Gottesanbeterin (Mantis religiosa (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körperlänge: 50 mm (Männchen) bis 65 mm (Weibchen).

Körper schmal, grün oder braun.

Kopf: von vorn dreieckig mit Mandibeln.

Thorax: Prothorax auffallend lang, Vorderbeine mit Dornen besetzte Fangbeine, Flügel liegen in Ruhe über dem Hinterleib und bedecken diesen vollständig.

Ähnliche Arten: Mittelmeer-Gottesanbeterin (Iris oratoria) und Asiatische Gottesanbeterin (Hierodula patellifera).

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Erwachsene Tiere haben einen 50 mm (Männchen) bis 65 mm (Weibchen) langen, schmalen Körper. Der gesamte Körper ist überwiegend grün gefärbt. Der von vorn dreieckige Kopf trägt Mandibeln. Charakteristisch sind die zu Fangbeinen modifizierten Vorderbeine des deutlich verlängerten Prothorax. Die Flügel werden in Ruhe über den Hinterleib gelegt und bedecken diesen vollständig.

Verbreitung

Mantis religiosa hat eine weite Verbreitung vom Atlantik bis Japan, südlich bis Südafrika und Madagaskar sowie im tropischen Asien bis Sulawesi und Osttimor. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft etwa bei 50° nördlicher Breite. Innerhalb dieses Verbreitungsgebietes werden acht Unterarten unterschieden, von denen bei uns M. r. religiosa vorkommt. Das Verbreitungsgebiet dieser Nominatunterart erstreckt sich rund um das Mittelmeer und östlich bis Mittelasien.
In Deutschland kommt die Gottesanbeterin im oberrheinischen Tiefland von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie im Saarland vor. Dieses Vorkommen steht über die Burgundische Pforte mit dem Hauptverbreitungsgebiet im Mittelmeerraum in Kontakt. Seit Beginn der 1990er Jahre ist eine Ausbreitung der Gottesanbeterin in Deutschland zu verzeichnen, mit Vorkommen in Bayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Berlin.
Der Erstnachweis aus Sachsen stammt aus dem Jahr 2003 von Rackwitz-Zschortau bei Leipzig. Der zweite Nachweis stammt aus der Nähe von Weißwasser aus dem Jahr 2006. Eine intensive Nachsuche im Jahr 2007 ergab, dass zwischen Weißwasser und Nochten eine recht große Population vorkommt. 2008 erfolgten weitere Einzelnachweise, zwei aus dem Leipziger Raum und einer aus Wurzen. Die Vorkommen in Sachsen werden auf eine anthropogene Verschleppung zurückgeführt und nicht als ein natürliches Vorkommen gewertet. In Nordamerika eingeschleppt. (Berg et al. 2008, 2011)

Lebensweise

Die Weibchen legen 80 - 250 Eier in ein eiweißhaltiges Sekret ab, das nach der Eiablage aushärtet und den Eiern Schutz bietet. Dieses Gebilde wird Oothek genannt. In ihr überwintern die Eier.
Aus der Oothek schlüpfen Prälarven, die noch eine Embryonalkutikula besitzen. Nur kurze Zeit später schlüpfen daraus die bräunlichen L1-Larven, die mit ihren Fangbeinen sogleich auf Beutefang gehen. Die Entwicklung zum erwachsenen Insekt verläuft über sechs (Männchen) oder sieben (Weibchen) Larvenstadien. Ab dem zweiten Stadium bildet sich die grüne Körperfärbung heraus (außer bei braunen Varianten). Die erwachsenen Tiere sind am Besitz der Flügel sowie der äußeren Genitalanhänge am Hinterleibsende erkennbar.
Gottesanbeterinnen sind Lauerjäger und vertilgen jede Beute, die sie überwältigen können. Dazu zählen Insekten einschließlich Artgenossen, Spinnen, aber auch kleine Wirbeltiere, wenn diese die Körpergröße der Gottesanbeterin nicht deutlich überschreiten (Klass & Ehrmann 2003).

Lebensräume

Die Gottesanbeterin lebt in trockenwarmen Offenlandhabitaten wie Trocken- und Halbtrockenrasen, Magerweiden, Heiden, trockenwarmen Säumen und halboffenem, teilverbuschtem Grünland. In Sachsen werden Heideflächen und Sandtrockenrasen in der Tagebaufolgelandschaft und dem Umfeld der Braunkohletagebaue sowie in den aktiven und ehemaligen Truppenübungsplätzen besiedelt.

Bestandssituation

In Sachsen bildet die Gottesanbeterin nur lokal stark begrenzte Populationen aus und ist daher als extrem seltene Art anzusprechen. Das größte Vorkommen befindet sich am Rand des Tagebaus Nochten und zieht sich über den Truppenübungsplatz Oberlausitz bis an den Rand des Tagebaus Reichwalde. Das Vorkommen ist über Jahre stabil (Nachweise für fast jedes Jahr seid 2006) und scheint sich zu vergrößern. Im Jahr 2016 gelangen Nachweise in einem weiteren Heidegebiete der Oberlausitz durch Frau Ziemer, gemeldet über Insekten Sachsen. Für den Raum Leipzig liegen Einzelnachweise ebenfalls im Umfeld von Braunkohletagebauen vor. Der Status und die Größe dieser Populationen ist unbekannt, ebensowenig, ob es sich um dauerhaft etablierte Populationen handelt oder um migrierende Einzeltiere.

Zu beachten ist, dass sich die Mittelmeer-Gottesanbeterin (Iris oratoria) in Europa ausbreitet, bereits in Thüringen nachgewiesen und deshalb auch in Sachsen zu erwarten ist. Einige fremdländische Gottesanbeterin-Arten sind in Europa indigen geworden und breiten sich aus, insbesondere die Asiatische Gottesanbeterin (Hierodula patellifera) (Battiston et al. 2020; Moulin 2020). Beim Nachweis von Gottesanbeterinnen sollte deshalb nunmehr genau auf die Artmerkmale geachtet werden, weil nicht mehr nur eine Art im Gebiet zu erwarten ist. Für Hinweise auf weitere in Europa eingetroffene Gottesanbeterin-Arten vergleiche (Battiston et al. 2020).

Literatur

  • Battiston, R., R. Amerini, W. Di Pietro, L. A. Guariento, L. Bolognin & E. Moretto 2020: A new alien mantis in Italy: is the Indochina mantis Hierodula patellifera chasing the train for Europe? – Biodiversity Data Journal 8: e50779.
  • Berg, M. K., C. Düker, M. Keller, B. Krüger, N. Lübcke & T. Lübcke 2008: Die Gottesanbeterin, Mantis religiosa Linnaeus, 1758 (Mantodea: Mantidae), im Freistaat Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte 52 (2): 93–98.
  • Berg, M. K., C. J. Schwarz & J. E. Mehl 2011: Die Gottesanbeterin. – Die Neue Brehm-Bücherei 656. – Westarp-Wissenschaften, Hohenwarsleben. 521 S.
  • Brechtel, F., R. Ehrmann & P. Detzel 1996: Zum Vorkommen der Gottesanbeterin Mantis religiosa (Linné, 1758) in Deutschland. – Carolinea 54: 73–90.
  • Detzel, P. & R. Ehrmann 2001: Verbreitung der Gottesanbeterin (Mantis religiosa Linné, 1758) in Deutschland (Fangschrecken, Mantoptera). – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 6: 61–62.
  • Klass, K.-D. & R. Ehrmann 2003: Ordnung Mantodea, Fangeschrecken, Gottesanbeterinnen. S. 182-197. – In: H. H. Dathe, Insecta. – In: H.-E. Gruner, Lehrbuch der Speziellen Zoologie (2. Aufl.), Band I. Wirbellose Tiere, 5. Teil. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg & Berlin.
  • Kral, K. 2019: Visually guided search behavior during walking in insects with different habitat utilization strategies. – Journal of Insect Behavior 32 (4–6): 290–305.
  • Landeck, I., C. Eiser, I. Ludwig & G. Thümmel 2013: Zur aktuellen Verbreitung der Europäischen Gottesanbeterin, Mantis religiosa Linnaeus, 1758 (Mantodea, Mantidae), im Land Brandenburg – Märkische Entomologische Nachrichten 15 (2): 227–248.
  • Moulin, N. 2020: When Citizen Science highlights alien invasive species in France: the case of Indochina mantis, Hierodula patellifera (Insecta, Mantodea, Mantidae). – Biodiversity Data Journal 8: e46989.

 

Autor(-en): Matthias Nuß, Tommy Kästner. Letzte Änderung am 27.09.2020

Mantis religiosa Ende August 2017 in der Neustädter Heide.
(© Friedmar Graf)


Gottesanbeterin (Mantis religiosa (Linnaeus, 1758)), Brodau, August 2019
(© Rigo Richter)


Gottesanbeterin zwischen blühendem Heidekraut in der Tagebaufolgelandschaft bei Nochten am 03.09.2010
(© Tommy Kästner)


Paarung der Gottesanbeterin. Halbendorf/Spree. September 2020
(© Tilmann Adler)


Nochten, 23.08.2020. Noch während der Paarung begann das grüne Weibchen damit, das braune Männchen zu verspeisen
(© Marion Rudolph)


Weibchen der Gottesanbeterin. Halbendorf/Spree, 19.09.2020
(© Eva-Maria Bäßler)


Belgershain, 12.09.2020
(© Helene Otto)


Gottesanbeterin bei Braunsbedra, Sachsen-Anhalt, September 2018
(© Neithart Volk)


Lohsa Tagebaufolgelandschaft 25.07.2020
(© Jürgen Richter)


Gottesanbeterin bei Senftenberg am 22.09.2019
(© Martina Görner)


Kringelsdorf, Grubenwasserzuleiter, Südufer, 27.07.2019
(© Christian Hoffmann)


Oothek. Halbendorf/Spree, 19.09.2020
(© Eva-Maria Bäßler)


Oothek. Halbendorf/Spree, 19.09.2020
(© Eva-Maria Bäßler)
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