsanhänge bei beiden Geschlechtern weiß.

Ähnliche Arten: Östliche Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons) mit weißen Flecken auf der Unterlippe und gleichmäßig schlankem Hinterleib. Beide Geschlechter mit schwarzen Flügelmalen, die von weißen Adern umgeben sind, und keiner Querader vor dem Flügeldreieck im Hinterflügel. Bei den Weibchen sind die gelben Flecke auf dem Hinterleib weniger ausgedehnt, besonders auf den Segmenten 4–7 nur strichförmig oder fehlend. Kleine (Leucorrhinia dubia), Nordische (Leucorrhinia rubicunda) und Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) mit schwarzen Hinterleibsanhängen bei beiden Geschlechtern. Individuen mit schwarzen rauchigen Flecken auf den Flügeln auch beim Spitzenfleck (Libellula fulva).

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Merkmale

Verbreitung

In Europa diskontinuierliche Verbreitung von Südskandinavien und Finnland südlich bis Frankreich, Schweiz, Österreich, Kroatien, Montenegro, Serbien und Ukraine, östlich in Sibirien bis an die Angara (PESI; GBIF).

Lebensweise

Die Adulten schlüpfen ab Ende April und fliegen bis in den August (Brockhaus & Fischer 2005). Nach dem Schlupf und dem Aushärten der Flügel fliegen die Adulten in nahegelegene Gehölze. Dort halten sie sich vermutlich überwiegend in den Baumkronen auf bis sie ausgereift/ausgefärbt sind. Danach kehren die Tiere zum Gewässer zurück, an denen die Männchen Reviere besetzen. Die Paarung beginnt im Flug und wird meist in ufernahem Gehölz fortgesetzt. Kurz nach der Paarung fliegt das Weibchen zur Wasserfläche und legt die Eier aus dem Flug mit der Hinterleibsspitze in flutende Vegetation ins Wasser ab. Während der Eiablage wird es vom darüber fliegenden Partner bewacht (Wildermuth & Martens 2019).
Die Eier entwickeln sich in zwei bis drei Wochen (Schiemenz 1953) und in den darauffolgenden viereinhalb Monaten findet die Entwicklung bis zum letzten Larvenstadium statt, welches überwintert (univoltiner Lebenszyklus, Mikolajewski et al. 2004).
Mikolajewski et al. (2004) beobachteten, dass die Eiablage über Beständen des Ährigen Tausendblatts (Myriophyllum spicatum) erfolgt und darin entwickelten sich auch die Larven oberhalb einer Tiefe von 0,5 m.

Lebensräume

Die Art kommt in Mitteleuropa vom Flachland bis in 500 m Höhe vor (Wildermuth & Martens 2019). 

Mauersberger & Heinrich (1993) untersuchten 12 Habitate, wobei es sich um natürlich eutrophe Kleinseen oder flache mesotroph-alkalische Klarwasserseen bzw. flache Buchten mit relativ klaren Wasser und Sichttiefen von 1,4–4,4 m handelte. Das Wasser war neutral bis mäßig alkalisch, mit einem pH-Wert von 7–8, selten darunter. Die Vegetation bestand submers aus dichten Tauchfluren, Schwebematten oder Grundrasen, emers aus Schwimmblattrasen und Schwimmdecken sowie anschließend aus Schwingkantenriedern oder Röhrichten. Aus der Wasseroberfläche ragten Spitzen oder Blüten submerser Vegetation sowie Schwimmblätter hervor. Am Gewässerboden befanden sich feine, weiche und tiefe organische Sedimente (Detritusmudden). Alle besiedelten Gewässer lagen im Wald.

Bestandssituation

Historisch bei Leipzig und Einzelbeobachtungen aus einem Moorgebiet der Oberlausitz. Um das Jahr 2000 nur noch im Muskauer Faltenbogen (Brockhaus & Fischer 2005). Seither in Ausbreitung.

Literatur

  • Bellmann, H. 1993: Libellen: beobachten – bestimmen. – Naturbuch Verlag, Augsburg. 274 S.
  • Brockhaus, T. & U. Fischer 2005: Die Libellenfauna Sachsens. – Natur & Text, Rangsdorf. 427 S.
  • Dijkstra, K.-D. B., A. Schröter & R. Lewington 2021 (2. Aufl.): Libellen Europas. Der Bestimmungsführer. – Haupt-Verlag, Bern. 336 S.
  • Dreyer, W. 1986: Die Libellen. Das umfassende Handbuch zur Biologie und Ökologie aller mitteleuropäischer Arten mit Bestimmungsschlüsseln für Imagines und Larven. – Gerstenberg Verlag, Hildesheim. 219 S.
  • Günther, A., S. Heise, M. Held, N. Jöger, J. Kipping, R. Moritz, H. Schnabel, H. Voigt & T. Brockhaus 2018: Neue Nachweise der Zierlichen Moosjungfer Leucorrhinia caudalis (Charpentier 1840) in Sachsen und einige Bemerkungen zur Ökologie der Art (Odonata: Libellulidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte 62: 19–25.
  • Heidemann, H. & R. Seidenbusch 2002: Die Libellenlarven Deutschlands. – In: F. Dahl, Die Tierwelt Deutschlands (72. Teil). – Goecke & Evers, Keltern. 328 S.
  • Mauersberger, R. & D. Heinrich 1993: Zur Habitatpräferenz von Leucorrhinia caudalis (Charpentier) (Anisoptera: Libellulidae). – Libellula 12: 63–82.
  • Mikolajewski, D. J., K. G. Leipelt, A. Conrad, S. Giere & J. Weyer 2004: Schneller als gedacht: einjährige Larvalentwicklung und ‘slow life style’ bei Leucorrhinia caudalis (Odonata: Libellulidae). – Libellula 23 (3–4): 161–171.
  • Schiemenz, H. 1953: Die Libellen unserer Heimat. – Urania Verlag Jena, 154 S.
  • Sternberg, K. & R. Buchwald 2000: Die Libellen Baden-Württembergs, Band 2 Großlibellen (Anisoptera), Literatur. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 468 S.
  • Wildermuth, H. & A. Martens 2019 (2. Aufl.): Die Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt. – Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim. 958 S.
Autor(-en): Susanne Kurze, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 06.12.2021

Junges Männchen der Zierlichen Moosjungfer. Der Hinterleib zeigt vorn gelbe Flecke und hinten eine deutliche Verbreiterung. Meissendorf, 10.05.2018
(© Jörg Teumer)


Ausgereiftes Männchen der Zierlichen Mosaikjungfer. Deutlich zu sehen sind die weißen Flügelmale und die hellblaue Bereifung des vorderen Hinterleibs. Bernsdorf, Anfang Juni 2021
(© Peter Diehl)


Weibchen der Zierlichen Moosjungfer. Knappenrode, 21.05.2020
(© Jörg Teumer)


Älteres Weibchen der Zierlichen Moosjungfer, zu erkennen an den gelblichen Mittelflecken und der blauen Bereifung auf den vorderen und mittleren Hinterleibsegmenten. Sichtbar ist auch die Querader vor dem Flügeldreieck im Hinterflügel. Knappenrode, 26.06.2021
(© Jörg Teumer)


Männchen der Zierlichen Mosaikjungfer. Deutlich zu sehen ist die weiße Stirn. Große Karoline in Gablenz, Mitte Mai 2018
(© Peter Diehl)


Männchen der Zierlichen Moosjungfer. Gut zu erkennen sind die schwarz und gelb gesäumten Basalflecke der Hinterflügel sowie der in der Mitte verschmälerte und nach hinten deutlich verdickte Hinterleib. Große Karoline in Gablenz, Mitte Mai 2018
(© Peter Diehl)


Weibchen der Zierlichen Moosjungfer. Knappenrode, 14.06.2020
(© Jörg Teumer)


Junges Männchen der Zierlichen Moosjungfer. Knappenrode, 15.05.2020
(© Jörg Teumer)
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