Enoicyla

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Diagnose

Merkmale

Lebensweise

Die Larven der beiden in Europa vorkommenden Arten der Gattung Enoicyla leben im Gegensatz zu den allermeisten anderen Köcherfliegen nicht aquatisch sondern terrestrisch. Während ihrer larvalen Entwicklungszeit benötigen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit und tolerieren nur geringe Feuchtigkeitsschwankungen. Ihr Lebensraum ist oft auf die unmittelbare Nähe von Baumstämmen konzentriert. Bei trockener Witterung leben die Larven tagsüber in der Laubschicht, bei feuchtem Wetter klettern sie, besonders nachts, an den Stämmen empor (Wichard 1988: 52-54).

Die beiden Arten besitzen wie die im Wasser lebenden Köcherfliegen ein geschlossenes Tracheensystem; ihre Stigmen sind verkümmert und funktionslos. Ihnen fehlen aber die zahlreichen Tracheenkiemen, die den übrigen Limnephilidenlarven auf dem Abdomen anhängen. Stattdessen atmen sie ausschließlich über die Körperoberfläche, deren Epidermis eine hoch differenzierte Tracheation aufweist. Neben den abdominalen Tracheenkiemen haben die Arten dieser Gattung auch die ionenabsorbierenden Chloridepithelien verloren, die ebenfalls bei allen übrigen Limnephilidenlarven auf dem Abdomen zu finden sind. Mit dem Verlassen des aquatischen Lebensraumes erübrigen sich die physiologischen Mechanismen der Osmoseregulation, die sonst von den im Süßwasser lebenden Köcherfliegen bekannt sind (Wichard 1988: 55).

Im Anschluss an die larvale Entwicklung beträgt die Puppendauer etwa einen Monat. Noch während des fünften Larvenstadiums wird zuerst die hintere Öffnung des Köchers verschlossen und unmittelbar vor der Verpuppung die vordere. Der Verschluss besteht aus einer dichten Membran, die die Larve mit ihren Spinndrüsen herstellt. Eine zentrale Öffnung oder Poren, die wir von den Siebplatten kennen, sind auf der Membran nicht vorhanden. Enoicyla verzichtet auf diese Perforation, da durch ihren Körper, anders als bei aquatischen Puppen, kein Wasser strömt, aus dem die Puppe mit Sauerstoff versorgt wird. So fehlen auch die lang behaarten Seitenlinien am Abdomen, die sonst bei den Limnephiliden-Puppen zur Steuerung des Wasserstromes angelegt sind. Ferner fehlen die paarigen Fortsätze am letzten Abdominalsegment, die als Putzvorrichtung für die Siebplatte gedacht sind (Wichard 1988: 55).

Als Nahrung steht ihnen vor allem Falllaub zur Verfügung. Mit den Mandibeln beißen die Larven weiche Teile der welken Blätter und verschonen die Blattnerven (Wichard 1988: 54).

Literatur

  • Mey, W. 1983: Die terrestrischen Larven der Gattung Enoicyla Rambur in Mitteleuropa und ihre Verbreitung (Trichoptera). – Deutsche Entomologische Zeitschrift 30: 115–122.
  • Wichard, W. 1988 (2. Aufl.): Die Köcherfliegen. – Die Neue Brehm-Bücherei 512. – Ziemsen, Wittenberg. 79 S.
Autor(-en): Matthias Nuß, Annegret Herzog und Stefan Rothe. Letzte Änderung am 16.01.2018
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