Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Weibchen: Körpergröße 8-10 mm. Gedrungener Körperbau mit großem, klobigem Kopf. Ganzer Körper mit blauem, metallischem Schimmer (Name!) und schütterer weißgrauer Behaarung. Tergite mit schmalen Endbinden. Bauchbürste schwarz.

Kleinere Weibchen können mit der in Mitteleuropa selteneren Osmia submicans verwechselt werden (Körpergröße 6-8 mm). Zur Unterscheidung dient hier neben der Größe vor allem die bei Osmia caerulescens zum größten Teil glänzende Struktur des Mittelfelds des Propodeums; dieses ist bei O. submicans in der oberen Hälfte matt und chagriniert und nur nach unten hin mehr oder weniger glatt und glänzend.

Männchen: Körpergröße 7–9 mm. Komplexaugen grün. Ganzer Körper mit deutlichem bronzegrünen Metallglanz und rostgelber Behaarung. Tergit 6 mit grobem, unregelmäßigem Endrand. Im Feld nicht von ähnlichen, jedoch oft weniger stark metallisch schimmernden Arten zu unterscheiden.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Synonym

Osmia aenea (Linnaeus, 1761)

Merkmale

Weibchen: Körpergröße 8-10 mm. Körperfarbe schwarz mit metallisch-blauem Schimmer. Behaarung mit Ausnahme der Bauchbürste weißgrau und im Vergleich zu anderen Osmia-Arten eher spärlich. Kopf groß und kastig; in der Draufsicht so lang wie der Thorax. Clypeus bis fast zum Vorderrand punktiert. Mandibel mit Längsrinne, die Ränder aufgeworfen. Fühlerglied 3 etwa doppelt so lang wie 4. Mittelfeld des Propodeums poliert, nur die Basalzone schmal chagriniert. Abdomen gedrungen. Tergite auf den Endrändern und seitlich mit schmalen, hellen Haarbinden, die vorderen mittig unterbrochen. Tergit 2 dicht punktiert, mit etwa punktgroßen Zwischenräumen. Das letzte Tergit vollständig mit weißen Härchen bedeckt. Bauchbürste schwarz. Spitzen der Tibien 1 und 2 mit aufwärts geschwungenen Zähnchen.

Männchen: Körpergröße 7–9 mm. Körperfarbe stark metallisch bronzegrün bis -türkis. Behaarung rostgelb, die Körperunterseite heller. Komplexauge grün. Mittelfeld des Propodeums zum größten Teil poliert, darüber mit einem schwach abgesetzten, matten, leicht skulpturierten Feld. Abdomen rundlich. Tergite spärlich behaart (das Abdomen wirkt dadurch dunkler), die Tergitenden mit schmalen, rostgelben Haarbinden. Senkrechte, basale Fläche von Tergit 1 poliert. Tergite 1 und 2 durchgehend bis zum Endrand punktiert. Endrand von Tergit 6 grob strukturiert und unregelmäßig stumpf gezähnelt, in der Mitte eingekerbt. Tergit 7 sichtbar, am Ende mit zwei Zähnchen, dazwischen rund ausgeschnitten. Endrand von Sternit 4 gleichmäßig gebogen, mittig nicht vorspringend; die unscheinbare Behaarung zur Mitte gerichtet. Innenseite von Metatarsus 3 nahe der Mitte ohne deutlichen Zahn, bestenfalls mit einer kleinen, stumpfen, zwischen den Haaren verborgenen Erhebung.

Männchen sehr ähnlicher Arten, insbesondere Osmia niveata, 0. labialis, 0. leaiana und 0. melanogaster können bei Vergrößerung u. a. anhand des scharf abgesetzten, gitterartig skulptierten Feldes oberhalb des Mittelfeldes, des glatten, beidseits der Einkerbung ungezähnelten Endrandes von Tergit 6, des mittig vorspringenden Endrandes des 4. Sternits und des deutlich entwickelten Zahnes auf der Innenseite des hinteren Metatarsus von 0smia caerulescens unterschieden werden.

Verbreitung

Ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens.

Lebensweise

Solitäre Nistweise mit Liniennestern in vorgefundenen oberirdischen Hohlräumen, wie hohlen Pflanzenstengeln, Totholz mit Käferfraßgängen, Abbruchkanten, verlassenen Nestern anderer Aculeata, Gemäuer mit verwittertem Mörtel u. ä., aber auch künstliche Nisthilfen. Die Wände der Brutzellen, wie auch der Nestverschluß werden aus zerkautem Pflanzenmaterial gemörtelt, meist aus Laubblättern, aber auch aus Blütenblättern von Mohn, Malve u. a. Vor dem Eintrag des Proviants in eine Zelle und die daran anschliessende Ablage des Eis wird die vordere Zellenwand bereits als eine Art Schwelle angedeutet. Es werden pro Tag nur 1–2 Eier gelegt. Die Larven spinnen einen Kokon. Bis zum Juni gelegte Eier entwickeln sich bei günstigen Bedingungen bereits bis Juli zum fertigen Insekt, welches noch im selben Monat schlüpft. Die Nachkommen dieser zweiten Generation sowie solche Individuen, deren Eier erst nach dem Juni gelegt wurden, verweilen als Imagines bis zum nächsten Frühjahr im Kokon.

Zum Pollensammeln ist Osmia caerulescens nicht auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert (polylektisch), zeigt aber eine deutliche Bevorzugung von Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) und Lippenblütlern (Lamiaceae). Das Pollensammeln erfolgt mithilfe einer speziellen Sammelvorrichtung auf dem Clypeus des Weibchens, der anschließende Transport zum Nest mittels der gattungstypischen Bauchbürste. Der Nektaranteil des Larvenproviantes ist vergleichsweise hoch. Als Nektarquellen werden neben Schmetterlings- und Lippenblütlern auch verschiedene Wiesenblumen, wie Flockenblumen (Centaurea) und Pippau (Crepis) genutzt. Die Männchen zeigen darüber hinaus eine Vorliebe für Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata).

Flugzeit: 1. Generation März bis Juli; 2. Generation Juli bis September.

Brutparasiten: Die Düsterbiene Stelis ornatula, die Keulenwespe Sapyga quinquepunctata und die Goldwespe Chrysura radians.

Lebensräume

Waldränder und -lichtungen, Streuobstwiesen, blütenreiche Brachflächen, Parks und Gärten.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: ungefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: ungefährdet (Westrich et al. 2012).

Aktive Förderung

Durch das Bereitstellen von sonnendisponiertem Totholz mit Käferfraßgängen, aber auch mit selbstgebauten Insektenhotels mit angebohrten Hartholzstücken oder waagerechten Schilf- oder Bambusröhren läßt sich die Stahlblaue Mauerbiene bereitwillig im eigenen Garten ansiedeln, insbesondere dann, wenn auf das Vorkommen ihrer bevorzugten Nahrungspflanzen, wie Hornklee, Gundermann und Esparsette geachtet wird. Die angebotenen Niströhren sollten einen Durchmesser zwischen 4 und 5 mm sowie eine Mindesttiefe von 60 mm haben.

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2004: Apidae 4. Anthidium, Chelostoma, Coelioxys, Dioxys, Heriades, Lithurgus, Megachile, Osmia, Stelis. – Fauna Helvetica 9, 273 S.
  • Amiet F., Krebs, A. 2012: Bienen Mitteleuropas, Bern. 423 S.
  • Falk S. 2015: Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland, London. 432 S.
  • Scheuchl, E. 2006. Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band II: Megachilidae - Melittidae, Velden. 192 S.
Autor(-en): Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 19.01.2016

Diagnostische Merkmale von Osmia caerulescens.
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Osmia caerulescens, Weibchen, Dresden, Mai 2015
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Osmia caerulescens, Männchen, Radebeul, April 2015
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Osmia caerulescens, Dresden, Mai 2014
(© Katrin Taubeneck)
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