Mottenschildläuse (Aleyrodoidea)

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Diagnose

Merkmale


Körperlänge: 1–3 mm, meist unter 2 mm. Der Körper der Tiere ist, mit Ausnahme der Augen, mit weißem Wachs bestäubt (Name: Weiße Fliegen, Mottenschildläuse).
Kopf. Antennen 7-gliedrig, mit terminaler Borste; einige Arten mit geteilten Komplexaugen; stechend-saugende Mundwerkzeuge.
Thorax. Prothorax charakteristisch kragenförmig, Meso- und Metathorax zueinander gleichförmig entwickelt. Die Flügel liegen in Ruhe dachförmig über dem Abdomen; sie besitzen keine Kopplungseinrichtungen; die Aderung ist stark reduziert. Die Laufbeine sind gut entwickelt und zum Springen geeignet. Tarsen zweigliedrig mit paariger Klaue und einem dazwischenliegenden Haftorgan (Empodium).
Abdomen. Erstes Segment stielartig eingeschnürt, wodurch das Abdomen sehr beweglich ist. Ein Drüsenfeld zu Wachsausscheidung befindet sich ventral im vorderen Abdomen. Es ist auf den Segmenten drei bis sechs lokalisiert; die Männchen besitzen vier, die Weibchen zwei Wachsdrüsenplatten.

Larve: Erstes Larvenstadium mit Beinen, die drei folgenden Larvenstadien mit strak reduzierten Beinen und immobil. Der Körper ist sehr flach und zeigt keine Gliederung in Tagmata.

Verbreitung und Diversität


Mottenschildläuse sind weltweit mit über 1.500 bekannten Arten verbreitet (Martin & Mound 2007). Aus Deutschland sind 14 Arten aus dem Freiland sowie weitere eingeschleppte Arten aus Gewächshäusern bekannt (Bährmann 2003).

Lebensweise


Die Fortpflanzung erfolgt zweigeschlechtlich, fakultativ über Parthenogenese; bei Trialeurodes vaporariorum gehen aus unbefruchteten Eiern der amerikanischen Rasse Männchen (Arrhenotokie), bei der englischen Rasse Weibchen (Thelytokie) hervor.
Die Weibchen legen die Eier in die Blattunterseite. Mit ihrem Legeapparat wird das Blatt eingeschnitten und der kurze, stielartige Fortsatz des Eis eingeschoben.
Nur das erste Larvenstadium (L1) ist mobil. Mit dem Einstich in das Blattgewebe bestimmt es den Daueraufenthaltsort während der folgenden Entwicklung. Die folgenden drei Larvenstadien besitzen reduzierte Beine. Erst im letzten Larvenstadium werden adulte Merkmale ausgebildet
(Allometabolie). Die L4 nimmt noch so lange Nahrung auf, wie die Umkonstruktion zum Puparium dies ermöglicht.

Die einheimische Aleurochiton aceris (= complanatus) zeigt Saisondimorphismus; ihre Sommerpuparien sind grün, während ihre Winterpuparien einen dickem Wachsbelag aufweisen.

Mottenschildläuse sind Phloemsaftsauger und meist polyphag.

Wirtschaftliche Bedeutung


In einigen Pflanzenkulturen können Mottenschildläuse wirtschaftliche Schäden verursachen. Diese entstehen aber nicht durch die eigentliche Saugtätigkeit, sondern durch die Ausscheidung des Honigtaus, der die Blattoberflächen überzieht und auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln. In der Folge sind Atmung und Assimilation der Pflanzen beeinträchtigt. Einige Arten übertragen zudem bei der Nahrungsaufnahme pflanzenpathogene Viren.
In Mitteleuropa ist vor allem die Weiße Gewächshausfliege Trialeurodes vaporariorum an Melonen, Gurken, Tomaten und Zierpflanzen in Gewächshäusern von wirtschaftlicher Bedeutung.

Literatur

  • Bährmann, R. 2005 (10. Aufl.): Unterordnung Aleyrodina - Mottenschildläuse, Weiße Fliegen. S. 166–168. – In: E. Stresemann, Exkursionsfauna von Deutschland, Band 2.
  • Bährmann, R. 2002: Die Mottenschildläuse. – Die Neue Brehm-Bücherei 664. – Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben.
  • Bährmann, R. 2003: Verzeichnis der Mottenschildläuse (Aleyrodoidea) Deutschlands. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 8: 165–166.
  • Dobreanu, E. & C. Manolache 1969: Homoptera, Alyrodoidea, Subfamilia Alyrodinae. – Fauna Republicii Socialiste România 8 (5): 1–53.
  • Martin, J. H., D. Mifsud & C. Rapisarda 2000: The whiteflies (Hemiptera: Aleyrodidae) of Europe and the Mediterranean Basin. – Bulletin of Entomological Research 90: 407–448.
  • Martin, J. H. & L. A. Mound 2007: An annotated check list of the world's whiteflies (Insecta: Hemiptera: Aleyrodidae). – Zootaxa 1492: 1–84.
  • Mound, L. 1966. A revision of the British Aleyrodidae (Hemiptera: Homoptera). – Bulletin of the British Museum (Natural History), Entomology, 17: 397-428.
  • Strümpel, H. 2003: Sternorrhyncha, Pflanzenläuse. 366–401. – In: H. H. Dathe: Insecta. – In: A. Kaestner, Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band I: Wirbellose Tiere, 5. Teil: Insecta. – Spektrum, Heidelberg & Berlin.
  • Zahradnik, J. 1963. Aleyrodina (Mottenläuse). – Die Tierwelt Mitteleuropas, 4. Band, Lief. 3, Heft Xd: 1-19 + Tafeln 1-6.

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Mottenschildläuse in Wikipedia

Autor(-en): Matthias Nuß, Christian Schmidt. Letzte Änderung am 07.05.2020
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