Brauner Grashüpfer (Chorthippus brunneus (Thunberg, 1815))

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Diagnose

Körperlänge ohne Flügel: Männchen 13–18 mm, Weibchen 17–25 mm.

Körper mit variabler Grundfärbung von braun über grau bis rosa, selten grün; Hinterleibsende beim Männchen meist, beim Weibchen selten rot.

Thorax: Halsschild-Seitenkiele winkelig geknickt. Vorderrand des Vorderflügels basal gewölbt. Männchen – Vorderflügel reichen 2–4 mm über die Hinterknie hinaus; 3 mm breit und 14,5 mm lang (Verhältnis 1:4,8); schmales Subcostalfeld und Costalfeld; Costalader mündet fast gerade in die Subcostalader. Weibchen – Vorderflügel reichen ca. 3–5 mm über die Hinterknie hinaus; 3 mm breit und 18 mm lang (Verhältnis 1:6). (genau von der Seite fotografieren!)

Hinterleib: Tympanalöffnung spaltförmig.

Gesang der Männchen: Einzelne kurze "sst"-Laute von 0,2 s Länge in monotonen Folgen mit 2 s Abstand.

Ähnliche Arten: Der Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus) und der Verkannte Grashüpfer (Chorthippus mollis) ebenfalls mit spaltförmiger Tympanalöffnung und winkelig geknicktem Halsschild sowie der Verkannte Grashüpfer mit identischem Flügelindex. Nachtigall-Grashüpfer mit abweichendem Flügelindex 1:4 (Männchen) bzw. 1:5 (Weibchen) sowie das Männchen mit erweitertem Costal- und Subcostalfeld und geknickter Costalader. Die Männchen der drei Arten sind durch ihren Gesang voneinander unterscheidbar.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Verbreitung

Von Irland, Großbritannien und Fenno-Skandien südlich bis Nordspanien, Sardinien, Sizilien, Serbien und Rumänien (Brozowski 2003). Außerhalb Europas in Nordafrika und im temperaten Asien. 

Lebensweise

Ein Weibchen legt etwa alle drei bis vier Tage ein Gelege mit 14–19 Eiern etwa 2 cm tief in den Boden. Die Eier überwintern, entwickeln sich im Boden und sind auf direkte Sonnenbestrahlung des Bodens angewiesen, ohne die kein Schlupf stattfindet. Die Larven schlüpfen im Mai und Juni (Brozowski 2003). Die Tiere sind phytophag, fressen vor allem an Gräsern, aber auch anderen Pflanzen (Ingrisch & Köhler 1998). Die Adulten treten von Anfang Juli bis Oktober auf (Bellmann 2006). C. brunneus ist eine sehr mobile Art und kann auch neu entstandene Habitate, auch wenn sie nur einige Quadratmeter groß sind, schnell besiedeln (Brozowski 2003). Die Dauer der Individualentwicklung ist plastisch, meist eine Generation pro Jahr, unter ungünstigen Bedingungen dauert die Entwicklung zwei bis drei Jahre bzw. in sehr trocken-heißen Jahren können sich auch zwei Generationen entwickeln (Fischer et al. 2016).

Lebensräume

Trocken-warme Stellen mit sandigem Untergrund und vegetationslosen Stellen, einschließlich Trocken- und Magerrasen, trockene Waldlichtungen und -ränder, zuweilen auch in mäßig feuchten Lebensräumen. Pionierart u.a. in Abbaugebieten, an Straßen- und Wegrändern und auf landwirtschaftlichen Brachflächen (Brozowski 2003; Bellmann 2006). Die adulten Tiere bevorzugen Bereiche mit einer Grashöhe von 10–20 cm und mit feinblättrigen Gräserarten wie Agrostis spp. und Festuca spp. (Gardiner et al. 2002). Grayson & Hassall (1985) zeigten in einem Freilandexperiment, dass Beweidung durch Kaninchen die phänologische Entwicklung von C. brunneus und die Populationsdichte negativ beeinflusst, wobei der veränderte Chemismus der Gräser (Stickstoffgehalt, Pflanzenhormone, Proteinsaeinhibitoren) eine entscheidende Rolle zu spielen scheint. 

Bestandssituation

Der Braune Grashüpfer ist in Sachsen ungefährdet (Klaus & Matzke 2011).

Literatur

  • Bellmann, H. 2006: Der Kosmos Heuschreckenführer. – Kosmos Verlag, Stuttgart. 350 S.
  • Börner, J., K. Richter, M. Schneider & S. Straube 1994: Rote Liste Heuschrecken. - In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Radebeul. 12 S.
  • Brozowski, F. 2003: Brauner Grashüpfer Chorthippus brunneus (Thunberg, 1815). S. 288–290. – In: H. Schlumprecht & G. Waeber, Heuschrecken in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart.
  • Fischer, J., D. Steinlechner, A. Zehm, D. Poniatowski, T. Fartmann, A. Beckmann & C. Stettmer 2016: Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols - Bestimmen - Beobachten – Schützen. – Quelle & Meyer, 368 S.
  • Gardiner, T., M. Pye, R. Field & J. Hill 2002: The influence of sward height and vegetation composition in determining the habitat preferences of three Chorthippus species (Orthoptera: Acrididae) in Chelmsford, Essex, UK. – Journal of Orthoptera Research 11 (2): 207–213.
  • Gottsberger, B. & F. Mayer 2019: Dominance effects strengthen premating hybridization barriers between sympatric species of grasshoppers (Acrididae, Orthoptera). – Journal of Evolutionary Biology 32: 921–930.
  • Grayson, F. W. L. & M. Hassall 1985: Effects of rabbit grazing on population variables of Chorthippus brunneus (Orthoptera). – Oikos 44 (1): 27–34.
  • Ingrisch, S. & G. Köhler 1998: Die Heuschrecken Mitteleuropas. – Die Neue Brehm-Bücherei 629. – Westarp Wissenschaften, Magdeburg. 460 S.
  • Klaus, D. & D. Matzke 2011 ("2010"): Heuschrecken, Fangschrecken, Schaben und Ohrwürmer. Rote Liste und Artenliste Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. 36 S.
Autor(-en): Tommy Kästner, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 26.10.2021

Zwei Männchen des Braunen Grashüpfers bei ihrem typischen Wechselgesang. Man beachte die unterschiedliche Färbung der beiden Tiere. 06.07.2008, Braunkohletagebaufolgelandschaft.
(© Tommy Kästner)


Schönau-Berzdorf, November 2019
(© Istvan Palfi)


Feldaufnahme. Dresden, Dresdner Heller, 16.09.2020, 25 °C. (Zoom H6, SGH-6 Shotgun Mic Capsule, 96 khz, 24 bit).
(© Jennifer Wintergerst)
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