Baumweißling (Aporia crataegi (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Vorderflügellänge 31–35 mm.

Flügelober- und unterseiten beider Geschlechter weiß, mit deutlicher schwarzer Flügeladerung.

Ähnliche Arten: Wird oft mit dem Hartheuspanner (Siona lineata) verwechselt, der jedoch kleiner ist, schmalere Flügel besitzt und keine verdickten Fühlerenden aufweist.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen (Reinhardt 2007): ungefährdet
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz et al. 2012): ungefährdet

Merkmale

An dem Außenrand und an der Spitze der Vorderflügel treten mit unter dunkel bestäubte zackenförmige Flecken auf. Weibliche Falter werden durch fast transparente Vorderflügel gekennzeichnet.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Baumweißlings erstreckt sich von Nordafrika flächendeckend über Europa und die gemäßigten Breiten Asiens bis nach Japan. Eine Ausnahme bilden die Britischen Inseln, Gebiete nördlich des 61. bzw. 63. Breitengrades in Skandinavien sowie einige Mittelmeerinseln (Ebert & Rennwald 1993).
In Sachsen kommt der Baumweißling in fast allen Regionen und Naturräumen vor. Nur aus dem Lausitzer Gebirge existieren keine aktuellen Nachweise und im mittleren Sachsen tritt die Art eher selten auf oder fehlt völlig (Reinhardt et al. 2007).

Lebensweise

In Sachsen bildet der Baumweißling eine Generation, deren Falter von Anfang Mai bis Ende Juli fliegen (Reinhardt et al. 2007). Als Nektarpflanzen werden rote bis violette Blüten beispielsweise von Kratzdistel-Arten (Cirsium spec.), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta), Rotklee (Trifolium pratense) und Vogelwicke (Vicia cracca) bevorzugt (Reinhardt et al. 2007; Settele et al. 2009). Außerdem saugen die Falter zum Teil in Massen an feuchten Bodenstellen (Ebert & Rennwald 1993).
Oft findet die Paarung der Baumweißlinge sofort nach dem Schlupf des Weibchens am Verpuppungsort statt (Ebert & Rennwald 1993). Die Eiablage erfolgt in Spiegeln von im Mittel 40 bis 60 gelben Eiern an der Blättern von verholzten Rosengewächsen (Rosaceae), sodass unter anderem Schlehe (Prunus spinosa), Birne (Pyrus communis), Apfel (Malus domestica), Pflaume (Prunus domestica), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Weißdorn (Crataegus spec.) genutzt werden (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007). An der Wirtspflanze findet ebenfalls die Überwinterung der jungen Larven gesellig in einem Gespinst statt (Blunck & Wilbert 1962; Ebert & Rennwald 1993). Diese Winternester lassen sich gut an den unbelaubten Sträuchern erkennen (Weidemann 1986). Mit dem Austrieb der ersten Blätter im April werden die Larven wieder aktiv (Ebert & Rennwald 1993). Sie zeigen ein charakteristisches Fressverhalten, bei dem sie in der Regel alle Blätter eines Zweiges restlos abweiden, bevor sie den nächsten Zweig aufsuchen (Ebert & Rennwald 1993). Kleine, schwache oder exponiert stehende Sträucher werden bevorzugt (Ebert & Rennwald 1993). Als besonderes Kennzeichen besitzen die recht bunten und braunen Larven des Baumweißlings eine dichte weißliche Behaarung an den Seiten (Ebert & Rennwald 1993). Im Mai verpuppen sich die Larven an den Ästen, dem Stamm oder an sonstigen senkrechten Gegenständen in der Umgebung zu einer weiß gefärbten Gürtelpuppe mit schwarzen Zeichnungselementen (Blunck & Wilbert 1962; Reinhardt et al. 2007; Weidemann 1986).
Der Baumweißling unterliegt regional einem deutlichen Massenwechsel, sodass die Art jahrweise unterhalb der Beobachtungsgrenze vorkommt um plötzlich wieder mit hohen Populationsdichten aufzutreten (Reinhardt et al. 2007). Nach Blunck & Wilbert (1962) finden solche Massenvermehrungen vor allem in Gebieten mit einem warmen Sommerklima statt.
Außerdem gehört der Baumweißling zu den Binnenwanderern, wobei nur wenige Wanderungen aus Deutschland bekannt sind und dieses Verhalten eher die Ausnahme darstellt (Reinhardt et al. 2007).
Von dieser Art existieren ebenfalls mehrere Nachweise von Schlafgesellschaften (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007).

Lebensräume

Die Falter treten sowohl im Offenland als auch in Wäldern auf. Zu den hauptsächlichen Lebensräumen, in denen alle drei Entwicklungsstadien vorkommen, gehören die natürlichen Gebüsch- und Saumgesellschaften an Waldrändern und Trockenhängen. Diesen Vegetationstypen ähneln die angepflanzten Gebüsche und Hecken an Straßenböschungen (besonders Autobahnen), Bahndämmen und Uferböschungen, die der Baumweißling ebenfalls aufsucht. Darüber hinaus nutzt die Art Gärten, Friedhöfe, Obstplantagen, Streuobstwiesen und gebüschreiche Ruderalflächen im Bereich von Ortschaften (Ebert & Rennwald 1993).

Bestandssituation

Dennoch wird durch den Einsatz von Insektiziden und weiteren Chemikalien in der Landwirtschaft, die in angrenzende Heckenstrukturen verdriftet werden sowie durch das Entfernen von Feldgehölzen, Hecken und Streuobstwiesen ein starker Druck auf die Populationen des Baumweißlings ausgeübt (Reinhardt et al. 2007).
Historisch galt der Baumweißling als Schädling im Obstbau (Reinhardt et al. 2007; Weidemann 1986), was aber spätestens seit Einführung des Plantagenobstbaus nicht mehr der Fall ist. Sind zudem ausreichend Weißdorn (Crataegus sp.) und Schlehe (Prunus spinosa) vorhanden, vollzieht sich die Entwicklung des Baumweißlings zu über 90% an diesen Heckensträuchern (Ebert & Rennwald 1993).

Literatur

  • Blunck, H. & H. Wilbert 1962: Der Baumweißling Aporia crataegi (L.) (Lep., Pieridae) und sein Massenwechsel. Zeitschrift für Angewandte Entomologie, 50: 166–221.
  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1: Tagfalter I. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 552 S.
  • Reinhardt, R., Sbieschne, H., Settele, J., Fischer, U. & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. In: Klausnitzer, B. & R. Reinhardt (Hrsg.): Beiträge zur Insektenfauna Sachsens. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 11, Dresden. 695 S.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann (Hrsg.) 2009: Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. 2. Aufl. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
  • Weidemann, H.-J. 1986: Tagfalter. Band 1 Entwicklung - Lebensweise. – Neumann-Neudamm, Melsungen. 372 S.

Links

Autor(-en): Matthias Nuß, Susanne Kurze. Letzte Änderung am 15.08.2019

Baumweißling im Juni 2014, Talsperre Wallroda im LSG Massenei
(© Tilmann Adler)


Weiblicher Baumweißling am 27.06.2014 in Altenberg. Das Tier hat bereits viele Schuppen verloren, so dass die Flügel leicht transparent sind
(© Stefan Höhnel)


Baumweißling im NSG am Galgenteich bei Altenberg am 18.06.2014
(© Lothar Brümmer)


Eispiegel des Baumweißlings, abgelegt am 17.6. 2012 an Weißdorn im Talsperrengebiet Eibenstock
(© Matthias Hartung)


Raupe des Baumweißlings im April 2014 auf Trauben-Kirsche, Talsperre Wallroda
(© Tilmann Adler)


Raupe des Baumweißlings im April 2014, im LSG Massenei
(© Tilmann Adler)


Ausgewachsene Raupen des Baumweißlings an Weißdorn in Klein Partwitz (11.05.1995)
(© Andreas Ihl)


Fertige Puppe eines Baumweißlings am 10.3.2013 aus ex ovo Zucht vom Ei das am 17.6.2012 Talsperrengebiet Eibenstock abgelegt wurde.
(© Matthias Hartung)
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