Schwalbenwanze (Cimex hirundinis (Lamarck, 1816))

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Diagnose

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Merkmale

Von den anderen heimischen Vertretern der Cimicidae aus der Gattung Cimex unterscheidet sich die Schwalbenwanze durch drei Merkmale: die äusseren beiden Fühlerglieder sind kaum dünner als das zweite Fühlerglied - bei Cimex sind diese beiden Fühlerglieder fadenförmig und damit deutlich dünner als das zweite. Ferner ist der Halsschild vorn nur seicht eingebuchtet und die Augen berühren den Halsschild - bei Vertretern der Gattung Cimex ist die Einbuchtung stark ausgepägt und die Augen sitzen mit etwas Abstand vom Halsschild am Kopf. Mit 2,5 bis 3,9 mm ist sie die kleinste Art aus der Familie der Cimicidae.

Verbreitung

Die Art bewohnt ganz Europa sowie Nordwestafrika und weite Teile Asiens bis Sibirien.

Vorkommen in Sachsen

Die Art dürfte zerstreut im gesamten Land verbreitet sein. Da ihr Nachweis nur mit einem speziellen Vorgehen möglich ist, ist die Art mit Sicherheit unterkartiert.

Lebensweise

Die Art parasitiert Vögel und dabei vorrangig Schwalben. Der Nachweis der Art ist am einfachsten im Winterhalbjahr möglich, welches die Schwalbenwanze im unbesetzten Nest ihrer Wirte überdauert. Offensichtlich kann sie bis zur Rückkehr der Schwalben aus dem Winterquartier ohne Nahrungsaufnahme überdauern. Durch auskehren von Schwalbennestern lies sich die Art zielsicher nachweisen (Engelmann 1969). Der Jahreszyklus der Art verläuft folgendermaßen: nach Rückkehr der Schwalben und erneuter Nachrungsaufnahme durch die Tiere erfolgen Paarung und Eiablage. Die Larvenentwicklung wird bis zum Ausfliegen der Jungschwalben komplett durchlaufen. Nach Verlassen der Nester durch die Wirtsvögel ist keine Nahrungsaufnahme mehr möglich - die Schwalbenwanzen verharren im Nest und in nahen Spalten bis zum nächsten Frühjahr.

Lebensräume

Die Art lebt im menschlichen Siedlungsbereich und hier speziell in und an Nestern von Rauch- und Mehlschwalben (Hirrundo rusticus, Delichon urbicum) sowie von Mauer-Seglern (Apus apus).

Bestandssituation

Der genaue Bestand in Sachsen kann nicht eingeschätzt werden. Geziehlte Nachweisversuche in Schwalbennestern während der Wintermonate sind regelmäßig erfolgreich. Eine Gefährdungseinschätzung kann nicht vorgenommen werden.

Literatur

  • Arnold, K. 2003: Aktuelle Heteropteren-Funde nach 1980 aus dem Freistaat Sachsen (Insecta: Hemiptera) – 1. Beitrag. – Faunistische Abhandlungen, Dresden 24: 3–17
  • Arnold, K. 2009: Checkliste der Heteropteren des Freistaates Sachsen. – Mitteilungen Sächsischer Entomologen, Supplement 8: 116–145.
  • Balvin, O., S. Roth & J. Vilimova 2015: Molecular evidence places the swallow bug genus Oeciacus Stål within the bat and bed bug genus Cimex Linnaeus (Heteroptera: Cimicidae). – Systematic Entomology 40 (3): 652–665.
  • Cohrs, C. & C. Kleindienst 1934: Hemiptera-Heteroptera (Wanzen) Zentralsachsens. – Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz 24: 143–182.
  • Engelmann, H.-D. 1969: Neunachweise der Schwalbenwanze Oeciacus hirundinis (Jenyns, 1839) (Heteroptera) in der Oberlausitz. – Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz 44: 27–28.
  • Jordan, K. H. C. 1940: Die Heteropterenfauna der Oberlausitz und Ostsachsens. – Isis Budissina 14: 96–156.
  • Jordan, K. H. C. 1963: Die Heteropterenfauna Sachsens. – Faunistische Abhandlungen, Dresden 1: 1–68.
  • Michalk, O. 1938: Die Wanzen (Hemiptera heteroptera) der Leipziger Tieflandsbucht und der angrenzenden Gebiete, zugleich eine kritische Zusammenstellung aller deutschen Arten. – Sitzungsberichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig 63/6.
  • Schuhmacher, F. 1919: Verzeichnis der bei Schandau in der Sächsischen Schweiz beobachteten Hemipteren. – Entomologische Mitteilungen 8: 150–156.
  • Wachmann, E., A. Melber & J. Deckert 2006: Wanzen Band 1. Dipsocoromorpha, Nepomorpha, Gerromorpha, Leptopodomorpha, Cimicomorpha (Teil 1). – Die Tierwelt Deutschlands 77.
Autor(-en): Michael Münch, Klaus Reinhardt. Letzte Änderung am 27.08.2018

Schwalbenwanze (Cimex hirundinis (Lamarck, 1816)), Freiberg, Januar 2019
(© Marlen Drechsel)
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