Thripse (Thysanoptera)

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Diagnose

Körperlänge: 0,5–14 mm, meist 1–2 mm.

Kopf: stechend-saugende, hypognathe Mundwerkzeuge, Maxillen und Mandibeln zu Stechborsten umgewandelt, rechte Mandibel stark reduziert.

Thorax: Flügel schmal mit stark reduzierter Aderung; Flügelränder mit Fransen; Flügel manchmal verkürzt oder fehlend. Tarsen reduziert zu ein- oder zwei Gliedern Tarsen mit rundlichem, einziehbarem Arolium.

Abdomen: Nur A1 und A8 mit je einem Stigmenpaar.

Die meisten Arten mit ausgeprägtem Sexualdimorphismus.

Namensgebung

Thysanoptera bzw. Fransenflügler: griech. θύσανος (thysanos) Franse und πτερόν (pteron) Flügel.
Physopoda (Synonym) bzw. Blasenfüße: Tarsen reduziert zu ein- oder zwei Gliedern und mit rundlichem, einziehbaren Arolium.

Diversität und Verbreitung

Weltweit 6.288 rezente und 174 fossile Arten, die ältesten Fossilien aus der Trias. In Mitteleuropa kommen 61 etablierte Arten sowie 8 Arten in Gewächshäusern vor (Moritz 2006). 

Lebensweise

Haploid-diploide Parthenogenese: unbefruchtete Eier ergeben ♂, befruchtete Eier ergeben ♀ (Telytokie: vollständiger Verlust der ♂; Deuterotokie: Nachkommen mit ♂ und ♀). Durch Wolbachia induzierte Parthenogenese ist ebenfalls nachgewiesen.
Zwanzig bis mehrere hundert Eier werden in (Terebrantia) oder auf (Tubulifera) das Pflanzengewebe abgelegt. Auf zwei bewegliche Larvenstadien (mit Nahrungsaufnahme) folgen eine Pronymphe und ein (Terebrantia) bis zwei (Tubulifera) Nymphenstadien (ohne Nahrungsaufnahme; mit Flügelanlagen)
Eine Getreidepflanze mit 5–20 Thripsen (bei Massenbefall deutlich mehr) bedeutet bei 500 Pflanzen / Quadratmeter 25–100 Millionen Thripse / Hektar.

Thripse saugen an Algen, Pollen, Blättern und Blüten. In die ausgesaugten Zellen dringt Luft ein, so das ein Silberglanz entsteht. Einige Arten saugen an Pilzhyphen, Milben und kleinen Insekten (6% der Arten).

„Gewitterfliegen“ (Limothrips cerealium).

Die Tiere werden als "Luftplankton" bis in über 3000 m Höhe und über eine Distanz von Hunderten bis Tausenden Kilometer durch Wind passiv verbreitet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Neben ihrer Saugtätigkeit können Thripse vor allem durch die Übertragung von Pflanzenpathogenen wirtschaftlich bedeutsame Schäden an Kulturpflanzen verursachen:

Bakterien (Kontaktkeime): Erwinia amylovora (Feuerbrand), Pantoea stewartii, Pseudomonas

Pilze (Kontaktkeime): Puccinia (Rostpilze), MoniliniaCalonectria, Fusarium

Viren: Ilarviren, Sobemoviren und Carmoviren über Pollen, Tospoviren werden ausschließlich von 11 Thripinae-Arten übertragen; sie müssen dazu während des ersten Larvenstadiums an infizierten Pflanzen saugen und können die Viren nur als Adulte weitergeben.

Die Regulierung kann durch folgende Maßnahmen erfolgen:
Hausmittel (Zierpflanzen): Abduschen befallener Pflanzen mit Seifenlauge, Klebetafeln mit abgestimmten Farben wie hellblau und gelb.
Biologisch: Raubmilben der Gattung Amblyseius, Florfliegenlarven (Chrysoperla carnea), Schlupfwespen, entomopathogene Pilze, Nematoden (gegen im Boden lebende Stadien), wie z. B. Steinernema, Heterorhabditis, Thripinema.
Chemisch: Insektizide
Präventiv: Einsatz virusresistenter Pflanzensorten.

Literatur

  • Moritz, G. 2006: Thripse – Fransenflügler, Thysanoptera. – Die Neue Brehm Bücherei 663. – Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben. 384 S. 
  • Mound, L. A. 2005: Thysanoptera: diversity and interactions. – Annual Review of Entomology 50: 247–269.
  • Priesner, H. 1968: Handbuch der Zoologie, Band 4: Arthropoda, 2. Hälfte: Insecta, Thysanoptera (Physopoda, Blasenfüßer)
  • Schliephake, G. 2000: Thysanoptera, Fransenflügler. S. 155–159. – In: Stresemann, Exkursionsfauna von Deutschland. Band 2. – Spektrum Akademischer Verlag, Stuttgart.
  • Schliephake, G. 2001: Verzeichnis der Thysanoptera (Fransenflügler) – Physopoda (Blasenfüße) – Thripse Deutschlands. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 6: 91–106.
  • Schliephake, G. & K.-H. Klimt 1979: Die Tierwelt Deutschlands. 66. Teil: Thysanoptera, Fransenflügler. – Gustav-Fischer-Verlag, Jena.
  • Strassen, R. z. 2003: Die terebranten Thysanopteren Europas. – Die Tierwelt Deutschlands 74. 277 S.

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Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 11.12.2020
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