Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes Panzer, 1799)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Weibchen: Behaarung vorwiegend bräunlichgelb; im Gesicht oben, auf dem Mesonotum in der Mitte und auf den Tergitscheiben 2–5 schwarz. Hinterleibtergite 2–4 mit breiten, durchgehenden, gelblichen Endbinden; Endfranse schwarzbraun. Scopa orangegelb. Femur 3 dorsal mit kielartiger Längskante, darunter auf der gesamten Länge eingedrückt. Männchen: Behaarung vorwiegend bräunlichgelb, die Seiten des Gesichts +/- und die Tergitscheiben 4– 5 schwarz; Hinterleibtergite 2–5 mit deutlichen, durchgehenden, gelblichen Endbinden. Tarsen dunkel. Bei beiden Geschlechtern der Frühlingsgeneration ist der untere Teil des Gesichtes oft dunkel behaart.

Unter anderem durch die ähnlich breiten Endbinden ähnelt A. flavipes in beiden Geschlechtern der selteneren Andrena gravida. Diese ist etwas größer, ihre Behaarung länger und insgesamt kontrastreicher und farbiger. Gesicht und Brust sind bei beiden Geschlechtern lang weißlich behaart, statt bräunlichgelb wie bei Andrena flavipes; die Thoraxbehaarung erscheint eher rostgelb, die Endbinden der Tergite sind nahezu schneeweiß. Vergreiste Weibchen von Andrena flavipes lassen sich anhand der Längskante am Femur des Hinterbeines zweifelsfrei von A. gravida unterscheiden, der dieses Merkmal fehlt. Für eine eindeutige Unterscheidung vergreister Männchen von A. flavipes und A. gravida ist eine Genitalanalyse am präparierten Tier notwendig. Charakteristisches Merkmal ist hier die stufenförmig ausgeschnittene Außenkante der Gonostyli bei Andrena flavipes. Diese ist bei Andrena gravida konkav geformt.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Synonym

Andrena fulvicrus (Kirby, 1802)

Merkmale

Weibchen: Körperlänge 11–13 mm. Körperfarbe vollständig dunkel, ohne Rotfärbung der Tergite und Tibien (nicht die Behaarung). Kopf und Thorax dicht, lang und vorwiegend bräunlichgelb behaart, im Gesicht oben (bei der Frühlingsgeneration oft auch unten) und auf dem Mesonotum in der Mitte schwarz. Clypeus dicht runzlig punktiert. Labrumanhang breit, nach unten verjüngt, glänzend. Fovea doppelt so breit wie ein Fühler. Fühlerglied 3 fast so lang wie 4–6 zusammen, Glieder 4 und 5 kürzer als breit. Hinterleibtergite glatt oder nur schwach chagriniert und einschließlich der Endränder fein, dicht punktiert; auf der Scheibe von Tergit 1 zerstreuter (gleich dicht bei A. gravida). Tergitscheibe 1 mit einzelnen langen, hellen Haaren, Tergitscheiben 2–5 kurz schwarz behaart. Endrand von Tergit 1 nur spärlich gelblich behaart. Tergite 2–4 am Ende mit durchgehenden, breiten, leicht struppigen, gelblichen Haarbinden, diese so breit wie die Depression. Endfranse schwarzbraun. Femora unten lang bräunlichgelb behaart; Tibien und Tarsen kurz rötlich; Scopa der Hintertibia orangegelb. Femur des Hinterbeines auf der Rückseite mit einer mehr oder weniger abgerundeten, kielartigen Längskante, darunter auf der gesamten Länge eingedrückt. Charakteristisch für das Weibchen von Andrena flavipes ist die Kombination von dunkler Endfranse, vollständigen und gut entwickelten Tergitbinden und gekielten Femora des 3. Beinpaares.

Männchen: Körperlänge 9–11 mm. Körperfarbe vollständig dunkel, ohne Rotfärbung der Tergite und Tibien (nicht die Behaarung). Behaarung von Gesicht und Thorax struppig lang. Haarfärbung vorwiegend bräunlichgelb, an den Seiten des Gesichts +/- schwarz. Gesicht kürzer als breit. Clypeus gewölbt, schwarz und glänzend, mit dichter Punktierung. Labrumanhang breit. Mandibel nicht auffällig verlängert, an der Basis ohne Zahn. Fühlerglied 3 so lang wie 4 und 5 zusammen, Glied 4 kürzer als breit, Glied 5 etwas länger als breit. Mesonotum chagriniert, matt und schwach punktiert. Abdomen breit. Hinterleibtergite grob dicht punktiert. Tergit 1 glatt, mit Kraterpunkten; Tergite 2–5 chagriniert mit nach hinten zu schwächer werdenden Körnchenpunkten. Vordere Tergitscheiben lang aber spärlich hell behaart, die Tergitscheiben 4 und 5 kürzer und schwarzbraun behaart. Tergite 2–5 am Ende mit deutlichen, durchgehenden, gelblichen Haarbinden. Distales Ende der Gonostyli an der Außenkante stufenförmig ausgeschnitten.

Verbreitung

West-, Mittel- und Osteuropa, Mittelmeerländer, Mittelasien. Im Gebirge bis 1900 m. ü. M.

Lebensweise

Selbstgegrabene Nester aus 16–23 cm langen, mehr oder weniger gebogenen Gängen in vegetationsarmen Böden; wegen der geringeren Bodenfeuchte gern auch in Böschungen. Solitäre Nistweise in zum Teil sehr großen Aggregationen. Andrena flavipes ist bivoltin, mit einer Frühlingsgeneration von März bis Mai und einer Sommergeneration, die von Juni bis September fliegt und deren Nachkommen nach der Überwinterung im Boden wiederum im März des nächsten Jahres schlüpfen. Die Larven spinnen keinen Kokon. In Bezug auf die Habitatwahl und ihre bevorzugten Nahrungspflanzen ist Andrena flavipes ein ausgesprochener Generalist. Auch an die Bodenbeschaffenheit für den Nestbau stellt sie keine besondere Ansprüche. Andrena flavipes zählt, wie alle Sandbienen, zu den "Beinsammlern". Der Pollentransport erfolgt mittels Haarbürste (Scopa) an Hinterschiene und -ferse sowie Körbchen auf der Unterseite des Hinterschenkels und an den Seiten des Mittelsegments. Auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen patrouillieren die Drohnen teilweise in großer Zahl um die Nesteingänge und machen so auf diese aufmerksam.

Brutparasit: die Wespenbiene Nomada fucata.

Lebensräume

Waldränder und -lichtungen; Sand-, Lehm-, und Kiesgruben; Brachflächen, Parks und Gärten.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: ungefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: ungefährdet (Westrich et al. 2012).

Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit in Bezug auf Nisthabitate und Nahrungspflanzen gehört Andrena flavipes zu den häufigeren Arten unserer heimischen Wildbienen. Aufgrund von Habitatsverlusten aber auch durch den beständigen Rückgang des notwendigen Nahrungsangebotes, insbesondere das der Sommergeneration, dürfte sie dennoch von Bestandseinbußen betroffen sein.

Literatur

  • Amiet F., Krebs, A. 2012: Bienen Mitteleuropas, Bern. 423 S.
  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2010: Apidae 6. Andrena, Melitturga, Panurginus, Panurgus. – Fauna Helvetica 26: 317 S.
  • Falk S. 2015: Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland, London. 432 S.
  • Gusenleitner F. & Schwarz M. 2002: Weltweite Checkliste der Bienengattung Andrena, Entomofauna, Supplement 12: 1280 S.
  • Schmid-Egger C. & Scheuchl E. 1997: Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band III: Andrenidae, Velden/Vils. 180 S.
  • Schmiedeknecht, O. 1907: Die Hymenopteren Mitteleuropas, Jena. 804 S.
Autor(-en): Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 29.02.2016

Andrena flavipes, Radebeul, Ende März 2017
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Andrena flavipes, Männchen, Freital, Ende März 2019
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Zweifach stylopisiertes Weibchen von Andrena flavipes, Dresden, März 2015. Die Parasitierung durch Stylops melittae führte zur Verwaschung der geschlechtstypischen Merkmale.
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Weibchen der Gemeinen Sandbiene im Mai 2015 westlich Rottewitz auf Löwenzahn
(© Matthias Nuß)


Männchen der Gemeinen Sandbiene (Andrena flavipes), Herrnhut, Juli 2016
(© Michael Fritzsche)
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