Deutsche Skorpionsfliege (Panorpa germanica Linnaeus, 1758)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Kopf: Kopfschild (Clypeus) verlängert (Name: Schnabelfliegen!); Kopf oben zwischen den Augen schwarz.

Thorax: Vorderflügel mit dunklen Flecken, die meist keine durchgehende Binde bilden; kleiner Fleck nahe der Flügelbasis vorhanden; am mittleren Vorderrand stehen zwei punktförmige Flecke senkrecht zum Vorderrand und es befindet sich zwischen dem großen Fleck auf 3/4 und dem dunklen Außenrand kein Fleck; am Hinterrand drei gleich große Flecke.
Beachte: Die Zeichnungselemente sind variabel und können auch fast gänzlich fehlen. Deshalb ist stets die Gesamtheit der Merkmale zu berücksichtigen. Manche Individuen sind allein anhand der Zeichnung nicht zuverlässig bestimmbar.

Hinterleib: Männchen mit deutlichem dornförmigen Fortsatz am Ende des dritten Tergites (Notalorgan); die letzten zwei Hinterleibssegmente deutlich dünner; Genitalanhänge vergrößert, nach oben getragen (Name: Skorpionsfliegen!). - Weibchen mit spitz auslaufendem Hinterleibsende.

Ähnliche Art: Panorpa cognata und Panorpa communis.

Diese Diagnose wurde mit freundlicher Unterstützung von Arp Kruithof (Niederlande) geschrieben.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Merkmale

Männchen: Auf dem Hinterleibssegment A3 entspringt am mittleren Ende des Tergums mit breiter Basis ein Notalorgan, dessen Spitze nach hinten weist und den Vorderrand von Tergum 4 überragt.

Verbreitung

Von Großbritannien sowie Nord- und Mittelfrankreich über Mitteleuropa bis in den europäischen Teil Russlands; in Norwegen und Schweden bis 60°N sowie in Finnland bis 64°N; im Süden aus allen Balkanländern bekannt (Sauer 1970).

Lebensweise

Etwa 5–10 Tage nach dem Schlupf beginnen die Adulten mit der Paarung. Die Kopulation kann mehrere Stunden dauern und wird mehrfach wiederholt. 3–10 Tage nach der Kopulation legen die Weibchen je 40–140 Eier auf einmal am Boden in eine Erdspalte ab (Sauer 1970).

Die Larven leben auf dem Boden oder unmittelbar unter der Oberfläche. Es entwickeln sich vier Larvenstadien. Das vierte Larvenstadium hat eine photosensible Phase. Wirkt während dieser Phase Langtag von 17–18 Stunden auf sie ein, so setzen die Larven ihre Entwicklung ohne Diapause fort. Kurztag hingegen induziert immer eine Diapause und die Larven gehen nach einiger Zeit zum Bau einer Puppenwiege über, in welcher sie überwintern. Dieses Diapausestadium dauert etwa sechs Monate. Danach folgt ein Präpuppenstadium und schließlich die Metamorphose zur Puppe (Sauer 1970).

Lebensräume

Warm-trockene und sonnige Bereiche in der Kraut- und Strauchschicht (Sauer 1970).

Bestandssituation

Literatur

  • Ennos, A. R. & R. J. Wootton 1989: Functional wing morphology and aerodynamics of Panorpa germanica (Insecta, Mecoptera). – Journal of Experimental Biology 143: 267–284.
  • Kock, D., C. Hardt, J. T. Epplen & K. P. Sauer 2006: Patterns of sperm use in the scorpionfly Panorpa germanica L. (Mecoptera : Panorpidae). – Behavioral Ecology and Sociobiology 60 (4): 528–535.
  • Kock, D & K. P. Sauer 2007: High variation in sperm precedence and last male advantage in the scorpionfly Panorpa germanica L. (Mecoptera, Panorpidae): Possible causes and consequences. Journal of Insect Physiology 53 (11): 1145-1150.
  • Kock, D. & K. P. Sauer 2008: Weibliche Paarungshäufigkeit in einer Wildpopulation von Skorpionsfliegen (Panorpa germanica, Panorpidae, Mecoptera). – Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research 46 (2): 137–142.   
  • Sauer, K. P. 1970: Zur Monotopbindung einheimischer Arten der Gattung Panorpa nach Untersuchungen im Freiland und Laboratorium. – Zoolologisches Jahrbuch für Systematik 97: 201–284.

Links


Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 31.12.2017

Männchen der Deutschen Skorpionsfliege am 07.09.2012 im Moritzburger Teichgebiet an einem Waldrand in der Nähe des Großteiches
(© Lothar Brümmer )


Weibchen der Deutschen Skorpionsfliege im Kämmereiforst bei Eilenburg, Mai 2018
(© Matthias Nuß)


Eine männliche Deutsche Skorpionsfliege an einem Spinnennetz mit gefangenen Insekten im Mai 2014 an einem Waldweg im nördlichen Leipziger Auwald
(© Bernd Garbe)
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