Zünsler (Pyraloidea)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Zünslerfalter besitzen einen schlanken Körper, die Fühler werden in Ruhe nach hinten sowie die Flügel steil dachförmig über den Körper gelegt. Der Rüssel ist an der Basis beschuppt und der Hinterleib weist vorn an der Bauchseite ein Tympanalorgan auf.

Namensgebung

Der wissenschaftliche Familienname Pyraloidea geht auf Pyralis Linné, 1758 zurück. Pyralis leitet sich vom altgriechischen πυραλίς (puralis), pyrallis, einer unbekannten Art eines Vogels oder geflügelten Insekts ab, welches nach Plinius im Feuer (πυρ – pyr) leben solle (Emmet 1991). Linné (1758) dürfte damit auf die Tatsache angespielt haben, dass Nachtfalter vom Licht des Feuers angelockt werden. Tatsächlich fliegen sie oft so nah zum Feuer, dass sie schließlich darin verbrennen.
Der deutsche Name „Zünsler" dürfte sich direkt vom wissenschaftlichen Namen ableiten. Jacob Hübner (1796) nennt die „Pyralides Linnei“ wohl als Erster „Zünsler“ und verweist auf den seinerzeit wohl auch in Gebrauch befindlichen, „zweydeutigen Namen Lichtmücken“. Bei Schmeller (1837: 276) heißt es zu „zünseln, zünßeln“ „mit dem Licht spielen; flimmern, flackern“, sowie „der Zünsler, Zünßler, die Lichtmotte, das Feuervögelchen, Phalaena Pyralis“.
Für Linné (1758) war Pyralis eine von sieben Familien [sic] der Nachtfalter, in welche er die Phalaenae mit Ausnahme der Schwärmer unterteilte (Emmet 1991). Hübner (1796) war wohl auch der Erste, der die Zünsler konsequent von anderen Familien wie den Spannern und Wicklern abtrennte, während die wissenschaftliche Begründung dessen erst zum Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts ihren Durchbruch fand.


Bestandssituation

Weltweit wurden 15.576 Arten der Pyraloidea beschrieben, wovon 9.655 Arten auf die Crambidae und 5.921 Arten auf die Pyralidae entfallen (Nuss et al. 2003–2014; Nieukerken et al. 2011). 
In Sachsen kommen etwa 200 Zünslerarten vor. Darunter sind in Sachsen verschollene Arten wie Xanthocrambus saxonellus (Zincken, 1821), die erstmals wissenschaftlich aus der Gegend von Leipzig beschrieben wurde und Ephestia mistralella, von der einst Hans Rebel vom Naturhistorischen Museum in Wien die Unterart moebiusi Rebel, 1907 aus der Lößnitz in Radebeul unterschied. Eine Rote Liste liegt für die Zünsler Sachsens noch nicht vor.
Deutschlandweit stehen von den 254 einheimischen Zünslerarten 44,7% auf der Roten Liste, 43,1% sind ungefährdet, 7,1% stehen auf der Vorwarnliste und für 5,1% der Arten sind die Daten für eine Bewertung unzureichend. Darüber hinaus sind 18 fremdländische Zünslerarten in Deutschland heimisch geworden (Nuss et al. 2012). Unter ihnen finden sich die vorratsschädigenden Dörrobst- (Plodia interpunctella) und Mehlmotten (Ephestia kuehniella) sowie der erst 2006 aus Ostasien eingeschleppte Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis).
Von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella), die in freier Natur bei uns nicht überlebensfähig aber der wohl bedeutendste Vorratsschädling ist und der einheimische Maiszünsler (Ostrinia nubilalis), der sich erst im 20. Jahrhundert an den bei uns fremdländischen Mais anpasste.


Bestimmung der Arten

Für die Bestimmung der Arten stehen mehrere Quellen zur Verfügung. Die erste umfassende Bearbeitung der in Deutschland einheimischen Zünslerarten stammt von Hannemann (1964), gefolgt von den Bearbeitungen der ostdeutschen Fauna durch Gaedike (1980), Gaedike & Petersen (1985), Petersen et al. (1973) sowie Rinnhofer (1975, 1980, 1988). Die genannten Quellen enthalten neben Textbeschreibungen, Angaben zur Lebensweise und Verbreitung der Arten schwarz-weiß Fotos der Falter und Strichzeichnungen der für die Artbestimmung wichtigen Genitalorgane. Eine neuere Zusammenfassung mit kurzen Texten, Strichzeichnungen der Genitalorgane sowie Farbabbildungen der Falter liefert Slamka (2010).
Eine Bestimmungshilfe im Internet stellt das Lepiforum bereit (Rennwald & Rodeland 2004–2013). Es enthält Farbfotos lebender Falter, die aufgrund ihrer guten Qualität in den meisten Fällen eine Bestimmung ermöglichen. Allerdings sind einige Arten nicht sicher nach äußeren Merkmalen bestimmbar.
Eine Bestimmung aller europäischer Arten wird mit den Buchreihen Microlepidoptera of Europe und Pyraloidea of Europe angestrebt. Fünf Unterfamilien der Zünsler sind im ersten Band der Pyraloidea von Microlepidoptera of Europe bearbeitet (Goater et al. 2005). Darin ist jede Art nach ihren Merkmalen beschrieben und abgebildet sowie das bekannte Wissen zur Lebensweise und Verbreitung zusammengefasst. Neun Unterfamilien sind in den ersten drei Bänden von Pyraloidea of Europe behandelt (Slamka 2006, 2008, 2013). Auch dieses Werk ist mit guten Abbildungen ausgestattet, der Text fällt sehr kurz aus.
Die Bestimmung der Larven erfolgt überwiegend anhand ihres Borstenmusters (Chaetotaxie). Dafür legte Hasenfuß (1960) für die in Deutschland vorkommenden Arten ein Buch vor, das bis heute als Standardwerk gilt.

Literatur

  • Emmet, A. M. 1991: The scientific names of the British Lepidoptera. Their history and meaning. – Harley Books, Colchester. 288 S.
  • Gaedike, R. 1980: Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Lepidoptera-Pyraustinae. – Beiträge zur Entomologie, Berlin 30 (1): 41–120.
  • Gaedike, R. & G. Petersen 1985: Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Lepidoptera-Phycitidae. – Faunistische Abhandlungen, Dresden 13 (4): 55–107.
  • Goater, B., M. Nuss & W. Speidel 2005: Pyraloidea I (Crambidae: Acentropinae, Evergestinae, Heliothelinae; Schoenobiinae, Scopariinae). 304 S. – In: P. Huemer & O. Karsholt, Microlepidoptera of Europe 4. – Apollo Books, Stenstrup.
  • Hannemann, H.-J. 1964: Kleinschmetterlinge oder Microlepidoptera II. Die Wickler (s.l.) (Cochylidae und Carposinidae). Die Zünslerartigen (Pyraloidea). i–viii, 1–401 S., Taf. 1–22. – In: Dahl, F., Die Tierwelt Deutschlands, Teil 50. – Gustav Fischer, Jena.
  • Hasenfuß, I. 1960: Die Larvalsystematik der Zünsler (Pyralidae). – Abhandlungen zur Larvalsystematik der Insekten, Berlin 5: 1–263.
  • Hübner, J. 1796–1833 [imprint "1796"]: Sammlung europäischer Schmetterlinge. 6. Horde. Die Zünsler; nach der Natur geordnet, beschrieben und vorgestellt (fortgesetzt von C. Geyer). – Augsburg. S. [i]–[iv], [i–ii], [i–ii], 1–30, [i–ii], [i–ii], Taf. 1–32.
  • Möbius, E. T. A. 1936–1937: Verzeichnis der Kleinschmetterlinge von Dresden und Umgebung. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 50 (3–4): 101–134 (19.x.1936), 167–196 (30.i.1937).
  • Nieukerken, E. J. van, L. Kaila, I. J. Kitching, N. P. Kristensen, D. C. Lees, J. Minet, C. Mitter, M. Mutanen, J. C. Regier, T. J. Simonsen, N. Wahlberg, S.-H. Yen, R. Zahiri, D. Adamski, J. Baixeras, D. Bartsch, B. Å. Bengtsson, J. W. Brown, S. R. Bucheli, D. R. Davis, J. De Prins, W. De Prins, M. E. Epstein, P. Gentili-Poole, C. Gielis, P. Hättenschwiler, A. Hausmann, J. D. Holloway, A. Kallies, O. Karsholt, A. Y. Kawahara, S. (J.C.) Koster, M. V. Kozlov, J. D. Lafontaine, G. Lamas, J.-F. Landry, S. Lee, M. Nuss, K.-T. Park, C. Penz, J. Rota, A. Schintlmeister, B. C. Schmidt, J.-C. Sohn, M. A. Solis, G. M. Tarmann, A. D. Warren, S. Weller, R. V. Yakovlev, V. V. Zolotuhin & A. Zwick 2011: Lepidoptera. – In: Zhang, Z.-Q., Animal biodiversity: An outline of higher-level classification and survey of taxonomic richness. – Zootaxa 3148.
  • Nuss, M. unter Mitarbeit von G. Baisch, W. Biesenbaum, H. Blackstein, U. Büchner, U. Deutschmann, D. Eichstädt, R. Gaedike, M. Gerstberger, T. Karisch, C. Kayser, I. Landeck, H. Leutsch, H.-J. van Loh (†), R. Mörtter, H. Pröse (†), H. Retzlaff, T. Rutten, A. Segerer, R. Seliger, W. Speidel, A. Stübner, R. Sutter, F. Theimer, H. Wegner & A. Werno 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Zünslerfalter (Lepidoptera: Pyraloidea) Deutschlands. S. 325–370. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.
  • Pähler, R. & H. Dudler 2010: Die Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe und angrenzender Gebiete in Nordhessen und Südniedersachsen. Band 1. – Eigenverlag Rudolph Pähler, Verl. 608 pp.
  • Petersen, G., G. Friese & G. Rinnhofer 1973: Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Lepidoptera-Crambidae. – Beiträge zur Entomologie, Berlin 23 (1–4): 4–55.
  • Regier, J. C., C. Mitter, M. A. Solis, J. E. Hayden, B. Landry, M. Nuss, T. J. Simonsen, S.-H. Yen , A. Zwick & M. P. Cummings 2012: A molecular phylogeny for the pyraloid moths (Lepidoptera: Pyraloidea) and its implications for higher-level classification. – Systematic Entomology, London 37 (4): 635–656.
  • Rinnhofer, G. 1975: Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Lepidoptera-Pyralidae. – Beiträge zur Entomologie, Berlin 25 (2): 227–238.
  • Rinnhofer, G. 1980: Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Lepidoptera-Scopariinae. – Beiträge zur Entomologie, Berlin 30 (1): 121–136.
  • Rinnhofer, G. 1988: Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Lepidoptera-Nymphulinae, Schoenobiinae, Acentropidae. – Beiträge zur Entomologie, Berlin 38 (1): 169–182.
  • Schmeller, J. A. 1837: Bayerisches Wörterbuch. Vierter Theil, enthaltend die Buchstaben W und Z: 1-310, I-XXXII. – Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen.
  • Slamka, F. 2006: Pyralinae, Galleriinae, Epipaschiinae, Cathariinae & Odontiinae. – Pyraloidea of Europe, Bratislava 1: 1–138.
  • Slamka, F. 2008: Crambinae & Schoenobiinae. – Pyraloidea of Europe, Bratislava 2: 1–223.
  • Slamka, F. 2010: Pyraloidea (Lepidoptera) Mitteleuropas. Bestimmung, Verbreitung, Habitat, Bionomie. – Bratislava. 112 S. 
  • Slamka, F. 2013: Pyraustinae & Spilomelinae. – Pyraloidea of Europe, Bratislava 3: 1–357.

Links

  • Nuss, M., B. Landry, F. Vegliante, A. Tränkner, R. Mally, J. Hayden, F. Bauer, A. Segerer, H. Li, R. Schouten, M. A. Solis, T. Trofimova, J. De Prins & W. Speidel 2003–2014: Global Information System on Pyraloidea. – www.pyraloidea.org
  • Rennwald, E. & J. Rodeland 2004–2013: Lepiforum: Bestimmung von Schmetterlingen (Lepidoptera) und ihren Präimaginalstadien. – http://www.lepiforum.de

 

 

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 12.04.2015
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