Kaisermantel (Argynnis paphia (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 23–25 mm. 

Flügeloberseiten orange mit schwarzen Flecken; Männchen auf den Vorderflügeloberseiten mit deutlichen, länglichen, schwarz glänzenden Duftschuppenstreifen entlang der Flügeladern; beim Weibchen die schwarzen Zeichnungselemente überwiegend rundlich; manche Weibchen mit brauner anstatt oranger Grundfarbe.

Flügelunterseiten: Vorderflügel des Männchens orange mit schwarzen Flecken, des Weibchens orange oder braun mit schwarzen Flecken sowie olivgrünem Grundton in der Flügelspitze; Hinterflügel olivgrün, mit perlmuttfarbenen Längsstreifen und schwach durchscheinenden Flecken.

Ähnliche Arten: Andere Perlmuttfalter mit rundlichen Perlmuttflecken.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Synonyme

Argynnis paphia f. valesina (Esper) – nomenklatorisch nicht verfügbarer Name für die braune Weibchenform des Kaisermantels.

Merkmale

Auf der Vorderflügelunterseite wiederholt sich etwas kontrastärmer die Zeichnung der Oberseite. Die Weibchen mit einer graubraun verdunkelten Grundfarbe gehören der Weibchenform f. valesina an.

Verbreitung

Das Areal des Kaisermantels reicht von Europa über die gemäßigten Klimabereiche Asiens bis nach Japan. Nördlich des 63. Breitengrades und in Südspanien fehlt die Art (Ebert & Rennwald 1993).
In Sachsen kommt der Kaisermantel in allen Regionen und Naturräumen bis in die Kammlagen des Erzgebirges vor. Nur Gebiete mit einem geringen Waldanteil, was beispielsweise auf die intensiv landwirtschaftlich genutzten Lössgefilden zutrifft, werden gemieden (Reinhardt et al. 2007).

Lebensweise

Der Kaisermantel bildet in Deutschland eine Generation, deren Falter von Juli bis Anfang September fliegen (Reinhardt et al. 2007; Settele et al. 2009). Die Falter sind häufige Blütenbesucher mit einer Vorliebe für Brombeersträucher (Rubus fructicosus agg. ) (Reinhardt et al. 2007). Darüber hinaus werden viele weitere Pflanzenarten als Nektarquelle genutzt wie zum Beispiel: Flockenblumen-Arten (Centaurea spec.), Kratzdistel-Arten (Cirsium spec.), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Sommerflieder (Buddleja davidii), Bärenklau (Heracleum spondylium) und Linde (Tilia spec.) (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007).
Zwar beziehen die Männchen des Kaisermantels keine örtlich begrenzten Reviere, suchen aber in einem typischen Zickzackflug aktiv nach Weibchen (Ebert & Rennwald 1993). Dabei dienen oft sonnenbeschiene Waldränder und Wege als Leitlinien (Ebert & Rennwald 1993).
Die Eiablage erfolgt nicht an der Wirtspflanze der Larven, sondern an Bäumen vor allem an Nadelbäumen wie Lärche (Larix spec.) und Kiefer (Pinus spec.) in der Nähe des Waldsaumes (Reinhardt et al. 2007). Vor der Eiablage zeigen die Weibchen ein sehr charakteristisches Verhalten, wobei sie sich zunächst aus der Wipfelregion auf einen sonnenbeschienen Fleck am Waldboden fallen lassen und sich anschließend intensiv sonnen (Ebert & Rennwald 1993). Im Anschluss untersuchen die Falter die Umgebung zu Fuß nach Veilchen (Viola spec.), die als Nahrungspflanze der Larven dienen (Ebert & Rennwald 1993). Dazu betrommeln die Weibchen mit ihren Putzpfoten die Blätter (Ebert & Rennwald 1993). Erst wenn die Suche erfolgreich verlief, fliegt das Weibchen den nächsten Baumstamm an und legt das Ei versteckt in die Borke ab (Ebert & Rennwald 1993). Im Herbst schlüpfen die Larven und überwintern in den Rindenritzen ohne Nahrung aufzunehmen (Weidemann 1988). Erst im Frühling wandern sie zu den im Waldsaum stehenden Futterpflanzen (Weidemann 1988). Unter den verschiedenen Veilchenarten (Viola spec.) dienen unter anderem Waldveilchen (Viola reichenbachiana), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor), Rauhaariges Veilchen (Viola hirta) und Wohlriechendes Veilchen (Viola odorata) als Wirtspflanzen (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007). Im erwachsenen Stadium besitzt die braungescheckte Larve auf dem Rücken zwei gelbe Längsstreifen und an den Leibesringen stachelartige Auswüchse (Weidemann 1988). Die gezackte Stürzpuppe besitzt eine graubraune Färbung mit metallischen Goldflecken (Weidemann 1988).

Die Individualentwicklung verläuft nach einer Beobachtung von Matthias Hartung in den Jahren 2014–2015 wie folgend beschrieben (siehe auch die dazugehörigen Fotos). Die Weibchen des Kaisermantels legten ihre Eier im August 2014 an Totholz und dürren Pflanzenteilen ab. 10 Tage später schlüpften die Räupchen aus ihren Eiern. Sie nahmen, obwohl Nahrungspflanzen vorhanden waren, bis zur Diapause keine Nahrung auf. So wurden die Raupen am 14.9. in die Klimabox gebracht und langsam bis auf 6°C heruntergekühlt. Die Diapause der ersten Raupe wurde am 18.1.2015 beendet, indem sie aus der Klimabox entnommen und die Umgebungstemperatur langsam auf 16–18°C erhöht wurde. Die Nahrungsaufnahme begann am 27.1. Die Raupen fraßen am Rauen Veilchen nachts und tags. Häutungen der 1. Raupe erfolgten am 7.2., 13.2. und am 26.2.2015 konnte die letzte Häutung beobachtet werden. Die erwachsene Raupe hatte eine Länge von 45mm. Sie ruhte an dürren Ästen, die in den Käfig gestellt wurden. Es ist anzunehmen, dass gerade die erwachsenen Raupen nach ihrer Fressphase sofort eine Totholzregion aufsuchen, um sich darin zu verstecken. Die auffällige Raupe hat sonst keine Tarnmöglichkeit. Am Anfang der Zucht fehlten die dürren Äste in den Käfigen und die Raupen liefen endlos umher. Nach dem Einstellen der Äste wurden diese sofort aufgesucht und die Raupen kamen zur Ruhe. Die Häutungsphasen verlaufen nur kurz. Die Raupen wachsen schnell, nachdem sie eine Größe von 10mm erreicht haben. Zum Schluss frisst eine erwachsene Raupe am Tag bis zu 4 große Veilchenblätter, während ihres gesamten Lebens frisst sie zwischen 15 und 20 große bis mittelgroße Veilchenblätter. Am 9.3.2015 verpuppte sich die erste Raupe.

Lebensräume

Als Lebensraum dienen besonnte Waldränder und –wege, Lichtungen, Kahlschläge sowie Schneisen in Nadel-, Laub-, und Mischwäldern, wenn sie die für die Fortpflanzung und Nahrungssuche erforderlichen Strukturen aufweisen. In der Nähe des Waldes werden ebenfalls Streuobstwiesen, Moorkomplexe, Straßenränder, Bachufer und Magerrasen besiedelt. Außerdem erfüllen naturbelassene Grünanlagen in Siedlungsgebieten wie Friedhöfe oder Parks die Ansprüche des Kaisermantels, sodass die Falter zur Nahrungsaufnahme zunehmend in Gartenanlagen und Vorstadtsiedlungen fliegen. Aufgrund der Lebensräume der Entwicklungsstadien zeigt der Kaisermantel eine hohe Affinität zu Wäldern und wird nur selten im Offenland registriert (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007).

Bestandssituation

Der Kaisermantel ist fester und stabiler Bestandteil der sächsischen Fauna, für den sich abgesehen von dem unspezifischen Faktor des Lebensraumverlustes keine Gefährdung ergibt. Die Bestandsentwicklung zeigt über kurze Abstände einen zyklischen Verlauf, gilt langfristig aber als stabil (Reinhardt et al. 2007).

Literatur

  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1: Tagfalter I. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 552 S.
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann 2009 (2. Aufl.): Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
  • Weidemann, H.-J. 1988: Tagfalter. Band 2 Biologie - Ökologie - Biotopschutz. – Neumann-Neudamm, Melsungen. 372 S.

Links

Autor(-en): Susanne Kurze, Matthias Nuß, Matthias Hartung. Letzte Änderung am 26.04.2016

Männchen des Kaisermantels am 18.07.2011 im Glashütter Prießnitztal an Wasserdostblüten saugend
(© Stefan Höhnel)


Oranges Weibchen des Kaisermantels im Juli 2014 am Waldrand in der Luppeaue nordwestlich von Leipzig
(© Bernd Garbe)


Braunes Weibchen des Kaisermantels am 10.08.2014 im Tharandter Wald
(© Lothar Brümmer)


Braune Weibchenform des Kaisermantels am 3. August 2013 im Glashütter Prießnitztal
(© Stefan Höhnel)


Ei des Kaisermantels, abgelegt am 31.8.2014 an Viola bei Kössen (Österreich)
(© Matthias Hartung)


Erwachsene Raupe des Kaisermantels. Studioaufnahme am 2.3.2015. Als Nahrungspflanze wurde Raues Veilchen (Viola hirta) gegeben. Ex ovo Zucht (Ei vom 31.8.2014 an Viola bei Kössen, Österreich)
(© Matthias Hartung)


Puppe des Kaisermantels. Studioaufnahme am 9.3.2015. Ex ovo Zucht (Ei vom 31.8.2014 an Viola bei Kössen, Österreich)
(© Matthias Hartung)


Larve des Kaisermantels am 19.05.2013 im Spitzgrund in Coswig
(© Eva-Maria Bäßler)


Weibchen des Kaisermantels in Zinnwald am 3.08.2006 am Aschergraben auf Distelblüten
(© Stefan Höhnel)
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