Zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor Fabricius, 1775)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Körperlänge 9–10 mm (Weibchen teilweise bis 11 mm). Körperfarbe vollständig schwarz, ohne Metallglanz oder Rotfärbung. Gesicht, Thoraxseiten und Femora mehr oder weniger schwarz behaart. Thoraxrücken und erste Hinterleibtergite gelbbraun bis rostgelb behaart. Die vorderen Tergite mit lockeren Endbinden. Hintere Tergite schwarz behaart. Endfranse schwarzbraun. Sammelbürste des Weibchens rostgelb.

Bezüglich Haarfärbung, Gesichtslänge und Punktierung sehr variable Art, insbesondere auch zwischen der Frühlings- und der Sommergeneration. Die Bereiche mit rostgelber Behaarung können mehr oder weniger ausgedehnt und teilweise stark aufgehellt sein. Zur Unterscheidung von anderen mittelgroßen Andrena-Arten mit ähnlicher Haarfärbung, insbesondere Andrena angustior, dient vor allem die schwarze Behaarung der Thoraxseiten bei beiden Geschlechtern von A. bicolor. Das Weibchen von A. angustior weist darüber hinaus einen deutlichen Längseindruck auf der unteren Clypeushälfte auf, der bei A. bicolor fehlt. Andrena clarkella, die sehr ähnlich behaart ist (einschließlich der schwarzen Thoraxseiten) ist mit einer Körperlänge des Weibchens von 12–13 mm deutlich größer und wirkt insgesamt breiter und „bulliger“ als die vergleichsweise schlanke Andrena bicolor.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

–

Synonym

Andrena gwynana (Kirby 1802)

Merkmale

Weibchen: Körperlänge 9–11 mm. Körperfarbe einschließlich des Abdomens und der Beine schwarz, ohne grünlichen Schimmer oder Rotfärbung. Gesicht schwarz behaart, in der Mitte zuweilen rötlich. Clypeus gewölbt, ohne Längseindruck, mehr oder weniger glänzend, deutlich dicht punktiert (unten in der Mitte oft zerstreuter). Labrumanhang breit, rechtwinklig. Fovea schmal, etwa so breit wie ein Fühler und schwarzbraun behaart. Fühlerglied 3 länger als 4 und 5 zusammen. Fühlerglieder 4 und 5 deutlich kürzer als breit. Thoraxrücken rostgelb bepelzt, die Thoraxseiten oft teilweise schwarz, vor allem bei der ersten Generation. Hinterleibtergite 1–3 spärlicher rostgelb behaart, lockere Binden formend. Hinterleibtergite 4–6 schwarz behaart. Endfranse schwarzbraun. Hinterleibtergite fein chagriniert bis glatt, vergleichsweise stark glänzend und mehr oder weniger zerstreut körnchenartig punktiert. Depressionen deutlich schmaler als die Hälfte der Tergitlänge. Femora oft teilweise schwarz behaart, insbesondere bei der Frühlingsgeneration. Flocculus graubraun. Sammelbürste rostgelb. Hinterer Metatarsus schmal und parallelseitig.

Männchen: Körperlänge 8–10 mm. Struktur der Cuticula und Haarfärbung ähnlich denen des Weibchens, die Behaarung aber länger und struppiger. Fühlerglied 3 basal vorn mit kurzen Haaren. Das 3. Fühlerglied selbst deutlich länger als das 4. aber kürzer als 4 und 5 zusammen; Fühlerglied 4 etwa so lang wie breit; Fühlerglied 5 länger als breit. Kopf, Pronotum, Mesopleurum, die letzten Hinterleibtergite und die Femora in der Regel schwarz behaart; Thoraxrücken, Hinterleibtergite 1 und 2 und die unteren Beinsegmente gelbbraun behaart. (Im alpinen Raum kommen weiss behaarte Tiere vor, bei denen nur der Clypeus schwarz behaart ist.) Penisvalve an der Basis schmal.

Verbreitung

Europa bis 65° n. B.; südlich bis Nordafrika. 

Lebensweise

Selbstgegrabene Nester in vegetationsarmen Böden, bis zu einem Meter tief. Solitäre Nistweise. Ein Hauptgang mit mehreren Nebengängen und einzelnen, mehr oder weniger waagerecht orientierten Brutzellen an deren Ende. Haupt- und Nebengänge werden nach Fertigstellung des Nestes mit Erde verschlossen. Die Larven spinnen keinen Kokon. "Beinsammler": Pollentransport mittels Haarbürste (Scopa) an Hinterschiene und -ferse sowie Körbchen auf der Unterseite des Hinterschenkels und an den Seiten des Mittelsegments.

Sowohl in Bezug auf die Bodenverhältnisse für den Nestbau als auch auf ihre Nahrungspflanzen ist Andrena bicolor ein ausgesprochener Generalist und, da sie zudem in tieferen Lagen in einer zweiten Generation auftritt, entsprechend häufig zu finden. Obwohl polylektisch, zeigt insbesondere die zweite Generation eine Vorliebe für Glockenblumen (Campanula).

Zwei Generationen im Jahr (bivoltin). Flugzeit: März–Mai bzw. Juni–August; die Männchen bis Juli.

Brutparasit: die Wespenbiene Nomada fabriciana.

Lebensräume

Waldränder und -lichtungen; Brachflächen, Parks und Gärten.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: ungefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: ungefährdet (Westrich et al. 2012).

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2010: Apidae 6. Andrena, Melitturga, Panurginus, Panurgus. – Fauna Helvetica 26, Neuchatel. 317 S.
  • Burger, F., unter Mitarbeit von S. Kaluza, G. Baldovski, R. Franke, D. Langner, W.-H. Liebig, T. Sammorey & A. Scholz 2005: Rote Liste Wildbienen. – Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. – Hrsg. Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Dresden. 37 S.
  • Falk S. 2015: Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland, London. 432 S.
  • Gusenleitner F. & Schwarz M. 2002: Weltweite Checkliste der Bienengattung Andrena, Entomofauna, Supplement 12: 1280 S.
  • Münze, R., D. Langner & M. Nuß 2006: Die Bienenfauna des Botanischen Gartens Dresden (Hymenoptera: Apidae). – Sächsische Entomologische Zeitschrift 1: 45–69.
  • Peeters, T. et al. 2012: De Nederlandse Bijen (Hymenoptera: Apidae S. L.), Leiden. 544 S.
  • Schmid-Egger C. & Scheuchl E. 1997: Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band III: Andrenidae, Velden/Vils. 180 S.
  • Schmiedeknecht, O. 1907: Die Hymenopteren Mitteleuropas, Jena. 804 S.  
Autor(-en): Matthias Nuß, Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 06.04.2016

Diagnostische Merkmale von Andrena bicolor.
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Andrena bicolor, Weibchen, Dresden, März 2016
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Andrena bicolor, Männchen, Radebeul, März 2016
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Andrena bicolor auf Krokus, Dresden, März 2014
(© Tom Zschaage)


Andrena bicolor, Männchen
(© Wolf-Harald Liebig)
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