Furchenbienen (Halictus)

Druckansicht

Diagnose

Habitus ähnlich Lasioglossum. Weibchen mit kahler Längsfurche auf Tergit 5. Körper des Männchens langgesteckt, Clypeus vorgezogen und an der Spitze meist gelb. Im Unterschied zu Lasioglossum weisen beide Geschlechter auf dem Abdomen Haarbinden am Ende der Tergite auf.

Merkmale

Sehr kleine bis große Bienen (4 – 16 mm) mit schwarzbrauner oder metallischer, selten roter Körperfarbe und hellen Endbinden. Die Vorderflügel zeigen 3 Cubitalzellen; die dritte viel kleiner als die erste und viel größer als die zweite. Die Radialzelle endet weit vor der Flügelspitze, ist zum Ende zu verschmälert und zugespitzt und liegt mit dem Spitze dicht am Flügelrand an. Die Basalader ist stark einwärts gekrümmt.

Die Hinterbeine der Weibchen tragen ausgeprägte Sammelbürsten. Das behaarte letzte Tergit der Weibchen zeigt am Ende eine auffällige kahle Längsfurche. Dieses Merkmal, sowie den davon abgeleiteten deutschen Gattungsnamen "Furchenbienen", teilt Halictus mit der sehr ähnlichen Gattung Lasioglossum. Neben der Bezeichnung "Furchenbienen" ist für beide Gattungen auch der Name "Schmalbienen" gebräuchlich. Dieser verweist wiederum auf die typische langestreckte Körperform der Halictus- und Lasioglossum-Männchen. Deren Kopf und besonders der Clypeus sind ebenfalls stark nach vorn gestreckt. Letzteres ist in der Regel an der Spitze gelb gefärbt. Die Fühler der Furchenbienenmännchen sind meist sehr lang.

Zu unterscheiden sind beide Gattungen vor allem im Sitz der Tergitbinden. Diese finden sich bei Halictus auf den Tergitenden (teilweise mit zusätzlichen basalen Binden) bei Lasioglossum dagegen auf der Tergitbasis. Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist die Reduktion der 3. oder der 2. und 3. Intercubitalader und der 2. rücklaufenden Ader bei Lasioglossum. Halictus weist keinerlei Reduktion der Intercubital- oder der 2. rücklaufenden Ader auf.

Die mitteleuropäischen Arten der Gattung Halictus werden nochmals in drei Untergattungen eingeteilt: Halictus, Seladonia und Vestitohalictus. Bei den Arten des Subgenus Halictus handelt es sich um mittelgroße bis große Bienen (mind. 8 – 16 mm) mit brauner oder schwarzer Körperfarbe. Seladonia-Arten sind mit einer Größe von 6 – 8 mm eher klein. Ihre Körperfarbe ist grün, blau oder messing- bis bronzefarben. Halictus pollinosus, der einzige heimische Vertreter des Subgenus Vestitohalictus ähnelt Seladonia, ist mit 9 mm Körpergröße aber etwas größer und zeigt gleichmäßig undurchsichtig gelblichweiß oder grauweiss befilzte Tergite.

In Deutschland sind 17 Halictus-Arten heimisch; darunter Arten mit teilweise starker morphologischer Ähnlichkeit.

Lebensweise  

Furchenbienen nisten in selbstgegrabenen, 5 – 60 cm tiefen Nestern in ebenem bis stark geneigtem Boden an spärlich bewachsenen oder vegetationslosen Stellen. Die waagerecht orientierten Brutzellen zweigen je nach Art entweder von einem senkrechten Hauptgang ab, oder bilden dicht gedrängt eine "Grabwabe", die oft von einem Hohlraum umgeben und nur mit einzelnen Stützpfeilern am umgebenden Erdreich befestigt ist. Ein typisches Merkmal von Furchenbienennestern ist der deutlich tiefer als die Brutzellen endende Hauptgang.

Die Larven spinnen keinen Kokon. Anders als die meisten anderen einheimischen Bienengattungen überwintern Furchenbienenweibchen nicht als Ruhelarve sondern als bereits befruchtete adulte Tiere.

Unter den Furchenbienen finden sich sowohl solitär als auch sozial nistende Arten, letztere meist in primitiv eusozialer Sozialstruktur. Halictus sexcinctus lebt kommunal.

Halictus-Arten sind zum Pollensammeln nicht auf spezielle Pflanzenarten spezialisiert (polylektisch). Der Pollentransport erfolgt mithilfe einer Haarbürste (Scopa) an den hinteren Tibien und Metatarsen sowie Körbchen auf der Unterseite der hinteren Femora. Die Seiten des Mittelsegmentes sowie die oft stark behaarte Unterseite des Abdomens dienen ebenfalls zum Pollentrasport.

Bestimmte Arten von Kuckucksbienen der Gattungen Sphecodes (Blutbienen) und Nomada (Wespenbienen) leben als Brutparasiten in Furchenbienennestern.

Literatur

  • ​Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2001: Apidae 3. Halictus, Lasioglossum. – Fauna Helvetica 6: 208 S.
  • Ebmer, P. A. W. 1969: Die Bienen des Genus Halictus Latr. s. l. im Großraum von Linz (Hymenoptera, Apidae). Teil I. – Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz 15: 133–183.   
  • Ebmer, P. A. W. 1973: Die Bienen des Genus Halictus Latr. s. l. im Großraum von Linz (Hymenoptera, Apidae). Nachtrag und zweiter Anhang. – Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz 19: 123–158.
Autor(-en): Matthias Nuß, Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 12.01.2015
Login
Termine (Archiv)
Statistik
  • 365023 Beobachtungen
  • 166068 Onlinemeldungen
  • 2688 Steckbriefe
  • 112932 Fotos
  • 7521 Arten mit Fund
  • 5039 Arten mit Fotos