Sandbienen (Andrena)

Diagnose

Vorderflügel mit drei Cubitalzellen (Ausnahme A. lagopus, mit nur zwei Cubitalzellen), die erste am größten, die zweite am kleinsten. Basalader gerade (deutlich gebogen bei Halictus und Lasioglossum). Radialzelle nach hinten zugespitzt, die Spitze liegt am Flügelrand an. Krallenglieder nicht auffällig verbreitert.

Weibchen mit schmaler, filzig behaarter Grube innen neben den Komplexaugen (Fovea facialis), Haarlocke an der Unterseite der Hinterschenkel (Flocculus) und Sammelbürste (Scopa) an den Hintertibia. Körperfarbe schwarz oder mit metallischem Schimmer, manchmal Tergite teilweise rot und Tibien oder Tarsen rötlich bis orange. Hinterlebtergite mit oder ohne Haarbinden. Kopf und Thorax meist dicht behaart. Abdomen mehr oder weniger dicht behaart oder kahl.

Die Männchen sind deutlich schlanker und kleiner als die Weibchen; die Behaarung ist meist länger, aber weniger dicht und eher strubbelig. Letztes Fühlerglied der Männchen abgerundet oder zusammengedrückt.

Anhand der Flügelzeichnung und dem gesamten Habitus können Andrena- mit Melitta-Arten verwechselt werden. Bei diesen ist das Krallenglied auffällig verbreitert, viel breiter als das letzte Tarsenglied. Melitta-Weibchen fehlen Fovea facialis und Flocculus. Das letzte Fühlerglied des Männchens ist abgestutzt und die Geiselglieder oft knotig verdickt.

Synonyme

Biareolina

Bestimmung

Andrena ist mit 112 Spezies die mit Abstand artenreichste Bienengattung Deutschlands. Entsprechend vielfältig ist das Erscheinungsbild der einzelnen Arten. Nur einige wenige lassen sich bereits im Feld sicher bestimmen, darunter Andrena fulva. Zur Artbestimmung dienen beim Weibchen vor allem die Haarfärbung, insbesondere der Scopa und der "Endfranse" des 5. Tergites, die Breite der Fovea Facialis; die Struktur von Clypeus, Mesonotum, des Mittefeldes des Propodeums und der Hinterleibtergite sowie die Ausbildung von Tergitbinden. 

Bei einigen Arten sind die Mandibeln der Männchen auffallend sichelförmig verlängert und können neben der Behaarung und der Struktur der Cuticula zur Bestimmung herangezogen werden. Andrena-Männchen ähneln sich jedoch oft sehr stark und können meist nur anhand einer Genitalanalyse sicher bestimmt werden.

Biologie

Flugzeit vorwiegend im Frühling, manche Arten mit einer zweiten Generation im Sommer. Solitäre Nistweise mit selbstgegrabenen Nestern im Boden, teiweise mit kleinen oder sehr großen Kolonien. Andrena-Weibchen zählen zu den Beinsammlern – der Pollentransport erfolgt mittels der gattungsspezifischen Sammeleinrichtungen an den Hinterbeinen und den Thoraxseiten. Viele Arten sind zum Pollensammeln streng auf bestimmte Pflanzengattungen oder -familien spezialisiert (oligolektisch). Die Männche patrouillieren auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen über den Nistplätzen oder um kleine Gebüsche, wo sie auch Duftmarkierungen anbringen.

Kuckucksbienen: Blutbienen- und Wespenbienenarten (Sphecodes und Nomada).

Viele Andrena-Arten werden von Fächerflüglern (Strepsiptera) befallen (stylopisiert). Deren Weibchen leben als Endoparasiten im Abdomen der befallenen Tiere und sind als braune Knöllchen zwischen den hinteren Tergitplatten erkennbar. Stylopisierte Andrenen sind oft morphologisch verändert und nicht fortpflanzungsfähig.

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2010: Apidae 6. Andrena, Melitturga, Panurginus, Panurgus. – Fauna Helvetica 26: 317 S.
  • Gusenleitner, F. & M. Schwarz 2002: Weltweite Checkliste der Bienengattung Andrena mit Bemerkungen und Ergänzungen zu paläarktischen Arten (Hymenoptera, Apidae, Andreninae, Andrena). – Entomofauna, Suppl. 12: 1280 S.
  • Schindler, M. & D. Wittmann 2000: Haltung bodennistender Kuckucksbienen und ihrer Wirte (Apidae: Nomada, Andrena). – Apidologie 31: 557–559.
  • Schmid-Egger, C. & E. Scheuchl 1997. Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs unter Berücksichtigung der Arten der Schweiz. Band III: Andrenidae. – Eigenverlag, Velden. 180 S.
  • Schmid-Egger, C. 2012: Die taxonomischen Situation der Gattung Andrena (Apidae) in Mitteleuropa – Kommentar zu: Amiet et al. (2010): Fauna Helvetica, Apidae 6. – Ampulex 4: 55–60.
Autor(-en): Matthias Nuß, Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 27.09.2018

Weibchen der Sandbiene Andrena carantonica.
(© Wolf-Harald Liebig)


Sandbienen-Männchen mit typisch strubbeliger Behaarung und gut erkennbarer Flügelzeichnung.
(© Matthias Nuß)


Stylopisiertes Weibchen von Andrena gravida.
(© Michael Fritzsche)
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