Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana (Fabricius, 1775))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Körperlänge: 14–16 mm.

Körperfarbe glänzend schwarz mit weisslicher Behaarung. Endfranse des Weibchens goldgelb. Sammelbürste an den Hinterbeinen des Weibchens zweifarbig, goldgelb und weiß. Die ersten beiden Hinterleibtergite manchmal, aber nicht immer, rot. Endränder der Tergite gelblich aufgehellt; die Tergite 2–4 mit schmalen Haarbinden, die beim Weibchen auf den Tergiten 2 und 3 mittig unterbrochen sind.

Das Männchen unterschiedet sich vom Weibchen durch die auffällige weiße Färbung des Kopfschildes, eine gelbbraune Thoraxbehaarung und mittig breit unterbrochene Tergitbinden.

Verwechslung: mit anderen Andrena-Arten mit rot gefärbter Hinterleibsbasis (Andrena bimaculata, A. florea,  A. labiata, A. marginata, A. parviceps, A. potentillae, A. rosae, A. rufizona, A. schencki und A. stragulata). Zur sicheren Unterscheidung dient die goldgelbe Haarfranse auf dem Hinterleibsende von Andrena hattorfiana. Bei allen anderen der genannten Arten ist diese entweder braun oder schwarz gefärbt.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Verbreitung

Vom südlichen Großbritannien und Fennoskandien bis Zentralspanien, Sizilien und Griechenland (nicht auf Kreta); östlich bis zum Ural, Ukraine und Türkei (Scheuchl & Willner 2016).

Lebensweise

Der Name der Knautiensandbiene geht auf ihr Pollensammelverhalten zurück, denn sie ist ein Pollenspezialist (oligolektisch) und sammelt für die Larven ausschließlich Pollen von der Wiesenwitwenblume (Knautia arvensis), wenn diese nicht vorhanden ist auch von der Waldwitwenblume (Knautia dipsacifolia) sowie wenn diese verblüht sind von der Taubenskabiose (Scabiosa columbaria) (Kardengewächse (Dipsacaceae)) (Scheuchl & Willner 2016). Sowohl der spezialisierte Blütenbesuch als auch die purpurroten "Hosen", die mit Pollen der Knautie gefüllten Sammeleinrichtungen der Hinterbeine, sind eine zuverlässige Bestimmungshilfe.

Die adulten Bienen fliegen von Mai bis August. Das Nest wird in den Boden gegraben. Es besteht aus einem Hauptgang, von dem einige Seitengänge abzweigen. Am Ende dieser Gänge legt das Weibchen eine Brutzelle an, in die es den rot gefärbten Larvenvorrat aus dem Pollen der Knautie und Nektar einträgt. Der Nesteingang ist ein unauffälliges Loch im Boden und wird nach der Versorgung der Brutzellen vom Weibchen mit einem Propfen aus Erde und Körpersekreten verschlossen (Kuratorium „Wildbiene des Jahres“).

Parasiten: Die Wespenbiene (Nomada armata) legt ihre Eier in die Brutzellen (Kuckucksbiene) und der Fächerflügler Stylops melittae parasitiert die Adulten (Scheuchl & Willner 2016).

Lebensräume

Trockene Böden warmer Standorte von Fett- und Magerwiesen, Hochwasserdämmen, Straßenböschungen und Waldsäumen. Die Nester werden im Boden (endogäisch) auf kahlen oder schütter bewachsenen, selten auch dichter bewachsenen Flächen angelegt (Scheuchl & Willner 2016).

Bestandssituation

Die Wiesenwitwenblume ist zwar in ganz Deutschland verbreitet, doch haben ihre Vorkommen in den letzten Jahrzehnten rapide abgenommen. Durch fortschreitenden Umbruch der Wiesen in Ackerland, die starke Düngung und häufige Mahd der noch verbliebenen Wiesen ist die Pflanze massiv zurückgedrängt worden. Auch Straßen- und Wegränder sind, insbesondere aufgrund der häufigen Mulch-Mahd, extrem an Blüten verarmt. Damit ging vielerorts die einzige Nahrungsquelle der Knautien-Sandbiene verloren. Die Art wird deshalb in der Roten Liste der Wildbienen Deutschlands als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft (Kuratorium „Wildbiene des Jahres“).

Die Knautien-Sandbiene kann gefördert werden, indem Wiesen mit der Wiesenwitwenblume nur ein- bis zweimal pro Jahr und jeweils nur teilweise gemäht werden. Auf die Mulch-Mahd ist dabei ganz zu verzichten. Durch die Aussaat der Wiesenwitwenblume mit Saatmischungen aus gebietseigenem Saatgut oder das Pflanzen angezogener Witwenblumen können Lebensräume geschaffen oder aufgewertet werden, auch im Siedlungsbereich (Kuratorium „Wildbiene des Jahres“).

Literatur

  • Amiet, F. & A. Krebs 2012: Bienen Mitteleuropas. Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. – Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien. 423 S.
  • Falk, S. & R. Lewington 2015: Fiedl guide to the bees  of Great Britain and Ireland. – Bloomsbury Publishing. 432 S.
  • Scheuchl, E. & W. Willner 2016: Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas. Alle Arten im Portrait. – Quelle & Meyer Wiebelsheim. 917 S.
  • Westrich, P., U. Frommer, K. Manderey, H. Riemann, H. Ruhnke, C. Saure & J. Voith 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. S. 373–416. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 

Links

 

Autor(-en): Mandy Fritzsche, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 12.07.2017

Weibchen von Andrena hattorfiana mit ausgedehnter roter Zeichnung auf der Abdomenbasis.
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Weibchen von Andrena hattorfiana ohne Rotzeichnung auf der Abdomenbasis. Deutlich erkennbar der leuchtend rosa Pollen der Ackerwitwenblume.
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Weibchen der Knautien-Sandbiene am 27.06.2015 in Glashütte
(© Stefan Höhnel)


Weibchen der Knautien-Sandbiene in der Gemarkung Hohenprießnitz, Juni 2015
(© Michael Happ)


Andrena hattorfiana, Männchen
(© Wolf-Harald Liebig)


Weibchen der Knautien-Sandbiene in der Gemarkung Hohenprießnitz, Juni 2015
(© Michael Happ)
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