Blauer Eichen-Zipfelfalter (Favonius quercus (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 16–17 mm.

Flügeloberseiten des Männchens dunkelbraun, je nach Individuum mehr oder weniger glänzend blau, an den Rändern schwarz; Weibchen dunkelbraun, mit intensiv blauer Färbung von der Basis bis zur Mitte des Vorderflügels. Fransen weiß, Hinterrand des Hinterflügels mit Zipfel.

Flügelunterseiten mit weißer Postdiskalbinde, die basalwärts dunkel begrenzt ist; vor dem Hinterrand ein Winkel sowie ein oranger Fleck mit schwarzem Zentrum.

In der Natur sieht man die Falter meist mit zusammengeklappten Flügeln, so dass die Flügelunterseiten sichtbar sind.

Ähnliche Art: Oberseits mit keinem anderen Zipfelfalter zu verwechseln, unterseits Satyrium w-album ähnlich. Bei dieser Art bildet die weiße Linie auf der Unterseite des Hinterflügels ein deutliches "W", aber die Unterseiten sind braun gefärbt und auf dem Hinterflügel vor dem Hinterrand befindet sich eine deutliche orange Zickzacklinie.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen: ungefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Merkmale

Ei: weiß bis hellgrau. 

Verbreitung

Von Irland, Großbritannien und dem südlichen Skandinavien südlich bis Marokko, Sardinien, Sizilien, Griechenland, die Türkei und Zypern, östlich bis zur Wolga, Georgien und Iran (GBIF).

Lebensweise

Die Falter fliegen von Juni bis August.

Die Weibchen legen ihre Eier an der Basis der Endknospen von Eichenzweigen ab. Alte Eichen mit dicken Blütenknospen, eine windgeschützte Lage, süd- und südwestexponierte Waldränder sowie besonnte Zweige werden bevorzugt. Die Eier überwintern und können nach dem Laubfall gut nachgewiesen werden (Hermann 2007).

Wichtigste Larvennahrungspflanzen in Europa sind Stiel-Eiche (Quercus robus), Trauben-Eiche (Quercus petraea), seltener und regional die aus Nordamerika stammende Rot-Eiche (Quercus rubra). Die Larven fressen an den Blüten der Eichen (Hermann 2007).

Lebensräume

Der Blaue Eichen-Zipfelfalter ist an das Vorkommen blühfähiger Eichen gebunden und kann grundsätzlich überall dort angetroffen werden, wo diese vorhanden sind. Das Habitatspektrum umfasst eichenreiche Waldgesellschaften, Mischwälder mit geringerem Eichenanteil, isolierte Solitäreichen im Offenland sowie Park- und Alleebäume im Siedlungsraum (Hermann 2007).

Bestandssituation

Die Falter fliegen im oberen Kronenbreich von Eichen und nur selten im Bodenbereich, weshalb sie entsprechend selten nachgewiesen werden. In eichenreichen Waldgesellschaften können die Falter z. B. von einem Heißluftballon aus jedoch in "immenser Zahl" im Kronenraum von Eichen beobachtet werden (Hermann 2007).

Ein Nachweis der Art erfolgt am sichersten über die Eisuche im Winter sowie den Monaten März und April. Dazu empfiehlt es sich, an Waldrändern, außerhalb geschlossener Baumbestände, an durchgewachsenen Hecken oder auf Brachland ausladend herunterreichende Äste von Eichen abzusuchen. Auch Eichenbüsche und junge Bäume werden mit Eiern belegt. Zweige aus dem oberen Kronenraum sind i.d.R. nicht erreichbar und können nur nach Fällarbeiten oder Herbststürmen an heruntergefallenen Ästen untersucht werden (Hermann 2007).

Literatur

  • Caspari, S. 2006: Der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus) - häufigster Tagfalter des Saarlandes? – In: T. Fartmann & G. Hermann, Larvalökologie von Tagfaltern und Widderchen in Mitteleuropa. – Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 68 (3/4): 233–242.
  • Herrmann, G. 1998: Zum Eiablagehabitat des Blauen Eichen-Zipfelfalters (Neozephyrus quercus Linnaeus, 17 5 8) mit Anmerkungen zu Verbreitung und Rote-Liste-Status in Baden-Württemberg (Lepidoptera: Lycaenidae). – Mitteilungen des entomologischen Vereins Stuttgart 33: 9–10.
  • Hermann, G. 2007: Tagfalter suchen im Winter. Zipfelfalter, Schillerfalter und Eisvögel. – Books on Demand, Norderstedt. 224 S.

Links

 

Autor(-en): Matthias Nuß, Franziska Bauer. Letzte Änderung am 18.01.2020

Männchen des Blauen Eichenzipfelfalters in Cottbus, Juni 2017
(© Edwin Donath)


Blauer Eichenzipfelfalter am 05.07.2017 im Glashütter Prießnitztal
(© Stefan Höhnel)


Blauer Eichenzipfelfalter, Auwald in der Nähe der Papitzer Lachen bei Schkeuditz, August 2016
(© Bernd Garbe)


Blauer Eichenzipfelfalter, Chemnitz Küchwald, 17.08.2018
(© Benjamin Franke)


Blauer Eichenzipfelfalter, Dresden Coschütz, Januar 2019; zahlreiche Eier (z.T. parasitiert) an sonnenexponierten Zweigen u. Knospen alter Eichen
(© Lucas Langer)


Favonius quercus-Ei an Eichenblütenknospe am 22.12.2013 in Radebeul.
(© Franziska Bauer)


Favonius quercus-Raupe, gefunden Mitte Mai 2016 in Radebeul
(© Franziska Bauer)
Login
Termine (Archiv)
Statistik
  • 385217 Beobachtungen
  • 185163 Onlinemeldungen
  • 2855 Steckbriefe
  • 129176 Fotos
  • 7700 Arten mit Fund
  • 5170 Arten mit Fotos

      

Verwendung von Cookies

Wir verwenden Cookies ausschließlich, um diese Website für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.