Schnellkäfer (Elateridae)

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Diagnose

Körperlänge: 0,9–75 mm.

Körper länglich schmal, die Seiten parallel zueinander, auf dem Rücken abgeflacht.

Thorax: Halsschild gut ausgebildet, Flügel deutlich länger als breit; bauchseitig mit Klickmechanismus.

Merkmale

Bauchseitig besitzen die Schnellkäfer einen Klickmechanismus, der es ihnen erlaubt, sich aus der Rückenlage ohne Zuhilfenahme von Beinen oder Flügeln wieder aufzurichten. Dieser Klickmechanismus besteht aus einer stiftartigen, gebogenen Struktur (Prosternalfortsatz), die vom ersten Thoraxsegment bis hinter die Hüften (Coxen) der Vorderbeine in eine Höhlung des zweiten Thoraxsegmentes (Mesosternit) reicht. Hier befindet sich ein Widerlager, in das der Prosternalfortsatz einrastet, wenn der Käfer ausgehend von einer 180°-Position der Körperachse Kopf und Thorax in einen stumpfen Winkel zum Hinterleib dehnt. In dieser Einraststellung, die etwa 2 bis 3 Sekunden dauert, wird durch Muskelkontraktion im Thorax mechanischer Energie akkumuliert. Durch plötzliches Öffnen der Verbindung von Prosternalfortsatz und Widerlager wird der Schwerpunkt nach oben beschleunigt und der Käfer verliert den Kontakt zum Substrat. Nach dem Abheben kann sich der Käfer seitlich drehen, um bauchseitig zu landen (vulgo: um wieder auf die Beine zukommen) (Bolmin et al. 2019).

Die Fähigkeit zur Biolumineszenz ist innerhalb der Schnellkäfer mehrfach unabhängig voneinander bei den Campyloxeninae, Pyrophorini und Sinopyrophorinae entstanden und vor allem in den Tropen verbreitet (Bi et al. 2019). In Brasilien leben Larven, Puppen und Adulte von Pyrearinus termitilluminans in den Wandungen der Termitenbauten von Cornitermes. Die Larven bohren sich Gänge, an deren Öffnungen nach Außen sie in der Dunkelheit mit ihrem Leuchten geflügelte Termiten anlocken und diese fressen (Costa 1982; Redford 1982). 

Diversität und Verbreitung

Schnellkäfer sind weltweit mit etwa 600 Gattungen und 10.000 Arten vertreten (Costa et al. 2010; Kundrata & Bocak 2011), von denen 670 in Europa bzw. 150 in Deutschland vorkommen.

Lebensweise

Die Larven leben im Boden und fressen an den Wurzeln von Gehölzen, krautigen Pflanzen und Gräsern. In Land-, Forstwirtschaft und Gartenbau können einige Arten schädlich auftreten. Die Larven der Schnellkäfer werden in diesem Bereich "Drahtwürmer" genannt.

Die adulten Käfer stellen sich bei Gefahr tot. Charakteristisch ist ihre Fähigkeit, aus der Rückenlage ohne Zuhilfenahme von Beinen oder Flügeln hochzuschnellen (Name!) und sich wieder aufzurichten. Dies geschieht über einen Einrastmechanismus (siehe unter Merkmale), dessen plötzliches Lösen als deutlicher Klick gehört werden kann (davon leitet sich der englische Name click beetles ab).

Artbestimmung

Schnellkäfer in der Bestimmungshilfe von Insekten Sachsen.
Schnellkäfer auf kerbtier.de.

Literatur

  • Bi, W.-X., J.-W. He, C.-C. Chen, R. Kundrata & X.-Y. Li 2019: Sinopyrophorinae, a new subfamily of Elateridae (Coleoptera, Elateroidea) with the first record of a luminous click beetle in Asia and evidence for multiple origins of bioluminescence in Elateridae. – ZooKeys 864: 79–97.
  • Bocakova, M., L. Bocak, T. Hunt, M. Teraväinen & A. P. Vogler 2007: Molecular phylogenetics of Elateriformia (Coleoptera): evolution of bioluminescence and neoteny. – Cladistics 23 (5): 477–496.
  • Bolmin, O., L. Wei, A. M. Hazel, A. C. Dunn, A. Wissa & M. Alleyne 2019: Latching of the click beetle (Coleoptera: Elateridae) thoracic hinge enabled by the morphology and mechanics of conformal structures. – Journal of Experimental Biology 222: jeb196683.
  • Costa, C. 1982: Pyrearinus termitilluminans, sp. n., with description of the immature stages (Coleoptera, Elateridae, Pyrophorini). – Revista Brasileira de Zoologia 1 (1): 23–30.
  • Costa, C., J. F. Lawrence & S. P. Rosa 2010: Elateridae Leach, 1815. S. 75–103. – In: R. A. B. Leschen, R. G. Beutel & J. F. Lawrence, Handbook of Zoology, Coleoptera, Beetles, Vol 2: Morphology and Systematic (Elateroidea, Bostrichiformia, Cucujifomia partim). – Walter de Gruyter, Berlin und New York.
  • Kundrata, R. & L. Bocak 2011: The phylogeny and limits of Elateridae (Insecta, Coleoptera): is there a common tendency of click beetles to soft-bodiedness and neoteny? – Zoologica Scripta 40: 364–378.
  • Redford, K. H. 1982: Prey attraction as a possible function of bioluminescence in the larvae of Pyrearinus termitilluminans (Coleoptera: Elateridae). – Revista Brasileira de Zoologia 1 (1): 31–34.
Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 01.01.2022
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