Diagnose
Körperlänge: 20–40 mm.
Kopf: Fühlerkeule schwarz, Kopfschild (Clypeus) hellbraun.
Thorax: Flügeldecken schwarz mit hellbraunen Epipleuren (umgeschlagene Seitenränder), selten mit einigen roten Flecken. Außenrand der Hinterschienen bogig erweitert.
Ähnliche Art: Schwarzer Totengräber (Nicrophorus humator) mit hellbraunen Fühlerkeulen und schwarzen Epipleuren.
Gesetzlicher Schutz und Rote Liste
—
Nomenklatur
Merkmale
Verbreitung
In Nordeuropa Einzelnachweise im Süden Englands und Schwedens sowie in Dänemark; südlich bis Frankreich, Norditalien und auf den nördlichen Balkan, östlich bis in die Wolgaregion sowie in der Türkei, in Syrien, in Aserbaidschan, im Iran und in Turkmenistan (GBIF; PESI; Horion 1949; Růžička & Schneider 2004; Ghahari & Háva 2015; Çi̇ftçi̇ et al. 2018).
Lebensweise
Wie bei anderen Arten der Totengräber (Nicrophorus) begraben auch beim Deutschen Totengräber die Eltern kleine Wirbeltierkadaver im Boden, an denen sie die Eier legen. Von dem verfallenden Kadaver ernähren sich die Larven. Im Gegensatz zu anderen Totengräberarten, die Kadaver etwa 7 cm tief im Boden vergraben, vergrub der Deutsche Totengräber im Experiment seine Nahrungsressourcen bis zu 20 cm tief. In der Natur dürfte dies wahrscheinlich noch tiefer erfolgen, da die im Experiment verwendeten Behältnisse nur 20 cm Boden enthielten (Pukowski 1933; Anderson 1982).
Nicrophorus germanicus frisst zwischen 21 und 24 Uhr an größeren Kadavern, vergräbt diese nicht, geht aber 40–50 cm tief in den Erdboden. Nach mehreren Berichten lebt N. germanicus auch räuberisch von Fliegenlarven sowie im Pferdedung lebenden Dung- und Mistkäfern (vergleiche Pukowski 1933: 526 ff.; Horion 1949).
Lebensräume
Wiesenökosysteme wärmerer Standorte auf Lößböden (Jakubec & Růžička 2012), wobei auf Schwarzerde mehr als doppelt so viele Individuen nachgewiesen wurden als auf Fluvisol (Jakubec & Růžička 2015). Nach älteren Quellen feuchte, bewaldete Gebiete, in denen der Boden reich an Humus ist (vergleiche Anderson 1982).
Bestandssituation
Nicrophorus germanicus galt in Deutschland auch historisch als „selten“ bis sehr selten vorkommend (Horion 1949); die letzten Nachweise aus dem Niederelbegebiet stammen von 1985, aus Sachsen-Anhalt aus den Jahren von 1976 bis 1980, aus Brandenburg aus der Zeit vor 1950, aus Thüringen aus dem Jahr 1963 und aus Sachsen aus dem Jahr 1987 (aber ohne Beleg) (Knorre 1996; Petzold 1997; Malchau 2016). Im Jahr 2024 wurden mehrere Individuen in Rheinland-Pfalz nachgewiesen (Schwabe 2024).
Ein ähnlich negativer Bestandstrend erfolgte in Nordamerika bei Nicrophorus americanus, dessen ursprüngliches Verbreitungsgebiet in den USA von der Atlantikküste bis Norddakota und ins östliche Texas reichte, innerhalb dessen die Art heute nur noch in vier kleinen, weit voneinander isolierten Gebieten vorkommt. Für diesen Rückgang werden acht mögliche Ursachen diskutiert: (1) Applikation von Pflanzenschutzmitteln, (2) Lichtverschmutzung, (3) Krankheiten, (4) Rückgang alter/ursprünglicher Wälder, (5) Verlust von Habitaten in der Prärie, (6) Veränderungen in der Zusammensetzung der Wirbeltierfauna, (7) Verlust von geeignetem Aas und (8) Konkurrenz durch andere Aaskäfer. Dabei müssen sich die einzelnen Ursachen nicht gegenseitig ausschließen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass mehrere Faktoren, möglicherweise synergistisch, zum Rückgang von N. americanus beigetragen haben. Mit Ausnahme der Ursachenkomplexe 1 und 2 tragen die anderen Ursachenkomplexe auch zum Rückgang von sympatrischen Verwandten bei, die sich von ähnlichen Ressourcen ernähren und fortpflanzen, aber nur die Ursachenkomplexe 3 und 5 erklären das gegenwärtige Muster der noch vorhandenen Vorkommen. Krankheiten als mögliche Ursache für Populationsrückgänge sollte eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, wenn Um- oder Neuansiedlungen geplant werden (Sikes & Raithel 2002). Für den in der Westpaläarktis einheimischen N. germanicus sollte eine ähnlich systematische Analyse der möglichen Rückgangsursachen erfolgen.
Literatur
- Anderson, R. S. 1982: On the decreasing abundance of Nicrophorus americanus Olivier (Coleoptera: Silphidae) in eastern North America. – The Coleopterists' Bulletin 36 (2): 362–365.
- Çi̇ftçi̇, D., J. Růžička, A. Hasbenli̇ & Ş. Ülfet 2018: The large carrion beetles (Coleoptera: Silphidae) of Turkey: a review with a new species record. – Zootaxa 4441 (3): 555–591.
- Fabricius, J. C. 1775: Systema entomologiae, sistens insectorum classes, ordines, genera, species, adjectis synonymis, locis, descriptionibus, observationibus. – Kortii, Flensburgi et Lipsiae. I–XXX, 1–832.
- Ghahari, H. & J. Háva 2015: An annotated checklist of the Iranian carrion beetles (Coleoptera: Staphylinoidea: Silphidae). – Linzer biologische Beiträge 47 (2): 1501–1511.
- Horion, A. 1949: Faunistik der mitteleuropäischen Käfer, Band 2: Palpicornia – Staphylinoidae (ausser Staphylinidae). – V. Klostermann, Frankfurt am Main. XXIII+388 S.
- Jakubec P. & J. Růžička 2012: Distribution of open landscape carrion beetles (Coleoptera: Silphidae) in selected lowlands of the Czech Republic. – Klapalekiana 48: 169–189.
- Jakubec, P. & J. Růžička 2015: Is the type of soil an important factor determining the local abundance of carrion beetles (Coleoptera: Silphidae)? – European Journal of Entomology 112 (4): 747–754.
- Knorre, D. von 1996: Fund eines Necrophorus germanicus L., 1758 (Coleoptera, Silphidae) in Ostthüringen. – Thüringer faunistische Abhandlungen 3: 157–158.
- Malchau, W. 2016: Aaskäfer (Coleoptera: Silphidae). S. 771–775. – In: D. Frank & P. Schnitter, Pflanzen und Tiere in Sachsen-Anhalt. Ein Kompendium der Biodiversität. – Natur+Text, Rangsdorf.
- Paulian, R. 1946: Essai de bionomie quantitative sur les Nécrophores [Col. Silphidae]. – Revue française d'entomologie 13 (3): 93–98, 1 carte.
- Petzold, W. 1997: Kommentiertes Verzeichnis der Aaskäfer (Coleoptera, Silphidae et Agyrtidae) des Freistaates Sachsen. – Mitteilungen sächsischer Entomologen 36: 3–6.
- Pukowski, E. 1933: Ökologische Untersuchungen an Necrophorus F. – Zeitschrift für Morphologie und Ökologie der Tiere 27 (3): 518–586.
- Pushkin, S. V. 2017: Successful reproductive cycle strategy (extra-pair copulations in Nicrophorus germanicus (Linnaeus,1758)) (Nicrophorus Kirby; Silphidae, Coleoptera). – Advance Research Journal of Multidisciplinary Discoveries 20 (1): 44–46.
- Růžička, J. & J. Schneider 2004: Silphidae. S. 229–237. – In: I. Löbl & A. Smetana, Catalogue of Palaearctic Coleoptera, Volume 2: Hydrophiloidea – Histeroidea – Staphylinoidea. – Apollo Books, Stenstrup.
- Schwabe, S. 2024: Nachweis von Nicrophorus germanicus (Linnaeus, 1758) (Coleoptera, Silphidae) in Gundersheim (Kreis Alzey-Worms, Rheinland-Pfalz) im Jahr 2024. – Coleo 24: 9 S.
- Sikes, D. S. & C. J. Raithel 2002: A review of hypotheses of decline of the endangered American burying beetle (Silphidae: Nicrophorus americanus Olivier). – Journal of Insect Conservation 6: 103–113.
Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 23.01.2026
|
Döbeln, Mochau, Unkrautfeld, in Erde, Juni 1945, leg. Gerhard Pause, coll. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. Maßstab: 5 mm.
(© Shota Ishiguro)
Döbeln, Mochau, Unkrautfeld, in Erde, Juni 1945, leg. Gerhard Pause, coll. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. Maßstab: 5 mm. (© Shota Ishiguro)( Bild vergrößern)
Beachte die braune Epipleure. Döbeln, Mochau, Unkrautfeld, in Erde, Juni 1945, leg. Gerhard Pause, coll. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. Maßstab: 5 mm.
(© Shota Ishiguro)
Beachte die braune Epipleure. Döbeln, Mochau, Unkrautfeld, in Erde, Juni 1945, leg. Gerhard Pause, coll. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. Maßstab: 5 mm. (© Shota Ishiguro)( Bild vergrößern)
Beachte die schwarze Fühlerkeule und den braunen Kopfschild. Döbeln, Mochau, Unkrautfeld, in Erde, Juni 1945, leg. Gerhard Pause, coll. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. Maßstab: 5 mm.
(© Shota Ishiguro)
Beachte die schwarze Fühlerkeule und den braunen Kopfschild. Döbeln, Mochau, Unkrautfeld, in Erde, Juni 1945, leg. Gerhard Pause, coll. Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. Maßstab: 5 mm. (© Shota Ishiguro)( Bild vergrößern)
|