Flügelspanne: 28–43 mm.
Thorax: überwiegend schwarz, vorn (Prothorax) mit einem schmalen gelben Band. Flügel nur sehr spärlich beschuppt. Beine gelb beschuppt.
Hinterleib: Segmente breit gelb beschuppt.
Ähnliche Art: Hornissen-Glasflügler (Sesia apiformis) ohne das gelbe Band auf dem Prothorax, aber mit großen gelben Flecken seitlich vor den Flügelansätzen.
Gesetzlicher Schutz und Rote Liste
Rote Liste Deutschland: ungefährdet
Merkmale
Verbreitung
Von Nordeuropa südlich bis zu den Pyrenäen, Alpen und Nordkarpaten, östlich bis Sibirien (GBIF; PESI; Laštůvka & Laštůvka 2025).
Lebensweise
Die Larven leben in der Stammbasis von Salweide (Salix caprea), aber auch Ohrweide (Salix aurita), Grauweide (Salix cinerea) und Korbweide (Salix viminalis) (Proess 1994; Goossens 2020; Laštůvka & Laštůvka 2025).
Die Larven entwickeln sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. Im ersten Jahr leben sie vor allem unter der Borke, wo ihre Anwesenheit durch den Auswurf von Bohrmehl sichtbar wird. Im zweiten Jahr bohren sie sich tiefer ins Holz und auch in die Wurzelansätze. Vor der zweiten Überwinterung nagt die Larve ein Schlupfloch im oberen Bereich des Fraßganges, das nur durch einen dünnen Rindendeckel verschlossen ist, der im Winter manchmal abfällt. Das Schlupfloch liegt etwa 12 cm über der Bodenoberfläche. Hinter dem Schlupfloch fertigt die Larve einen Kokon, in dem sie sich im Frühjahr verpuppt (Goossens 2020).
Die Falter fliegen im Juni und Juli (Schmetterlinge Deutschlands). Sie schlüpfen morgens zwischen 7:00 und 8:45 und können zu dieser Zeit an der Stammbasis der Weiden gefunden werden, in denen sich die Larven entwickelten. Die Weibchen locken die Männchen in der Zeit von 9:30 bis 10:30 (Goossens 2020) bzw. von 8:00 bis 12:00 an (Pühringer & Ryrholm 2000). Die Falter haben einen reduzierten Rüssel und können keine Nahrung aufnehmen, weshalb sie keine Blüten besuchen (Goossens 2020).
Lebensräume
Sümpfe, Moore und andere Feuchtgebiete wie Wiesen, Waldränder und Flussufer mit Vorkommen insbesondere der Salweide (Salix caprea). Schilfgebiete mit vereinzelten Bäumen, insbesondere Bäume mit wenig Unterholz am Stammfuß, scheinen aufgrund ihrer stärkeren Sonneneinstrahlung bevorzugte Orte für die Eiablage zu sein. Bevorzugte Stammdurchmesser liegen im Bereich von 15 bis 20 cm (Pühringer et al. 1988; Goossens 2020).
Bestandssituation und Monitoring
Der Große Weiden-Glasflügler wurde in Sachsen trotz intensiver Nachsuche in der Oberlausitz bislang sehr selten nachgewiesen (Fischer & Sobczyk 2002; Sbieschne et al. 2010). Seine versteckte Lebensweise erfordert ein gezieltes und systematisches Monitoring. Goossens (2020) konnte die Art anhand der Suche nach Spuren der Larven in fast allen geeigneten Lebensräumen in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich nachweisen. Bücker (2021) wies die Männchen an synthetischen Pheromonen für den Bananentriebbohrer (Opogona sacchari) an 13 Standorten im Stadtgebiet von Hagen in Nordrhein-Westfalen nach. Mittlerweile steht auch ein spezifisches synthetisches Pheromon für den Großen Weiden-Glasflügler zur Verfügung (Pherobank).
Literatur
- Bücker, J. 2021: Der Große Weiden-Glasflügler Sesia bembeciformis (Hübner, 1806) im Stadtgebiet von Hagen/Westfalen (Lep., Sesiidae). – Melanargia 33 (1): 11–14.
- Fischer, U. & T. Sobczyk 2002: Rote Liste Schwärmer. – Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege, Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Dresden. 23 S.
- Goossens, R. 2020: Research on the distribution of Sesia bembeciformis (Lepidoptera: Sesiidae) in Belgium, the Netherlands and northern France. – Phegea 48 (3): 50–57.
- Laštůvka, Z. & A. Laštůvka 2025: Clearwing Moths of Europe. Identification, Biology and Distribution (Lepidoptera: Sesiidae). – Mendelova univerzita v Brně, 85 S.
- Proess 1994: Erstnachweis von Sesia bembeciformis Hübner, 1787 in Luxemburg (Lepidoptera, Sesiidae). – Bulletin de la Société des naturalistes luxembourgeois 95: 327–329.
- Pühringer, F., S. Ortner & N. Pöll 1988: Interessante Glasflüglernachweise aus dem Salzkammergut mit zwei für das Bundesland Salzburg neuen Arten und Anmerkungen zur Biologie (Lepidoptera, Sesiidae). – Beiträge zur Naturkunde Oberösterreichs 6: 133–138.
- Pühringer, F. & N. Ryrholm 2000: Pheromonanflug europäischer Glasflügler (Lepidoptera, Sesiidae). – Mitteilungen der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft Salzkammergut 3: 65–72.
- Sbieschne, H., D. Stöckel, T. Sobczyk, S. Wauer & M. Trampenau 2010: Die Schmetterlingsfauna der Oberlausitz, Teil 1. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 13: 1–178.
Links
- Sesia bembeciformis im Lepiforum
- Rudi Goossens 2019: Lebenszyklus von Sesia bembeciformis. – YouTube
Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 30.12.2025