Adelphocoris ticinensis (Meyer-Dur, 1843)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Merkmale

Adelphocoris ticinensis ist ein relativ großer Vertreter aus der Gruppe der Weichwanzen (Miridae). Die Körperlänge liegt zwischen 7 und 8 mm. Die Färbung kann von kräftigem Rot über Orange bis zu gelb-grünlichen Tönen reichen. Die Art ähnelt ihrer sehr häufigen, oft im selben Biotop vorhandenen und von der Färbung bzw. Zeichnung her variablen Schwesterart Adelphocoris lineolatus, von der sie durch Ausmessen der Längen der einzelnen Fühlerglieder sicher unterschieden werden kann. Ähnlich gefärbte weitere Verwechslungsarten sind die Baumbewohnenden Vertreter der Gattung Megacoelum: Megacoelum beckeri und Megacoelum infusum.

Verbreitung

Die Art besiedelt in mehreren Teilarealen Europa und Kleinasien sowie die Region am Kaspischen Meer. Nordwestdeutsche Vorkommen gehören zu einem Teilareal, welches sich bis Südengland erstreckt. Weitere Teilareale liegen im Norden der Mittelmeeranrainer und nördlich bis Österreich reichend auf dem Balkan. Innerhalb Deutschlands sind weitere Teilareale im Mittelrheingebiet und in Ostsachsen bekannt geworden.

Vorkommen in Sachsen

Die Art kommt in Sachsen östlich einer Linie Großenhain-Dresden-Seidewitztal an vielen geeigneten Standorten vor. Ein derart geschlossenes Vorkommensgebiet ist in Deutschland sonst nicht vorhanden. Die ersten Nachweise der Art stammen aus den 1980er Jahren, wobei bemerkt werden muss, dass im eigentlichen Kernvorkommensgebiet der Art kaum Wanzenerfassungen stattfanden. Einzig im Gebiet rund um Bautzen dürfte der dort Tätige Karl Jordan die Art schwerlich übersehen haben, so dass zumindest von einer lokalen Ausbreitung der Art ausgegangen werden muss.

Lebensweise

Die Art lebt in Sachsen an Blutweiderich (Lythrum salicaria) und überwintert als Ei. Die erwachsenen Tiere wurden von Mitte Juli bis Anfang September gefunden. Entsprechend der Nachweisumstände scheint hier im sächschen Teilareal eine Bindung an den Blutweiderich vorzuliegen, was allgemein in der Literatur anders bewertet wird. Die Art soll sich wahrscheinlich auch teilweise von tierischer Nahrung ernähren und auf anderen krautigen Pflanzen vorkommen.

Lebensräume

Es werden besonnte Grabenränder, feuchte Wiesen, (Flach-)Moorwiesen und flach auslaufende Teichränder besiedelt. Essentiell scheint das Vorkommen von Bluweiderich zu sein, wobei sehr früh gemähte Bereiche für die Art nicht vorteilhaft erscheinen. Der Bluweiderich sollte jeweils voll zur Entwicklung kommen können, was eher in den genannten Saum- und Grenzstrukturen aufgrund von ausbleibender oder eher zurückhaltender Nutzung gegeben war.

Bestandssituation

Die Art ist aus bundesdeutscher Sicht stark gefährdet. Während in den anderen Deutschland tangierenden Teilarealen kaum aktuelle Nachweise vorliegen, scheint die Art in Sachsen derzeit nur gering gefährdet. Gefährdungen gehen von Nutzungsänderung, insbesondere Auflassung oder Intensivierung aus. Sachsen kommt für die Erhaltung dieser Art innerhalb der Bundesrepublik eine besondere Verantwortung zu.

Literatur

  • Arnold, Kurt (2009): Checkliste der Heteropteren des Freistaates Sachsen - Mitteilungen Sächsischer Entomologen Entomofaunistische Gesellschaft e.V. LV Sachsen Supplement 8: 116-145
  • Münch, Doris & Münch, Michael (2007): Neue und ehemals selten nachgewiesene Wanzenarten (Heteroptera) in Sachsen - Sächsische Entomologische Zeitung Leipzig 2: 13-36
  • Wachmann, Ekkehard & Melber, Albert & Deckert, Jürgen (2004): Wanzen Band 2. Cimicomorpha. Microphysidae (Flechtenwanzen) Miridae (Weichwanzen). - Die Tierwelt Deutschlands 75
  • Wagner, Eduard (1952): Blindwanzen oder Miriden. In: Dahl, F., Dahl, M. & H. Bischoff (Hrsg.): Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile - Gustav Fischer Verlag Jena 41
  • Wagner, Eduard (1974): Die Miridae Hahn, 1831, des Mittelmeerraumes und der Makronesischen Inseln (Hemiptera, Heteroptera). Teil 1 - Entomologische Abhandlungen Museum für Tierkunde Dresden Dresden Supplement 37: i-iii, 1-484
Autor(-en): Michael Münch. Letzte Änderung am 10.09.2012

Männchen von Adelphodoris ticinensis an Blutweiderich (Lythrum salicaria) auf einer Feuchtwiese nordwestlich Helmsdorf (Deutschland, Sachsen, Landkreis Bautzen) 18.08.2006
(© Michael Münch)


Männchen von Adelphocoris ticinensis besaugt die Kelche von Blutweiderich (Lythrum salicaria), Dresden-Bühlau, Umgebung Marienbad (Deutschland, Sachsen, Stadt Dresden), 11.08.2009
(© Michael Münch)


Unausgefärbtes Männchen von Adelphocoris ticinensis. Volkersdorf, feuchte Mähwiese südöstlich des Simonsberges (Deutschland, Sachsen, Landkreis Meißen) im Juli 2014.
(© Michael Münch)
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