Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion (Pallas, 1771))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Vorderflügellänge 13–15 mm.

Flügeloberseiten dunkelbraun bis schwarzbraun mit mehr (Männchen) oder weniger (Weibchen) blauer Beschuppung. Fransen deutlich schwarz weiß gescheckt.

Flügelunterseiten weißlich mit fetten schwarzen Punkten, auf den Hinterflügeln zwischen den Flecken ein orangefarbenes Band.

Ähnliche Art: Östlicher Quendelbläuling (Pseudophilotes vicrama) unterseits weißlich-grau gefärbt und die schwarzen Punkte weniger fett.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): streng geschützt
Rote Liste Sachsen: vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet

Merkmale

Verbreitung

Von Skandinavien südlich bis Spanien, Italien und Griechenland (PESI) sowie östlich von der Türkei über Mittelasien bis nach Japan (Sinev et al. 2019; GBIF). 

Lebensweise

Untersuchungen aus dem Jahr 2004 in den rechtselbischen Steinbrüchen bei Meißen zeigten, dass sich pro Jahr zwei sowie eine partielle dritte Faltergeneration entwickeln. Aus den überwinterten Puppen schlüpfen im Frühjahr die Falter der ersten Generation. Ihr Nachwuchs entwickelt Puppen, aus denen sowohl eine zweite Faltergeneration desselben Jahres hervorgeht, als auch Puppen, die überwintern werden. Die zweite Faltergeneration bringt abermals Nachwuchs hervor, dessen Puppen noch im selben Jahr Falter ergeben oder überwintern. Allerdings ist die dritte Faltergeneration sehr individuenarm. Mit dieser Entwicklungsstrategie zeigt die Population eine Risikoverteilung bei unterschiedlichen Witterungsverläufen. Die Larven entwickeln sich im untersuchten Lebensraum ausschließlich an der Großen Fetthenne (Hylotelephium maximum) und sind fakultativ mit den Ameisen Camponotus ligniperdus, Formica clara (= glauca), Formica fusca, Lasius emarginatus und Tetramorium impurum assoziiert (Tränkner & Nuss 2005). Franziska Bauer dokumentierte die Eiablage zudem an Mildem Mauerpfeffer (Sedum sexangulare) und Kai Schwabe an Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre) (siehe Fotos rechts).

Lebensräume

Trocken-heiße, sonnige, insbesondere südexponierte Stellen auf Felsen mit spärlicher Vegetation, Fehlen einer Moos- und Grasschicht sowie Vorkommen der Larvennahrungspflanze. Sekundärhabitate sind Steinbrüche, Bahndämme und Trockenmauern, z. B. in Weinbergen.

Bestandssituation

In Deutschland isolierte Vorkommensgebiete in Rheinland-Pfalz, Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, wobei Sachsen mit 39% aller Vorkommen (ermittelt als Anzahl belegter Kartenblätter) eine besondere Bedeutung für den Erhalt dieser Art in Deutschland zukommt (lepidoptera.de).
Die Art ist durch Beeinträchtigung der Larvalhabitate gefährdet, u.a. durch Sukzession, Felssicherungsmaßnahmen, Ablagerungen von Holzschnitzeln nach Gehölzschnittmaßnahmen an Verkehrswegen und Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln in Weinbergen. 

Literatur

  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Reinhardt, R. 2010: Zur Verbreitung des Fetthennenbläulings Scolitantides orion (Pallas, 1771) in Deutschland (Lepidoptera, Lycaenidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden: 9–15.
  • Seidel, J. 2009: Ein für Schmetterlinge bedeutender Trockenhang-Biotop im unteren Zschopautal, mit Hinweisen zum FND 'Trockenhang Saalbach-Steina' (Lepidoptera). – Mitteilungen für Sächsische Insektenfreunde: 24–29.
  • Sinev, S. Ju. 2019: Catalogue of the Lepidoptera of Russia. – Zoological Institute, St. Petersburg. 448 S.
  • Tränkner, A. & M. Nuss 2005: Risk spreading in the voltinism of Scolitantides orion orion (Pallas, 1771) (Lycaenidae). – Nota lepidopterologica 28 (1): 55–64.

Links


Autor(-en): Matthias Nuß, Katharina Weinberg. Letzte Änderung am 05.09.2022

Männchen des Fetthennenbläulings am 21. Mai 2016 in Meißen-Cölln
(© Matthias Nuß)


Fetthennenbläulinge am späten Nachmittag im Mai 2016 in Meißen-Cölln. Bei Sonnenschein öffnen die Falter ihre Flügel gen Sonne; ziehen Wolken auf und verdecken die Sonne, suchen sie an verdorrten Pflanzen aus dem Vorjahr, die dem Wind besser widerstehen, kopfüber und mit zusammengeklappten Flügeln einen Ruheplatz
(© Matthias Nuß)


Männchen des Fetthennenbläulings am 21. Mai 2016 in Meißen-Cölln
(© Matthias Nuß)


am 11.07.2012 flogen 20-30 Fetthennenbläulinge in Meißen-Cölln
(© Eva-Maria Bäßler)


Fetthennenbläuling am 08.05.2016 in Meißen-Cölln.
(© Eva-Maria Bäßler)


Eier des Fetthennen-Bläuling an Sedum maximum in der Umgebung von Mittweida, Mai 2016
(© Cordula Schüppel)


Scolitantides orion-Ei an Sedum sexangulare im Mai 2018 in Radebeul
(© Franziska Bauer)


Raupe des Fetthennen-Bläulings, Umgebung von Mittweida, Juni 2016
(© Cordula Schüppel)


Larve des Fetthennen-Bläulings an Fetthenne mit Ameisenbesuch. Dresden, Zschonergrund, Alter Steinbruch, Juni 2018
(© Katrin Ritter)


Eiablage an Felsen-Fetthenne. Radebeul, Mai 2021
(© Kai Schwabe)


Eier an Felsen-Fetthenne. Radebeul, 02.06.2021
(© Kai Schwabe)
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