Kleiner Sonnenröschenbläuling (Aricia agestis (Denis & Schiffermüller, 1775))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 13–14 mm.

Flügeloberseiten: Beide Geschlechter braun, mit schwarzem Fleck in der Flügelmitte und oranger Fleckenreihe vor den Außenrändern. Fransen schwarz-weiß gescheckt.

Flügelunterseiten hellbraun, mit oranger Fleckenreihe vor allen Außenrändern, Vorderflügel ohne Basalfleck; Hinterflügel basal mit vier in einer Reihe stehenden schwarzen Punkten, mittig mit weißem Wisch. Der Postdiskalfleck 3 (hellgrün markiert) liegt unterhalb der Geraden (rot) zwischen den Postdiskalflecken 1 und 2.

Ähnliche Arten: Wird oft mit dem Weibchen des Gemeinen Bläulings (Polyommatus icarus) verwechselt, auf dessen Hinterflügel-Unterseite
der Postdiskalfleck 3 auf oder poberhalb der Geraden zwischen den Postdiskalflecken 1 und 2 liegt.
Der Storchschnabelbläuling (AS_Ariciaeumedon) hat weiße Flügelfransen und unterseits auf dem Hinterflügel reicht der weiße Wisch bis zum Mittelfleck.
Sowohl nach äußeren Körpermerkmalen als auch nach Genitalmerkmalen nicht vom Großen Sonnenröschenbläuling (Aricia artaxerxes) zu unterscheiden, der in Sachsen nicht vorkommt.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Synonyme

Polyommatus agestis (Denis & Schiffermüller, 1775)

Merkmale

Beide Geschlechter oberseits braun gefärbt, mit deutlich orangem Fleckenband vor den Flügelrändern (Submarginal). Die Unterseiten sind grau mit schwarzen, weiß umrandeten Punkten und einem kräftigen weißen Wisch in der Mitte der Hinterflügelunterseite.
Aricia artaxerxes ist eine nach morphologischen Merkmalen bestenfalls quantitativ und statistisch unterscheidbare Schwesterart. Beide Arten können am zuverlässigsten über molekulargenetische Untersuchungen bestimmt werden (Aagaard et al. 2002).

Verbreitung

Aricia agestis kommt von Nordafrika bis ins südliche Großbritannien sowie vom Atlantik bis russisch Fernost vor (Tolman & Lewington 1998; Aagaard et al. 2002).

Lebensweise

In Sachsen fliegt die Art in zwei Generationen von Mitte Mai bis Ende Juli und Ende Juli bis September (Reinhardt et al. 2007). Die Eiablage erfolgt an den Storchschnabelgewächsen (Geraniaceae) Reiherschnabel (Erodium cicutarium), Weicher Storchschnabel (Geranium molle) und Zwergstorchschnabel (Geranium pusillum), an denen die Larven auch fressen (Baier & Sobczyk 2008). Letztere leben in Symbiose mit Ameisen (myrmekophil) und überwintern. Ebert (1958–1960) nennt auch Sonnenröschen (Helianthemum) und Flockenblume (Centaurea) als möglich Larvennahrungspflanzen.

Lebensräume

Aricia agestis besiedelt kurzrasiges, mageres, häufig blütenreiches Offenland.

Bestandssituation

Literatur

  • Aagaard, K., K. Hindar, A. S. Pullin, C. H. James, O. Hammerstedt, T. Balstad & O. Hanssen 2002: Phylogenetic relationships in brown argus butterflies (Lepidoptera: Lycaenidae: Aricia) from northwestern Europe. – Biological Journal of the Linnean Society 75: 27–37.
  • Baier, E. & T. Sobczyk 2008: Kleiner Sonnenröschen-Bläuling Aricia agestis (Denis & Schiffermüller, 1775) in der Westlausitz. – Veröffentlichungen des Museums der Westlausitz 28: 89.
  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Burke, S., A. S. Pullin, R. J. Wilson & C. Thomas 2005: Selection for discontinuous life-history traits along a continuous thermal gradient in the butterfly Aricia agestis. – Ecological Entomology 30: 613–619.
  • Ebert, G. 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter 2. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.
  • Ebert, W. 1958–1960: Die Schmetterlinge der Oberlausitz. – Nachrichtenblatt der Oberlausitzer Insektenfreunde 2, 3, 4: 1–7, 23–27, 41–44, 86–95, 122–127 / 1–15, 89–97, 115–124, 13.
  • Fartmann,T., H. Dudler & W. Schulze 2002: Zur Ausbreitung des Kleinen Sonnenröschen-Bläulings Aricia agestis ([Denis & Schiffermüller], 1775]) in Westfalen (Lep., Lycaenidae) – eine erste Übersicht. – Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft westfälischer Entomologen 18 (2): 41–46.
  • Kames, P. 1976: Die Aufklärung des Differenzierungsgrades und der Phylogenese der beiden Aricia-Arten agestis Den. et Schiff. und artaxerxes Fabr. (allous G.-Hb.) mit Hilfe von Eizuchten und Kreuzungsversuchen (Lep., Lycaenidae). – Mitteilungen der entomologischen Gesellschaft Basel, N. F. 26: 7–13, 29–64.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.  
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. - Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von H. Melzer).

Links

Aricia agestis im Lepiforum
Aricia agestis in Wikipedia

Autor(-en): Katharina Weinberg, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 15.08.2019

Kleiner Sonnenröschenbläuling im August 2015, Radeberg
(© Tilmann Adler)


Sonnenröschen-Bläuling am 7.5.2009 in Radebeul-Naundorf
(© Eva-Maria Bäßler)


Sonnenröschen-Bläuling am 5.5.2011 in Radebeul-Naundorf
(© Eva-Maria Bäßler)


Kleiner Sonnenröschenbläuling in der Gemarkung Hohenprießnitz, am Muldedamm, April 2014.
Der Postdiskalfleck 3 (hellgrün markiert) liegt unterhalb der Geraden (rot) zwischen den Postdiskalflecken 1 und 2.
(© Michael Happ)
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