Diagnose
Kopf: Augen vorn weiß gerandet, Palpen gelb, hinten mit einem schmalen gelben Kragen.
Thorax: schwarz, oben zwei gelbe Seitenlinien, hinten (Metathorax) mit gelben Schuppen durchsetzt. Vorderflügel mit schwarzem Vorderrand, Diskoidalfleck und Apikalfeld, diese dunklen Bereiche nur vereinzelt mit gelben Schuppen durchsetzt. Hinterflügel mit breitem Diskoidalfleck. Hüfte (Coxa) der Vorderbeine innen schwarz, außen gelb, von vorn betrachtet ergibt sich eine durchgehend gerade Trennlinie.
Hinterleib: schwarz, mit drei dünnen gelben Binden; Analbusch des Männchens schwarz, nur mit einzelnen gelben Schuppen, des Weibchens hinten vollständig gelb.
Ähnliche Art: Mistel-Glasflügler (Synanthedon loranthi) im Hinterflügel mit schmalem Diskoidalfleck und Hüfte der Vorderbeine innen schwarz, außen gelb, von vorn betrachtet in der Spitze auch außen schwarz.
Gesetzlicher Schutz und Rote Liste
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet
Merkmale
Verbreitung
Mittelgebirge und Hochgebirge bis 1300 m (Whitebread et al. 2000). Von Deutschland und Polen südlich bis zu den Pyrenäen, Italien und Griechenland, östlich in Russland und in der Ukraine (GBIF; PESI; Lastuvka & Lastuvka 2015).
Lebensweise
Die Larve lebt monophag an Weißtanne (Abies alba) (Bartsch et al. 1997; Whitebread et al. 2000), in Südeuropa an Griechischer Tanne (Abies cephalonica) und Bulgarischer Tanne (Abies borisii-regis) (Predovnik 2014). Sie frisst im Kallusgewebe von Rindenanschwellungen, die in der Folge von Verletzungen entstehen. Solche Verletzungen können durch Windbruch, Holzfällungen oder den Tannenkrebs entstehen. Letzterer wird durch den Rostpilz Melampsorella caryophyllaceorum verursacht. Die Anwesenheit der Larve wird kann ausgeworfenes Bohrmehl sichtbar sein, es werden aber auch Anschwellungen besiedelt, ohne dass dies von Außen sichtbar ist. Die Larve lebt oft in beträchtlicher Höhe an Stämmen und Starkästen, während Nachweise am Stammfuß und bis in 2 m Höhe auf Spulers Glasflügler (Synanthedon spuleri) zurückgehen. Manchmal werden die Larven auch in 5–7 Jahre alten Mischbeständen gefunden. Die Entwicklung der Larve ist wohl zweijährig, weshalb sie zu allen Jahreszeiten gefunden werden kann (Bartsch et al. 1997). In den Stammanschwellungen leben neben den Larven des Tannen-Glasflüglers auch die des Tannenkrebswicklers (Cydia coniferana) und des Weißtannenrüsslers (Pissodes piceae) (Whitebread et al. 2000).
Die Falter fliegen in der Schweiz von Anfang Juni bis Ende August (Whitebread et al. 2000). Sie saugen Blütennektar, z. B. von Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) (Bartsch et al. 1997) und Gewöhnlichem Liguster (Ligustrum vulgare) (Whitebread et al. 2000).
Predovnik (2014) lockte die Männchen erfolgreich mit einer Mischung aus den drei synthetischen Pheromonen E2Z13-18Ac (u.a. attraktiv bei Synanthedon tipuliformis), Z3Z13-18Ac (u.a. Synanthedon culiciformis) und Z3Z13-18OH (u.a. Pyropteron triannuliformis) im Verhältnis 20:20:1 an. Etwas weniger erfolgreich waren die Komponenten E2Z13-18Ac und Z3Z13-18Ac im Verhältnis 1:1 (u.a. für Synanthedon flaviventris).
Lebensräume
Schattige Lagen und kühlfeuchte Nordhänge im Bereich von Bächen, Wasserdruckstellen und Schluchten natürlicher oder naturnaher Buchen-Tannenwälder und Tannen-Fichtenwälder ("Heidelbeerwälder"). Tiefer gelegene Vorkommen in schattigen und feuchten Taleinschnitten. In Mähren auch an einzeln stehenden Bäumen auf Wiesen nachgewiesen (Bartsch et al. 1997; Whitebread et al. 2000).
Bestandssituation
Der letzte Nachweis aus Sachsen erfolgte um 1930 (Fischer & Sobczyk 2002).
Literatur
- Bartsch, D., E. Bettag, R. Bläsius, E. Blum, A. Kallies, K. Spatenka & F. Weber 1997: Sesiidae (Glasflügler). S. 61–200. – In: G. Ebert, Die Schmetterlinge Baden-Württembergs 5 III. – Ulmer, Stuttgart.
- Fischer, U. & T. Sobczyk 2002: Rote Liste Schwärmer. – Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege, Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Dresden. 23 S.
- Lastuvka, A. & Z. Lastuvka 2015: New records of Lepidoptera from the Iberian Peninsula for 2015 (Insecta: Lepidoptera). – SHILAP Revista lepidopterologica 43 (172): 633–644.
- Predovnik, Ž. 2014: Identification of sex pheromones of clearwing moths Synanthedon cephiformis (Ochsenheimer, 1808), S. loranthi (Králíček, 1966) and S. spuleri (Fuchs, 1908) (Lepidoptera: Sesiidae) in Slovenia. – Acta entomologica slovenica 22 (1): 19–28.
- Whitebread, S., D. Bartsch, H. Blöchinger, R. Bryner, R. Guenin, W. Hirschi, F. Pühringer, W. Sauter, J. Schmid & P. Sonderegger 2000: Sesiidae. S. 117–252. – In: Lepidopterologen Arbeitsgruppe, Schmetterlinge und ihre Lebensräume, Arten – Gefährdung – Schutz. Schweiz und angrenzende Gebiete, Band 3, Hepialidae, Cossidae, Sesiidae, Thyrididae, Lasiocampidae, Lemoniidae, Endromidae, Saturniidae, Bombycidae, Notodontidae, Thaumetopoeidae, Dilobidae, Lymantriidae, Arctiidae. – Pro Natura – Schweizer Bund für Naturschutz, Verlag Neue Medien, Egg.
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Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 10.01.2026
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