Mittelmeerfruchtfliege (Ceratitis capitata (Wiedemann, 1824))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Körperlänge: 3,5–5 mm. Komplexaugen rötlich und violett. Thorax weiß und braun, mit schwarzen Flecken; Flügel mit braunen und schwarzen Flecken; Beine gelb. Hinterleib orange.

Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Mittelmeerfruchtfliege ist Afrika südlich der Sahara. Während der letzten 200 Jahre erfolgte die Verschleppung ins Mittelmeergebiet sowie von dort nach Australien und in die Neue Welt. 1996 wurde sie in Auckland entdeckt, konnte aber in Neuseeland wieder ausgerottet wieder. In den USA, wo sie in Kalifornien, Texas und Florida auftrat, konnte sie ebenfalls wieder ausgerottet werden, doch kommt es dort immer wieder zu erneuten Ausbrüchen; in Hawaii ist die Mittelmeerfruchtfliege inzwischen indigen. Verschleppungen nach Mitteleuropa sind seit den 1930er Jahren bekannt, allerdings gelang der Art in Deutschland bislang nicht die Überwinterung.

Lebensweise

Die Larven leben polyphag in saftigen Früchten, z. B. von Zitruspflanzen (Citrus), Kaffee (Coffea),  Kaki (Diospyros kaki), Echter Feige (Ficus carica), Mango (Mangifera indica) und Prunus-Arten. Es gibt viele weitere gelegentlich oder selten befallene Kulturpflanzenarten. Insgesamt sind über 260 Wirtspflanzenarten bekannt.

Zu den natürlichen Gegenspielern der Mittelmeerfruchtfliegen gehören Brackwespen wie Diachasmimorpha longicaudata (Ovruski et al. 2012) und Psyttalia concolor (Benelli et al. 2013) sowie entomopathogene Nematoden und Pilze (Feiertag 2017).

Lebensräume

Bestandssituation und wirtschaftliche Bedeutung

In Europa ist die Mittelmeerfruchtfliege ein A2-Quarantäneschädling (EPPO 2016).

Soweit bekannt, ist die Mittelmeerfruchtfliege in Deutschland noch nicht bodenständig, da sie die hiesigen Winter nicht übersteht. Dennoch wird die Art immer wieder eingeschleppt und kann im Obstbau große Schäden an den Früchten verursachen, die bis zu vollständigen Ernteausfällen insbesondere in Pfirsichkulturen führen. Vor diesem Hintergrund kommt es bei der Bekämpfung der Mittelmeerfruchtfliege in vielen Ländern immer wieder zu intensiven und großflächigen Pestizideinsätzen sowie zur Anwendung der Sterile-Insekten-Technik (Schetelig et al. 2009).

Fruchtfliegen, insbesondere die Weibchen, können mit Eiweißhydrolysaten angelockt werden. Entsprechend ausgestattete Fallen, denen zudem ein Insektizid zugegeben wurde, wurden erfolgreich in Obstkulturen angewendet (Delrio & Prota 1981; Delrio & Ortu 1988; Ros 1988). Allerdings locken diese Fallen auch Nützlinge an.

Genetik

Gasperi et al. (2002) geben einen Überblick über die genetische Variabilität natürlicher Populationen der Mittelmeerfruchtfliege, ihrem geographischen Herkunftsgebiet sowie ihrer Ausbreitung. Barr (2009) zeigt, dass mitochondriale Gene für populationsgenetische Untersuchungen informativer sind als die bislang genutzte PCR-RFLP-Methode.
Das Genom der Mittelmeerfruchtfliege wurde vollständig sequenziert; es umfasst 479 Mio. Basenpaare (Papanicolaou et al. 2016).

Literatur

Links

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 21.09.2021

Mittelmeerfruchtfliege in Dresden-Striesen. Insgesamt wurden sechs leere Puppenhüllen in der Obstschale und fünf adulte Fliegen in der Wohnung entdeckt. Die Fliegen stammten aus einer gekauften Bio-Zitrone und wurden demnach eingeschleppt.
(© Michael Kurth)
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