Eucharis adscendens (Fabricius, 1787)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

–

Merkmale

Metallisch grün schillernd, mit auf- und absteigendem Flugbild auffallend.
Körperlänge des Weibchens 6 mm. Männchen auch kleiner.
Ei: 0,18 mm lang, 0,08 mm dick; gestreckt eiförmig, an der breiteren Basis angeheftet.
Larve: L1 (Planidium-Larve) 0,15 mm lang, auffällig glänzend.

Verbreitung

Für Eucharis adscendens findet man nur wenige Nachweise (BRD: Baden-Würtemberg, Bayern, Rheinhessen/Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt).
Eucharitidae haben mit ca. 500 beschriebenen Arten ihre Verbreitung überwiegend in tropischen Regionen.

Lebensweise

Alle Eucharitidae sind spezialisierte Parasitoide bei Ameisen.

Als Wirte für Eucharis adscendens sind thermophile Formica(Serviformica)-Arten nachgewiesen, z.B. Formica cunicularia.
Die einjährige Individualentwicklung findet fast vollständig im Verborgenen des Ameisennestes statt. Nur wenige Tage im Jahr sind Imagines der Erzwespe im Freiland zu beobachten. Ihr kurzer Aufenthalt hier dient ausschließlich Partnersuche, Begattung und Eiablage. Die Weibchen legen mehrere Hundert Eier in noch ungeöffnete Blütenknospen von Umbelliferen, nachweislich bei Sichelmöhre (Falcaria vulgaris), Wilder Möhre (Daucus carota) und Berghaarstrang (Peucedanum oreoselinum). Das Blütenstadium für die Eiplatzierung bestimmt den Zeitpunkt, zu dem zwischen Mitte Juni bis Mitte Juli die kurzlebigen geschlechtsreifen Wespen das Ameisennest verlassen. Die Erzwespeneier sind so bis zum Schlupf der Larven in der geschlossenen Blütenanlage noch geschützt. Die sich einige Tage später den Nektar- und Pollensuchern öffnenden Doldenblüten tragen dann aber bereits die geschlüpften Erzwespenlarven.

Dieses erste Larvenstadium L1 (Planidium) der Eucharis unterscheidet sich auffällig von den späteren madenförmigen Larvenstadien. Die Planidien von 0,15 mm Länge haben eine glänzende, segmentierte Hülle und spitze Mandibeln. Tropfenförmig flach ruhen sie am Blütenboden. Durch Strecken und Zusammenziehen können sie sich zügig zu Rändern und Spitzen der Blüte bewegen. Dort nehmen sie, nur mit der Hinterleibsspitze aufsitzend, eine aufgerichtete Lauerstellung ein. Bei kleinsten Veränderungen der Umgebung (Licht/Bewegung) sind suchende, kreisende Bewegungen zu beobachten. Sie heften sich an alles was sich auf den Blüten bewegt. Auch eine leichte Berührung mit einer feinen Insektennadel reicht für einen sofortigen Ortswechsel auf die Nadel aus.
Damit eine Planidie sich bis zum nächsten Frühsommer zur adulten Erzwespe entwickeln kann, muss sie auf irgendeine Weise in das Ameisennest zu einer Ameisenlarve gelangen. Ist das geglückt, bleibt sie unter deren Larvenhaut sehr lange passiv, bis die Ameisenlarve groß genug gefüttert wurde. Erst wenn die Ameisenlarve sich zur Puppe wandelt, beginnt die jetzt madenförmige Erzwespenlarve ihre Nahrung zu verzehren, bis zur eigenen Verpuppung in der fremden Puppenhülle. Bei den Wirtsameisen Formica cunicularia und Formica rufibarbis bieten jedoch die Arbeiterinnen-Puppen nicht genügend Nahrung. Erfolgreich ist jedoch bei diesen Arten der Befall einer großen Gynen-Puppe.

Die Vermutung ist naheliegend und auch als solche in der Literatur zu finden, dass sich die Planidien an blütenbesuchende Ameisen anheften und so in deren Nest gelangen. Experimente (Beobachtungen von Michael Braune 2018) zeigen jedoch überraschende, bisher unbekannte Fähigkeiten von Eucharis-Planidien. Demnach übertragen sie ein schnell wirksames Nervengift auf kontaktierte Ameisen. Die Tiere sind nach kurzer Zeit zusammengekrümmt gelähmt, als Transporteure zum Nest also kaum geeignet.
Das sollte Anregung für weitere Forschung sein:
Vermutlich sind andere blütenbesuchende Insekten auf die gleiche Art betroffen. So hätten diese Erzwespenlarven einen noch effektiveren Weg zum Ziel gefunden. Gelähmte, herabgefallene Blütenbesucher könnten eine leichte Beute für fouragierende Ameisen sein. Die an solchem Futter haftenden Planidien gelangten auf diese Weise zu den Ameisenlarven! 

Lebensräume

Auf einer Trockenwiese beobachtet (Michael Braune).

Bestandssituation

Wenig bekannt. Abhängig vom verknüpften Beziehungsgefüge

Literatur

  • Bürgis, H. 2010: Biologie der Erzwespe Eucharis adscendens in Rheinhessen. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 11 (4): 1125–1150.
  • Szafranski, P. 2011: Eucharitidae (Hymenoptera), a chalcid wasp family new to the fauna of Poland. – Polish Journal of Entomology 80 (3): 547–554.

Links

Autor(-en): Matthias Nuß, Michael Braune. Letzte Änderung am 17.01.2019

Eucharis adscendens, eine 6 mm lange parasitoide Erzwespe. Elbtal bei Meißen, Juni 2018
(© Michael Braune)
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